{"id":108754,"date":"2017-09-25T11:45:50","date_gmt":"2017-09-25T11:45:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/09\/mauron-10-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:04:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:04:59","slug":"mauron-10-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/09\/mauron-10-2017\/","title":{"rendered":"Flankierende Massnahmen \u2013 ein unangemessenes Schutzdispositiv?"},"content":{"rendered":"<p>Arbeitsmarktinspektoren haben im vergangenen Jahr \u00fcber 160\u2019000 Personen in 42\u2019000 Betrieben in der Schweiz \u00fcberpr\u00fcft. Wie der j\u00fcngste Bericht des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) zum Vollzug der flankierenden Massnahmen zum freien Personenverkehr zwischen der Schweiz und der EU zeigt, wurden auch im letzten Jahr Verst\u00f6sse festgestellt, die Firmen halten sich jedoch mehrheitlich an die in der Schweiz geltenden Lohn- und Arbeitsbedingungen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Kontrollschwerpunkt lag bei den grenz\u00fcberschreitenden Dienstleistungserbringern aus der EU. Diese absolvieren meist k\u00fcrzere Eins\u00e4tze im Bau oder in der Industrie. Jeder dritte Dienstleistungserbringer wurde letztes Jahr \u00fcberpr\u00fcft \u2013 bei jedem vierten Entsendebetrieb stellten die Vollzugsorgane Verst\u00f6sse gegen zwingende Lohnbestimmungen fest.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie flankierenden Massnahmen sind nicht unumstritten.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Einerseits werden die Kontrollen vor Ort in den Betrieben als administrative Belastung wahrgenommen, andererseits werden neu geschaffene kollektive Massnahmen zur Missbrauchsbek\u00e4mpfung wie etwa die erleichterte Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung eines bestehenden Gesamtarbeitsvertrages (GAV) als zu weit gehende regulatorische Eingriffe des Staates auf den Arbeitsmarkt kritisiert.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Hochlohnland Schweiz<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas ist von diesen Einw\u00e4nden zu halten? Und: Braucht es die flankierenden Massnahmen \u00fcberhaupt? Ausschlaggebend f\u00fcr deren Einf\u00fchrung im Jahr 2004 war zun\u00e4chst die Bef\u00fcrchtung, dass das im Vergleich zur EU hohe Schweizer Lohnniveau infolge der \u00d6ffnung des Arbeitsmarktes unter Druck geraten k\u00f6nnte. Das Lohngef\u00e4lle ist auch heute noch betr\u00e4chtlich, und die hohen Zuwanderungszahlen der letzten Jahre haben nicht dazu beigetragen, die Sorgen bez\u00fcglich Lohndruck zu zerstreuen. W\u00e4hrend im Jahr 2014 der durchschnittliche Stundenlohn in der Schweiz umgerechnet 33.7 Euro betrug, belief sich dieser in der EU mit 15.2 Euro auf weniger als die H\u00e4lfte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweiz wird ihrem Ruf als Hochlohnland ebenfalls gerecht, wenn die im internationalen Vergleich hohen Lebenshaltungskosten ber\u00fccksichtigt werden (siehe <em>Abbildung<\/em>). In der Schweiz liegt das Lohnniveau kaufkraftbereinigt auch in Tieflohnbranchen wie dem Gastgewerbe oder dem Handel deutlich \u00fcber dem europ\u00e4ischen Durchschnitt. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr das Baugewerbe, in welchem viele Dienstleistungserbringer aus der EU aktiv sind. So ist der durchschnittliche kaufkraftbereinigte Stundenlohn eines Bauarbeiters in der Schweiz 1,3 Mal h\u00f6her als der Lohn seines Kollegen in Deutschland \u2013 und sogar 2,3 Mal h\u00f6her als derjenige eines Bauarbeiters in Polen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Somit sind in der Schweiz nicht nur Arbeitsstellen mit hohen Anforderungen, sondern auch niedrig entl\u00f6hnte, einfachere T\u00e4tigkeiten f\u00fcr ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte attraktiv.