{"id":107909,"date":"2017-12-21T10:30:11","date_gmt":"2017-12-21T10:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/12\/friedli-01-02-2018fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:04:16","modified_gmt":"2023-08-23T21:04:16","slug":"friedli-01-02-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/12\/friedli-01-02-2018\/","title":{"rendered":"Jedes zweite Produktionsunternehmen erw\u00e4gt Verlagerung ins Ausland"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist weltweit bekannt f\u00fcr Innovation und Zuverl\u00e4ssigkeit. Viele Schweizer Produkte sind hoch angesehen und haben Qualit\u00e4tsmassst\u00e4be gesetzt. Ob es sich dabei um Nahrungsmittel, Messer, hochmoderne Anlagen und Maschinen oder Luxusuhren handelt \u2013 Kunden aus allen L\u00e4ndern vertrauen auf die Hochwertigkeit von Schweizer Produkten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Rahmen des \u00abSwiss Manufacturing Survey\u00bb<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> hat die Universit\u00e4t St. Gallen im Fr\u00fchjahr 2017 247 Unternehmen des produzierenden Gewerbes zu Aspekten der Schweizer Produktion befragt (siehe <em>Kasten<\/em>). Die Umfrage zeigt: W\u00e4hrend die Mehrheit der produzierenden Unternehmen den Schweizer Standort festigen will, steht fast die H\u00e4lfte vor der Entscheidung, die Schweiz zu verlassen. 46 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen ziehen in den n\u00e4chsten drei Jahren Verlagerungen und Outsourcing der Produktion ins Ausland in Erw\u00e4gung. Als m\u00f6gliche Zielregionen werden vor allem Osteuropa, China und Westeuropa genannt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Abwanderung sind vielf\u00e4ltig. Wie erwartet stellen die hohen Personalkosten in der Schweiz die gr\u00f6sste H\u00fcrde f\u00fcr die Studienteilnehmer dar, wenn es darum geht, in der Schweiz zu produzieren. Auch der Wechselkurs wird als grosses Hindernis angesehen, besonders von grossen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern in der Schweiz. Mangelnde Auftr\u00e4ge und Budgeteinschr\u00e4nkungen betreffen eher KMU mit weniger als 250 Mitarbeitern, grosse Firmen scheinen damit weniger Probleme zu haben. Interessant ist zudem, dass die Unternehmen die geringen B\u00fcrokratieaufwendungen nicht als besonderes Merkmal des Standorts Schweiz sehen \u2013 entgegen dem Ruf der Schweiz, eine sehr wirtschaftsfreundliche Verwaltung zu haben.&#13;<\/p>\n<h2>Unterschiedlich wichtige Standortfaktoren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie genannten H\u00fcrden haben einen erheblichen Einfluss auf die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Unternehmen. Diese h\u00e4ngt insbesondere von Standortfaktoren, wie beispielsweise den Kosten und dem regulatorischen Umfeld, ab. W\u00e4hrend in der Theorie die Standortfaktoren h\u00e4ufig nur in \u00abMarktn\u00e4he\u00bb, \u00abZugang zu niedrigen Fertigungskosten\u00bb sowie \u00abZugang zu Wissen\u00bb klassifiziert werden<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>, nennen produzierende Unternehmen oft weitere Faktoren wie die N\u00e4he zu den Lieferanten, lokale Technologien, Transport- und Logistikkosten, den Zugang zu g\u00fcnstiger Energieversorgung, die \u00dcberwindung zoll- und nicht tarif\u00e4rer Barrieren oder die Nutzung von Wechselkurseffekten.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Eine Priorisierung der Standortfaktoren ist allerdings nicht m\u00f6glich, da diese entweder von Unternehmen zu Unternehmen oder sogar von Produktionswerk zu Produktionswerk variiert. Ist beispielsweise f\u00fcr den einen Werkplatz die Kundenn\u00e4he ein dominierender Aspekt, so ist er f\u00fcr andere Standorte, an denen nur Zwischenprodukte hergestellt werden, kaum relevant. Allerdings kann sich die Bedeutung von Standortfaktoren im Laufe der Zeit \u00e4ndern. Einige Unternehmen berichten beispielsweise, dass Standorte, die urspr\u00fcnglich noch wegen Kostenvorteilen gew\u00e4hlt wurden, heutzutage potenzielle Wissens- und Lernquellen sind.