{"id":108792,"date":"2017-09-25T11:45:49","date_gmt":"2017-09-25T11:45:49","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/09\/schwarz-10-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:05:10","modified_gmt":"2023-08-23T21:05:10","slug":"reale-progression-bei-den-steuern-braucht-es-eine-korrektur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/09\/reale-progression-bei-den-steuern-braucht-es-eine-korrektur\/","title":{"rendered":"Reale Progression bei den Steuern: Braucht es eine Korrektur?"},"content":{"rendered":"<p>Die Reall\u00f6hne sind in der Schweiz von 1996 bis 2015 um knapp 13 Prozent gewachsen. Bei den Kapitaleinkommen d\u00fcrfte das Wachstum infolge gut laufender Aktien- und Immobilienm\u00e4rkte sowie einer insgesamt hohen Attraktivit\u00e4t des Unternehmensstandorts Schweiz noch kr\u00e4ftiger ausgefallen sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSolche realen Einkommensver\u00e4nderungen wirken sich auf die H\u00f6he und die Struktur der Steuerzahlungen aus. Aufgrund eines parlamentarischen Vorstosses vom Dezember 2014 untersuchte der Bundesrat die Auswirkungen der realen Progression. Dieser Beitrag st\u00fctzt sich auf den k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Bericht.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZun\u00e4chst muss gekl\u00e4rt werden, was Progression bedeutet: Ist ein Steuertarif progressiv ausgestaltet, impliziert dies, dass h\u00f6here Einkommensschichten nicht nur absolut, sondern auch in Relation zu ihrem Einkommen mehr Steuern zahlen. Erh\u00f6hen sich im Zeitablauf die steuerbaren Einkommen der steuerpflichtigen Personen real, stellen sich, wenn keine Gegenmassnahmen ergriffen werden, zweierlei Wirkungen ein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErstens ver\u00e4ndert sich die relative Steuerbelastung: Die einstmals angestrebte Lastverteilung zwischen Personen mit unterschiedlicher wirtschaftlicher Leistungsf\u00e4higkeit bzw. unterschiedlichem Einkommen wird langfristig unterlaufen. Steigen beispielsweise alle Einkommen gleichm\u00e4ssig mit derselben Wachstumsrate, so nimmt der Anteil der obersten Einkommensgruppe an der gesamten Steuerlast zulasten der \u00fcbrigen Einkommensgruppen mit zunehmendem Einkommenswachstum ab.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnd zweitens ver\u00e4ndert sich die Einkommenssteuerbelastung auch absolut, da die Steuerpflichtigen bei Einkommenserh\u00f6hungen in eine h\u00f6here Tarifstufe aufsteigen und mit einem h\u00f6heren Durchschnittssteuersatz belastet werden. Dadurch steigen die Steuereinnahmen st\u00e4rker als das steuerbare Einkommen. Das Gewicht des Staates in der Volkswirtschaft nimmt langfristig zu.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVon dieser realen Progression zu unterscheiden ist die kalte Progression, welche bei inflationsbedingten Einkommenserh\u00f6hungen die Steuerpflichtigen ebenfalls mit einem h\u00f6heren Durchschnittssteuersatz belastet. Da die direkte Bundessteuer bei der kalten Progression automatisch angepasst wird, gehen wir darauf nicht n\u00e4her ein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm die reale Progression zu beseitigen, gibt es drei M\u00f6glichkeiten: Erstens kann auf einen progressiven Steuertarif verzichtet werden, zweitens kann eine Steuerreform das Problem beheben. Drittens kommt eine automatische Anpassung infrage. Die folgende Analyse konzentriert sich ganz auf den dritten Aspekt.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Steigende absolute Steuerbelastung: Vor- und Nachteile&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nObwohl die reale Progression mit einer steigenden Durchschnittssteuerbelastung der Steuerpflichtigen einhergeht, kann eine Nichtkorrektur aus pragmatischen Gr\u00fcnden geboten sein. Dies ist gem\u00e4ss dem US-\u00d6konomen William J. Baumol dann der Fall, wenn die Preise f\u00fcr \u00f6ffentliche und \u00f6ffentlich bereitgestellte G\u00fcter schneller als die Preise f\u00fcr privatwirtschaftliche G\u00fcter steigen und die Nachfrage nach den vom Staat angebotenen G\u00fctern relativ unelastisch ist.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Der \u00abBaumol-Effekt\u00bb gr\u00fcndet auf der Annahme, dass in der Privatwirtschaft Produktivit\u00e4tssteigerungen zu stabilen oder sogar sinkenden Preisen f\u00fchren, w\u00e4hrend der Staat vor allem Dienstleistungen \u2013 wie innere Sicherheit oder Bildung \u2013 anbietet, die kaum Produktivit\u00e4tssteigerungen zulassen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin weiterer Grund, nicht f\u00fcr die reale Progression zu korrigieren, beruht auf den Einkommenssteigerungen der B\u00fcrger. Unterstellt man, dass die B\u00fcrger einen konstanten Prozentsatz ihres Einkommens sparen, ist der Konsum auf private und vom Staat bereitgestellte G\u00fcter aufzuteilen. Falls nun die Nachfrage f\u00fcr die vom Staat bereitgestellten G\u00fcter relativ gross ist, ist es demnach zweckm\u00e4ssig, nicht f\u00fcr die Folgen der realen Progression zu korrigieren.