{"id":108156,"date":"2017-11-23T10:18:05","date_gmt":"2017-11-23T10:18:05","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/11\/foerster-12-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:04:41","modified_gmt":"2023-08-23T21:04:41","slug":"foerster-12-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/11\/foerster-12-2017\/","title":{"rendered":"Mittelstand in den OECD-L\u00e4ndern unter Druck"},"content":{"rendered":"<p>In vielen Industriestaaten sind in j\u00fcngster Zeit neue Formen von Nationalismus, Populismus und Protektionismus zu verzeichnen. Dies wird auch damit in Zusammenhang gebracht, dass der Lebensstandard des Mittelstands stagniert. Der globalen Integration und den \u00f6ffentlichen Institutionen steht dieser daher teilweise ablehnend gegen\u00fcber, und die eigene wirtschaftliche Situation wird zunehmend als bedrohlich beurteilt. Es herrscht ein Gef\u00fchl von Ungewissheit und Angst.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit 30 Jahren wachsen die mittleren Einkommen weniger stark als die h\u00f6chsten Einkommen: Das reale Medianeinkommen \u2013 das\u00a0heisst das Einkommen des Haushalts, der genau in der Mitte der Einkommensverteilung liegt \u2013 hat in allen OECD-L\u00e4ndern unterdurchschnittlich zugenommen (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Besonders ausgepr\u00e4gt war diese Entwicklung in den USA sowie in Neuseeland und Mexiko, wo der j\u00e4hrliche Zuwachs der mittleren Einkommen um mindestens 0,3 Prozentpunkte unter dem jeweiligen Durchschnitt lag.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nLediglich in vier L\u00e4ndern stiegen die mittleren Einkommen schneller als der Durchschnitt, allerdings in sehr unterschiedlicher Weise. W\u00e4hrend in den Niederlanden und insbesondere in Israel ein starkes Wachstum der realen Gesamteinkommen zu verzeichnen war, stagnierten diese in Japan und gingen in Griechenland als Folge der globalen Finanzkrise drastisch zur\u00fcck (siehe <em>Abbildung 2<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb.\u00a01: Zuwachs des Realeinkommens nach Einkommenslage (OECD-Durchschnitt, 1985\u20132015<\/strong>)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #ff00ff;\"><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/11\/FOERSTER_LEVY_Abb1_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-74691\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/11\/FOERSTER_LEVY_Abb1_DE.png\" alt=\"\" width=\"2408\" height=\"680\" \/><\/a><\/span>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: Zuwachs des Durchschnitts- und des Medianeinkommens in ausgew\u00e4hlten OECD-Staaten (1985\u20132015)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='foerster_levy_de2'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#foerster_levy_de2').highcharts({\n     xAxis: {\n        categories: ['Israel', 'Niederlande', 'OECD', 'Neuseeland', 'USA', 'Mexiko', 'Japan', 'Griechenland']\n    },\n    yAxis: {\n       title: {\n            text: ''\n        },\n labels: {\n            format: '{value}%'\n        }\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    tooltip: {\n        headerFormat: '<b>{series.name}<\/b><br\/>',\n        valueDecimals: 2,\n        pointFormat: '{point.y}%'\n    },\n    series: [{\n        type: 'column',\n        name: 'Median (Zentralwert) ',\n        data: [105.33,43.44,36.94,36.11,16.45,13.77,-0.33,-12.56],\n        \n\n      \n    }, {\n        type: 'scatter',\n        name: 'Durchschnitt (arithmetisches Mittel)',\n        data: [100.50,39.68,41.06,50.92,29.45,24.28,-1.20,-17.54],\n\n        marker: {\n            radius: 6\n        }\n    }]\n});\n});\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Die Einkommensdaten beziehen sich auf die Gesamtbev\u00f6lkerung und beruhen auf dem verf\u00fcgbaren Einkommen, bereinigt nach Haushaltsgr\u00f6sse. Im OECD-Durchschnitt sind 17 L\u00e4nder ber\u00fccksichtigt: D\u00e4nemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Israel, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Mexiko, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Schweden und USA. <\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: OECD (<a href=\"http:\/\/oe.cd\/idd\">OE.CD\/IDD<\/a&gt;); Berechnungen F\u00f6rster und Levy (2017) \/ Die Volkswirtschaft&#13;\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den OECD-L\u00e4ndern leben im Durchschnitt sechs von zehn Personen in Haushalten mit mittleren Einkommen, das heisst, ihr Haushaltseinkommen liegt zwischen drei Vierteln und dem Doppelten des Medianeinkommens im jeweiligen Land. Der Anteil dieser Haushalte liegt zwischen 50 Prozent in den USA, in Israel und in Estland und knapp 75\u00a0Prozent in den nordischen und einigen kontinentaleurop\u00e4ischen L\u00e4ndern. In der Schweiz verf\u00fcgen knapp zwei Drittel der Haushalte \u00fcber ein mittleres Einkommen \u2013 \u00e4hnliche Werte sind in Deutschland, Frankreich und \u00d6sterreich zu verzeichnen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl variiert<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDurchschnittlich z\u00e4hlen sich in den OECD-Staaten beinahe sieben von zehn Personen zur Mittelschicht. Bei der Selbsteinsch\u00e4tzung gibt es jedoch grosse Unterschiede zwischen den L\u00e4ndern.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> So f\u00fchlen sich in Portugal und in Grossbritannien lediglich zwischen 30 und 40\u00a0Prozent der Bev\u00f6lkerung zur Mittelschicht zugeh\u00f6rig. In D\u00e4nemark, Island und den Niederlanden liegt der Anteil hingegen bei fast 90 Prozent. Mit einem Anteil von 82\u00a0Prozent belegt die Schweiz in dieser Liste den vierten Rang.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Allgemeinen besteht ein Zusammenhang zwischen dem Anteil der Bev\u00f6lkerung mit mittleren Einkommen und dem Anteil der Personen, die sich als Angeh\u00f6rige des Mittelstands betrachten. Allerdings f\u00fchlen sich in den meisten L\u00e4ndern mehr Personen dem Mittelstand zugeh\u00f6rig, als es die Einkommensdaten vermuten lassen w\u00fcrden (siehe <em>Abbildung 3<\/em>). Studien zur subjektiven sozialen Klassenidentifikation bringen dies oft mit einem \u00abMittelstands-Bias\u00bb in Zusammenhang, wonach es eine Selbstidentifikation mit dem Mittelstand unabh\u00e4ngig von der finanziellen und wirtschaftlichen Lage gibt.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 3: <strong>Mittlere Einkommen und subjektive Einsch\u00e4tzung nach L\u00e4ndern (in&nbsp;%)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/11\/FOERSTER_LEVY_Abb3_DE.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-74689\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/11\/FOERSTER_LEVY_Abb3_DE.png\" alt=\"\" width=\"2452\" height=\"862\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Die mittlere Einkommensgruppe ist definiert als Anteil der Haushalte, die \u00fcber ein Einkommen zwischen 75% und 200% des Medianeinkommens verf\u00fcgen. Die Bev\u00f6lkerungsgruppe, die sich nach subjektiver Einsch\u00e4tzung zum Mittelstand z\u00e4hlt, besteht aus den Personen, die sich selbst als Angeh\u00f6rige der Mittelschicht betrachten. Die Einkommensdaten beziehen sich auf das Jahr 2013, mit Ausnahme von Kanada (2010), S\u00fcdkorea (2006), Deutschland (2014), Mexiko (2012) und der Schweiz (2012). <\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSubjektive Indikatoren zeigen, dass Mittelstandshaushalte ihre finanzielle Lage zunehmend pessimistisch einsch\u00e4tzen. In den USA und in Kanada ist der Anteil der Bev\u00f6lkerung, der sich als Teil der Mittelschicht betrachtet, in den letzten Jahren stark gesunken. Im gleichen Umfang hat in diesen beiden L\u00e4ndern der Anteil der Personen zugenommen, die nach ihrer Selbsteinsch\u00e4tzung einer tieferen sozialen Schicht angeh\u00f6ren.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nPessimismus herrscht auch mit Blick auf die Zukunft. In den meisten OECD-L\u00e4ndern geht \u00fcber die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung davon aus, dass die heutigen Kinder im Erwachsenenalter in finanzieller Hinsicht schlechtergestellt sein werden als ihre Eltern.