{"id":108406,"date":"2017-10-24T08:36:04","date_gmt":"2017-10-24T08:36:04","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/10\/arvanitis-11-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:04:37","modified_gmt":"2023-08-23T21:04:37","slug":"arvanitis-11-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/10\/arvanitis-11-2017\/","title":{"rendered":"Innovationskraft der Schweizer Unternehmen schwindet"},"content":{"rendered":"<p>Im j\u00fcngsten europ\u00e4ischen Innovationsranking belegt die Schweiz einmal mehr den Spitzenplatz \u2013 gefolgt von Schweden, D\u00e4nemark, den Niederlanden, Deutschland und Finnland, die alle zur Gruppe der \u00abInnovationsleader\u00bb geh\u00f6ren.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Doch das Top-Ranking t\u00e4uscht, denn einiges deutet auf einen anhaltenden Abw\u00e4rtstrend der Innovationskraft in der Schweiz hin. So misst der Gesamtindex nicht nur die Innovationsleistung, sondern auch Innovationsinputs wie Forschung und Entwicklung (F&amp;E) sowie verschiedene andere innovationsrelevante \u00f6konomische Gr\u00f6ssen wie die Ausstattung mit Humankapital oder die Qualit\u00e4t der Forschungsinstitutionen. Ebenfalls ber\u00fccksichtigt werden innovationsrelevante institutionelle Faktoren wie die Offenheit des Forschungssystems und der Schutz der Eigentumsrechte, die eher das Innovationspotenzial als die Innovationsleistung eines Landes bestimmen. Solche Input-Faktoren ver\u00e4ndern sich dabei langsamer als Output-Faktoren.<\/p>\n<p>Ausserdem werden im Gesamtindex die Input- und Outputindikatoren zusammengefasst, obwohl diese separat verglichen werden sollten. \u00dcber eine l\u00e4ngere Periode betrachtet, zeigen sowohl der europ\u00e4ische Index als auch die Indikatoren der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich, dass die Distanz der Schweiz zum EU-Durchschnitt kontinuierlich abnimmt \u2013 seit 2011 nimmt auch die Innovationsperformance ab.<\/p>\n<p>Um die Innovationsperformance zwischen ausgew\u00e4hlten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern differenziert vergleichen zu k\u00f6nnen, st\u00fctzen wir uns auf die KOF-Innovationsumfrage \u2013 die bislang im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) durchgef\u00fchrt wurde und in\u00a0Zukunft im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI)\u00a0durchgef\u00fchrt wird \u2013 und auf das EU-Pendant \u00abCommunitiy Innovation Survey\u00bb (CIS). In beiden Umfragen sind separate Indikatoren f\u00fcr Innovationsinput und -output vorhanden, wodurch direkt die Innovationsleistung der Unternehmen gemessen wird. Die Daten f\u00fcr die Vergleichsl\u00e4nder Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Niederlande, \u00d6sterreich und Schweden stammen aus der Eurostat-Datenbank.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<h2><strong>Anteil der Unternehmen mit F&amp;E halbiert<\/strong><\/h2>\n<p>Ein erster Indikator f\u00fcr die Innovationskraft ist der Anteil der Firmen, die Forschung und Entwicklung betreiben (F&amp;E-Inzidenz). Hier ist seit der Jahrtausendwende eine starke Abw\u00e4rtstendenz festzustellen, die sich bis 2014 fortgesetzt hat. So ist der Anteil der Firmen mit F&amp;E-Aktivit\u00e4ten von 46 Prozent in der Periode 2000\u20132002 auf 20 Prozent in der Periode 2012\u20132014 gesunken (siehe <em>Abbildung 1<\/em>).<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1: Anteil der Unternehmen mit firmeninterner F&amp;E<\/strong><\/h3>\n<div class='chart chart--normal' id='arvanitis_1_de_17'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#arvanitis_1_de_17').highcharts({\n    \n    chart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: {\n        categories: ['1998-2000', '2000-2002', '2002-2004', '2004-2006', '2006-2008', '2008-2010', '2010-2012', '2012-2014']\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        },\n         labels: {\n                format: '{value}%'\n            },\n    },\n   tooltip: {\n                        valueSuffix: ' %'\n\n\n        },\n       \n\n        plotOptions: {\n            line: {\n                marker: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n\n    series: [{\n        