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Durchschnittlicher Stundenlohn (kaufkraftbereinigt, 2014)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='baumberger_mauron_de_1'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#baumberger_mauron_de_1').highcharts({\n chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['Gesamtwirtschaft', 'Baugewerbe', 'Handel', 'Gastgewerbe']\n    },\n    yAxis:{\n    title: {\n        text: 'In Kaufkraftstandards'\n    }},\n    credits: {\n        enabled: false\n    },\n        tooltip: {\n        valueSuffix: ' (in Kaufkraftstandards)'\n    },\n    series: [{\n        name: 'Schweiz',\n        data: [22.65,20.99,19.99,15.12],\n        color:'#e84066'\n    }, {\n        name: 'EU-28',\n        data: [15.23,13.76,12.8,9.76],\n        color:'#88c0d3'\n    }]\n});\n\n\n\n\n\n \n});\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Die Gesamtwirtschaft umfasst Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen (ohne \u00f6ffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung). Ber\u00fccksichtigt wurden Unternehmen mit mehr als zehn Arbeitnehmenden.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Eurostat \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Kollektive Massnahmen bisher kaum notwendig <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDamit die Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht unter Druck geraten, werden gezielte Kontrollen vor Ort in den Betrieben oder auf schriftlichem Wege durchgef\u00fchrt. Der damit verbundene administrative Aufwand f\u00e4llt heute jedoch deutlich geringer aus als noch vor der Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Im damaligen Kontingentsystem mussten die Arbeitgeber bei den kantonalen Beh\u00f6rden jeweils vorg\u00e4ngig ein Gesuch zur Erteilung einer Arbeitsbewilligung stellen, worauf diese nebst dem Inl\u00e4ndervorrang auch die Einhaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen systematisch pr\u00fcften. Demgegen\u00fcber sind die Kontrollen unter dem Regime der flankierenden Massnahmen nachgelagert und erfolgen priorit\u00e4r dort, wo Missbr\u00e4uche vermutet werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn Branchen, in denen die Sozialpartner Mindeststandards in einem GAV vereinbart haben, wird die Einhaltung des Vertrages von der Branche selbst \u00fcberpr\u00fcft. Dies war bereits vor der Einf\u00fchrung der flankierenden Massnahmen der Fall.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeu sind hingegen Kontrollen durch kantonale tripartite Kommissionen in Branchen ohne GAV. Werden dabei wiederholt Missbr\u00e4uche festgestellt, k\u00f6nnen diese Kommissionen, in denen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Kantonsbeh\u00f6rde vertreten sind, dem Bundesrat respektive dem Regierungsrat sogenannte kollektive Massnahmen vorschlagen. Diese k\u00f6nnen wiederum befristete Mindestl\u00f6hne festlegen oder einen GAV auf eine gesamte Branche unter erleichterten Bedingungen ausdehnen. Sie k\u00f6nnen beispielsweise befristete Mindestl\u00f6hne festlegen oder einen GAV auf eine gesamte Branche unter erleichterten Bedingungen ausdehnen. Diese Massnahmen zur Missbrauchsbek\u00e4mpfung wurden bisher jedoch nur selten ergriffen. Die erleichterte Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung wurde in den vergangenen 13 Jahren ausschliesslich im Kanton Genf sowie auf Bundesebene f\u00fcr das Deutschschweizer Reinigungsgewebe angewandt. Von einer fl\u00e4chendeckenden staatlichen Regulierung des Arbeitsmarktes infolge der flankierenden Massnahmen kann somit nicht die Rede sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDies mag einerseits an der insgesamt zur ans\u00e4ssigen Erwerbsbev\u00f6lkerung bisher mehrheitlich komplement\u00e4ren Zuwanderung liegen, wodurch es zu keiner generellen Konkurrenzierung von Ans\u00e4ssigen gekommen ist.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Andererseits d\u00fcrften die Kontrollen vor Ort in den Betrieben eine pr\u00e4ventive Wirkung entfaltet haben. Insbesondere ausl\u00e4ndische Dienstleistungserbringer, welche auch in Zukunft Arbeiten in der Schweiz verrichten m\u00f6chten, zeigten sich in den letzten Jahren meist gewillt, die hier \u00fcblichen L\u00f6hne einzuhalten.