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNationale Differenzen hinsichtlich dieser Faktoren veranlassen Unternehmen gelegentlich zur Verlagerungen ihrer Wertsch\u00f6pfungsaktivit\u00e4ten an Standorte mit vorteilhafteren Bedingungen. Der aktuelle \u00abSwiss Manufacturing Survey\u00bb zeigt, dass bereits eine Vielzahl von Schweizer Unternehmen in den vergangenen drei Jahren Ver\u00e4nderungen bei der geografischen Konfiguration ihrer Produktionsst\u00e4tten vorgenommen hat.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Kosten vertreiben Firmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Vergleich zum Outsourcing, bei dem einzelne Wertsch\u00f6pfungsaktivit\u00e4ten des eigenen Unternehmens an Dritte ausgelagert werden, stellt eine Verlagerung des Produktionsstandortes einen ungleich gr\u00f6sseren Schritt dar, wenn es darum geht, den Unternehmensstandort zu \u00e4ndern. Denn bei einer Verlagerung gehen nicht nur Arbeitspl\u00e4tze am alten Standort verloren, sondern auch Know-how, das zum Teil \u00fcber weite Strecken transferiert werden muss und somit in der Schweiz teilweise verschwindet. Deshalb m\u00fcssen Unternehmen gute Gr\u00fcnde haben, um einen solchen Schritt zu gehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls wichtigsten Grund nennen Unternehmen, die in den letzten drei Jahren eine Produktionsst\u00e4tte ins Ausland verlagert haben, die Einsparung von Produktionskosten. Zum selben Ergebnis gelangen auch internationale Studien.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Die Einsparung von Logistikkosten ist, mit viel Abstand und im Durchschnitt beinahe neutral bewertet, der zweitwichtigste Grund. F\u00fcr Grossunternehmen ist dieser Punkt jedoch wichtiger als f\u00fcr KMU. Dasselbe gilt f\u00fcr die Verbesserung der Liefergeschwindigkeit und -p\u00fcnktlichkeit, auch sie ist f\u00fcr Grossunternehmen wichtiger. Qualit\u00e4tsverbesserungen, ein besseres juristisches und politisches Umfeld oder eine bessere Infrastruktur sind dagegen kaum ein Grund, die Schweiz zu verlassen. Auch die Verf\u00fcgbarkeit von qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften ist insgesamt eher unwichtig \u2013 dennoch ist sie aber f\u00fcr KMU wichtiger als f\u00fcr Grossunternehmen.&#13;<\/p>\n<h2>Kostensenkung auch in Zukunft Hauptmotiv<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00c4hnlich sieht es bei den Motiven aus, die Firmen dazu bringen k\u00f6nnten, in den n\u00e4chsten drei Jahren Verlagerungen ins Ausland vorzunehmen. Auch hier stehen Einsparungen bei den Produktionskosten an erster Stelle (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Ein weiteres kostengetriebenes Motiv, die Senkung der Logistikkosten, kommt bereits an dritter Stelle. Schweizer Produktionsst\u00e4tten sind denn auch bei den Studienteilnehmern im Durchschnitt 37 Prozent teurer als ausl\u00e4ndische. Bei den Grossunternehmen liegen sie durchschnittlich 20 Prozent h\u00f6her, bei den KMU sind es 43 Prozent. Dieses Ergebnis zeigt erneut, wie dr\u00e4ngend das Problem der hohen Kosten f\u00fcr Schweizer Produktionsunternehmen ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMotive zur Fokussierung auf heutige und zuk\u00fcnftige Kunden folgen erst an zweiter und vierter Stelle. Die N\u00e4he zu den bestehenden Kunden wird dabei als etwas wichtiger angesehen als die Erschliessung neuer M\u00e4rkte. Aber beide werden von den befragten Unternehmen im Mittel als eher neutral bewertet. Auch hier zeigt sich ein Gr\u00f6ssenunterschied: F\u00fcr grosse Unternehmen ist die Expansion in neue M\u00e4rkte wichtiger als f\u00fcr kleine Betriebe. Qualit\u00e4ts- und Infrastrukturfaktoren sind, wie auch bei den Faktoren bereits durchgef\u00fchrter Verlagerungen, eher unwichtig. Das zeigt, wie fortschrittlich die Rahmenbedingungen in der Schweizer Produktionslandschaft sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nOb das stabile politische Umfeld und die gute Infrastruktur in der Schweiz die h\u00f6heren Kosten aufwiegen k\u00f6nnen, muss jedes Unternehmen letztendlich f\u00fcr sich entscheiden. Allerdings f\u00e4llt auf, dass KMU offenbar st\u00e4rker an den Standort Schweiz gebunden sind als Grossunternehmen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr k\u00f6nnen einerseits pers\u00f6nlich sein, wie das Beispiel des CEO eines Herstellers industrieller Schutztechnik zeigt, der sich selbst als Verfechter des Produktionsstandorts Schweiz bezeichnet. Andererseits sind Verlagerungen f\u00fcr KMU manchmal auch schwieriger umzusetzen. So antwortete der CEO eines KMU aus der metallverarbeitenden Industrie beispielsweise, dass ein Grossteil der Schweizer Unternehmen so klein sei, dass eine Auslagerung der Produktion ins Ausland schon alleine aufgrund fehlender Fremdsprachenkenntnisse schlicht unm\u00f6glich w\u00e4re.