{"id":107730,"date":"2017-12-21T11:01:48","date_gmt":"2017-12-21T11:01:48","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/12\/macdonald-01-02-2018\/"},"modified":"2023-08-23T23:03:46","modified_gmt":"2023-08-23T21:03:46","slug":"macdonald-01-02-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/12\/macdonald-01-02-2018\/","title":{"rendered":"Arbeitskr\u00e4fte auf den Wandel vorbereiten"},"content":{"rendered":"<p>Neue Technologien ver\u00e4ndern unsere Gesellschaft. Entsprechend m\u00fcssen sich die Arbeitskr\u00e4fte an die Anforderungen anpassen, die mit den rasanten Fortschritten in der Computertechnologie verbunden sind. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise die k\u00fcnstliche Intelligenz, die Robotertechnik, das Internet der Dinge sowie Onlineplattformen. All diese Ver\u00e4nderungen haben die Diskussion \u00fcber eine drohende \u00abtechnologisch bedingte Arbeitslosigkeit\u00bb entfacht: Vernichtet Spitzentechnologie Arbeitspl\u00e4tze, ohne dass neue Stellen geschaffen werden?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Debatte ist nicht neu.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> In der Vergangenheit haben technologische Ver\u00e4nderungen bislang stets neue Arbeitsformen und zus\u00e4tzliche Arbeitspl\u00e4tze geschaffen. Zwar l\u00f6ste der Bau von Fabriken w\u00e4hrend der industriellen Revolution in England Unruhen aus, da dadurch die Arbeitspl\u00e4tze vieler Weber und anderer Handwerker vernichtet wurden \u2013 doch gleichzeitig wurden neue Stellen f\u00fcr Fabrikarbeiter, Buchhalter und Mechaniker geschaffen. Solche Innovationssch\u00fcbe haben die Arbeit ver\u00e4ndert, und die Verbreitung von Robotern und k\u00fcnstlicher Intelligenz wird voraussichtlich den gleichen Effekt haben. Die Siri-Schnittstelle von Apple und die Gameshow-Dominanz der IBM-Software Watson zeugen vom Tempo der Fortschritte der k\u00fcnstlichen Intelligenz.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Mehr hoch qualifizierte Jobs<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nJ\u00fcngste technologische Fortschritte wirken sich bereits auf den Arbeitsmarkt aus: Stellen mit mittleren Qualifikationsanforderungen, die einen grossen Anteil von Routineaufgaben beinhalten, fallen zusehends weg. Hingegen steigt der Bedarf an hoch qualifizierten Jobs (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Die Folgen dieser Verlagerungen sind noch ungewiss \u2013 insbesondere, weil sie im Zusammenhang mit anderen Megatrends wie beispielsweise der zunehmenden Globalisierung und dem demografischen Wandel aufgrund einer alternden Erwerbsbev\u00f6lkerung auftreten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBesonders bedroht sind Routinearbeiten in der Produktion und im B\u00fcro.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Die klar definierten Aufgaben dieser Arbeitskr\u00e4fte k\u00f6nnen problemlos von modernen Automaten \u00fcbernommen werden, da sie weder komplexe Probleml\u00f6sungskompetenzen noch soziale F\u00e4higkeiten verlangen \u2013 wie dies beispielsweise bei Managern oder Pflegefachpersonen der Fall ist.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1. Ver\u00e4nderung der Anteile von hoch, mittel und tief qualifizierten Arbeitspl\u00e4tzen in der Schweiz, in Deutschland und der OECD (1995 bis 2015, in Prozentpunkten)&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"><div class='chart chart--normal' id='1-2_2018_MacDonald_Abb1_DE'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#1-2_2018_MacDonald_Abb1_DE').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['Schweiz', 'OECD', 'Deutschland']\n    }, \n    credits: {\n        enabled: false\n    },\n    series: [{\n        name: 'Hoch qualifiziert',\n        data: [15.57, 7.60, 4.74]\n    }, {\n        name: 'Mittel qualifiziert',\n        data: [-15.56, -9.52, -8.16]\n    }, {\n        name: 'Gering qualifiziert',\n        data: [-0.01, 1.93, 3.42]\n    }  ],\n    \n    \n     yAxis: [{ \n            labels: {\n                format: '{value}'\n                \n            },  title: {\n                text: ' '\n            } }\n    \n    ]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: (OECD 2017a) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie bisherige Forschung hat versucht, die Auswirkungen neuer Technologien auf das Automatisierungsrisiko zu quantifizieren, um die am st\u00e4rksten betroffenen Bereiche zu bestimmen. Eine Studie der Universit\u00e4t Oxford sch\u00e4tzt, dass in den USA in den n\u00e4chsten 20 Jahren beinahe die H\u00e4lfte aller Arbeitspl\u00e4tze automatisiert werden kann.