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>R\u00fcckgang in den Neunzigerjahren<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nErkenntnisse aus Umfragen zum Haushaltseinkommen best\u00e4tigen, dass der Mittelstand besonders stark gegen Ende des 20. Jahrhunderts schrumpfte. Im Durchschnitt der OECD-L\u00e4nder ist der Anteil der mittleren Einkommensgruppe an der Gesamtbev\u00f6lkerung von 63\u00a0Prozent Mitte der Achtzigerjahre auf 61\u00a0Prozent Anfang der Nullerjahre gesunken. Seither ist er verh\u00e4ltnism\u00e4ssig stabil geblieben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDeutlich reduziert hat sich der Anteil des Mittelstandes seit den Achtzigerjahren in Deutschland, in Finnland, in Polen, in der Slowakei und in Schweden. Wie in anderen osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern erfolgte dieser R\u00fcckgang in der Slowakei und in Polen w\u00e4hrend des wirtschaftlichen \u00dcbergangsprozesses in den Neunzigerjahren. In Schweden und Finnland war die st\u00e4rkste Abnahme in der zweiten H\u00e4lfte der Neunzigerjahre zu verzeichnen, das heisst im Anschluss an die Rezession in den nordischen L\u00e4ndern. Demgegen\u00fcber nimmt der Anteil in Deutschland ziemlich kontinuierlich ab. In der Schweiz schrumpfte die Mittelschicht nur leicht von 65,4\u00a0Prozent in den Achtzigerjahren auf 64,5\u00a0Prozent im Jahr 2013.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Abnahme der mittleren Einkommensgruppe ging, etwa im gleichen Ausmass, mit einer Zunahme der unteren und oberen Einkommensgruppen einher. Auch hier bestehen zwischen den einzelnen L\u00e4ndern betr\u00e4chtliche Unterschiede. So war in Deutschland die Abnahme der mittleren Einkommensgruppe mit einer Zunahme der unteren und oberen Einkommensgruppen im gleichen Umfang verbunden. In den Vereinigten Staaten hingegen nahmen die oberen Einkommensgruppen beinahe doppelt so stark zu wie die unteren Einkommensgruppen; in Frankreich fiel beinahe die gesamte (leichte) Zunahme der mittleren Einkommensgruppe mit einem entsprechenden R\u00fcckgang der unteren Einkommensgruppe zusammen. In der Schweiz ging der leichte R\u00fcckgang der mittleren Einkommensgruppe mit einer vergleichbaren Zunahme der unteren Einkommensgruppen einher, w\u00e4hrend der Anteil der oberen Einkommensgruppen trotz einiger Schwankungen in den letzten Jahren insgesamt stabil blieb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer wirtschaftliche Einfluss des Mittelstands nahm st\u00e4rker ab als sein Anteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung. So nahm der Anteil der mittleren Einkommen am Gesamteinkommen um 3 Prozentpunkte ab, w\u00e4hrend der Bev\u00f6lkerungsanteil der Personen mit mittleren Einkommen um 2 Prozentpunkte zur\u00fcckging. Dies kam ausschliesslich den oberen Einkommen zugute. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Einkommensanteil der mittleren Einkommensgruppe in D\u00e4nemark, Deutschland und den USA deutlich reduziert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit 1985 ging der Anteil des Mittelstands am Gesamteinkommen in den USA sogar um beinahe 14 Prozentpunkte zur\u00fcck. Im Gegensatz dazu hat sich der Einkommensanteil der mittleren Einkommen in Norwegen, Mexiko und Estland betr\u00e4chtlich erh\u00f6ht.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Der Mittelstand wird \u00e4lter<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Anteil von Rentnern am Mittelstand hat substanziell zugenommen, w\u00e4hrend die Anteile aller anderen Altersgruppen gesunken sind. Die zunehmende Zahl von \u00e4lteren Menschen in der Mittelschicht ist zum einen Ausdruck der besseren Altersversorgung von Neurentnern. Zum anderen ist sie darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass immer mehr Personen \u00fcber das Pensionsalter hinaus erwerbst\u00e4tig sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nImmer weniger Familien schaffen den Aufstieg in den Mittelstand. In den letzten Jahrzehnten hat der Prozentsatz von Familien mit Kindern in der mittleren Einkommensgruppe abgenommen, w\u00e4hrend er in den unteren Einkommensgruppen gestiegen ist. Beim Anteil an der Mittelschicht von alleinstehenden Erwachsenen und Paaren ohne Kinder verlief die Entwicklung umgekehrt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine zunehmende Polarisierung des Arbeitsmarktes sowie neue Arbeitsformen erodieren den Mittelstand zus\u00e4tzlich. W\u00e4hrend der letzten Jahrzehnte wurden viele Arbeitspl\u00e4tze von mittelqualifizierten Erwerbst\u00e4tigen durch neue Technologien ersetzt. Gleichzeitig wurden durch die technische Entwicklung neue Stellen am oberen und unteren Ende der Qualifikations- und Lohnskala geschaffen. Dies erfolgte zulasten der Arbeitspl\u00e4tze im mittleren Spektrum.