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: M\u00f6gliche Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Produktionsverlagerung ins Ausland, nach Wichtigkeit<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='Friedli_benninhgaus_elbe_1_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Friedli_benninhgaus_elbe_1_de').highcharts({\n\n \n      chart: {\n        type: 'line',\n        inverted: true\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n  \n   \n    xAxis: {\n        categories: [\n           'Senkung der Produktionskosten','Zugang zu Kunden (Marktn\u00e4he)','Senkung der Logistikkosten','Entwicklung des Zielmarktes ','Verf\u00fcgbarkeit von qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften',\n'Rechtliche und politische Rahmenbedingungen','Steigerung der Liefergeschwindigkeit','Verbesserung der Prozessqualit\u00e4t','Verbesserung der Liefertreue','Verbesserung der Produktqualit\u00e4t','Bessere Infrastruktur im Zielland'\n\n        ]\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        labels: {\n            formatter: function () {\n                return this.value;\n            }\n        },\nmin: 1,\n           tickInterval: 1\n    },\n    plotOptions: {\n        area: {\n            fillOpacity: 0.5\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Gesamt',\n        data: [6.24,4.44,4.06,4.05,3.68,3.22,2.97,2.81,2.73,2.64,2.53]\n    }, {\n        name: 'KMU',\n        data: [6.22,4.37,4.15,3.90,3.71,3.23,2.76,2.74,2.49,2.62,2.61]\n    },{\n        name: 'Grossunternehmen',\n        data: [6.27,4.50,3.81,4.31,3.69,3.41,3.65,3.00,3.46,2.59,2.33]\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Durchschnittliche Bewertung. 1 = sehr unwichtig, 7 = sehr wichtig. Anzahl befragter Unternehmen: 106.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Friedli, Benninghaus und Elbe (2017) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErwartungsgem\u00e4ss werden einmal verlagerte Produktions- oder F&amp;E-T\u00e4tigkeiten eher selten zur\u00fcckverlagert. Nur einer der Umfrageteilnehmer hat in den letzten drei Jahren eine R\u00fcckverlagerung in die Schweiz vorgenommen, wegen Qualit\u00e4tsm\u00e4ngeln im Ausland. Um weitere Werksschliessungen und Produktionsabwanderungen zu verhindern, m\u00fcssen die Schweizer Produktionsstandorte sich gegen\u00fcber Konkurrenzunternehmen und im internen Wettbewerb innerhalb des eigenen Produktionsverbunds strategisch neu positionieren.&#13;<\/p>\n<h2>Komplexe Produktionsschritte bleiben in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Studie wurden die Unternehmen auch nach der Rolle der Schweizer Standorte in ihrem Produktionsnetzwerk gefragt. Die meisten Unternehmen stimmen der Aussage zu, dass die Schweiz bei ihnen eine f\u00fchrende Rolle im Bereich Engineering einnimmt (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Auch der Aufbau und Transfer von strategisch wichtigem Know-how im Produktionsnetzwerk wird als bedeutend angesehen. Diese beiden Punkte treffen besonders auf Grossunternehmen zu. Viele Unternehmen gaben an, dass komplexe und strategisch wichtige Produkte oder Komponenten nur in der Schweiz produziert werden. Die Endmontage findet jedoch in den seltensten F\u00e4llen ausschliesslich in der Schweiz statt. Die restlichen Aussagen zum Standort Schweiz werden im Mittel eher neutral bewertet.