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Diese Sch\u00e4tzungen sind alarmierend und deuten darauf hin, dass bald auch T\u00e4tigkeiten im Dienstleistungssektor von der Roboterisierung tangiert sein werden, nachdem diese von den negativen Auswirkungen der Automatisierung lange verschont geblieben sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDoch es sind nicht alle Arbeitspl\u00e4tze gleichermassen betroffen. Entsprechend variiert das Risiko, die Stelle an einen Roboter zu verlieren, je nach Aufgaben und Kompetenzen. Im Rahmen neuerer Forschungsarbeiten der OECD, die auf der erw\u00e4hnten Oxford-Studie beruhen, wurde untersucht, wie individuelle Unterschiede gegebenenfalls das Automatisierungsrisiko verringern.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Im Vergleich zur Oxford-Studie sind die Ergebnisse dieser neusten Untersuchung weniger dramatisch: Bei 14\u00a0Prozent der Arbeitspl\u00e4tze in den OECD-L\u00e4ndern besteht ein \u00abhohes Automatisierungsrisiko\u00bb. Obwohl diese Sch\u00e4tzungen tiefer als fr\u00fchere Prognosen liegen, sagen sie ebenfalls grosse Herausforderungen voraus, da bei rund einem Drittel der Stellen ein \u00absignifikantes Risiko\u00bb von Ver\u00e4nderungen besteht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Risiko eines Jobverlusts durch Automatisierung h\u00e4ngt stark von der Ausbildung und von der technologischen Kompetenz ab. Am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdet sind Arbeitnehmende mit einer verh\u00e4ltnism\u00e4ssig geringen Qualifikation. Eine bessere Ausbildung ist zwar kein Garant f\u00fcr eine Arbeitsstelle, doch sie erh\u00f6ht die Chance, einen Job zu finden.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Dabei spielt die Art der Ausbildung eine wesentliche Rolle. So sind Arbeitskr\u00e4fte mit einem Abschluss in den sogenannten Mint-F\u00e4chern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik weniger von einem Stellenverlust bedroht als beispielsweise Rechtsanw\u00e4lte \u2013 denn auch in diesem prestigetr\u00e4chtigen Beruf k\u00f6nnen die Vorarbeiten f\u00fcr Klagen, f\u00fcr die bislang Nachwuchskr\u00e4fte zust\u00e4ndig waren, ebenso gut von maschinellen Lernalgorithmen durchgef\u00fchrt werden.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a><strong>&#13;<br \/>\n<\/strong>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Technologiebedingte Arbeitslosigkeit nicht zwingend<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei neuen Technologien k\u00f6nnen Spill-over-Effekte auftreten. W\u00e4hrend in einer Abteilung der Bedarf an Arbeitnehmenden sinkt, ben\u00f6tigt eine andere Abteilung mehr Arbeitskr\u00e4fte.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> So kann eine technologiebedingte Produktivit\u00e4tssteigerung \u2013 welche es erm\u00f6glicht, Waren und Dienstleistungen mit Arbeitskr\u00e4ften kosteng\u00fcnstiger herzustellen \u2013 den Anreiz verringern, auch die verbliebenen Stellen von anderen Arbeitern zu automatisieren.<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> Das Ph\u00e4nomen ist in der \u00d6konomie als Jevons&#8216; Paradoxon bekannt: Durch die technische Effizienz verringern sich die Produktionskosten, wodurch sich wiederum die Nachfrage erh\u00f6ht. Allgemein f\u00fchren solche indirekten Nachfrageeffekte zur Schaffung zus\u00e4tzlicher Stellen mit hohen Qualifikationsanforderungen. Mit anderen Worten: Der zunehmende Fortschritt erh\u00f6ht die Nachfrage nach qualifizierten Angestellten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBis das Potenzial einer neuen Technologie erkannt wird, k\u00f6nnen Jahre verstreichen. Die Akzeptanz einer technologischen Neuerung dauert manchmal noch l\u00e4nger. So sehen die Europ\u00e4er beispielsweise die Zusammenarbeit von Robotern und Menschen positiv, oder sie sprechen sich zumindest nicht dagegen aus. Doch den meisten Europ\u00e4ern ist es nach wie vor unwohl beim Gedanken, dass ein Roboter selbstst\u00e4ndig bestimmte Aufgaben ausf\u00fchrt \u2013 wie zum Beispiel einen medizinischen Eingriff (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Solange in der Bev\u00f6lkerung solche Widerst\u00e4nde bestehen, wird es in einigen Bereichen schwierig sein, gen\u00fcgend Akzeptanz f\u00fcr den Einsatz von Robotern zu finden.