{"id":108122,"date":"2017-11-23T10:18:07","date_gmt":"2017-11-23T10:18:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/11\/kemeny-12-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:04:51","modified_gmt":"2023-08-23T21:04:51","slug":"kemeny-12-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/11\/kemeny-12-2017\/","title":{"rendered":"Stimmungsschwankungen bei Konsumenten fr\u00fch erkennen"},"content":{"rendered":"<p>Als wichtige Grundlage f\u00fcr die Konjunkturbeobachtung sind neben den quantitativen statistischen Daten auch umfragebasierte, qualitative Indikatoren international anerkannt. Eine solche Befragung der Bev\u00f6lkerung f\u00fchrt auch das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) viermal j\u00e4hrlich durch. Denn Umfragen bei Unternehmen und Konsumenten bieten zwei wesentliche Vorteile: Zum einen stehen sie verh\u00e4ltnism\u00e4ssig schnell zur Verf\u00fcgung, und zum anderen k\u00f6nnen die Wirtschaftsakteure direkt zu ihren Erwartungen befragt werden. Das Bruttoinlandprodukt der Schweiz und seine Komponenten \u2013 darunter auch der Konsum \u2013 werden wie international \u00fcblich rund 60 Tage nach Abschluss des entsprechenden Quartals publiziert.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Die Resultate der Schweizer Konsumentenstimmung stehen deutlich schneller zur Verf\u00fcgung: Sie werden jeweils zu Beginn des Quartals erhoben und bereits circa 35 Tage nach Quartalsbeginn ver\u00f6ffentlicht.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Die aktuellen Einsch\u00e4tzungen der Konsumenten stehen somit wesentlich fr\u00fcher zur Verf\u00fcgung als die entsprechenden harten Daten. Sie liefern somit, zusammen mit \u00e4hnlichen Umfragen auf Unternehmensseite, ein erstes, fr\u00fches Bild zur Wirtschaftsaktivit\u00e4t am aktuellen Rand und geben Hinweise f\u00fcr die nahe Zukunft.&#13;<\/p>\n<h2>Anf\u00e4llig auf kurzfristige Schwankungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUmfragebasierte Indikatoren haben allerdings auch wesentliche Nachteile. Harte quantitative Statistiken werden auf einer metrischen Skala gemessen: So wird ermittelt, wie hoch der Wert des BIP in Franken war, wie viele Personen besch\u00e4ftigt waren usw. Im Gegensatz dazu beantworten die Befragten bei der Erhebung der Konsumentenstimmung Fragen auf einer Ordinalskala: Das heisst, sie geben etwa an, ob sich die Wirtschaftsentwicklung in den kommenden zw\u00f6lf Monaten ihrer Meinung nach leicht verbessern, deutlich verbessern, leicht verschlechtern oder deutlich verschlechtern wird. Die Fragen betreffen die Erwartungen der Konsumenten in den vier Themenfeldern allgemeine Wirtschaftsentwicklung, Arbeitslosigkeit, eigene finanzielle Lage und eigene Sparm\u00f6glichkeiten. Daraus wird anschliessend der Index der Konsumentenstimmung berechnet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSomit liefert die Konsumentenstimmung zwar Hinweise auf die m\u00f6gliche Richtung der Wirtschaftsentwicklung, jedoch keine quantitative Prognose der Konsumausgaben oder des BIP. Ein weiterer Nachteil von umfragebasierten Indikatoren besteht in ihrer hohen Anf\u00e4lligkeit auf Ereignisse, die kurz vor oder w\u00e4hrend des Erhebungszeitraums stattfanden wie beispielsweise Abstimmungsergebnisse oder Naturkatastrophen. Umfragen sind somit eher anf\u00e4llig auf kurzfristige Schwankungen, die sich nicht unbedingt auch in den harten Daten widerspiegeln.