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: So beurteilen Unternehmen die Rolle von Schweizer Produktionsstandorten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='Friedli_benninhgaus_elbe_2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Friedli_benninhgaus_elbe_2_de').highcharts({\n\n \n      chart: {\n        type: 'line',\n        inverted: true\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n  \n   \n    xAxis: {\n        categories: [\n           'Der Schweizer Standort ist beim Engineering innerhalb des Produktionsverbundes federf\u00fchrend','Der Schweizer Standort baut strategisch bedeutendes Know-how f\u00fcr den gesamten Produktionsverbund auf und transferiert dieses an Produktionsstandorte weltweit','Wir produzieren komplexe und strategisch relevante Produkte und Komponenten nur am Schweizer Standort','Der Schweizer Standort ist im ganzen Produktionsverbund die zentrale Schnittstelle zwischen Kunde und Produktion',\n'Der Schweizer Standort verantwortet den weltweiten Service und erarbeitet entsprechende Servicekonzepte f\u00fcr die anderen Standorte','Der Schweizer Standort steuert die globale Logistik','Der Schweizer Standort verantwortet den globalen Einkauf','Wir f\u00fchren unsere Produkte zun\u00e4chst am Schweizer Standort ein, bevor wir die Produktion an anderen Standorten hochfahren','Ausschliesslich der Schweizer Standort wird f\u00fcr die Endmontage unserer Produkte eingesetzt'\n\n        ]\n    },\n    yAxis: {\n\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        labels: {\n            formatter: function () {\n                return this.value;\n            }\n        },\n       min: 1,\n           tickInterval: 1\n\n    },\n    plotOptions: {\n        area: {\n            fillOpacity: 1\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Gesamt',\n        data: [5.56,4.80,4.60,4.41,4.30,4.26,4.21,4.02,2.66]\n    }, {\n        name: 'KMU',\n        data: [5.37,4.72,4.60,4.48,4.23,4.23,4.18,3.91,2.81]\n    },{\n        name: 'Grossunternehmen',\n        data: [5.97,5.12,4.73,4.39,4.41,4.39,4.33,4.30,2.45]\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Durchschnittliche Bewertung. 1 = trifft gar nicht zu, 7 = trifft sehr zu. Anzahl befragter Unternehmen: 102.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Friedli, Benninghaus und Elbe (2017) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweiz ist als Produktionsstandort immer noch wichtig, besonders in den fr\u00fchen Phasen des Produktlebenszyklus. Das zeigt sich nicht nur in der besonders f\u00fcr Grossunternehmen wichtigen Aussage, dass das Anfahren neuer Produkte in der Schweiz stattfindet, bevor diese an ausl\u00e4ndischen Standorten hergestellt werden. Als in der Schweiz verbleibende Produktionst\u00e4tigkeiten wurden dar\u00fcber hinaus \u00fcberdurchschnittlich oft Produktentwicklung und Nullserie genannt. Insgesamt werden bei den teilnehmenden Firmen mehr als 80 Prozent der Produktinnovationen in der Schweiz entwickelt, hingegen \u00abnur\u00bb etwa 60 Prozent auch dort produziert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZwischen Schweizer und ausl\u00e4ndischen Standorten zeigen sich auch Unterschiede im Bereich der Firmenkultur. So werden der Weiterbildungsgrad und das Sicherheitsniveau in der Schweiz als deutlich h\u00f6her eingestuft im Vergleich zum Ausland. Mitarbeiterfluktuation und Abwesenheiten bei Krankheit sind in der Schweiz deutlich tiefer als an ausl\u00e4ndischen Standorten. Diese Tatsachen k\u00f6nnen dabei helfen, in der Schweiz Kosten einzusparen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Studie zeigt, dass es eine Tendenz zur Verlagerung ins Ausland gibt, vor allem um Kostenvorteile zu erschliessen. Demgegen\u00fcber stehen die oben genannten Vorteile der Schweizer Produktionslandschaft. Ein Verlagerungsschritt sollte also gut \u00fcberlegt sein. Auch Wissenschaftler sind sich einig, dass Fertigungsaktivit\u00e4ten in Hochlohnl\u00e4ndern nicht einfach verschwinden, sondern in der Regel neue Formen annehmen.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Dadurch bietet sich produzierenden Schweizer Unternehmen eine grosse Chance, sich gezielt als Wissens- und Innovationsstandort zu positionieren und technologische Massst\u00e4be zu setzen \u2013 insbesondere im Hinblick auf das wichtige Zukunftsthema \u00abDigitalisierung der Produktion\u00bb.