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Anstieg der allgemeinverbindlichen GAV<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchliesslich konnten unerw\u00fcnschte Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt infolge der Personenfreiz\u00fcgigkeit nicht zuletzt dank des bereits vor dem Freiz\u00fcgigkeitsabkommen bestehenden Instrumentariums bew\u00e4ltigt werden. So ist die Zahl der GAV, welche auf ordentlichem Weg f\u00fcr allgemeinverbindlich erkl\u00e4rt wurden, auf Bundes- und Kantonsebene zwischen 2004 und 2016 von 41 auf 71 gestiegen. Ein Grund daf\u00fcr ist, dass im Entsendegesetz, analog zur europ\u00e4ischen Entsenderichtlinie, ausl\u00e4ndische Dienstleistungserbringer angehalten werden, ausschliesslich die Mindestl\u00f6hne aus allgemeinverbindlichen GAV einzuhalten. Die Vorstellung, dass nun in allen Wirtschaftszweigen allgemeinverbindliche GAV auf dem Vormarsch sind, ist hingegen falsch. Mehr als die H\u00e4lfte dieser GAV betreffen das Bauhaupt- und das Baunebengewerbe, wo seit 2005 im Schnitt 50 Prozent aller meldepflichtigen Dienstleistungserbringer aus dem EU-Raum t\u00e4tig waren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit einer Allgemeinverbindlichkeitserkl\u00e4rung wird der Wettbewerb eingeschr\u00e4nkt, was Lohn- und Arbeitsbedingungen anbelangt, auf anderen Ebenen kommt dieser jedoch weiterhin voll zum Tragen. Die starke Zunahme der grenz\u00fcberschreitenden Dienstleistungserbringung seit 2004 weist nicht darauf hin, dass die steigende Anzahl an allgemeinverbindlichen GAV ausl\u00e4ndische Dienstleistungserbringer daran gehindert h\u00e4tte, Auftr\u00e4ge in der Schweiz anzunehmen und auszuf\u00fchren.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDass es nicht Ziel der Allgemeinverbindlichkeitserkl\u00e4rung sein darf, Markteintrittsbarrieren zu errichten, war dem Parlament bereits in den F\u00fcnfzigerjahren bei der Ausarbeitung des Bundesgesetzes \u00fcber die Allgemeinverbindlichkeitserkl\u00e4rung von GAV klar. Im Gegensatz zu L\u00e4ndern wie zum Beispiel Frankreich, in welchen GAV quasi automatisch auf alle Betriebe einer Branche ausgedehnt werden, stellen in der Schweiz nicht zuletzt die im entsprechenden Bundesgesetz festgehaltenen Kriterien sicher, dass nicht eine Minderheit einer Mehrheit der Branche die Lohn- und Arbeitsbedingungen aufzwingt und begr\u00fcndete Minderheitsinteressen ber\u00fccksichtigt werden. <a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> Die Repr\u00e4sentativit\u00e4t der vertragsabschliessenden Sozialpartner spielt dabei eine zentrale Rolle.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Arbeitsmarktperformance weiterhin gut<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus arbeitsmarktpolitischer Sicht weisen GAV \u2013 oder das Prinzip kollektiver Lohnvereinbarungen \u2013 sowohl positive als auch negative Effekte auf.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a> Ein positiver Effekt von verbindlichen Lohn- und Arbeitsbedingungen ist beispielsweise, dass die Transaktionskosten f\u00fcr Arbeitgeber und Arbeitnehmer verringert werden. Der Lohnbildungsprozess wird vereinfacht, da klare und transparente Regeln bestehen. Zudem wird der Arbeitsfrieden gef\u00f6rdert, indem das potenziell konflikttr\u00e4chtige Verh\u00e4ltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer stabilisiert wird. Weiter kann davon ausgegangen werden, dass sozialpartnerschaftliche Vereinbarungen die wirtschaftliche Realit\u00e4t einer spezifischen Branche besser abbilden als staatliche Mindestl\u00f6hne, wie es sie heute in vielen L\u00e4ndern gibt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf der negativen Seite wird meist die Insider-Outsider-Problematik \u2013 und die daraus folgende Segmentierung des Arbeitsmarktes \u2013 erw\u00e4hnt. Gem\u00e4ss diesem Modell k\u00f6nnen kollektive Arbeitsvertr\u00e4ge, falls sie zu einseitig auf die Interessen der Stelleninhaber (Insider) ausgerichtet sind, die Besch\u00e4ftigungschancen der Outsider (z. B. Stellensuchende) schm\u00e4lern und die Dualit\u00e4t des Arbeitsmarktes versch\u00e4rfen. Weitere negative volkswirtschaftliche Auswirkungen k\u00f6nnten insbesondere von allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen dann ausgehen, wenn die vereinbarten Lohnerh\u00f6hungen der wirtschaftlichen Realit\u00e4t der Firmen zu wenig Rechnung tragen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Rahmen der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) werden Unternehmen gefragt, ob die L\u00f6hne individuell, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, oder eben kollektiv \u2013 etwa im Rahmen eines Firmen- oder Verbands-GAV \u2013 vereinbart werden. Ein Blick auf die Lohnentwicklung im Privatsektor zwischen 2004 und 2014 in Branchen mit und ohne kollektive Lohnverhandlungen deutet auf aggregierter Ebene darauf hin, dass die Sozialpartner den makro\u00f6konomischen Rahmenbedingungen bei Vertragsverhandlungen generell Rechnung tragen (siehe <em>Tabelle<\/em>). So lag das j\u00e4hrliche Nominallohnwachstum in Firmen, in welchen kollektiv \u00fcber die Lohn- und Arbeitsbedingungen verhandelt wird, in der betrachteten Zeitperiode mit 1,19% sogar leicht unter der Lohnentwicklung in Firmen, in welchen mehrheitlich individuell verhandelt wird.