{"id":108665,"date":"2017-09-25T11:45:51","date_gmt":"2017-09-25T11:45:51","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/09\/egger-10-2017fr\/"},"modified":"2024-04-02T16:43:03","modified_gmt":"2024-04-02T14:43:03","slug":"egger-10-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/09\/egger-10-2017\/","title":{"rendered":"Das administrative Korsett ist zu eng"},"content":{"rendered":"<p>Von allen Seiten lastet der Druck auf die Berggebiete und l\u00e4ndlichen R\u00e4ume. Bereits existieren grundlegende Probleme wie etwa die zu klein strukturierten Angebote im alpinen Tourismus. Doch diese werden nun zus\u00e4tzlich durch externe Schocks wie die Zweitwohnungsinitiative und die Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses versch\u00e4rft. Hinzu kommt ein politischer Wind, der sich eindeutig gegen die Berggebiete gewendet hat. Dies zeigt sich etwa in der vorgesehenen Reduktion der Wasserzinse, welche f\u00fcr einige Berggemeinden existenzielle Fragen aufwirft. Die geplante Versch\u00e4rfung der Lex Koller w\u00fcrde f\u00fcr den alpinen Tourismus einen weiteren schweren Schlag bedeuten.<\/p>\n<h2>Die Digitalisierung bietet Chancen<\/h2>\n<p>Doch in den Berggebieten und l\u00e4ndlichen R\u00e4umen sind durchaus Potenziale vorhanden, wie ein aktueller Bericht<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr die Berggebiete (SAB) zeigt. Auch die Digitalisierung stellt eine riesige Chance dar. Denn die Produktion von G\u00fctern und Dienstleistungen ist nicht mehr so stark wie bis anhin an einen Standort gebunden: Das Hochhaus in Z\u00fcrich wird bequem und inspirierend in Vrin entworfen. Das klassische B\u00fcro hat ausgedient. Dienstleistungen werden vermehrt von zu Hause, unterwegs oder bei Kunden erledigt. Zudem erm\u00f6glicht das Internet dem Tourismus weltweit sichtbare\u00a0 Marketingkan\u00e4le. Doch damit diese Chancen genutzt werden k\u00f6nnen, braucht es entsprechende digitale Infrastrukturen.<\/p>\n<p>Diesbez\u00fcglich macht Avenir Suisse in ihrer k\u00fcrzlich publizierten Studie \u00fcber die Berggebiete einen Denkfehler. Auch die Denkfabrik erkennt in der Digitalisierung zwar eine Chance, sie verteufelt auf der anderen Seite aber den Bau von Infrastrukturen. Nur: Ohne leistungsf\u00e4hige, digitale Infrastrukturen k\u00f6nnen die Chancen der Digitalisierung nicht genutzt werden. Damit alle Unternehmen und Haushalte in der Schweiz die gleichen Voraussetzungen haben, muss die minimale Bandbreite in der Grundversorgung von heute 3 Megabit pro Sekunde (MBit\/s) unverz\u00fcglich auf 10 MBit\/s angehoben werden. Zudem braucht es eine Breitbandstrategie des Bundes, die aufgezeigt, wie die Gebiete, in denen der Wettbewerb nicht spielt, rasch mit Hochbreitband erschlossen werden. Auch die im internationalen Vergleich \u00fcberm\u00e4ssig restriktiven Grenzwerte f\u00fcr Mobilfunkantennen m\u00fcssen korrigiert werden. Sonst k\u00f6nnen vor allem die l\u00e4ndlichen R\u00e4ume nur sehr verz\u00f6gert von schnelleren Mobilfunk-\u00dcbertragungsraten wie 5G profitieren.<\/p>\n<h2>Zu viele administrative Lasten<\/h2>\n<p>Die Einschr\u00e4nkung beim Mobilfunk ist nur einer von zahlreichen Faktoren, welche die Entwicklung der Berggebiete und l\u00e4ndlichen R\u00e4ume hemmen. Ein k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichter Bericht<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> der SAB zeigt erstmals die administrativen Lasten der Berggebiete. Darin wurden rund 100 solcher Lasten identifiziert. Ein typisches Beispiel ist der Agrotourismus: W\u00e4hrend die Agrarpolitik von den Landwirten verlangt, unternehmerisch t\u00e4tig zu sein, werden ihre Entwicklungspotenziale durch das Umwelt- und Raumplanungsrecht gleich wieder eingeschr\u00e4nkt. Es w\u00e4re den Berggebieten sehr gedient, wenn das Korsett, das mit all diesen Auflagen geschn\u00fcrt wurde, wieder etwas gelockert w\u00fcrde. Dann h\u00e4tten sie wieder mehr Luft, um die vorhandenen Entwicklungspotenziale auch ohne zus\u00e4tzliche staatliche Unterst\u00fctzung in Wert zu setzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft der Berggebiete und l\u00e4ndlichen R\u00e4ume braucht es einen integralen, sektor\u00fcbergreifenden Ansatz. Dazu m\u00fcssen alle raumwirksamen Politikbereiche, alle staatlichen Ebenen und die Zivilgesellschaft zusammenwirken. Der vom Bundesrat im Februar 2015 publizierte Politikbericht f\u00fcr die l\u00e4ndlichen R\u00e4ume und Berggebiete stellt in dieser Hinsicht einen Meilenstein dar. Er muss nun konkretisiert und in die Tat umgesetzt werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Egger et al. (2017). Erfolgsmodelle in den Berggebieten und l\u00e4ndlichen R\u00e4umen. Bericht\u00a0 verf\u00fcgbar auf <a href=\"http:\/\/www.sab.ch\/dokumente\/publikationen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sab.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Egger et al. (2017). Administrative Lasten im Berggebiet. Bericht verf\u00fcgbar auf <a href=\"http:\/\/www.sab.ch\/dokumente\/publikationen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sab.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von allen Seiten lastet der Druck auf die Berggebiete und l\u00e4ndlichen R\u00e4ume. Bereits existieren grundlegende Probleme wie etwa die zu klein strukturierten Angebote im alpinen Tourismus. Doch diese werden nun zus\u00e4tzlich durch externe Schocks wie die Zweitwohnungsinitiative und die Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses versch\u00e4rft. 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