{"id":109028,"date":"2017-07-25T15:05:56","date_gmt":"2017-07-25T15:05:56","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/07\/pavletic-08-09-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:05:48","modified_gmt":"2023-08-23T21:05:48","slug":"pavletic-08-09-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/07\/pavletic-08-09-2017\/","title":{"rendered":"Die Weltbank \u2013 Grundpfeiler der internationalen Entwicklungszusammenarbeit"},"content":{"rendered":"<p>Gemessen an ihren Verm\u00f6genswerten von rund 644 Milliarden Dollar und ihren j\u00e4hrlichen Kreditverpflichtungen im Umfang von etwa 64 Milliarden Dollar ist die Weltbank im heutigen internationalen Finanzsystem ein mittelgrosser Player. Das war nicht immer so. In der Nachkriegszeit geh\u00f6rte sie zu den zehn gr\u00f6ssten Finanzinstituten weltweit. Die Liberalisierung der internationalen Kapitalm\u00e4rkte in den Siebzigerjahren er\u00f6ffnete den Entwicklungsl\u00e4ndern den Zugang zu neuen, vornehmlich privaten Finanzierungsquellen. Das hatte zur Folge, dass die relative Nachfrage nach Weltbank-Krediten nachliess. Diese Entwicklung reflektiert die allgemein nachlassende Bedeutung der \u00f6ffentlichen Entwicklungshilfe in Bezug auf\u00a0die\u00a0gesamten Kapitalfl\u00fcsse in die Entwicklungsl\u00e4nder.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs w\u00e4re allerdings verfehlt, die Relevanz der Weltbank auf ihre finanzielle Rolle zu reduzieren. Die Globalisierung hat die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen grundlegend ver\u00e4ndert. Die nationalstaatliche Politik sieht sich zunehmend mit transnationalen Problemen konfrontiert, deren L\u00f6sung die finanziellen und technischen M\u00f6glichkeiten einzelner L\u00e4nder oftmals \u00fcbersteigt. Die Bedeutung der Weltbank muss im Kontext dieser globalen Verflechtung verstanden werden. Sie unterst\u00fctzt die Weltgemeinschaft, die entwicklungsrelevanten Herausforderungen ihrer Mitglieder zu erfassen, l\u00f6sungsorientierte Handlungsans\u00e4tze auszuarbeiten und diese auf lokaler, regionaler und zunehmend auch auf globaler Ebene umzusetzen.&#13;<\/p>\n<h2>Die Weltbank im Wandel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit dem Beitritt der Schweiz vor 25 Jahren hat sich die Weltbank stetig weiterentwickelt, um angemessen auf die sich ver\u00e4ndernden globalen Rahmenbedingungen und Kundenbed\u00fcrfnisse reagieren zu k\u00f6nnen. Entsprechend hat sich auch ihr Ansatz der Entwicklungshilfe ver\u00e4ndert. Konzentrierte sie sich urspr\u00fcnglich vor allem auf die Finanzierung von Infrastrukturprojekten, weitete sich ihr T\u00e4tigkeitsfeld in den Achtzigerjahren zunehmend auf politische Reformen und die St\u00e4rkung von institutionellen Rahmenbedingungen aus. Hier beschr\u00e4nkte sich die Weltbank mit dem sogenannten Washington Consensus zun\u00e4chst auf eine begrenzte Anzahl an wirtschaftspolitischen Massnahmen zur F\u00f6rderung des Wachstums. Im Laufe der Zeit wurde dieser Ansatz jedoch um die Schwerpunkte der Bek\u00e4mpfung der extremen Armut und Ungleichheit sowie der F\u00f6rderung der sozialen, wirtschaftlichen und \u00f6kologischen Nachhaltigkeit erg\u00e4nzt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Entwicklung war das Ergebnis eines langj\u00e4hrigen institutionellen und weitgehend eklektischen Lernprozesses, der durch eine Vielzahl von Faktoren gepr\u00e4gt wurde. Dazu