name: 'Deutschland',\n        data: [23, 24, 25, 23, 21, 22, 20, 23],\n                dashStyle: 'shortdot'\n\n\n    }, {\n        name: 'Frankreich',\n        data: [26,29,33,30,28,30,27,32],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n    {\n        name: 'Italien',\n        data: [16, 22, 27, 23, 19, 21, 15, 19],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n     {\n        name: 'Niederlande',\n        data: [24, 28, 31, 31, 26, 26, 30, 34],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n     {\n        name: '\u00d6sterreich',\n        data: [null, null, null, 19, 21, 23, 21, 24],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n\n    },\n     {\n        name: 'Finnland',\n        data: [32, null, null, null, 33, 36, 31, 36],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n      {\n        name: 'Schweden',\n        data: [null, null, 31, 31, 27, 27, 27, 31],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n\n   },\n      {\n        name: 'Schweiz',\n        data: [30, 46, 42, 37, 25, 27, 23, 20],\n        color: \"#e84066\"\n    }]\n});\n\n\n});\n\n\n\n<\/script>\n<p><span class=\"text__quelle--ground\">Anmerkung: Basis sind jeweils alle Unternehmen im Sample eines Landes. Quelle: KOF-Innovationserhebung,\u00a0Eurostat \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/p>\n<p>Die fr\u00fchere f\u00fchrende Stellung der Schweiz ist somit erodiert. Abgesehen von Italien weist die Schweiz zuletzt sogar die niedrigste F&amp;E-Inzidenz unter den Vergleichsl\u00e4ndern auf. Demgegen\u00fcber ist bei Deutschland, Frankreich, Italien, \u00d6sterreich, den Niederlanden, Finnland und Schweden kein Abw\u00e4rtstrend erkennbar. Im Gegenteil: Seit 2010 hat der Anteil der F&amp;E-treibenden Unternehmen sogar leicht zugenommen.<\/p>\n<p>Bei den externen F&amp;E-Aktivit\u00e4ten ist hingegen bei allen untersuchten L\u00e4ndern bis zur Periode 2010\u20132012 ein Abw\u00e4rtstrend zu beobachten. Anschliessend zeichnet sich generell eine Trendumkehr ab. Bei diesem Indikator befindet sich die Schweiz im oberen Mittelfeld.<\/p>\n<p>Ins Auge sticht, dass diejenigen Unternehmen in der Schweiz, welche weiterhin forschen und entwickeln, ihre Aktivit\u00e4ten intensiviert haben (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Seit 2008 nimmt hier der Anteil der F&amp;E-Ausgaben am Umsatz (F&amp;E-Intensit\u00e4t) st\u00e4ndig zu. Bei gleichzeitig m\u00e4ssigen Ver\u00e4nderungen dieser Gr\u00f6sse in den Vergleichsl\u00e4ndern im selben Zeitraum konnte die Schweiz zuletzt ihre Spitzenposition der Periode 2004\u20132006 wieder erreichen.<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: F&amp;E-Ausgaben als Anteil des Umsatzes<\/strong><\/h3>\n<div class='chart chart--normal' id='arvanitis_2_de_17'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#arvanitis_2_de_17').highcharts({\nchart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: {\n        categories: [\n'2000', '2002', '2004', '2006', '2008', '2010', '2012', '2014']\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        },\n         labels: {\n                format: '{value}%'\n            },\n    },\n   tooltip: {\n                        valueSuffix: ' %'\n\n\n        },\n       \n\n        plotOptions: {\n            line: {\n                marker: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n\n    series: [{\n        name: 'Deutschland',\n        data: [1.5,1.5,1.4,1.3,1.3,1.4,1.5,1.7],\n                dashStyle: 'shortdot'\n\n\n    }, {\n        name: 'Frankreich',\n        data: [2.2,2.2,2.2,2.0,1.8,1.6,1.7,1.8],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n    {\n        name: 'Italien',\n        data: [0.8,0.9,0.9,0.8,0.7,0.9,0.7,0.7],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n     {\n        name: 'Niederlande',\n        data: [1.1,1.1,1.2,1.0,1.3,1.1,1.5,null],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n     {\n        name: '\u00d6sterreich',\n        data: [null,null,null,null,1.4,1.7,1.7,2.0],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n\n    },\n     {\n        name: 'Finnland',\n        data: [2.2,null,null,null,2.3,2.4,2.3,2.3],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n      {\n        name: 'Schweden',\n        data: [null,null,2.9,2.9,2.8,2.9,3.0,2.9],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n\n   },\n      {\n        name: 'Schweiz',\n        data: [2.2,2.9,3.0,3.1,2.4,2.4,2.7,3.0],\n        color: \"#e84066\"\n    }]\n});\n\n\n\n\n\n});\n\n\n\n<\/script>\n<p><span class=\"text__quelle--ground\">Anmerkung: Basis sind jeweils die innovativen Unternehmen im Sample eines Landes. Quelle: KOF-Innovationserhebung,\u00a0Eurostat \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/p>\n<h2><strong>Beim Output weiterhin in der Spitzengruppe<\/strong><\/h2>\n<p>Wenn man die Indikatoren des Innovationsoutputs auf der Produktseite betrachtet, liegt die Schweiz im internationalen Vergleich nach wie vor vorne. Allerdings ist auch hier ein starker Abw\u00e4rtstrend beobachtbar. Der Anteil der Unternehmen mit Produktinnovation (Produktinnovations-Inzidenz) sinkt zwar auch in den anderen L\u00e4ndern \u2013 allerdings weniger stark als in der Schweiz (siehe <em>Abbildung 3<\/em>). Somit ergibt sich eine klare Konvergenz \u00fcber die Zeit: W\u00e4hrend sich der Anteil der Unternehmen mit Produktinnovationen in der Schweiz verringerte, hat er sich in den Vergleichsl\u00e4ndern erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Auch beim Umsatzanteil innovativer Produkte ist die Distanz sukzessiv geringer geworden, da die Vergleichsl\u00e4nder immer besser geworden sind (siehe <em>Abbildung 4<\/em>). Dieser Indikator, der die effektive Innovationsperformance misst, hat sich f\u00fcr die Schweiz seit der Jahrtausendwende nur wenig ver\u00e4ndert, und auch in der j\u00fcngsten Periode 2012\u20132014 erzielt das Land den h\u00f6chsten Wert.<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 3: Anteil der Unternehmen mit Produktinnovationen<\/strong><\/h3>\n<div class='chart chart--normal' id='arvanitis_3_de_17'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#arvanitis_3_de_17').highcharts({\n\nchart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: {\n        categories: ['1998-2000', '2000-2002', '2002-2004', '2004-2006', '2006-2008', '2008-2010', '2010-2012', '2012-2014']\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        },\n         labels: {\n                format: '{value}%'\n            },\n    },\n   tooltip: {\n                        valueSuffix: ' %'\n\n\n        },\n       \n\n        plotOptions: {\n            line: {\n                marker: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n\n    series: [{\n        name: 'Deutschland',\n        data: [42,43,43,46,41,42,36,34],\n                dashStyle: 'shortdot'\n\n\n    }, {\n        name: 'Frankreich',\n        data: [29,24,19,21,23,24,24,28],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n    {\n        name: 'Italien',\n        data: [25,21,18,19,27,29,29,25],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n     {\n        name: 'Niederlande',\n        data: [38,31,25,25,25,35,32,33],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n     {\n        name: '\u00d6sterreich',\n        data: [35,36,38,36,31,32,27,31],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n\n    },\n     {\n        name: 'Finnland',\n        data: [35,32,30,33,31,33,31,35],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n      {\n        name: 'Schweden',\n        data: [32,35,37,33,32,36,32,31],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n\n   },\n      {\n        name: 'Schweiz',\n        data: [49,61,55,50,42,46,38,34],\n        color: \"#e84066\"\n    }]\n});\n\n\n});\n\n\n\n<\/script>\n<p><span class=\"text__quelle--ground\">Anmerkung: Basis sind jeweils alle Unternehmen im Sample eines Landes. Quelle: KOF-Innovationserhebung, Eurostat \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 4: Anteil der innovativen Produkte am Gesamtumsatz<\/strong><\/h3>\n<div class='chart chart--normal' id='arvanitis_4_de_17'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#arvanitis_4_de_17').highcharts({\n\nchart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: {\n        categories: ['2000', '2002', '2004', '2006', '2008', '2010', '2012', '2014']\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        },\n         labels: {\n                format: '{value}%'\n            },\n    },\n   tooltip: {\n                        valueSuffix: ' %'\n\n\n        },\n       \n\n        plotOptions: {\n            line: {\n                marker: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n\n    series: [{\n        name: 'Deutschland',\n        data: [36, 26, 18, 21, 20, 22, 16, 21],\n                dashStyle: 'shortdot'\n\n\n    }, {\n        name: 'Frankreich',\n        data: [24, 18, 12, 16, 20, 20, 20, 25],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n    {\n        name: 'Italien',\n        data: [40, 26, 12, 15, 17, 30, 17, 19],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n     {\n        name: 'Niederlande',\n        data: [22, 15, 08, 18, 15, 19, 24, 25],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n     {\n        name: '\u00d6sterreich',\n        data: [24, 17, 11, 17, 15, 20, 14, 21],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n\n    },\n     {\n        name: 'Finnland',\n        data: [47, 31, 15, 19, 20, 24, 15, 15],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n    },\n      {\n        name: 'Schweden',\n        data: [null, 07, 13, 14, 14, 12, 10, 12],\n                        dashStyle: 'shortdot'\n\n   },\n      {\n        name: 'Schweiz',\n        data: [22, 34, 33, 33, 28, 33, 32, 35],\n        color: \"#e84066\"\n    }]\n});\n\n\n\n});\n\n\n\n<\/script>\n<p><span class=\"text__quelle--ground\">Anmerkung: Basis sind jeweils die innovativen Unternehmen im Sample eines Landes. Quelle: KOF-Innovationserhebung, Eurostat \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/p>\n<h2><strong>Sinkt der Innovationsgehalt neuer Produkte?<\/strong><\/h2>\n<p>Wie sieht es beim Innovationsgehalt von neuen Produkten aus? Hier deuten zwei Indizien auf eine Abnahme: Erstens gibt es immer weniger innovierende Unternehmen, die F&amp;E betreiben. Und zweitens sinkt der Umsatzanteil der Marktinnovationen am gesamten Umsatz von innovativen Produkten stark (wobei es hier um Produktinnovationen geht, die neu f\u00fcr den Markt bzw. die Branche, und nicht nur f\u00fcr das einzelne Unternehmen, sind). Falls sich diese beiden Tendenzen fortsetzen, ist das Innovationspotenzial \u2013 und somit das Wachstumspotenzial \u2013 der Schweizer Wirtschaft langfristig gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>In der Periode 2012\u20132014 meldeten nur noch 46 Prozent der innovierenden Unternehmen in der Schweiz F&amp;E-Aktivit\u00e4ten. Der entsprechende Anteil hatte nach der Jahrtausendwende noch 66 Prozent betragen. F\u00fcr die letzte beobachtete Periode zeichnet sich zwar eine leichte Zunahme des Anteils ab, diese Tendenz ist allerdings auch bei den Vergleichsl\u00e4ndern festzustellen. Im Gegensatz zur Schweiz zeigt sich in diesen L\u00e4ndern aber bis 2012 kein starker R\u00fcckgang des Anteils der innovierenden Unternehmen, die F&amp;E betreiben. Zwar k\u00f6nnen Innovationen ohne F&amp;E ebenfalls hohe Ertr\u00e4ge erbringen. Da sie aber auf schrittweisen Ver\u00e4nderungen bestehender Produkte basieren, verf\u00fcgen sie \u2013 l\u00e4ngerfristig betrachtet \u2013 \u00fcber kein grosses Marktpotenzial<\/p>\n<p>Auch der Umsatzanteil der Marktinnovationen, also derjenigen Produktinnovationen, die einen h\u00f6heren Innovationsgehalt aufweisen, hat in der Schweiz seit 2008 stark abgenommen, zuletzt etwas weniger stark. In der j\u00fcngsten Beobachtungsperiode betrug er 4 Prozent, was die niedrigste Zahl unter den Vergleichsl\u00e4ndern ist. Allerdings befindet sich das Land in guter Gesellschaft mit Deutschland, wo der Umsatzanteil der Marktinnovationen 6 Prozent betr\u00e4gt.<\/p>\n<h2><strong>Kosten als h\u00e4ufigstes Hindernis<\/strong><\/h2>\n<p>Ein m\u00f6glicher Grund f\u00fcr den R\u00fcckgang der Innovationst\u00e4tigkeit in der Schweiz ist, dass die Innovationskosten \u00fcber die Zeit zugenommen haben. In s\u00e4mtlichen KOF-Erhebungen nannten Unternehmen \u00abzu hohe Innovationskosten\u00bb am h\u00e4ufigsten als wesentliches Innovationshindernis.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Allerdings nahm seine Bedeutung \u00fcber die Zeit ab.