{"id":107899,"date":"2017-12-21T10:30:31","date_gmt":"2017-12-21T10:30:31","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/12\/lampart-01-02-2018\/"},"modified":"2024-04-02T16:38:21","modified_gmt":"2024-04-02T14:38:21","slug":"lampart-01-02-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/12\/lampart-01-02-2018\/","title":{"rendered":"Digitalisierung muss Berufst\u00e4tigen n\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung ist schon lange im Gang. Bereits zu Beginn der Neunzigerjahre gab es in der Schweiz eine Million Bildschirmarbeitspl\u00e4tze. Seither sind Computer und die Verarbeitung grosser Mengen von Daten in Branchen wie Banken, Versicherungen, Kommunikation und Logistik selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Beim Wort \u00abDigitalisierung\u00bb denken die meisten Menschen vor allem an den verst\u00e4rkten Einsatz von Computern und Robotern in den Firmen. Und an die Vergabe von Jobs und Auftr\u00e4gen \u00fcber Internetplattformen (\u00abUberisierung\u00bb, \u00abCrowdworking\u00bb). Tats\u00e4chlich sind aber die Verlagerung von B\u00fcroarbeitspl\u00e4tzen ins Ausland, das Wachstum des Internethandels oder die Verschiebung von Gesch\u00e4ften ins Internet ebenso bedeutend. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die verst\u00e4rkte Onlinewerbung. Auch drohen sich Arbeit und Freizeit zu vermischen, und die Arbeit wird dichter. Mehr Stress entsteht.<\/p>\n<p>In der Wirtschaftsgeschichte gab es immer gr\u00f6ssere technologische Ver\u00e4nderungen. Dieser Wandel verlief f\u00fcr die Mehrheit der Arbeitnehmenden positiv. Weil sie sich organisiert und f\u00fcr gute L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen gek\u00e4mpft haben. Weil gute Aus- und Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten entstanden sind. Und weil viele Arbeitgeber ihre soziale Verantwortung wahrgenommen haben. Doch f\u00fcr die unmittelbar Betroffenen war der Wandel teilweise hart. In der Digitalisierungswelle in der zweiten H\u00e4lfte der Neunzigerjahre gab es traurige Schicksale von \u00e4lteren B\u00fcroangestellten, die dauerhaft arbeitslos wurden. Dass die Arbeitslosigkeit ab 1997 insgesamt aber sp\u00fcrbar zur\u00fcckging, war auf den Konjunkturaufschwung und das damit verbundene Stellenwachstum sowie auf gute Fr\u00fchpensionierungsl\u00f6sungen f\u00fcr \u00e4ltere Mitarbeitende zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<h2><strong>Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge und Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten<\/strong><\/h2>\n<p>Heute ist die Situation schwieriger. Die Besch\u00e4ftigung stagniert weitgehend, und die Leistungen der zweiten S\u00e4ule sind im Krebsgang. Die F\u00fchrungsetagen der Firmen sind r\u00fccksichtsloser geworden. Auch aus Organisationen wie dem Gewerbeverband kommen Kampfparolen, die Arbeitszeiten zu erh\u00f6hen und so die Berufst\u00e4tigen erstmals in der Wirtschaftsgeschichte nicht mehr an den Fr\u00fcchten der Produktivit\u00e4tssteigerungen zu beteiligen. Das alles zeigt: Es braucht ein st\u00e4rkeres wirtschaftspolitisches Engagement, um negative Entwicklungen der Digitalisierung zu verhindern.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gewerkschaften ist klar: Die Digitalisierung muss den Berufst\u00e4tigen n\u00fctzen. Sie fordern deshalb unter anderem:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Arbeitszeitverk\u00fcrzungen und Lohnerh\u00f6hungen im Einklang mit der Produktivit\u00e4tsentwicklung, Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge mit Mindestl\u00f6hnen sowie Aus- und Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten in gef\u00e4hrdeten Branchen wie Detailhandel, Journalismus, Taxigewerbe sowie Versicherung und Banken;<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Arbeitsplatzgarantien bei Stellenverlusten, aktive Unterst\u00fctzung bei der Stellensuche, einen besseren K\u00fcndigungsschutz f\u00fcr langj\u00e4hrige \u00e4ltere Arbeitnehmende und Fr\u00fchpensionierungen zu guten Bedingungen;<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>eine Kontrolloffensive gegen digitale Schwarzarbeit und arbeitsrechtliche Missbr\u00e4uche, Regelungen f\u00fcrs Homeoffice, wo Gesetzesl\u00fccken im Arbeitnehmerschutz bestehen, z. B. in den Bereichen Gesundheit und Materialkosten sowie bei Haftungsfragen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um den Herausforderungen der Digitalisierung gewachsen zu sein, braucht es eine weitere Offensive bei der Aus- und Weiterbildung. Die Kantone und die Arbeitgeber sollen endlich ausreichend Angebote f\u00fcr Erwachsene schaffen (Validation, Nachholbildung usw.) und mitfinanzieren. Finanziert werden kann diese Bildungsoffensive mit ausreichend hohen Gewinnsteuern der Firmen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung ist schon lange im Gang. Bereits zu Beginn der Neunzigerjahre gab es in der Schweiz eine Million Bildschirmarbeitspl\u00e4tze. Seither sind Computer und die Verarbeitung grosser Mengen von Daten in Branchen wie Banken, Versicherungen, Kommunikation und Logistik selbstverst\u00e4ndlich. 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