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Lohnentwicklungen: Kollektive und individuelle Verhandlungen (2004\u20132014)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table>&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"146\"><strong>\u00a0Privatsektor<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"172\"><strong>J\u00e4hrliches Nominallohnwachstum (Medianlohn, 2004\u20132014)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"124\"><strong>Medianlohn (2014)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"124\"><strong>Medianlohn \/ 25-Prozent-Quartil (Ratio, 2014)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"146\">Firmen mit kollektiven Lohnverhandlungen<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"172\">1,19%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"124\">5856 Fr.<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"124\">1,22<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"146\">Firmen mit individuellen Lohnverhandlungen<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"172\">1,25%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"124\">6500 Fr.<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"124\">1,27<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Ein Mass f\u00fcr die Lohnungleichheit ist das Verh\u00e4ltnis des Medianlohnes (die H\u00e4lfte aller Arbeitnehmenden verdient weniger) relativ zum 1. Quartil (ein Viertel verdient weniger als diesen Wert).\u00a0<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: LSE (BFS), Berechnungen Baumberger und Mauron<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDa Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge in der Schweiz insbesondere im mittleren und unteren Lohnsegment abgeschlossen werden, liegt das Lohnniveau im Bereich mit kollektiven Lohnverhandlungen etwas tiefer, was prim\u00e4r auf die Branchenzusammensetzung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Die Lohnverteilung im unteren Bereich<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a> ist hingegen etwas ausgeglichener\u00a0\u2013 ein Hinweis daf\u00fcr, dass sich GAV ausgleichend auf die Lohnverteilung auswirken.&#13;<\/p>\n<h2><strong>OECD untersucht Bedeutung von GAV<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie sich die flankierenden Massnahmen und insbesondere die Zunahme der Anzahl allgemeinverbindlicher GAV auf die Performance des Arbeitsmarktes ausgewirkt haben, ist wissenschaftlich schwierig zu erfassen. Insgesamt deutet jedoch viel darauf hin, dass die Effizienz des Arbeitsmarktes dadurch nicht behindert wurde. Gem\u00e4ss dem k\u00fcrzlich publizierten Besch\u00e4ftigungsausblick der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geh\u00f6rt der Schweizer Arbeitsmarkt weiterhin zu den effizientesten unter den OECD-L\u00e4ndern.<a href=\"#footnote_11\" id=\"footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor\">[11]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZurzeit \u00fcberarbeitet die OECD ihre Besch\u00e4ftigungsstrategie und untersucht dabei auch die Frage der kollektiven Lohnverhandlungen neu und detailliert. Angesichts der seit Jahren in den OECD-L\u00e4ndern beobachtbaren Zunahme der Ungleichheit und der im Nachgang der Finanz- und Wirtschaftskrise starken Verwerfungen auf den Arbeitsm\u00e4rkten stellt sich f\u00fcr die OECD die Frage, welche Arbeitsmarktinstitutionen einen positiven Beitrag zur Qualit\u00e4t der Arbeitsverh\u00e4ltnisse und zur Widerstandsf\u00e4higkeit der Arbeitsm\u00e4rkte leisten k\u00f6nnen. Je nach Ausgestaltung k\u00f6nnen GAV und Systeme kollektiver Lohnverhandlungen hier durchaus einen wichtigen Beitrag leisten.