{"id":108101,"date":"2017-11-23T10:18:07","date_gmt":"2017-11-23T10:18:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/11\/wegmueller-12-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:04:22","modified_gmt":"2023-08-23T21:04:22","slug":"wegmueller-12-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/11\/wegmueller-12-2017\/","title":{"rendered":"Zur Fr\u00fcherkennung von Rezessionen in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Zur \u00dcberraschung der M\u00e4rkte und Institutionen hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 die Wechselkursuntergrenze des Frankens zum Euro auf. Die Auswirkungen dieser geldpolitischen Massnahme auf das Schweizer Wirtschaftswachstum waren in der Folge von grossem Interesse. Damals fragten sich Konjunkturforscher und weitere Wirtschaftsakteure: Wird die Schweizer Wirtschaft in eine Rezession gleiten? Um diese Frage klar zu beantworten, musste man sich zu diesem Zeitpunkt viereinhalb Monate gedulden. Denn erst Ende Mai publizierte das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) die Quartalssch\u00e4tzung zum Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) f\u00fcr das erste Quartal 2015. Das BIP-Wachstum stellt die zentrale Messgr\u00f6sse f\u00fcr den Gang der Wirtschaft dar. In den ersten Wochen nach der Aufhebung des Mindestkurses mussten deshalb Stimmungsindikatoren und weitere zeitnah verf\u00fcgbare Daten herbeigezogen werden, um Informationen bez\u00fcglich des Standes der Schweizer Konjunktur zu erfahren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Wirtschaftspolitik ist es von erheblicher Relevanz, m\u00f6glichst genau und fr\u00fch zu wissen, an welchem Punkt eines Konjunkturzyklus (siehe <em>Kasten 1<\/em>) sich die Wirtschaft gerade befindet. So zielen viele wirtschaftspolitische Entscheidungen darauf ab, das Ausmass konjunktureller Schwankungen durch die Umsetzung einer ad\u00e4quaten Stabilisierungspolitik zu verringern. Beispielsweise kann in einer massiven Rezession versucht werden, anhand expansiver wirtschaftspolitischer Impulse einen zu starken wirtschaftlichen Einbruch und damit einen exzessiven Anstieg der Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Unter anderem f\u00fchrte der Bund im Zuge der internationalen Finanzkrise von 2008 das Instrument der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung ein, um potenzielle Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt abzud\u00e4mpfen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeben politischen Entscheidungstr\u00e4gern haben auch private Wirtschaftsakteure ein Interesse am fr\u00fchzeitigen Erkennen des Auftretens von Rezessionen beziehungsweise an der Einsch\u00e4tzung der Position der Wirtschaft im Konjunkturzyklus. Der Grund liegt auf der Hand: Wirtschaftsakteure k\u00f6nnen sich durch gezielte Vorsorgemassnahmen im Hinblick auf einen Abschwung entsprechend absichern. Auf Englisch spricht man von \u00abprecautionary savings\u00bb.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Modell erm\u00f6glicht Fr\u00fcherkennung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm konjunkturelle Wendepunkte m\u00f6glichst fr\u00fch zu erkennen, bieten sich eine Reihe \u00f6konometrischer Modelle an, allen voran die Faktormodelle. Unser Faktormodell (siehe <em>Kasten 2<\/em>) soll in erster Linie ein genaueres, zeitnahes Bild der schweizerischen Konjunkturdynamik vermitteln.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Dar\u00fcber hinaus erm\u00f6glicht es eine Einsch\u00e4tzung des BIP-Wachstums in Echtzeit, liefert zuverl\u00e4ssige Mittelfristprognosen des BIP-Wachstums und erzeugt einen Konjunkturindikator, der g\u00e4ngigen Indikatoren wie etwa dem KOF-Barometer \u00e4hnlich ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Modell kombiniert das quartalsweise verf\u00fcgbare reale BIP-Wachstum mit monatlich verf\u00fcgbaren Reihen, welche in einem Auswahlprozess festgelegt wurden. Konkret sind dies:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Importe, Detailhandelsums\u00e4tze und Auftragsbestand der Industrie als Hinweise auf die inl\u00e4ndische Nachfrage;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Zinsdifferenz zwischen 10-j\u00e4hrigen Staatsanleihen und 3-Monats-Libor sowie Volatilit\u00e4t des Swiss Market Index (SMI) als zentrale Finanzmarktvariablen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Realer effektiver Wechselkurs als Hinweis f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit exportorientierter Firmen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Bankguthaben und Bankkredite als Indikator der Finanzmarktliquidit\u00e4t;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Einkaufsmanagerindex (PMI) und UBS-Konsumindikator als Stimmungsindikatoren der Industrie und der Konsumenten.