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeben den vier Fragen, die direkt in die Berechnung des Konsumentenstimmungsindex der Schweiz einfliessen, beinhaltet der Fragebogen sieben weitere Fragen zu verschiedenen Aspekten der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung und der wirtschaftlichen Lage der Haushalte (siehe <em>Kasten<\/em>). Dar\u00fcber hinaus wird eine Reihe von soziodemografischen Variablen ermittelt, wie das Alter, das Geschlecht und die Ausbildung der befragten Person sowie Angaben zur Haushaltsstruktur und zum Wohnort. Somit besteht auch die M\u00f6glichkeit, den Datensatz f\u00fcr die entsprechenden soziodemografischen Untergruppen auszuwerten, was auch \u00fcber die Konjunkturbeobachtung hinaus interessante Erkenntnisse liefern kann.&#13;<\/p>\n<h2>M\u00e4nner optimistischer als Frauen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSo kann beispielsweise ein Index der Konsumentenstimmung f\u00fcr die M\u00e4nner und einer f\u00fcr die Frauen berechnet werden, wenn die daf\u00fcr ben\u00f6tigten Fragen separat f\u00fcr die zwei Geschlechter ausgewertet werden (siehe <em>Abbildung<\/em>). Wichtige konjunkturelle Entwicklungen lassen sich in beiden Indizes klar und praktisch synchron feststellen. So verschlechterte sich Anfang 2008 die Stimmung im Zuge der Finanzkrise sowohl bei den M\u00e4nnern als auch bei den Frauen drastisch, gefolgt von einer ebenso eindr\u00fccklichen Erholung. Auch die europ\u00e4ische Krise und die Frankenst\u00e4rke machten sich 2011 deutlich bei beiden Geschlechtern bemerkbar. Und im April\u00a02015 ging die Stimmung, nach dem Frankenschock vom Jahresbeginn, ebenfalls bei beiden Geschlechtern sp\u00fcrbar zur\u00fcck.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDar\u00fcber hinaus zeigt sich aber auch ein interessanter Unterschied zwischen den Geschlechtern: Bis auf zwei einzelne Beobachtungen lag die Konsumentenstimmung der M\u00e4nner in den vergangenen zehn Jahren systematisch \u00fcber jener der Frauen. Eine Angleichung scheint \u00fcber die Zeit nicht stattzufinden. Die befragten M\u00e4nner haben praktisch in jeder Erhebung optimistischere Antworten als die befragten Frauen gegeben, und dies meist auf alle vier Fragen, die in die Berechnung des Index einfliessen. Somit haben die M\u00e4nner im Mittel nicht nur in Bezug auf die volkswirtschaftliche Entwicklung, sondern auch f\u00fcr die finanzielle Lage ihres Haushaltes und f\u00fcr ihre eigenen Sparm\u00f6glichkeiten positivere Erwartungen als die Frauen. Mit diesem \u00abGender-Gap\u00bb stehen M\u00e4nner und Frauen in der Schweiz allerdings nicht alleine da. Das Muster, dass M\u00e4nner optimistischer als Frauen antworten, ist international in vergleichbaren Erhebungen ganz im Gegenteil sehr weitverbreitet, so etwa bei der Konsumentenstimmung in den USA<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> und der EU<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>. Aus den Umfragen zur Konsumentenstimmung geht somit auch eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr die gr\u00f6ssere Risikobereitschaft von M\u00e4nnern hervor: Wer eher optimistisch in die Zukunft schaut, wagt tendenziell mehr.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Konsumentenstimmung nach Geschlecht (2007\u20132017)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='kemeny_12_17_de_1'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#kemeny_12_17_de_1').highcharts({\n   chart: {\n           type: 'line'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        \ncredits: {\n               \n                text:'Quelle: Regionale Wirtschaftskontakte der SNB'\n              \n            },\nsubtitle: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\ntickInterval: 365 * 24 * 3600 * 1000,\n            type: 'datetime',\n            dateTimeLabelFormats: { \/\/ don't display the dummy year\n                \/\/month: '%e. %b',\n                year: '%Y'\n            },\n            title: {\n                text: ''\n            }\n        },\n        yAxis: {\n            title: {\n                text: 'Indexpunkte'\n            },\n        },\n        