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Seco (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Schlegel (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Eurostat.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Vgl. B,S,S Volkswirtschaftliche Beratung (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Seco et al. (2017). Siehe Beitrag von Bernhard Weber und Sarah Bouchiba-Schaer (Seco) in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Vgl. Seco(2017): 25.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Baumberger und Mauron (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">OECD (2017b): 141.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Vgl. T. Boeri and J. van Ours (2008): 72 oder OECD (2017b): 129.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Gemessen am Interquartilsverh\u00e4ltnis.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_11\" class=\"footnote--item\">OECD (2017a).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitsmarktinspektoren haben im vergangenen Jahr \u00fcber 160\u2019000 Personen in 42\u2019000 Betrieben in der Schweiz \u00fcberpr\u00fcft. 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(2017). <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch2017\/03\/schlegel-04-2017\/\">Freiz\u00fcgig und flankiert: Kontr\u00e4re Anspr\u00fcche an den Arbeitsmarkt<\/a>, Avenir Suisse, in: Die Volkswirtschaft 4\u20132017.<\/li>&#13;\n \t<li>Seco (2017). Umsetzung der flankierenden Massnahmen zum freien Personenverkehr Schweiz - Europ\u00e4ische Union im Jahre 2016, Bern.<\/li>&#13;\n \t<li>Seco et al. (2017). 13. Bericht des Observatoriums zum Freiz\u00fcgigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU. Auswirkungen der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf den Arbeitsmarkt, Bern.<\/li>&#13;\n \t<li>Boeri, T. und van Ours, J. (2008). The Economics of Imperfect Labor Markets, Princeton University Press.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":108757,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":108761,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"72147","post_abstract":"Mit der \u00d6ffnung des Arbeitsmarktes wurden 2004 die flankierenden Massnahmen eingef\u00fchrt. Diese verhindern missbr\u00e4uchliche Unterbietungen des im europ\u00e4ischen Vergleich hohen Schweizer Lohnniveaus. Die Kontrollen erfolgen neu nicht mehr systematisch bei jeder Bewilligungserteilung, sondern im Nachhinein und gezielt dort, wo Missbr\u00e4uche vermutet werden. Zur Missbrauchsbek\u00e4mpfung stehen den Beh\u00f6rden verschiedene Massnahmen zur Verf\u00fcgung \u2013 so k\u00f6nnen sie einen Gesamtarbeitsvertrag erleichtert f\u00fcr allgemeinverbindlich erkl\u00e4ren. In den letzten 13 Jahren waren diese Massnahmen jedoch nur selten notwendig. Dies ist auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass sich die Sozialpartner eigenst\u00e4ndig auf Mindeststandards einigten und dabei die bereits seit den F\u00fcnfzigerjahren bestehende ordentliche Allgemeinverbindlichkeitserkl\u00e4rung zur Anwendung kam.","magazine_issue":"10\/2017","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20170926","original_files":[{"file":108769},{"file":108773}],"external_release_for_author":"20170905","external_release_for_author_time":"20:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/599c2ba0a5bb3"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108754"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4428"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=108754"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108754\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126352,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108754\/revisions\/126352"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3417"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4428"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=108754"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=108754"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=108754"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=108754"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=108754"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=108754"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}