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Konjunkturzyklus befindet sich in unserem Modell dann in einer Rezession, wenn die Rezessionswahrscheinlichkeit einen Schwellwert von 66 Prozent \u00fcberschreitet.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> \u00a0F\u00fcr die Schweiz trifft dies seit 1980 in sieben F\u00e4llen zu (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Mit anderen Worten: Das Modell hat alle bekannten Rezessionen im Schweizer Konjunkturzyklus erfasst.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Abb. 1: BIP-Wachstum und Rezessionswahrscheinlichkeit (1980\u20132017)&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/11\/WEGMUELLER_Abb1_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-74637\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/11\/WEGMUELLER_Abb1_DE.png\" alt=\"\" width=\"2064\" height=\"1506\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine erste Rezession fand 1982 statt, ausgel\u00f6st durch die zweite \u00d6lkrise. In den Neunzigerjahren folgte die Schweizer Immobilienkrise, wovon sich das BIP-Wachstum erst ab 1995 wieder erholte. Die n\u00e4chsten Rezessionen entstanden im zeitlichen Umfeld der Terroranschl\u00e4ge in den USA und des Platzens der Dotcom-Blase im Jahr 2001 sowie nach der Finanzkrise 2008. Schliesslich f\u00fchrte gem\u00e4ss unserem Modell die massive Aufwertung des Frankens zusammen mit der weltweit schleppenden Nachfrage w\u00e4hrend der Zuspitzung der europ\u00e4ischen Schuldenkrise 2011 zu weiteren rezessiven Tendenzen im Schweizer Konjunkturzyklus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNach unserer Datierung von Konjunkturzyklen dauert eine Phase des Aufschwungs im Durchschnitt 50 Monate und geht einher mit einem durchschnittlichen Quartalswachstum des BIP von 0,6\u00a0Prozent. Rezessionen dauern hingegen im Mittel nur 7 Monate, wobei das BIP sich im Durchschnitt in diesen Episoden jeweils um 1,5\u00a0Prozent von einem Quartal gegen\u00fcber dem Folgequartal zur\u00fcckbildet. Dies ist im Einklang mit der bekannten Tatsache, dass Aufschwungphasen im Schnitt l\u00e4nger andauern als Rezessionen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Mindestkursaufhebung: Test bestanden<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Nutzen des Faktormodells zeigt sich insbesondere durch seine F\u00e4higkeit, Rezessionstendenzen dank zeitnah verf\u00fcgbarer Informationen fr\u00fchzeitig zu erkennen. Dies wird beispielsweise deutlich bei der Betrachtung der Aufhebung der Franken-Untergrenze zum Euro im Januar 2015, wo unser Modell bereits Mitte Februar eine negative Prognose des BIP-Wachstums f\u00fcr das 1.\u00a0Quartal 2015 geliefert h\u00e4tte (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Diese Sch\u00e4tzung best\u00e4tigte sich durch die Publikation der BIP-Zahlen gute drei Monate sp\u00e4ter.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch die Einsch\u00e4tzung \u00fcber eine allf\u00e4llige Rezession best\u00e4tigte sich. Zur Erinnerung: Im Januar 2015 wurde von verschiedenen Seiten bef\u00fcrchtet, dass die geldpolitische Massnahme unweigerlich eine Rezession ausl\u00f6sen w\u00fcrde. Demgegen\u00fcber h\u00e4tte das Faktormodell zu keinem Zeitpunkt auf eine solche Entwicklung hingedeutet: Die Rezessionswahrscheinlichkeit stieg zwar im Januar betr\u00e4chtlich an, blieb jedoch in einem moderaten Bereich. Bereits im M\u00e4rz war sie wieder nahe null.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: Modellprognosen f\u00fcr BIP-Wachstum nach Aufhebung des Mindestkurses&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/11\/WEGMUELLER_Abb2_DE.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-74635\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/11\/WEGMUELLER_Abb2_DE.png\" alt=\"\" width=\"2044\" height=\"1468\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Transparent und wertfrei<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer hier vorgeschlagene Ansatz zur Datierung von Konjunkturzyklen und zur Fr\u00fcherkennung von Rezessionen bringt im Vergleich zu alternativen Methoden vier gewichtige Vorteile: Erstens ist das Faktormodell trotz seiner technischen Komplexit\u00e4t transparent. Dank der konkreten Variablenselektion und der Limitierung auf eine bestimmte Anzahl Indikatoren kann es in wenigen Schritten \u00fcberpr\u00fcft und verstanden werden. Die Einsch\u00e4tzung des aktuell vorherrschenden Regimes mithilfe von Wahrscheinlichkeiten tr\u00e4gt zus\u00e4tzlich zur Transparenz bei. Zweitens ist der hier vorgeschlagene Ansatz zur Konjunkturzyklusdatierung rein modellgetrieben. Die Ergebnisse sind dadurch weitestgehend wertfrei.