geh\u00f6ren unter anderem die \u00f6ffentlich gef\u00fchrten Diskussionen \u00fcber gescheiterte oder mangelhaft umgesetzte Infrastrukturprojekte der Weltbank, die Skepsis gegen\u00fcber den Strukturanpassungsprogrammen der Reagan-Thatcher-\u00c4ra sowie die wachsende Erkenntnis, Nachhaltigkeitsaspekte besser in die Planung von Entwicklungsprogrammen integrieren zu m\u00fcssen. Dar\u00fcber hinaus wurde die Armut zunehmend als multidimensionales Problem erkannt, zu dessen L\u00f6sung Massnahmen auf institutioneller, wirtschaftspolitischer, gesellschaftlicher und verhaltens\u00f6konomischer Ebene n\u00f6tig sind. Themen wie Bildung und Gesundheit, Geschlechtergleichstellung und gute Regierungsf\u00fchrung gewannen dadurch immer st\u00e4rker an Aufmerksamkeit. Gleichzeitig hat die Weltbank ihre Sozial- und Umweltstandards versch\u00e4rft und ausgeweitet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Ausarbeitung eines holistischen Entwicklungshilfeansatzes war weder linear noch einfach. Der Prozess war begleitet von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Rolle, welche die Weltbank in einer sich rasant ver\u00e4ndernden Welt zu spielen hat, den Zielen, die sie erreichen soll, sowie den Ressourcen und Instrumenten, die ihr hierf\u00fcr zur Verf\u00fcgung stehen. Bilaterale Entwicklungspartner, Nichtregierungsorganisationen, die Zivilgesellschaft und der Privatsektor haben sich an dieser Auseinandersetzung beteiligt und so den Prozess massgeblich mitgepr\u00e4gt. So durchlief die Weltbank in den letzten 25 Jahren mehrere institutionelle Umstrukturierungen und Reformen, um ihre Wirksamkeit und Effizienz zu verbessern. Gleichzeitig baute sie ihren Leistungskatalog und ihren Personalbestand stark aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Bem\u00fchungen m\u00fcndeten 2013 in der Formulierung des ersten gemeinsamen Mandats f\u00fcr die gesamte Weltbankgruppe, bestehend aus der Internationalen Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD), der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA), der Internationalen Finanz-Corporation (IFC), der Multilateralen Investitions-Garantie-Agentur (MIGA) und dem Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID).<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Darin setzt sich die Weltbank zum Ziel, in ihren Mitgliedsl\u00e4ndern die extreme Armut bis 2030 auf 3 Prozent zu reduzieren und den Wohlstand der armen Bev\u00f6lkerung auf nachhaltige Weise zu f\u00f6rdern. Dieses Mandat wurde k\u00fcrzlich \u00fcberpr\u00fcft und mit den Zielen der Agenda 2030 f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung und dem Pariser Klimaschutzabkommen in Einklang gebracht.&#13;<\/p>\n<h2>Der Nutzen der Weltbank f\u00fcr ihre Mitglieder<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch heute noch werden bisweilen Zweifel an der Wirksamkeit und Effizienz der Weltbank laut. Relativ unbestritten ist dagegen die Tatsache, dass die Weltbank als globale Wissens- und Austauschplattform f\u00fcr nahezu alle entwicklungsrelevanten Fragen ihresgleichen sucht. F\u00fcr die internationale Gemeinschaft ist sie eine \u00e4usserst wertvolle Wissensquelle und ein wahrhaftig globales \u00f6ffentliches Gut. Akteure der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit in der Schweiz, wie das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) und die Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), k\u00f6nnen