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Friedli, Benninghaus und Elbe (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Ferdows (1997).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Abele et al (2008), Ellram et al (2013) sowie Ketokivi et al (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe Meijboom und Vos (1997).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Siehe Jacob und Strube (2008).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Siehe Cohen und Zysman (1987).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist weltweit bekannt f\u00fcr Innovation und Zuverl\u00e4ssigkeit. Viele Schweizer Produkte sind hoch angesehen und haben Qualit\u00e4tsmassst\u00e4be gesetzt. Ob es sich dabei um Nahrungsmittel, Messer, hochmoderne Anlagen und Maschinen oder Luxusuhren handelt \u2013 Kunden aus allen L\u00e4ndern vertrauen auf die Hochwertigkeit von Schweizer Produkten.&#13; &#13; Im Rahmen des \u00abSwiss Manufacturing Survey\u00bb hat die Universit\u00e4t [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3776,"featured_media":23717,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[],"post_content_subject":[230],"acf":{"seco_author":3776,"seco_co_author":[4618,4619,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Professor f\u00fcr Produktionsmanagement sowie Direktor des Instituts f\u00fcr Technologiemanagement, Universit\u00e4t St. Gallen","seco_author_post_occupation_fr":"Professeur de gestion de la production et directeur de l\u2019Institut de gestion des technologies (Item-HSG), Universit\u00e9 de Saint-Gall","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":4618,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut f\u00fcr Technologiemanagement, Universit\u00e4t St. Gallen","seco_co_author_post_occupation_fr":"Collaborateur scientifique, Institut de gestion des technologies, universit\u00e9 de Saint-Gall"},{"seco_co_author":4619,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut f\u00fcr Technologiemanagement, Universit\u00e4t St. Gallen","seco_co_author_post_occupation_fr":"Collaborateur scientifique, Institut de gestion des technologies (Item-HSG), universit\u00e9 de Saint-Gall"}],"short_title":"Teurer Standort f\u00fcr Produktionsunternehmen","post_lead":"Eine Umfrage zeigt, dass rund die H\u00e4lfte der befragten Unternehmer des produzierenden Gewerbes \u00fcber eine Verlagerung oder eine Auslagerung ins Ausland nachdenkt. Hauptgrund daf\u00fcr sind die hohen Kosten in der Schweiz.","post_hero_image_description":"Das Thuner Solarunternehmen Meyer Burger wird seine Diamantdrahts\u00e4gen zuk\u00fcnftig in China produzieren. Folgen andere Firmen dem Beispiel?","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>&#13;\n \t<li>Abele, E., T. Meyer, U. N\u00e4her, G. Strube and R. Sykes (2008). Global Production. Berlin, Heidelberg: Springer.<\/li>&#13;\n \t<li>Cohen, S. S. and J. Zysman (1987). Manufacturing Matters: The Myth of the Post-industrial Economy. New York, NY: Basic Books.<\/li>&#13;\n \t<li>Ellram, L. M., W. L. Tate, and K. J. Petersen (2013). Offshoring and Reshoring: an Update on the Manufacturing Location Decision, in: Journal of Supply Chain Management, vol. 49, no. 2, pp. 14\u201322, Apr. 2013.<\/li>&#13;\n \t<li>Ferdows, K. (1997). Making the Most of Foreign Factories, in: Harvard Business Review, vol. 75, no. 2, pp. 73\u201388.<\/li>&#13;\n \t<li>Friedli, T., C. Benninghaus and C. Elbe (2017). Swiss Manufacturing Survey \u2013 A National Study, Final Report. University of St. Gallen, St. Gallen.<\/li>&#13;\n \t<li>Jacob F. and G. Strube (2008). Why Go Global? The Multinational Imperative, in: Global Production, E. Abele, T. Meyer, U. N\u00e4her, G. Strube, and R. Sykes (Eds). Berlin, Heidelberg: Springer, pp. 2\u201333.<\/li>&#13;\n \t<li>Ketokivi, M., V. Turkulainen, T. Sepp\u00e4l\u00e4, P. Rouvinen, and J. Ali-Yrkk\u00f6 (2017). Why Locate Manufacturing in a High-cost Country? A Case Study of 35 Production Location Decisions, in: Journal of Operations Management, vol. 49\u201351, pp. 20\u201330.