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nParallel zum Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcr mittelqualifizierte Erwerbst\u00e4tige w\u00e4hrend der letzten 25 Jahre erfolgte eine Zunahme von atypischen Arbeitspl\u00e4tzen \u2013 das sind beispielsweise Tempor\u00e4rstellen, Teilzeitarbeit und selbstst\u00e4ndige Erwerbst\u00e4tigkeit. Diese Entwicklung, welche ebenfalls zur Besch\u00e4ftigungspolarisierung beitrug, hat sich nach der Wirtschaftskrise beschleunigt.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Steigende Lebenshaltungskosten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEbenfalls unter Druck kommt der Mittelstand durch h\u00f6here Lebenshaltungskosten. Immer mehr Menschen haben Schwierigkeiten, einen \u00abf\u00fcr den Mittelstand typischen Lebensstil\u00bb aufrechtzuerhalten. Die Preise einiger traditioneller \u00abKonsumg\u00fcter der Mittelschicht\u00bb haben sich viel rascher erh\u00f6ht als die mittleren Einkommen oder die Gesamtinflation. Beispielsweise gilt Wohneigentum in vielen L\u00e4ndern als typisches Mittelstandsmerkmal. Doch aufgrund des raschen Anstiegs der Immobilienpreise k\u00f6nnen sich dies immer weniger Menschen leisten \u2013 das gilt insbesondere f\u00fcr junge Leute.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBeim Konsum sind auch die eigenen Anspr\u00fcche der Mittelstandsfamilien gestiegen: Nach Erkenntnissen von Anthropologen, Soziologen und in j\u00fcngerer Zeit auch von \u00d6konomen werden diese teilweise auch davon beeinflusst, dass die Mittelschicht den Lebensstil der Oberschicht nachahmt. Demnach wollen Angeh\u00f6rige des Mittelstands mit ihren Handlungen ihre Chancen und jene ihrer Familienmitglieder aufrechterhalten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieses Ph\u00e4nomen wird als \u00abAusgaben-Kaskade\u00bb oder als \u00abTrickle-down-Konsum\u00bb bezeichnet.<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> So kommen etwa Mittelstandsfamilien in einem zunehmend wettbewerbsorientierten Arbeitsmarkt, der von den Arbeitskr\u00e4ften immer h\u00f6here Qualifikationen verlangt, zum Schluss, dass sie noch mehr in die Qualifikation und Bildung investieren m\u00fcssen. Entsprechend setzen Mittelstandsfamilien in verschiedenen OECD-L\u00e4ndern zunehmend auf eine kostenpflichtige Ausbildung in Privatschulen, an einer Universit\u00e4t oder in Form von ausserschulischen Aktivit\u00e4ten, um ihren Kindern zus\u00e4tzliche Chancen zu er\u00f6ffnen. Steigende Bildungskosten belasten das Budget von Mittelstandsfamilien und f\u00fchren in einigen F\u00e4llen zu einer untragbaren Schuldenlast.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ausbildung, Besch\u00e4ftigungs- und Fiskalpolitik<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich sind Bildungsausgaben sowohl in individueller als auch in gesellschaftlicher Hinsicht eine gute Investition. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, die Qualifikationen der Arbeitskr\u00e4fte zu verbessern und auf den neuesten Stand zu bringen, um die Chancen des Mittelstands zu erh\u00f6hen. Dazu m\u00fcssen die Strategien auf die Ressourcen und Bed\u00fcrfnisse in der Praxis abgestimmt werden. Was die Schweiz betrifft, umfasst die Fachkr\u00e4fteinitiative des Bundes verschiedene solcher Massnahmen, um die Qualifikationen zu steigern, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern und gute Bedingungen f\u00fcr die Erwerbst\u00e4tigkeit von \u00e4lteren Arbeitnehmenden zu schaffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm zus\u00e4tzliches integratives Wachstum zu f\u00f6rdern, spielt auch eine gut konzipierte und auf den Mittelstand ausgerichtete Fiskalpolitik eine wichtige Rolle. Mit Steuererleichterungen f\u00fcr Personen mit tiefem oder mittlerem Einkommen, Unterst\u00fctzung der Kinderbetreuung und Elternurlaub f\u00fcr Erwerbst\u00e4tige k\u00f6nnten das Realeinkommen und die Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten der Mittelschicht gesteigert werden. Auf die Schweiz \u00fcbertragen, heisst dies: Mit der Beseitigung von steuerlichen Verzerrungen und der F\u00f6rderung des Kinderbetreuungsangebots k\u00f6nnten das Angebot an weiblichen Arbeitskr\u00e4ften und die Produktivit\u00e4t erh\u00f6ht werden.