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2.\u00a0 Befragung zu Robotern am Arbeitsplatz (EU-28, 2017)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='1-2_2018_MacDonald_Abb2_DE'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#1-2_2018_MacDonald_Abb2_DE').highcharts({\n\n    chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['Ein Roboter f\u00fchrt bei Ihnen einen medizinischen Eingriff durch', 'Ein Roboter unterst\u00fctzt Sie bei der Arbeit', 'Ein Roboter erbringt Dienstleistungen f\u00fcr Sie und leistet Ihnen Gesellschaft bei Pflegebed\u00fcrftigkeit oder im Alter']\n    }, \n    credits: {\n        enabled: false\n    },\n    series: [{\n        name: 'Unwohl',\n        data: [53.3, 24.4, 46.7]\n    }, {\n        name: 'Kein Problem',\n        data: [18.8, 38.8, 22.2]\n    }],\n    \n    \n     yAxis: [{ \n            labels: {\n                format: '{value}%'\n                \n            },  title: {\n                text: ' '\n  } }\n    \n    ]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Eurobarometer (2017) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Arbeitsplattformen erh\u00f6hen Flexibilit\u00e4t<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Innovationen ver\u00e4ndern nicht nur die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze, sondern auch deren Struktur. Internetplattformen wie Uber, Lyft, Mechanical Turk und Task Rabbit, welche Auftr\u00e4ge (\u00abGigs\u00bb) vermitteln, geben dank einer effizienteren Abstimmung von Angebot und Nachfrage gewissen Arbeitskr\u00e4ften die M\u00f6glichkeit, entweder ihr Einkommen zu steigern oder flexibler zu arbeiten. Diese neuen Jobs der Plattform\u00f6konomie sind mittlerweile weitverbreitet. Gem\u00e4ss einer US-Untersuchung hat die Zahl der \u00abGig Worker\u00bb von 2010 bis 2014 um 48\u00a0Prozent zugenommen. In den Bereichen Fahrdienstleistungen und Zimmervermietung erh\u00f6hte sich das Volumen im gleichen Zeitraum um 10\u00a0Prozent.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nArbeitspl\u00e4tze innerhalb der Plattform\u00f6konomie beruhen mehr auf atypischer Arbeit als traditionelle Stellen. Beispielsweise erm\u00f6glichen sie den Erwerbst\u00e4tigen st\u00fcckweises Arbeiten. W\u00e4hrend Aufgaben fr\u00fcher zu einer Arbeitsstelle f\u00fcr einen Erwerbst\u00e4tigen zusammengefasst wurden, k\u00f6nnen sie nun aufgeteilt und an mehrere Personen vergeben werden. Dies bedeutet mehr Flexibilit\u00e4t f\u00fcr Arbeitgebende und Arbeitnehmende, l\u00e4sst aber auch Bedenken zur Arbeitsplatzqualit\u00e4t aufkommen. Vor allem ist nicht in allen F\u00e4llen klar, wie solche Erwerbst\u00e4tige einzustufen sind: Z\u00e4hlen sie als Selbstst\u00e4ndigerwerbende oder als Angestellte? Zudem ist teilweise unklar, wie der Schutz und die Rechte, die normalen abh\u00e4ngigen Besch\u00e4ftigten einger\u00e4umt werden, auf Plattform-Arbeitskr\u00e4fte erweitert werden k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ungleichheit nimmt zu&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend der Anteil der Arbeit am Einkommen sinkt, steigt der Einfluss der Kapitaleigent\u00fcmer. Damit verbunden ist das Risiko, dass die Einkommensungleichheit weiter zunimmt. Dies ist in vielen OECD-L\u00e4ndern bereits der Fall.