<\/li>&#13;\n \t<li>Meijboom, B. and B. Vos (1997). International Manufacturing and Location Decisions: Balancing Configuration and Co-ordination Aspects, in: International Journal of Operations &amp; Production Management, vol. 17, no. 8, pp. 790\u2013805.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Swiss Manufacturing Survey","kasten_box":"Der vom Institut f\u00fcr Technologie-Management der Universit\u00e4t St. Gallen ins Leben gerufene j\u00e4hrliche \u00abSwiss Manufacturing Survey\u00bb untersucht objektiv die aktuelle Situation und die zuk\u00fcnftigen Entwicklungen des produzierenden Gewerbes in der Schweiz. Mit aktuell 20 Prozent der gesamten Erwerbst\u00e4tigen und 25,5 Prozent Anteil am BIP hat der sekund\u00e4re Sektor immer noch einen erheblichen Anteil an der Wirtschaftsleistung der Schweiz.<sup>a<\/sup> Die Unternehmen werden beispielsweise zu ihren Standortentscheidungen, der Innovationsf\u00e4higkeit, der Bedeutung von Marktn\u00e4he sowie den St\u00e4rken des Schweizer Werkplatzes befragt. Die Studie dient als Grundlage f\u00fcr Entscheidungstr\u00e4ger in Unternehmen, Verb\u00e4nden, Politik und Wissenschaft. Die Teilnahme ist kostenlos, und jedes teilnehmende Unternehmen erh\u00e4lt eine personalisierte Auswertung, welche einen Vergleich mit der eigenen Branche und allen Teilnehmern erm\u00f6glicht. Mehr <a href=\"http:\/\/www.tectem.ch\/sms\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Informationen zur Teilnahme<\/a> auf Tectem.ch.&#13;\n&#13;\n<sup>a<\/sup>Bundesamt f\u00fcr Statistik (2017)."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":107912,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":107916,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"73815","post_abstract":"<span style=\"color: #000000;\">Die neusten Ergebnisse des \u00abSwiss Manufacturing Survey 2017\u00bb \u2013 einer Umfrage der Universit\u00e4t St. Gallen bei 247 Produktionsunternehmen in der Schweiz \u2013 zeigen die Gefahr der Abwanderung des produzierenden Gewerbes aus der Schweiz. Insbesondere die hohen Lohnkosten und der ung\u00fcnstige Wechselkurs gelten als Haupthindernis f\u00fcr die hiesige Produktion. Mit 46 Prozent entsprechend hoch ist die Zahl der untersuchten Schweizer Unternehmen, die in den n\u00e4chsten drei Jahren eine Verlagerung ins Ausland erw\u00e4gen. Doch der Produktionsstandort Schweiz hat auch St\u00e4rken: Diese liegen in den fr\u00fchen Phasen des Produktlebenszyklus und im Aufbau von strategisch wichtigem Wissen. Das Ziel muss es sein, diese F\u00e4higkeiten und Standortvorteile der Schweiz weiter zu st\u00e4rken. Die im Rahmen der Studie identifizierten Schw\u00e4chen zeigen wichtige Stellhebel, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Standorts Schweiz zu verbessern und eine Abwanderung der Produktion zu verhindern.<\/span>","magazine_issue":"20180201","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[3988,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20171222","original_files":[{"file":107924},{"file":107928}],"external_release_for_author":"20171204","external_release_for_author_time":"13:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/59e622b92455d"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107909"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3776"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=107909"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107909\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126295,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107909\/revisions\/126295"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4619"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4618"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3776"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23717"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107909"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=107909"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=107909"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=107909"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=107909"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=107909"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}