{"id":107698,"date":"2018-02-18T10:30:13","date_gmt":"2018-02-18T10:30:13","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/02\/strunk-03-2018fr\/"},"modified":"2024-04-02T16:37:19","modified_gmt":"2024-04-02T14:37:19","slug":"strunk-03-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/02\/strunk-03-2018\/","title":{"rendered":"Das Wohnangebot ist ausreichend"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren wurden in der Schweiz j\u00e4hrlich \u00fcber 50\u2019000 Wohnungen gebaut. Durch die hohe Zuwanderung zwischen 2008 und 2012 sind diese Wohnungen auf eine grosse Nachfrage gestossen. Seit 2013 ist die Zuwanderung jedoch deutlich zur\u00fcckgegangen, die Zahl der neu gebauten Wohnungen blieb hingegen gleich hoch. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Bauboom sind unter anderem das tiefe Zinsniveau und der sogenannte Anlagenotstand. Dieser f\u00fchrt dazu, dass Investitionen in Immobilien weiterhin attraktiv erscheinen, auch wenn die Gefahr besteht, dass einige Wohnungen leer stehen.<\/p>\n<p>Der Stabilit\u00e4tsindikator des Beratungsunternehmens W\u00fcest Partner zeigt, dass sich der Mietwohnungsmarkt seit 2015 von einem Vermieter- zu einem Mietermarkt gewandelt hat, der die Verhandlungsposition der Mieter st\u00e4rkt. Dies zeigt auch die Leerstandsziffer: Sie ist seit dem Jahr 2000 kontinuierlich angestiegen und betrug im Juni 2017 f\u00fcr die Gesamtschweiz 1,47 Prozent, was 52\u2019000 leer stehenden Wohnungen entspricht. Laut Bundesamt f\u00fcr Statistik lag die Leerwohnungsziffer in den Kantonen Solothurn, Schaffhausen, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Aargau, Thurgau, Wallis und Jura sogar \u00fcber der 2-Prozent-Marke. Auch die Zahl der auf Vermietungsportalen angebotenen Mietwohnungen hat in den letzten Jahren zugenommen: Gem\u00e4ss W\u00fcest Partner wurden 2017 pro Quartal etwa 150\u2019000 Wohnungen angeboten. Das entspricht rund 450\u2019000 Wohnungswechseln j\u00e4hrlich. Dass das Wohnangebot steigt, zeigt auch die Angebotsziffer, welche die Wohnungsinserate dem gesamten Mietwohnungsbestand gegen\u00fcberstellt. Sie betr\u00e4gt heute 6,8 Prozent. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag sie noch bei 5,2 Prozent.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<h2>\u00dcberangebot in den Berggebieten<\/h2>\n<p>Vergleicht man den Mittellandbogen mit den Berggebieten, l\u00e4sst sich eine regelrechte Zweiteilung des Wohnungsmarkts feststellen. Das Bev\u00f6lkerungswachstum konzentriert sich auf das Mittelland, w\u00e4hrend die Bev\u00f6lkerung in den Bergen abnimmt. Die Angebotsmieten in den Tourismusgemeinden sind zwischen 2015 und 2017 um 8,6 Prozent zur\u00fcckgegangen. W\u00fcest Partner erkl\u00e4rt dies damit, dass nach der Abstimmung \u00fcber das Zweitwohnungsgesetz die M\u00e4rkte dort nicht nur mit Ferienwohnungen, sondern auch mit Mietwohnungen \u00fcberflutet wurden, da viele Gemeinden den Bau von Ferienwohnungen an den Bau von Mietwohnungen f\u00fcr Einheimische gekn\u00fcpft hatten. Infolge der Herausforderungen in der Tourismus- und Baubranche und der daraus folgenden Abwanderung stehen viele dieser Wohnungen nun leer.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Anders sieht es auf dem Markt f\u00fcr Wohneigentum aus. Dort halten sich Nachfrage und Angebot einigermassen die Waage, obwohl die Hypothekarzinsen sehr tief sind, was Wohneigentum attraktiv macht. Doch die Preise sind sehr hoch, und die Finanzierungsregeln wurden 2014 durch die Finanzmarktaufsicht so versch\u00e4rft, dass die Nachfrage nach Wohneigentum stark einged\u00e4mmt wurde. Zudem wird weniger im Eigentumssegment gebaut, der Hauptanteil neu gebauter Wohnungen entf\u00e4llt auf das Mietsegment.<\/p>\n<h2>Regionale Strategien gesucht<\/h2>\n<p>Wenn man \u00fcber das Wohnangebot in der Schweiz spricht, muss man zwischen den Entwicklungen in den verschiedenen Regionen unterscheiden. Neben Regionen, wo hohe Leerst\u00e4nde herrschen und die Vermarktungsdauer von Wohnungen deutlich zugenommen hat, ist die Nachfrage nach Wohnraum in St\u00e4dten wie Genf, Basel oder Z\u00fcrich unvermindert hoch. Die Herausforderung besteht also haupts\u00e4chlich darin, den vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen. Es braucht daher keine gesamtschweizerischen Massnahmen, sondern regional angepasste Strategien.<\/p>\n<p>Insbesondere in den st\u00e4dtischen Gebieten sollte das verdichtete Bauen vorangetrieben werden. Dazu braucht es eine Lockerung der Vorschriften in den Bauzonenordnungen wie h\u00f6here Ausn\u00fctzungsziffern sowie Erleichterungen bei der Umnutzung von B\u00fcrofl\u00e4chen als Wohnraum. Um die Akzeptanz der baulichen Verdichtung zu erh\u00f6hen, sollte auch die Bev\u00f6lkerung in die Planung einbezogen werden, und die Qualit\u00e4t der Bebauungen muss besser werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">W\u00fcest Partner (2018). Immo-Monitoring 2018.1.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">W\u00fcest Partner (2018). Immo-Monitoring 2018.1: 28.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren wurden in der Schweiz j\u00e4hrlich \u00fcber 50\u2019000 Wohnungen gebaut. Durch die hohe Zuwanderung zwischen 2008 und 2012 sind diese Wohnungen auf eine grosse Nachfrage gestossen. Seit 2013 ist die Zuwanderung jedoch deutlich zur\u00fcckgegangen, die Zahl der neu gebauten Wohnungen blieb hingegen gleich hoch. 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