die Hebelwirkung ihrer Aktivit\u00e4ten massgeblich erh\u00f6hen, indem sie ihre relativ begrenzten Finanzmittel an multilaterale Initiativen der Weltbank kn\u00fcpfen, die \u00e4hnliche Ziele wie die Schweizer Entwicklungspolitik verfolgen. Dazu geh\u00f6ren zum Beispiel die St\u00e4rkung der \u00f6ffentlichen Finanzen, die Entwicklung des Privatsektors, die Konfliktpr\u00e4vention und die Bek\u00e4mpfung des Klimawandels. Da die Bank ihre Kredite oft an die Umsetzung von politischen und institutionellen Reformen kn\u00fcpft, k\u00f6nnen bilaterale Geber am zugeh\u00f6rigen politischen Dialog teilnehmen und wichtige Erkenntnisse f\u00fcr ihre Arbeit gewinnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBisher wusste die Weltbank ihr relativ bescheidenes Kapital sehr erfolgreich einzusetzen. Seit ihrer Gr\u00fcndung konnte sie mit einer Kapitalausstattung von 18 Milliarden Dollar \u2013 und unter Beibehaltung ihres AAA-Ratings \u2013 rund 900 Milliarden Dollar an interner und externer Entwicklungsfinanzierung generieren. Die Rolle der Weltbank beschr\u00e4nkt sich aber nicht ausschliesslich auf die finanzielle Unterst\u00fctzung ihrer Partnerl\u00e4nder. Dank ihrer globalen Pr\u00e4senz tr\u00e4gt sie wesentlich zum Austausch von Erfahrungen und technischem Fachwissen unter den Partnerl\u00e4ndern bei. Diese S\u00fcd-S\u00fcd-Kooperation hat die Akzeptanz ihrer Reformempfehlungen massgeblich erh\u00f6ht. Ein Beispiel ist der \u00abDoing Business\u00bb-Bericht, der j\u00e4hrlich international vergleichbare Indikatoren zur Regulierungsdichte auf L\u00e4nderebene vorlegt. Er hat viele Regierungen dazu veranlasst, ihre regulatorischen Rahmenbedingungen zu \u00fcberdenken und, wo n\u00f6tig, zu optimieren. Bez\u00fcglich Kosteneffizienz, Leistungsf\u00e4higkeit und politischen Einflusses geh\u00f6rt die Weltbank gem\u00e4ss unabh\u00e4ngigen Evaluationen zu den wirksamsten Entwicklungsorganisationen weltweit. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass sie heute als zuverl\u00e4ssiger Partner gesch\u00e4tzt wird, was sich wiederum in der j\u00fcngst gestiegenen Nachfrage nach ihren Dienstleistungen widerspiegelt.&#13;<\/p>\n<h2>Die zuk\u00fcnftige Relevanz der Weltbank<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nOb die Weltbank auch in Zukunft relevant bleibt, wird von ihrer F\u00e4higkeit abh\u00e4ngen, intelligente L\u00f6sungen zur Bew\u00e4ltigung der komplexen Entwicklungsprobleme zu finden, mit denen ihre Partnerl\u00e4nder konfrontiert werden. Dabei steht sie folgenden sechs Herausforderungen gegen\u00fcber.&#13;<\/p>\n<h3>Klare Priorit\u00e4tensetzung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Weltbank braucht klare Ziele und Priorit\u00e4ten. Das ist leichter gesagt als getan. Die Vielfalt an entwicklungsrelevanten Herausforderungen, ihre dynamische Ver\u00e4nderung \u00fcber die Zeit sowie unterschiedliche Ansichten zu ihrer L\u00f6sung erschweren eine klare Priorit\u00e4tensetzung. Selektivit\u00e4t ist allerdings unabdingbar, um eine Verw\u00e4sserung der knappen Ressourcen der Weltbank zu vermeiden und die Qualit\u00e4t und Wirksamkeit ihrer Aktivit\u00e4ten zu gew\u00e4hrleisten. Gleichzeitig darf sie sich den neu auftretenden Bed\u00fcrfnissen ihrer Mitglieder nicht verschliessen. Diese Gratwanderung erfordert eine regelm\u00e4ssige und oftmals politisch delikate G\u00fcterabw\u00e4gung. Die Schweiz setzt sich daf\u00fcr ein, dass sich bilaterale und multilaterale Entwicklungsakteure auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und eine effiziente Aufgabenteilung untereinander sicherstellen. Entsprechend sollte die Weltbank neue Priorit\u00e4ten mit Bedacht ausw\u00e4hlen, auch wenn dies manchmal den W\u00fcnschen und Interessen einzelner Mitglieder entgegenl\u00e4uft.