{"id":108427,"date":"2017-10-24T08:36:03","date_gmt":"2017-10-24T08:36:03","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/10\/erhardt-11-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:04:39","modified_gmt":"2023-08-23T21:04:39","slug":"erhardt-11-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/10\/erhardt-11-2017\/","title":{"rendered":"Konzentration bei Exporten: W\u00e4hrungseinfluss ist gering"},"content":{"rendered":"<p>Ver\u00e4nderungen in der Struktur einer Volkswirtschaft sind typisch f\u00fcr eine Marktwirtschaft. Ausl\u00f6ser k\u00f6nnen unterschiedliche Produktivit\u00e4tsentwicklungen oder relative Nachfragever\u00e4nderungen sein. Die dadurch entstehende Verlagerung von Ressourcen in produktivere Branchen und Unternehmen ist eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die Sicherung und Mehrung des Wohlstandes, stellt aber auch eine Herausforderung f\u00fcr die tangierten Unternehmen und Arbeitnehmer dar. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn wichtige Variablen in einer Volkswirtschaft sich abrupt und allenfalls unerwartet ver\u00e4ndern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn diesem Zusammenhang sind Wechselkursver\u00e4nderungen f\u00fcr eine kleine, offene Volkswirtschaft wie die Schweiz eine zentrale Gr\u00f6sse \u2013 insbesondere, wenn innerhalb kurzer Zeitr\u00e4ume starke Auf- oder Abwertungen stattfinden. Die \u00abFrankenschocks\u00bb von 2010\/2011 sowie 2015 \u2013 letzterer infolge der Aufhebung des Euromindestkurses \u2013 stellten f\u00fcr viele Unternehmen und f\u00fcr die Volkswirtschaft als Ganzes eine Herausforderung dar. Wie verschiedene Studien zeigen, gerieten die Exporte unter Druck, und die Importpreise fielen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTrotzdem \u00fcberstand die Schweizer Wirtschaft diese Aufwertungsperioden \u00fcberraschend gut \u2013 was beim ersten Frankenschock auf den weltwirtschaftlichen Aufschwung zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann. Beim zweiten Schock vom Januar 2015 hat sich der Franken gegen\u00fcber dem Dollar und anderen W\u00e4hrungen wichtiger Handelspartner wiederum weniger stark aufgewertet als gegen\u00fcber dem Euro.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Langfristige Aufwertung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBetrachtet man den sogenannten realen effektiven Wechselkurs \u00fcber die letzten 40 Jahre, so sieht man einerseits abrupte Schwankungen \u2013 wie beispielsweise die Aufwertung um 25 Prozent zwischen 2009 und 2011 (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Andererseits erkennt man einen langfristigen Aufwertungstrend um circa 30 Prozent zwischen 1975 und 2015.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1: Realer effektiver Frankenkurs (1975\u20132015)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/10\/erhardt_rutzer_weder_1_de.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-72613\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/10\/erhardt_rutzer_weder_1_de.png\" alt=\"\" width=\"2644\" height=\"1308\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Der reale effektive Wechselkursindex stellt den handelsgewichteten und preisbereinigten Frankenkurs dar. Er gibt somit den Aussenwert des Frankens an (<a href=\"https:\/\/data.snb.ch\/de\/topics\/ziredev#!\/doc\/explanations_ziredev#interest_rates_meth_exportge_wekursind_neu\">siehe<\/a> Data.snb.ch).<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: SNB; Berechnung: Erhardt, Rutzer und Weder (2017) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn einer f\u00fcr das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) erarbeiteten Studie stehen nun nicht die zwei Frankenschocks im Fokus, sondern der l\u00e4ngerfristige Zusammenhang zwischen Frankenst\u00e4rke und Exporten.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Die Studie untersucht folgende Fragen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Hat die Wechselkursentwicklung zu einer strukturellen Ver\u00e4nderung der Schweizer Exporte gef\u00fchrt?<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Besteht ein Zusammenhang zwischen der Wechselkursentwicklung und der Konzentration der Exporte?<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Ist umgekehrt die Exportentwicklung der Schweiz ein Grund f\u00fcr die reale Aufwertung des Frankens?<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Bestehen sogenannte Dutch-Disease-Effekte, und wie ist die Exportentwicklung der Schweiz generell zu bewerten?