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDrittens bietet das Faktormodell wegen der zeitnahen Verf\u00fcgbarkeit der Indikatoren eine Datierung des Zyklus in Echtzeit. Dies ist ein massgeblicher Unterschied zur Rezessionsdatierung basierend auf Expertengruppen, wie sie beispielsweise in den USA zur Anwendung kommt, wo das National Bureau of Economic Research (NBER) seine Ergebnisse zur Datierung von Zyklen oftmals mit erheblicher zeitlicher Verz\u00f6gerung publiziert. So gab das Komitee seine Einsch\u00e4tzung zur Rezession der amerikanischen Volkswirtschaft im Fr\u00fchjahr 1991 erst im Dezember des Folgejahres bekannt. Schliesslich ist das hier pr\u00e4sentierte Modell \u00e4usserst flexibel in seiner Anwendung. Indikatoren k\u00f6nnen beispielsweise problemlos ausgetauscht werden, sollte sich die Struktur der Wirtschaft \u00fcber die Zeit ver\u00e4ndern und eine Anpassung erfordern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs muss klargestellt werden: Alternative Ans\u00e4tze \u2013 wie zum Beispiel die Rezessionsregel auf Basis zweier hintereinander folgender negativer Quartalswachstumsraten des BIP \u2013 werden durch das hier pr\u00e4sentierte Modell nicht ersetzt. F\u00fcr eine ad\u00e4quate Beurteilung des Konjunkturzyklus bleibt die Experteneinsch\u00e4tzung unerl\u00e4sslich, und der Einsatz eines Faktormodells erweist sich als n\u00fctzliches Instrument dazu.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Glocker und Wegm\u00fcller (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Abberger und Nierhaus (2008).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur \u00dcberraschung der M\u00e4rkte und Institutionen hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 die Wechselkursuntergrenze des Frankens zum Euro auf. Die Auswirkungen dieser geldpolitischen Massnahme auf das Schweizer Wirtschaftswachstum waren in der Folge von grossem Interesse. Damals fragten sich Konjunkturforscher und weitere Wirtschaftsakteure: Wird die Schweizer Wirtschaft in eine Rezession gleiten? Um diese [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4607,"featured_media":23947,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[213],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":4607,"seco_co_author":[4612,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Dr. rer. oec., Stv. Leiter Ressort Konjunktur, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Chef suppl\u00e9ant du secteur Conjoncture, Secr\u00e9tariat d\u2019\u00c9tat \u00e0 l\u2019\u00e9conomie (Seco), Berne","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":4612,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Dr. rer. pol., wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fachbereich f\u00fcr Makro\u00f6konomie, \u00d6sterreichisches Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (Wifo), Wien","seco_co_author_post_occupation_fr":"Collaborateur scientifique, secteur Macro\u00e9conomie, Institut autrichien de recherches \u00e9conomiques (Wifo), Vienne (Autriche)"}],"short_title":"Zur Fr\u00fcherkennung von Rezessionen in der Schweiz","post_lead":"Die \u00fcberraschende Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 weckte die Bef\u00fcrchtung einer Rezession der schweizerischen Volkswirtschaft. Ein hier vorgestelltes \u00f6konometrisches Modell h\u00e4tte dieses Szenario relativ zeitnah ausschliessen k\u00f6nnen.","post_hero_image_description":"Wie geht es der Industrie? Indikatoren wie der Auftragsbestand geben fr\u00fche Hinweise zum BIP-Wachstum.","post_hero_image_description_copyright_de":"Alamy","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>&#13;\n \t<li>Abberger, K. und Nierhaus, W. (2008). Markov-Switching und ifo Gesch\u00e4ftsklima, ifo Schnelldienst 61(10), 25\u201330.<\/li>&#13;\n \t<li>Glocker, C. and Wegm\u00fcller, P. (2017). <a href=\"http:\/\/www.wifo.ac.at\/publikationen\/working_papers?detail-view=yes&amp;publikation_id=60645\">Business Cycle Dating and Forecasting with Real\u2011time Swiss GDP Data<\/a>, wifo Working Paper No. 542.<\/li>&#13;\n \t<li>Hamilton, J. D. (1989). A New Approach to the Economic Analysis of Nonstationary Time-Series and the Business Cycle, Econometrica 57(2), 357\u2013384.