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas aus dem 19. Jahrhundert stammende wagnersche Gesetz postuliert, dass die Einnahmen des Staates dem wachsenden Ausgabenbedarf folgen. Diese Sichtweise ist aber nicht ohne Kritik geblieben, da die Einnahmen nicht zwingend den Staatsausgaben folgen, sondern der Zusammenhang auch umgekehrt sein k\u00f6nnte: Wenn infolge steigender Realeinkommen die Einnahmen im Verh\u00e4ltnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP) steigen, werden neue Ausgabenfelder geschaffen und\/oder bestehende Aufgabengebiete des Staates weniger sparsam bewirtschaftet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nFolglich m\u00fcssten die staatlichen Einnahmen m\u00f6glichst knapp bemessen sein, damit ein sparsamer Umgang mit den \u00f6ffentlichen Einnahmen gew\u00e4hrleistet sei. Eine automatische Korrektur der realen Progression \u2013 wie generell eine regelgebundene Finanzpolitik \u2013 w\u00e4re demnach ein geeignetes Instrument, um diesem Politikversagen zu begegnen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Leistungsf\u00e4higkeitsprinzip und relative Steuerbelastung <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAlternativ liesse sich eine Nichtkorrektur f\u00fcr die Folgen der realen Progression rechtfertigen, da die B\u00fcrger \u2013 anders als bei der kalten Progression \u2013 einen Realeinkommensanstieg und somit einen Anstieg ihrer steuerlichen Leistungsf\u00e4higkeit erfahren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm die Wirkung der relativen Steuerbelastung besser zu verstehen, sind Fallkonstellationen hilfreich. Nehmen wir an, zwei Steuerpflichtige haben zu einem bestimmten Zeitpunkt ein aggregiertes steuerbares Jahreseinkommen von 80\u2019000 Franken (siehe <em>Tabelle<\/em>). In der ersten Konstellation verdient eine Person A 50\u2019000, und eine Person B erzielt ein steuerbares Einkommen von 30\u2019000 Franken. Zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt erh\u00f6ht sich das reale Einkommen dieser beiden Personen um insgesamt 20\u2019000 Franken auf 100\u2019000 Franken. Somit betr\u00e4gt die reale Einkommenssteigerung 25 Prozent.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Fallkonstellationen von Realeinkommenssteigerungen (in Fr.)&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table>&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\"><strong>Steuerpflichtige Person <\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"115\"><strong>\u00a0Steuerbares Einkommen t<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"125\"><strong>Steuerbares Einkommen t+1 <\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"168\"><strong>Steuerbares Einkommen t+1 nach Korrektur der realen Progression<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\"><strong>Fall 1: <\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"115\"><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"125\"><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"168\"><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\">Person A<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"115\">50\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"125\">50\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"168\">40\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\">Person B<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"115\">30\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"125\">50\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"168\">40\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\"><strong>Fall 2: <\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"115\"><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"125\"><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"168\"><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\">Person A<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"115\">50\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"125\">70\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"168\">56\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\">Person B<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"115\">30\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"125\">30\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"168\">24\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\"><strong>Fall 3<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"115\"><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"125\"><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"168\"><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\">Person