<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der Datenverf\u00fcgbarkeit beschr\u00e4nken sich unsere Analysen auf G\u00fcterexporte und die Periode 1990 bis 2015.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Realer Wechselkurs beeinflusst Exporte kaum<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie hat nun die Aufwertung die Exporte beeinflusst? F\u00fcr den Zeitraum 1990 bis 2015 zeigt sich: Der Effekt des realen Wechselkurses auf den Wert der Exporte ist relativ klein.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Zur Einordnung ist ein Vergleich zwischen der Aufwertung und dem Schrumpfen des Bruttoinlandprodukts (BIP) der Partnerl\u00e4nder \u2013 was die Nachfrage nach Schweizer Exporten approximiert \u2013 hilfreich: W\u00e4hrend die reale Frankenaufwertung um 1 Prozent einen Exportr\u00fcckgang von 0,06 Prozent bewirkt, l\u00f6st eine BIP-Reduktion im Ausland um 1 Prozent einen wesentlich gr\u00f6sseren R\u00fcckgang von 0,8 Prozent aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInteressanterweise sinkt die Wechselkurssensitivit\u00e4t der Exporte nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung hierf\u00fcr ist der Marktaustritt von Unternehmen und Produktgruppen, die aufgrund ihrer Kostenstruktur oder der Eigenschaften ihrer Produkte besonders wechselkurssensitiv sind. Daraus kann gefolgert werden, dass die Schweizer Wirtschaft gegen\u00fcber Wechselkursschwankungen robuster geworden ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Aufschl\u00fcsselung nach Produktegruppen zeigt, dass Kapitalg\u00fcter wie beispielsweise Maschinen st\u00e4rker als Zwischenprodukte wie pharmazeutische Vorprodukte und Konsumg\u00fcter wie Medikamente von Wechselkursaufwertungen betroffen waren. Ebenfalls relativ empfindlich \u2013 besonders im Vergleich zu Exporten nach Amerika \u2013 reagierten Exporte nach Europa.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Exportkonzentration nimmt zu<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Frage stellt sich daher, inwiefern diese unterschiedliche Betroffenheit der Exporte die Konzentration in der Exportstruktur erkl\u00e4ren kann. Die Produktekonzentration l\u00e4sst sich mit dem sogenannten Herfindahl-Index messen: Zwischen 1990 und 2003 hielt die Schweiz diesbez\u00fcglich Schritt mit Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und den USA (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Ab 2003 nahm die Konzentration kontinuierlich zu, und seit 2008 ist sogar eine beschleunigte Konzentration erkennbar. Im L\u00e4ndervergleich ist diese Entwicklung aussergew\u00f6hnlich. L\u00e4sst man die Pharmabranche weg, ist der Effekt kaum mehr erkennbar.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: Exportkonzentration in ausgew\u00e4hlten L\u00e4ndern (1990\u20132015)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='Rutzer_Weder_de_2'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    Highcharts.chart('Rutzer_Weder_de_2', {\n chart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    \n    xAxis: {\n        categories: ['1990', '1991', '1992', '1993', '1994', '1995', '1996', '1997', '1998', '1999', '2000', '2001', '2002', '2003', '2004', '2005', '2006', '2007', '2008', '2009', '2010', '2011', '2012', '2013', '2014', '2015']\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Herfindahlindex der Produkt-Konzentration auf HS2-Level (1994=1)'\n        }\n    },\n    plotOptions: {\n        line: {\n marker: false,\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n\n            },\n            enableMouseTracking: true\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Schweiz',\n        data: [1.061317646,1.03726754,1.000350805,0.986063284,1,1.049681501,1.058092078,1.054318977,1.067694117,1.078581232,1.052033082,1.085692663,1.022677124,1.014687709,1.044948267,1.081526482,1.112911576,1.118277354,1.157329199,1.303354815,1.291090662,1.292053908,1.360821967,1.428553666,1.47903833,1.551988086\n]\n    }, {\n        name: 'Schweiz ohne Pharma',\n        data: [1.055668155,1.034780215,0.999884423,0.984914843,1,1.054084754,1.063412074,1.058310752,1.068201244,1.070519194,1.049461869,1.051827978,0.960496544,0.91611278,0.929726662,0.94068297,0.930833922,0.921057192,0.919490773,0.901822867,0.924933374,0.953891327,0.952078006,0.973331135,0.976966965,0.989767545],\ndashStyle: 'shortdot',\ncolor: \"#e84066\"\n    },\n    {\n        name: 'Deutschland',\n        data: [1.043418198,0.993982011,0.999902819,0.979342165,1,1.022490954,1.078813483,1.083386305,1.125885892,1.120071811,1.116199385,1.133504939,1.161314172,1.146330699,1.135078913,1.151706941,1.101449023,1.082864998,1.037887854,0.969616744,1.005245352,1.03299774,1.018105935,1.01444961,1.03076489,1.062525904]\n    },{\n        name: 'Frankreich',\n        data: [null,null,null,null,1,1.011176259,1.031498295,1.101701684,1.190989535,1.224461038,1.170252632,1.158873237,1.137383178,1.11151277,1.141768961,1.098381175,1.06313893,1.027690256,0.981867138,0.955537751,0.971513228,0.940644186,0.96567375,0.957170228,0.970161497,null]\n    },{\n        name: 'Grossbritannien',\n        data: [null,null,null,1.012823972,1,1.058246543,1.086597296,1.13151607,1.249740592,1.182573309,1.198262342,1.22791753,1.144856617,1.040601742,1.01142994,1.059766821,1.2305972,0.975362927,0.991554482,0.994558265,0.967274635,1.033513974,1.012524912,1.017747646,0.956377998,0.907065037]\n    },{\n        name: 'Japan',\n        data: [0.991089765,0.98963058,0.999179482,1.000851234,1,0.988028179,0.972863128,0.950803446,0.938318843,0.931226459,0.961151366,0.907919924,0.926116599,0.927852549,0.901420803,0.867636,0.859204455,0.851954447,0.816227347,0.703562875,0.743358623,0.729135563,0.756505039,0.733094583,0.751226893,0.75218405]\n    },{\n        name: 'Schweden',\n        data: [null,null,0.992394105,0.951605766,1,0.943324439,1.013029092,1.030858752,1.054487575,1.15548841,1.158284706,0.96587901,0.957095314,0.94201354,0.949968029,0.933470846,0.91224677,0.916067719,0.881410378,0.841998105,0.833667305,0.862424351,0.830472655,0.813652522,0.803342745,0.815180316]\n    },\n    {\n        name: 'USA',\n        data: [null,0.905897339,0.920147028,0.967280351,1,1.008980184,1.03209156,1.087502437,1.08274575,1.128570493,1.189818641,1.08684558,1.025672973,0.978431317,0.975602162,0.959958814,0.924817565,0.877098379,0.815263119,0.797790769,0.790726114,0.783004379,0.800822435,0.805626289,0.80750688,0.81154788]\n    }]\n});\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: UN Comtrade, Berechnung Erhardt, Rutzer, Weder (2017) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAllerdings l\u00e4sst unsere Analyse der Produktegruppen keinen robusten positiven Zusammenhang zwischen dem realen Wechselkurs und der Konzentration erkennen. Dies d\u00fcrfte darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, dass sich die verschiedenen heterogenen Effekte kompensieren. Demgegen\u00fcber d\u00fcrfte hingegen der Anstieg der ausl\u00e4ndischen Nachfrage zur Konzentration beigetragen haben. Mit anderen Worten: W\u00e4hrend Pharmaprodukte vermehrt gefragt waren, nahm die Nachfrage nach anderen Produkten weniger stark zu oder gar ab.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Boombranchen beeinflussen Wechselkurs <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls N\u00e4chstes gehen wir der Frage nach, ob die Exportentwicklung der Schweiz ein Grund f\u00fcr die in <em>Abbildung 1<\/em> ersichtliche langfristige reale Aufwertung des Frankens sein k\u00f6nnte. Hier ist zu erwarten, dass h\u00f6here Nettoexporte zu einer gestiegenen Nachfrage nach heimischer W\u00e4hrung und somit zu einem h\u00f6heren Wechselkurs f\u00fchren. Unsere Analyse zeigt, dass nicht die gesamten Schweizer G\u00fcternettoexporte, sondern vielmehr die stark wachsenden Pharmaexporte, Exporte von Pr\u00e4zisionsinstrumenten sowie Exporte der Uhrenindustrie mitverantwortlich f\u00fcr die langfristige Frankenaufwertung sind.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer starke Anstieg der Exporte dieser drei Branchen \u2013 der Anteil an den gesamten Schweizer G\u00fcterexporten erh\u00f6hte sich von 20 Prozent im Jahr 1990 auf etwa 50 Prozent im Jahr 2015 \u2013 kann wiederum mit der Verbesserung des komparativen Vorteils der Schweiz sowie mit der weltweit positiven Entwicklung der relativen Nachfrage nach diesen G\u00fctern erkl\u00e4rt werden. So reagieren die Exporte der boomenden Branchen st\u00e4rker auf ein BIP-Wachstum der Partnerl\u00e4nder als diejenigen der \u00fcbrigen Branchen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Keine \u00abDutch Disease\u00bb<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs stellt sich die Frage, ob der Erfolg der relativ produktiven, boomenden Branchen sich negativ auf andere inl\u00e4ndische Branchen auswirkt. Dieser in der Handelstheorie als \u00abDutch Disease\u00bb bekannte Effekt kann beispielsweise \u00fcber h\u00f6here L\u00f6hne oder eben eine Aufwertung der W\u00e4hrung zu einer Belastung von weniger erfolgreichen Branchen f\u00fchren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin solcher Effekt ist bei beschr\u00e4nkten Ressourcen grunds\u00e4tzlich zu erwarten und auch nicht zu bedauern: Er ist letztlich Ausdruck des Erfolgs einer Volkswirtschaft, welche die Ressourcen in die relativ produktivsten T\u00e4tigkeiten lenkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnsere Analysen implizieren, dass \u00fcber den Wechselkurskanal kaum grosse \u00abDutch Disease\u00bb-Effekte von boomenden Exportbranchen auf nicht boomende Exportbranchen zu erwarten sind. Erstens sind, wie wir oben gezeigt haben, die Auswirkungen von Wechselkursver\u00e4nderungen auf die Exporte generell gering. Zweitens sind die Auswirkungen der boomenden Exportbranchen auf den Wechselkurs ebenfalls klein.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Mehr Wohlstand \u2013 h\u00f6here Krisenanf\u00e4lligkeit<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie ist also die f\u00fcr die Schweiz beobachtbare zunehmende branchenm\u00e4ssige Konzentration der Exporte generell zu bewerten? F\u00fcr die Analyse verwendeten wir ein Panel von 44 L\u00e4ndern \u00fcber die Jahre 1970 bis 2014. Das Resultat stimmt dabei im Grundsatz mit der traditionellen Handelstheorie \u00fcberein: Eine Zunahme der Konzentration der exportierten Produkte wirkt sich im Durchschnitt positiv auf das BIP-Wachstum pro Kopf aus. Die Kehrseite ist jedoch, dass eine steigende Produktekonzentration zu einer h\u00f6heren Volatilit\u00e4t des BIP-Wachstums pro Kopf f\u00fchrt. Mit anderen Worten: Spezialisierung erh\u00f6ht den Wohlstand, macht die Volkswirtschaften aber anf\u00e4lliger gegen\u00fcber Ver\u00e4nderungen in der Weltwirtschaft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAbschliessend l\u00e4sst sich sagen, dass die Aufwertung des Frankens \u00fcber die letzten 25 Jahre einen signifikanten Effekt auf die Exporte hatte. Allerdings ist dieser Effekt im Vergleich zu Ver\u00e4nderungen des wirtschaftlichen Wachstums im Ausland relativ klein. Interessant ist, dass die Schweizer Wirtschaft seit der Finanz- und Eurokrise, und der damit verbundenen starken Aufwertung des Frankens, robuster gegen\u00fcber Wechselkursschwankungen geworden ist. Gegen\u00fcber L\u00e4ndern wie Deutschland d\u00fcrfte sich die Schweiz damit einen gewissen Vorsprung erarbeitet haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf der Ebene von Produkten sehen wir eine zunehmende Exportkonzentration in der Schweiz, die allerdings nicht prim\u00e4r vom Wechselkurs getrieben wurde, sondern gem\u00e4ss unseren Resultaten eher nachfragegetrieben ist. Unsere Querschnittsanalyse \u00fcber mehrere L\u00e4nder l\u00e4sst den Schluss zu, dass eine steigende Exportkonzentration den Wohlstand erh\u00f6ht, die Resistenz gegen\u00fcber Krisen aber vermindert. Dieser Umstand wird durch die seit etwa dem Jahr 2000 beobachtbare geografische Diversifizierung der Schweizer Exporte aber relativiert, da diese die Krisenresistenz der Schweiz wieder erh\u00f6ht.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Fl\u00fcckiger, Rutzer und Weder (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Erhardt et al. (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vgl. auch Hanslin Grossmann et al. (2016) und Fl\u00fcckiger et al (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe Erhardt et al. (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ver\u00e4nderungen in der Struktur einer Volkswirtschaft sind typisch f\u00fcr eine Marktwirtschaft. Ausl\u00f6ser k\u00f6nnen unterschiedliche Produktivit\u00e4tsentwicklungen oder relative Nachfragever\u00e4nderungen sein. Die dadurch entstehende Verlagerung von Ressourcen in produktivere Branchen und Unternehmen ist eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die Sicherung und Mehrung des Wohlstandes, stellt aber auch eine Herausforderung f\u00fcr die tangierten Unternehmen und Arbeitnehmer dar. 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(2017). Strukturwandel der Schweizer Wirtschaft in einem schwierigen W\u00e4hrungsumfeld: Frankenst\u00e4rke und Exportstruktur, <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Strukturwandel_Wachstum\/Strukturwandel.html\">Studie im Auftrag des Seco<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>Fl\u00fcckiger, M., Rutzer, C., Weder, R. (2016). Die Schweizer Wirtschaft zwischen Hammer und Amboss: Eine Analyse der Franken-Schocks 2010\/11 und 2015, in: Aussenwirtschaft, 67 (3): 95\u2013133.<\/li>&#13;\n \t<li>Hanslin Grossmann, S., Lein, S. M., Schmidt, C. (2016). 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