<\/p>\n<p>Vermutlich haben auch Faktoren wie die Frankenaufwertungswellen von 2011 bis 2015 die Innovationst\u00e4tigkeit negativ beeinflusst. Hinzu kommen Hemmnisse wie Fachkr\u00e4ftemangel oder Finanzierungsprobleme. Es zeigt sich jedoch, dass sich keines der Innovationshemmnisse \u00fcber die Zeit wesentlich akzentuiert hat \u2013 viele Hemmnisse haben sogar an Bedeutung verloren.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Allerdings stellen Finanzierungsprobleme f\u00fcr kleinere Unternehmen nach wie vor ein betr\u00e4chtliches Innovationshindernis dar.<\/p>\n<p>Die Abnahme des Anteils der innovierenden Unternehmen in der Schweiz scheint also nicht auf verschlechterte Rahmenbedingungen zur\u00fcckzuf\u00fchren zu sein. Dies legt die Vermutung nahe, dass die Unternehmen ihre Innovationsaktivit\u00e4ten aus betriebsinternen strategischen \u00dcberlegungen eingestellt haben \u2013 beispielsweise vor dem Hintergrund zunehmender internationaler Konkurrenz in gewissen Nischenm\u00e4rkten wie etwa bei den Messinstrumenten. Mit anderen Worten: Firmen sch\u00e4tzen die Ertragsaussichten von Innovationen als zu niedrig ein.<\/p>\n<p>Im jetzigen wirtschaftlichen Umfeld mit dem starken Franken und dem steigenden Preisdruck auf die Unternehmen k\u00f6nnten sich solche Entscheidungen schnell als folgenschwer f\u00fcr die gesamtwirtschaftliche Entwicklung herausstellen. Aus wirtschaftspolitischer Sicht muss deshalb nicht nur die Entwicklung der Innovationsaktivit\u00e4ten der Unternehmen, sondern insbesondere auch die Entwicklung der Innovationshemmnisse genau verfolgt werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Europ\u00e4ische Kommission (2016): 80.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Erfasst sind Unternehmen mit mehr als zehn Besch\u00e4ftigten aus der Industrie, aus wissensintensiven Dienstleistungsbranchen und Grosshandel.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vgl. Arvanitis et al (2016) sowie Arvanitis et al. (2017): Grafik 3.4.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Arvanitis et al. (2017): Grafik 4.3.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im j\u00fcngsten europ\u00e4ischen Innovationsranking belegt die Schweiz einmal mehr den Spitzenplatz \u2013 gefolgt von Schweden, D\u00e4nemark, den Niederlanden, Deutschland und Finnland, die alle zur Gruppe der \u00abInnovationsleader\u00bb geh\u00f6ren. Doch das Top-Ranking t\u00e4uscht, denn einiges deutet auf einen anhaltenden Abw\u00e4rtstrend der Innovationskraft in der Schweiz hin. 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Die Entwicklung der Innovationsaktivit\u00e4ten in der Schweizer Wirtschaft 1997\u20132017, Studie im Auftrag des Seco, Strukturberichterstattung Nr. 55, Bern.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Europ\u00e4ische Kommission (2016). <a href=\"http:\/\/www.knowledgetransferireland.com\/About_KTI\/Reports-Publications\/European-Innovation-Scoreboard-2016.pdf\">European Innovation Scoreboard 2016<\/a>.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":108409,"main_focus":"","serie_email":null,"frontpage_slider_bild":108413,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"72395","post_abstract":"Die j\u00fcngste KOF-Innovationsumfrage bei Schweizer Unternehmen f\u00f6rdert Schwachstellen zutage: Im Vergleich zu anderen innovationsstarken europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wie Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Niederlande, \u00d6sterreich und Schweden geht in der Schweiz der Anteil der Unternehmen, die Forschung und Entwicklung betreiben bzw. Produktinnovationen einf\u00fchren, seit einigen Jahren zur\u00fcck. Dadurch wird die Basis der Firmen mit Innovationsaktivit\u00e4ten stetig kleiner. Zwar hat die Intensit\u00e4t der Aktivit\u00e4ten derjenigen Firmen, die weiterhin innovieren, nicht nachgelassen. Dennoch deuten einerseits der R\u00fcckgang des Anteils der Innovierenden, die F&amp;E betreiben, und anderseits der R\u00fcckgang des Umsatzanteils der Marktinnovationen auf eine m\u00f6gliche Abnahme des Innovationspotenzials hin. Ursachen daf\u00fcr sind in erster Linie zu hohe Kosten. 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