{"id":107930,"date":"2017-12-21T10:30:04","date_gmt":"2017-12-21T10:30:04","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/12\/mueller-01-02-2018fr\/"},"modified":"2024-04-02T16:39:44","modified_gmt":"2024-04-02T14:39:44","slug":"mueller-01-02-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/12\/mueller-01-02-2018\/","title":{"rendered":"Die Chancen der Digitalisierung nicht im Keim ersticken"},"content":{"rendered":"<p>Die Auswirkungen der Digitalisierung sorgen weltweit f\u00fcr Schlagzeilen. Insbesondere die Debatte \u00fcber die technologisch bedingte Ver\u00e4nderung von Wirtschaft und Gesellschaft wird kontrovers gef\u00fchrt und verunsichert weite Teile der Bev\u00f6lkerung. Um die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, muss man die Entwicklungen aus zwei Blickwinkeln betrachten: W\u00e4hrend in einer quantitativen Analyse die Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften insgesamt stark vom Automatisierungspotenzial der Stellen abh\u00e4ngt, sind die neuen Anforderungen an die Arbeitnehmenden qualitativer Natur.<\/p>\n<p>Beide Fragestellungen k\u00f6nnen gr\u00f6sstenteils voneinander unabh\u00e4ngig analysiert werden. Dabei darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Digitalisierung ein stetiger Prozess ist, der die Struktur des Arbeitsmarkts bereits in der Vergangenheit stark ver\u00e4ndert hat. Die Arbeitgeber schulen ihre Mitarbeitenden in den meisten F\u00e4llen \u00abon the job\u00bb, damit sie mit den neuen Technologien Schritt halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In entwickelten Volkswirtschaften f\u00f6rdern neue Technologien die Verlagerung der Arbeit in jene Branchen, die nur beschr\u00e4nkt zur Steigerung der Produktivit\u00e4t beitragen. Entsprechend kam es in den letzten Jahrzehnten zu einem beschleunigten Strukturwandel, wodurch zahlreiche Arbeitspl\u00e4tze im zweiten Sektor ab- und im dritten Sektor aufgebaut wurden. Gem\u00e4ss dem Bundesamt f\u00fcr Statistik entstanden in den letzten 25 Jahren in der Schweiz beinahe 950\u2019000 zus\u00e4tzliche Stellen. Anders als in der Privatwirtschaft kam es im \u00f6ffentlichen Sektor und in staatsnahen Branchen wegen einer unterdurchschnittlichen Produktivit\u00e4tsentwicklung zu einem stark \u00fcberdurchschnittlichen Besch\u00e4ftigungswachstum. So stieg die Anzahl Stellen im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Verwaltung sowie in den Bereichen Erziehung und Bildung.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<h2><strong>Qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte<\/strong><\/h2>\n<p>Das starke Stellenwachstum der vergangenen Jahre legt den Schluss nahe, dass der Schweiz in den n\u00e4chsten Jahren die Arbeitspl\u00e4tze nicht wegbrechen werden. Handlungsbedarf d\u00fcrfte hingegen bei der Qualifizierung der Arbeitnehmenden entstehen. Denn der Strukturwandel f\u00fchrt dazu, dass zunehmend Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr bildungsintensive T\u00e4tigkeiten nachgefragt werden.<\/p>\n<p>Um diesen Wandel m\u00f6glichst reibungslos zu vollziehen, wird es entscheidend sein, die Aus- und Weiterbildungsangebote rasch an die Herausforderungen der Digitalisierung anzupassen. Auf diese Aufgabe ist die Schweiz auch dank ihren angesehenen Hochschulen und dem dualen Bildungssystem hervorragend vorbereitet. Das hiesige Bildungssystem erlaubt eine berufsnahe Ausbildung und Spezialisierung und deshalb eine breite Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Die Schwierigkeit wird jedoch darin bestehen, die Ausbildungsinhalte sowohl der Bildungsinstitutionen als auch der Lehrbetriebe den sich schnell ver\u00e4ndernden Erfordernissen der Wirtschaft anzupassen.<\/p>\n<p>Die Digitalisierung stellt die Wirtschaft zweifellos vor neue Herausforderungen, namentlich im Bereich der Qualifizierung und Weiterbildung von Arbeitskr\u00e4ften. Ungleich gr\u00f6sser sind jedoch die Vorteile, die sich durch die Digitalisierung f\u00fcr das Land ergeben, sofern sie nicht vorzeitig durch unkluge und schwerf\u00e4llige Regulierungen im Keim erstickt werden. Will die Schweiz im internationalen Standortwettbewerb erfolgreich bleiben, muss sie die Chance nutzen, ihre Attraktivit\u00e4t f\u00fcr Arbeitskr\u00e4fte und Unternehmen weiter zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. P. Zenh\u00e4usern und S. Vaterlaus (2017): Digitalisierung und Arbeitsmarktfolgen, Fondation CH2048.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Auswirkungen der Digitalisierung sorgen weltweit f\u00fcr Schlagzeilen. Insbesondere die Debatte \u00fcber die technologisch bedingte Ver\u00e4nderung von Wirtschaft und Gesellschaft wird kontrovers gef\u00fchrt und verunsichert weite Teile der Bev\u00f6lkerung. 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