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Kasten 1: Konjunkturzyklus und Rezession","kasten_box":"Jeder Konjunkturzyklus besteht aus einer Aufschwung- und einer Abschwungphase, wobei die einzelnen Phasen durch untere bzw. obere Wendepunkte miteinander verbunden sind. Der Begriff <em>Zyklus<\/em> ist in diesem Kontext etwas irref\u00fchrend, weil er auf eine regelm\u00e4ssige Periodizit\u00e4t hindeutet. Zentrale Merkmale des Konjunkturzyklus sind jedoch, dass die Dauer von Aufschwung zu Abschwung und die Differenz zwischen H\u00f6he- und Tiefpunkt (Amplitude) variieren. Mit der Hilfe von Konjunkturindikatoren und \u00f6konometrischen Modellen wird deshalb versucht, das zyklische Wirtschaftsgeschehen insbesondere an den Wendepunkten m\u00f6glichst zutreffend zu beschreiben. Es gibt eine Reihe einfacher Regeln zur groben Einsch\u00e4tzung der Konjunkturdatierung: Beispielsweise definiert das amerikanische National Bureau of Economic Research (NBER) im Rahmen einer Expertengruppe als <em>Rezession<\/em> eine Periode zwischen einem Hochpunkt und einer Talsohle. Ein weiteres Beispiel ist der technische Ansatz. Hier spricht man \u00fcblicherweise bei zwei aufeinanderfolgenden negativen Quartalen des BIP-Wachstums von einer Rezession."},{"kasten_title":"Kasten 2: Dynamisches Faktormodell","kasten_box":"Ein Faktormodell beruht grunds\u00e4tzlich auf der Vorstellung, dass die Bewegungen verschiedener makro\u00f6konomischer Variablen ein gemeinsames Element aufweisen, das in einem <em>latenten<\/em> \u2013 unbeobachteten \u2013 Faktor zusammengefasst werden kann. Technisch ausgedr\u00fcckt, ist der Faktor das Ergebnis einer Hauptkomponentenanalyse, welche mindestens eine gemeinsame Komponente aus einer Vielzahl von Variablen extrahiert.&#13;\n&#13;\nBasierend auf Hamilton (1989), erg\u00e4nzt in dem von uns gew\u00e4hlten Modell die <em>Markov\u2011Switching-Komponente<\/em> den latenten Faktor um eine sogenannte Nicht\u2011Linearit\u00e4t. Ein an sich lineares Modell wird bei diesem Ansatz dadurch flexibler, dass die Parameter unterschiedliche Werte annehmen k\u00f6nnen, je nachdem, in welchem Regime sich die Zeitreihe befindet. Dadurch kann bei der Modellierung ber\u00fccksichtigt werden, dass die Dynamik \u00fcber die Zeit variiert. Das Konzept der beiden <em>Regime<\/em> Rezession und Expansion beschreibt in diesem Kontext die unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus. Das Modell liefert eine Einsch\u00e4tzung der wirtschaftlichen Lage in eines dieser beiden Regime, basierend auf dem Konzept der Wahrscheinlichkeiten. Das Verfahren liefert somit neben einer Sch\u00e4tzung der Modellparameter f\u00fcr jedes Regime zugleich eine Quantifizierung der Regimewahrscheinlichkeiten in Abh\u00e4ngigkeit von der jeweils betrachteten Informationsmenge."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":108104,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":108108,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"73412","post_abstract":"Die Fr\u00fcherkennung von konjunkturellen Wendepunkten ist f\u00fcr die Wirtschaftspolitik zentral. Ein von den Autoren entwickeltes \u00f6konometrisches Modell bietet hierf\u00fcr eine gute Grundlage. Das Faktormodell basiert auf einer Auswahl monatlich verf\u00fcgbarer Indikatoren wie dem Einkaufsmanagerindex (PMI) oder den Importen. Es eignet sich insbesondere daf\u00fcr, die Position der Wirtschaft im Konjunkturzyklus zu datieren und fr\u00fchzeitig zu erkennen. Die sieben vom Modell bestimmten Rezessionen seit 1980 dauerten im Durchschnitt sieben Monate und gingen mit einem deutlich negativen BIP-Wachstum einher. Angesichts der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro h\u00e4tte das Modell relativ fr\u00fch darauf hingedeutet, dass es nicht zu einer Rezession kommen w\u00fcrde.","magazine_issue":"12\/2017","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20171124","original_files":[{"file":108116},{"file":108120}],"external_release_for_author":"20171031","external_release_for_author_time":"21:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/59d638455d355"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108101"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4607"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=108101"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108101\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126311,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108101\/revisions\/126311"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4612"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4607"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23947"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=108101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=108101"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=108101"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=108101"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=108101"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=108101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}