tooltip: {\n            headerFormat: '<b>{series.name}<\/b><br>',\n            \/\/pointFormat: '{point.x:%e. %b}: {point.y:.6f}'\npointFormat: '{point.y:.2f}' + ''\n        },\n\n\n\/\/------->\n enabled: true blendet Punkte ein, enabled: false blendet Punkte aus <-------\/\/\n  plotOptions: {\n            line: {\n                marker: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n\/\/------------------------------------------------------------------------------------\/\/\n        series: [{\n            name: 'M\u00e4nner',\n            \n            data: [\n[Date.UTC(2007, 3), 18.08353704 ],\n[Date.UTC(2007, 6), 12.09498375 ],\n[Date.UTC(2007, 9), 22.70646615 ],\n[Date.UTC(2008, 0), 5.839802415 ],\n[Date.UTC(2008, 3), -0.023878134 ],\n[Date.UTC(2008, 6), -13.08971054 ],\n[Date.UTC(2008, 9), -30.60787054 ],\n[Date.UTC(2009, 0), -33.57619246 ],\n[Date.UTC(2009, 3), -44.76462284 ],\n[Date.UTC(2009, 6), -37.33099392 ],\n[Date.UTC(2009, 9), -9.069246012 ],\n[Date.UTC(2010, 0), -1.536849362 ],\n[Date.UTC(2010, 3), 23.23432544 ],\n[Date.UTC(2010, 6), 25.49478001 ],\n[Date.UTC(2010, 9), 16.25320705 ],\n[Date.UTC(2011, 0), 15.29285785 ],\n[Date.UTC(2011, 3), 0.642226154 ],\n[Date.UTC(2011, 6), -13.65137292 ],\n[Date.UTC(2011, 9), -18.57289219 ],\n[Date.UTC(2012, 0), -17.89133562 ],\n[Date.UTC(2012, 3), -0.928949658 ],\n[Date.UTC(2012, 6), -13.13276531 ],\n[Date.UTC(2012, 9), -11.23334123 ],\n[Date.UTC(2013, 0), -2.012274318 ],\n[Date.UTC(2013, 3), -0.743846448 ],\n[Date.UTC(2013, 6), -4.416928042 ],\n[Date.UTC(2013, 9), -1.186980296 ],\n[Date.UTC(2014, 0), 7.675642961 ],\n[Date.UTC(2014, 3), 7.435791737 ],\n[Date.UTC(2014, 6), 2.303950695 ],\n[Date.UTC(2014, 9), -6.493655248 ],\n[Date.UTC(2015, 0), 0.704060749 ],\n[Date.UTC(2015, 3), -2.091418761 ],\n[Date.UTC(2015, 6), -19.58855036 ],\n[Date.UTC(2015, 9), -12.96482004 ],\n[Date.UTC(2016, 0), -11.27813891 ],\n[Date.UTC(2016, 3), -9.902860561 ],\n[Date.UTC(2016, 6), -11.6646305 ],\n[Date.UTC(2016, 9), -7.17412343 ],\n[Date.UTC(2017, 0), 3.135735655 ],\n[Date.UTC(2017, 3), -3.970722378 ],\n[Date.UTC(2017, 6), 4.965012616 ]\n            ]\n        },\n\n\/\/------->\n Bei der Linie die weniger Werte hat, schreibt man statt einen Wert \u00abnull\u00bb. 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Lee, Wessel Marquering, Cherry Zhang (2014). Gender Differences in Optimism and Asset Allocation, in: Journal of Economic Behavior & Organization, Vol. 107 Part B.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als wichtige Grundlage f\u00fcr die Konjunkturbeobachtung sind neben den quantitativen statistischen Daten auch umfragebasierte, qualitative Indikatoren international anerkannt. Eine solche Befragung der Bev\u00f6lkerung f\u00fchrt auch das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) viermal j\u00e4hrlich durch. 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Der Konsumentenstimmungsindex in seiner urspr\u00fcnglichen Definition und die meisten der darin erhobenen Variablen sind im Vergleich zu anderen \u00f6konomischen Zeitreihen f\u00fcr die Schweiz \u00fcber einen sehr langen Zeitraum verf\u00fcgbar. Aktuell basiert die Erhebung auf einer Zufallsstichprobe von rund 3300 Privatpersonen, die jedes Quartal neu gezogen wird und repr\u00e4sentativ ist f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung der Schweiz ab 16\u00a0Jahren. 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Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) l\u00e4sst jedes Quartal rund 1200 zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlte Privatpersonen befragen und berechnet aus den Ergebnissen den Index der Konsumentenstimmung. Dieser Datensatz kann auch f\u00fcr soziodemografische Untergruppen ausgewertet werden. 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