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Stabilisierung der Wohnkosten w\u00fcrde den Lebensstandard des Mittelstands ebenfalls verbessern. In der Schweiz k\u00f6nnte beispielsweise die Verdichtung des Wohnraums mit einer \u00dcberpr\u00fcfung der Raumplanungsvorschriften und besseren Informationen f\u00fcr Grundeigent\u00fcmer erh\u00f6ht werden.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">OECD (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Curtis (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Evans and Kelley (2004).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">OECD (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Pew Research Center (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Autor (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">OECD (2014) und OECD (2015a).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Frank, Levine und Dijk (2014); Bertrand und Morse (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">OECD (2015b).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">OECD (2015b).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In vielen Industriestaaten sind in j\u00fcngster Zeit neue Formen von Nationalismus, Populismus und Protektionismus zu verzeichnen. 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Subjective Social Location: Data From 21 Nations, in: International Journal of Public Opinion Research, 16(1): 3\u201338.<\/li>&#13;\n \t<li>Frank, R., Levine, A. und Dijk, O. (2014). Expenditure Cascades, in: Review of Behavioral Economics, 1(1-2): 55\u201373.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2014). <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1787\/empl_outlook-2014-en\">OECD Employment Outlook 2014<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2015a). <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1787\/9789264235120-en\">In It Together: Why Less Inequality Benefits All<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2015b). <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1787\/eco_surveys-che-2015-en\">OECD Economic Surveys: Switzerland 2015<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2017). <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/mcm\/documents\/C-MIN-2017-2-EN.pdf\">Meeting of the OECD Council at Ministerial Level: Key Issues Paper<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>Pew Research Center. (2017). <a href=\"http:\/\/www.pewglobal.org\/database\/indicator\/74\/survey\/15\/response\/Worse+off\/\">Children\u2019s Financial Future<\/a>, Global Attitudes Survey.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Hinweis der Autoren","kasten_box":"Die in diesem Artikel vertretenen Auffassungen entsprechen nicht unbedingt dem Standpunkt der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) oder ihrer Mitgliedsstaaten."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":108159,"main_focus":[156297,157018],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":108163,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"73806","post_abstract":"Die meisten Menschen in den OECD-L\u00e4ndern leben in Haushalten mit mittleren Einkommen und z\u00e4hlen sich selbst zum Mittelstand. Diese Mittelschicht beurteilt ihre wirtschaftliche Lage zunehmend als gef\u00e4hrdet. Es gibt Anzeichen daf\u00fcr, dass die mittlere Einkommensgruppe w\u00e4hrend der letzten 30 Jahre in den meisten OECD-L\u00e4ndern kleiner geworden ist und an wirtschaftlichem Einfluss eingeb\u00fcsst hat. F\u00fcr junge Leute und Familien mit Kindern ist es heute schwieriger, in den Mittelstand aufzusteigen. Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt werden immer unsicherer, weil Stellen f\u00fcr mittelqualifizierte Arbeitskr\u00e4fte und Standardjobs durch den technologischen Wandel und die Globalisierung verloren gehen. Der Mittelstand kommt durch h\u00f6here Lebenshaltungskosten und gestiegene eigene Anspr\u00fcche zunehmend unter Druck, was teilweise zu einer starken Verschuldung f\u00fchrt. Damit die Mittelschicht wieder Vertrauen fasst, sind wirksame politische Massnahmen erforderlich. 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