A<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"115\">50\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"125\">62\u2019500<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"168\">50\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\">Person B<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"115\">30\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"125\">37\u2019500<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"168\">30\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Darstellung Schwarz<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der ersten Konstellation verdienen beide Personen zum zweiten Zeitpunkt je 50\u2019000 Franken. Wenn man die reale Progression nun automatisch um den Einkommensanstieg korrigiert, reduziert sich das steuerbare Einkommen beider Personen auf je 40\u2019000. Da in diesem Fall beide Personen mit denselben Grenz- und Durchschnittssteuers\u00e4tzen belastet werden, entstehen keine Verteilungs\u00e4nderungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Querschnittsvergleich zum zweiten Zeitpunkt wird durch die Korrektur der realen Progression folglich nicht tangiert, wohl aber der Vergleich \u00fcber die Zeit, da die Person A bei identischem steuerbarem Einkommen zum zweiten Zeitpunkt weniger Steuern zahlen muss. Dieselbe Problematik tritt im zweiten Fall auf \u2013 mit dem Unterschied, dass sich die Einkommensverteilung zwischen den Personen nun auff\u00e4chert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00fcrde man statt Personen Generationen \u00fcber die Zeit vergleichen, dann erhielte die zum zweiten Zeitpunkt lebende Generation eine Korrektur nach unten, obgleich ihr Einkommen deutlich gestiegen ist. Einer solch intertemporalen Interpretation des Leistungsf\u00e4higkeitsprinzips kann man entgegenhalten: Wenn zwischen zwei Zeitpunkten alle B\u00fcrger einen prozentual identischen Realeinkommensanstieg erfahren, \u00e4ndert sich die prim\u00e4re Einkommensverteilung der B\u00fcrger nicht. Dies wird in der dritten Konstellation dargestellt, in welcher das Einkommen bei beiden Personen um je ein Viertel steigt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Korrektur des Einkommenssteuertarifs oder der Bemessungsgrundlage um den Realeinkommensanstieg w\u00fcrde folglich die relative Leistungsf\u00e4higkeit der B\u00fcrger nicht ver\u00e4ndern. Im Gegenteil: Ohne Korrektur w\u00fcrde der Anteil, den die einkommensst\u00e4rksten Haushalte zur Einkommenssteuer beitragen, zur\u00fcckgehen, und die vom Gesetzgeber einstmals angestrebte Lastverteilung zwischen Personen mit unterschiedlicher wirtschaftlicher Leistungsf\u00e4higkeit beziehungsweise unterschiedlichem Einkommen w\u00fcrde langfristig unterlaufen werden. Ohne Korrektur w\u00fcrden sich irgendwann alle B\u00fcrger in der obersten Tarifstufe des Einkommenssteuertarifs befinden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBeide Interpretationen des Leistungsf\u00e4higkeitsprinzips lassen sich rechtfertigen. Bei ersterer Interpretation wird dem Leistungsf\u00e4higkeitsprinzip intertemporal Rechnung getragen, w\u00e4hrend die zweite Interpretation eine Anwendung des Leistungsf\u00e4higkeitsprinzips \u00fcber die Zeit negiert und sich ganz auf einen Querschnittsvergleich konzentriert.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ehepaare mit Kindern weniger betroffen&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Schweiz zeigt eine Studie der Eidgen\u00f6ssischen Steuerverwaltung (ESTV) zur realen Progression f\u00fcr den Zeitraum 1996 bis 2015, dass insbesondere Alleinstehende und Alleinverdiener-Ehepaare ohne Kinder mit einem Einkommen von 100\u2019000 bis 300\u2019000 Franken von der realen Progression betroffen waren.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Hingegen war nur eine Minderheit der Ehepaarhaushalte mit Kindern und der Alleinerziehenden von der realen Progression betroffen (rund 8% bzw. 10% dieser Haushalte), da f\u00fcr diese Gruppen neue Abz\u00fcge \u2013 der Verheiratetenabzug und Kindergutschriften \u2013 in diesem Zeitraum eingef\u00fchrt wurden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der ESTV-Studie wurde zudem gesch\u00e4tzt, wie sich ein Ausgleich der realen Progression auf die Einnahmen aus der direkten Bundessteuer auswirken w\u00fcrde, wenn nur diejenigen Haushalte, bei denen die reale Progression zu einer erh\u00f6hten Durchschnittssteuerbelastung in den letzten 20 Jahren gef\u00fchrt hat, kompensiert werden. Dabei zeigt sich: W\u00e4ren seit 1996 die Folgen der realen Progression gezielt ausgeglichen worden, w\u00fcrden die Einnahmen aus der DBST heute um 4,3 Prozent tiefer liegen. Bezogen auf die Einnahmen von 10,4 Milliarden Franken im Jahr 2015, entspricht dies rund 450 Millionen Franken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZu bemerken ist, dass in der Analyse lediglich der Tarif f\u00fcr diejenigen F\u00e4lle angepasst wurde, deren Steuerlast trotz Einf\u00fchrung neuer Abz\u00fcge angestiegen ist. W\u00fcrden analog zum Ausgleich der kalten Progression die Tarife und Abz\u00fcge um das Realeinkommenswachstum \u2013 und somit f\u00fcr alle Steuerpflichtigen \u2013 gestreckt, so w\u00fcrden die Mindereinnahmen deutlich h\u00f6her aus&shy;fallen. Denn in diesem Fall m\u00fcssten auch Bev\u00f6lkerungsgruppen kompensiert werden, welche infolge der Einf\u00fchrung neuer Abz\u00fcge keine Steuermehrbelastung erfahren haben.