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZwar ist die zunehmende Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften f\u00fcr entsprechend ausgebildete Erwerbst\u00e4tige positiv. Gleichzeitig hat das mangelnde Wachstum bei den Stellen mit mittleren Qualifikationsanforderungen zu einem h\u00e4rteren Wettbewerb um die Stellen f\u00fcr gering qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte gef\u00fchrt. Dies wiederum verringert den Lohnzuwachs an diesem Ende des Spektrums. Wenn im weiteren Verlauf kein markanter Kurswechsel vorgenommen wird, werden deshalb in erster Linie die Kapitaleigner \u2013 seien dies nat\u00fcrliche oder juristische Personen \u2013 von der technologischen Entwicklung profitieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEntscheidend ist, dass die k\u00fcnftigen Arbeitskr\u00e4fte \u00fcber die notwendigen Kompetenzen verf\u00fcgen, einschliesslich der richtigen Ausbildung. Diesbez\u00fcglich ist die Ausgangslage in vielen L\u00e4ndern derzeit alles andere als gut. \u00dcber die H\u00e4lfte der Erwachsenen in den OECD-Staaten verf\u00fcgt in Bezug auf Informations- und Kommunikationstechnologien nicht \u00fcber die grundlegenden Kompetenzen, die f\u00fcr elementare Aufgaben, wie beispielsweise die Informationssuche auf einer Website, erforderlich sind.<a href=\"#footnote_11\" id=\"footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor\">[11]<\/a> Weitere 14\u00a0Prozent verf\u00fcgen \u00fcber gar keine Computererfahrung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit einer angemessenen Arbeitsmarktpolitik muss sichergestellt werden, dass Arbeitskr\u00e4fte, die aufgrund der technologischen Entwicklung ihre Stelle verlieren, problemlos einen neuen Arbeitsplatz finden und nicht in die Armut abgleiten. M\u00f6glicherweise ist die heutige Arbeitsmarktpolitik grunds\u00e4tzlich ausreichend und bedarf lediglich einiger geringf\u00fcgiger Anpassungen. Vielleicht ist aber auch eine umfassende \u00dcberarbeitung erforderlich. Einzelne L\u00e4nder haben j\u00fcngst nach neuen L\u00f6sungsans\u00e4tzen gesucht. Beispielsweise haben Finnland sowie einige subnationale Gebietsk\u00f6rperschaften in Kanada und in den Niederlanden mit einer Art Grundeinkommen experimentiert. Allerdings gibt es noch offene Fragen zu den Kosten des Programms und zur M\u00f6glichkeit, die Unterst\u00fctzungsleistungen den am st\u00e4rksten benachteiligten Bev\u00f6lkerungsgruppen zukommen zu lassen.<a href=\"#footnote_12\" id=\"footnote-anchor_12\" class=\"inline-footnote__anchor\">[12]<\/a> Frankreich, wiederum, hat ein \u00abErwerbst\u00e4tigkeitskonto\u00bb eingef\u00fchrt, in welchem Arbeitskr\u00e4fte w\u00e4hrend ihrer beruflichen Laufbahn \u2013 unabh\u00e4ngig vom Arbeitgeber \u2013 Fortbildungsanrechte sammeln k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Fairer Arbeitsmarkt<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch f\u00fcr jene Staaten, die keine Experimente w\u00fcnschen, sind wirtschaftspolitische L\u00f6sungen vorhanden. Regierungen k\u00f6nnen beispielsweise den Arbeitsmarkt ausgewogener gestalten, indem sie den sozialen Dialog f\u00f6rdern sowie die Rechte und den Schutz f\u00fcr alle Erwerbst\u00e4tigen ausbauen. Um einen flexiblen Stellenmarkt zu gew\u00e4hrleisten, k\u00f6nnen die politischen Entscheidungstr\u00e4ger die Unterschiede bei den Entlassungskosten zwischen den verschiedenen Vertragsarten reduzieren und die Steuerbelastung von den Lohnsteuern zu den Ertrags- oder Konsumsteuern verlagern. Wenn diese politischen Massnahmen mit einer wirksamen Aktivierungspolitik, einer angemessenen Einkommensbeihilfe f\u00fcr Arbeitslose und einem Fokus auf das lebenslange Lernen kombiniert werden, tragen sie m\u00f6glicherweise dazu bei, die Arbeit reibungslos den am besten geeigneten Bereichen zuzuweisen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese politischen Massnahmen lassen sich nicht als Einheitsl\u00f6sung umsetzen. In jedem Land m\u00fcssen die politischen Entscheidungstr\u00e4ger die Bereitschaft der B\u00fcrger beurteilen. Sie m\u00fcssen sich fragen: Wo stehen wir? Wo liegt das Ziel? Die Antworten werden unterschiedlich ausfallen und dazu beitragen, einen Plan f\u00fcr die erforderliche Entwicklung zu erarbeiten. Letztlich gibt es keine unvermeidlichen Ergebnisse: Wir entscheiden selber, wie wir unsere k\u00fcnftige Arbeitswelt gestalten wollen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Autor (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Goos et al. (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Frey und Osborne (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Arntz et al. (2016); OECD (2017d).