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Automatischer Ausgleich schr\u00e4nkt Spielraum ein<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nOb eine Korrektur f\u00fcr die Folgen der realen Progression geboten ist, l\u00e4sst sich nicht eindeutig bestimmen. Beschr\u00e4nkt man die Anwendung des Leistungsf\u00e4higkeitsprinzips auf einen reinen Querschnittsvergleich von B\u00fcrgern innerhalb einer Generation und bef\u00fcrchtet man einen Ausbau der Staatst\u00e4tigkeit, wird man eher f\u00fcr eine automatische Korrektur der Effekte der realen Progression pl\u00e4dieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine automatische Korrektur der realen Progression w\u00fcrde \u2013 neben dem automatischen Ausgleich der kalten Progression und der Schuldenbremse \u2013 ein weiteres regelgebundenes Instrument in die Finanzpolitik des Bundes einf\u00fchren. Dies impliziert nicht, dass auf Bundesebene insk\u00fcnftig Steuerreformen unm\u00f6glich w\u00e4ren, durch einen automatischen Ausgleich der realen Progression w\u00fcrde aber der Gestaltungsspielraum k\u00fcnftiger politischer Entscheidungstr\u00e4ger eingeengt. Damit k\u00f6nnte die direkte Bundessteuer weniger an sich wandelnde gesellschaftliche Konstellationen angepasst werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Bundesrat (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Baumol (1967).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Einkommenselastizit\u00e4t, siehe dazu Mueller (2003): 509\u2013510.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Morger (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Reall\u00f6hne sind in der Schweiz von 1996 bis 2015 um knapp 13 Prozent gewachsen. 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Public Choice III, Cambridge University Press.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":108795,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":108799,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"72129","post_abstract":"Ein realer Einkommensanstieg im Zeitablauf geht bei einem progressiven Steuertarif mit einer wachsenden Durchschnittssteuerbelastung der Steuerpflichtigen einher. Dieses Ph\u00e4nomen wird als reale Progression bezeichnet. Ohne eine Korrektur f\u00fcr die Folgen der realen Progression d\u00fcrfte langfristig das Gewicht des Staates in einer Volkswirtschaft zunehmen, w\u00e4hrend gleichzeitig der Anteil der obersten Einkommensschicht an der Steuerzahlung zur\u00fcckgehen sollte. Ob allerdings eine regelgebundene Korrektur der realen Progression \u2013 wie derzeit bei der kalten Progression praktiziert \u2013 sinnvoll ist, kann angezweifelt werden, wie ein Bericht des Bundesrates zeigt. Wer bei der direkten Bundessteuer Vertrauen in zuk\u00fcnftige politische Beschl\u00fcsse aufbringt, wird eher f\u00fcr Steuerreformen pl\u00e4dieren, statt \u00fcber einen automatischen Ausgleich der realen Progression zuk\u00fcnftige Gestaltungsm\u00f6glichkeiten einzuengen.","magazine_issue":"20171001","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20170926","original_files":[{"file":108807}],"external_release_for_author":"20170907","external_release_for_author_time":"20:30:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/599c1a1ccb12d"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108792"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4535"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=108792"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108792\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126354,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108792\/revisions\/126354"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4535"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24702"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=108792"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=108792"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=108792"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=108792"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=108792"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=108792"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}