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">OECD (2017c).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Remus und Levy (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Autor und Salmons (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Acemoglu und Restrepo (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Hathaway und Murno (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Keeley (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_11\" class=\"footnote--item\">OECD (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_12\" class=\"footnote--item\">OECD (2017b).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_12\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Technologien ver\u00e4ndern unsere Gesellschaft. 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The History and Future of Workplace Automation, in: Journal of Economic Perspectives, 29\/3: 3\u201330.<\/li>&#13;\n \t<li>Autor, D. und Salomons, A. (2017). Robocalypse Now \u2013 Does Productivity Growth Threaten Employment? NBER.<\/li>&#13;\n \t<li>Eurobarometer (2017). Attitudes Towards the Impact of Digitisation and Automation on Daily Life.<\/li>&#13;\n \t<li>Frey, C. und M. Osborne (2013). The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation? Oxford Martin School Working Paper.<\/li>&#13;\n \t<li>Goos, M., Manning, A. und Salomons, A. (2014). Explaining Job Polarization: Routine-biased Technological Change and Offshoring, American Economic Review, 104\/8: 2509\u20132526.<\/li>&#13;\n \t<li>Hathaway, I. und Murno, M. (2016). <a href=\"https:\/\/www.brookings.edu\/research\/tracking-the-gig-economy-new-numbers\/\">Tracking the Gig Economy: New Numbers<\/a>, Brookings Institute.<\/li>&#13;\n \t<li>Keeley, B. (2015). <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1787\/9789264246010-en\">Income Inequality: The Gap Between Rich and Poor<\/a>, OECD Publishing, Paris.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2013). <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1787\/9789264204256-en\">OECD Skills Outlook 2013: First Results from the Survey of Adult Skills.<\/a><\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2017a). <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1787\/empl_outlook-2015-en\">OECD Employment Outlook 2017<\/a>, Paris.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2017b). <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/els\/emp\/Basic-Income-Policy-Option-2017.pdf\">Basic Income as a policy option: Can It Add Up?<\/a>, Paris.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2017c). <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1787\/9789264277892-en\">Getting Skills Right: Good Practice in Adapting to Changing Skill Needs?<\/a>, Paris.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2017d). <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.2139\/ssrn.2701092\">Automation, Skills Use, and Training<\/a>, Paris. Erscheint demn\u00e4chst.<\/li>&#13;\n \t<li>Remus, D. und Levy, F. S. (2016). Can Robots Be Lawyers? Computers, Lawyers, and the Practice of Law.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":107733,"main_focus":[156289,157012],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":107737,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"74244","post_abstract":"Die Verbreitung von k\u00fcnstlicher Intelligenz und von anderen Technologien wird sich tiefgreifend auf die Arbeitswelt auswirken. W\u00e4hrend der Bedarf an hoch qualifizierten Jobs steigt, sind Routinet\u00e4tigkeiten in der Produktion und im B\u00fcro besonders vom Abbau bedroht. Gut positioniert sind Techniker und Informatiker. Dank Internetplattformen wie Uber oder Mechanical Turk steigt die Flexibilit\u00e4t der Arbeitskr\u00e4fte. Gleichzeitig nimmt in den OECD-Staaten die Einkommensungleichheit zu. Damit die Besch\u00e4ftigten diesen Wandel m\u00f6glichst problemlos bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Regierungen gew\u00e4hrleisten, dass die Arbeitskr\u00e4fte auf diese Entwicklungen gut vorbereitet sind. Dazu m\u00fcssen die Staaten die erforderlichen Instrumente und Mechanismen zur Verf\u00fcgung stellen. 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