&#13;<\/p>\n<h3>F\u00f6rderung des Privatsektors<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Weltbank unterst\u00fctzt ihre Partnerl\u00e4nder dabei, durch die gezielte F\u00f6rderung des Privatsektors neue Wachstums- und Entwicklungsimpulse zu setzen. In den vergangenen 25 Jahren haben die IFC und die MIGA \u2013 die zwei auf die F\u00f6rderung des Privatsektors spezialisierten Unterorganisationen der Weltbank \u2013 ihre Aktivit\u00e4ten in Entwicklungsl\u00e4ndern stark ausgebaut. Das zeigt der k\u00fcrzlich lancierte Kaskadenansatz<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>. Er hat zum Ziel, Weltbank-Projekte zunehmend aus kommerziellen Quellen zu finanzieren und die begrenzten konzessionellen Mittel der Weltbank dort einzusetzen, wo sie am dringendsten ben\u00f6tigt werden und die h\u00f6chste Wirkung erzielen. Zusammen mit dem Privatsektorfenster der IDA \u2013 des Fonds f\u00fcr die \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt \u2013 zielt der Kaskadenansatz darauf ab, die Komplementarit\u00e4t der Aktivit\u00e4ten der IFC und der MIGA im Privatsektor mit denjenigen der IBRD und der IDA im \u00f6ffentlichen Sektor zu erh\u00f6hen. Gemeinsam wollen sie die Schaffung eines unternehmerfreundlichen Umfelds f\u00f6rdern, neue M\u00e4rkte erschliessen und zus\u00e4tzliche Mittel aus dem Privatsektor mobilisieren \u2013 auch in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern sowie in fragilen Staaten. Als eine der gr\u00f6ssten Geldgeberinnen f\u00fcr IFC-Beratungsdienstleistungen f\u00fcr Unternehmen in Entwicklungsl\u00e4ndern unterst\u00fctzt die Schweiz diese Bem\u00fchungen vollumf\u00e4nglich.&#13;<\/p>\n<h3>Bereitstellung globaler \u00f6ffentlicher G\u00fcter<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGlobale Herausforderungen wie internationale Wirtschafts- und Finanzkrisen, Klimawandel, Migration, Fragilit\u00e4t, Konflikte und humanit\u00e4re Katastrophen gef\u00e4hrden das globale Wirtschaftswachstum und versch\u00e4rfen die Krisenanf\u00e4lligkeit aller Menschen, nicht nur in Entwicklungsl\u00e4ndern. Die Armen sind dabei oft am st\u00e4rksten betroffen. Aufgrund ihrer Expertise und ihrer globalen Pr\u00e4senz ist die Weltbank in der Lage, die Natur und die Komplexit\u00e4t dieser globalen Ph\u00e4nomene schnell zu erfassen und geeignete L\u00f6sungsans\u00e4tze anzubieten. Sie hat gezeigt, dass sich die rechtzeitige Bereitstellung von globalen \u00f6ffentlichen G\u00fctern positiv auf die Armut und die Ungleichheit auswirken kann, wie die k\u00fcrzlich ins Leben gerufene Pandemic Emergency Facility verdeutlicht (siehe <em>Kasten<\/em>). Die L\u00e4nderstrategien der Weltbank, welche jeweils zusammen mit den Partnerl\u00e4ndern ausgearbeitet werden, messen diesen regionalen und globalen Entwicklungsherausforderungen eine zunehmend hohe Bedeutung bei.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin alleiniger Fokus auf Entwicklungsl\u00e4nder macht aufgrund der grenz\u00fcberschreitenden Natur vieler Entwicklungsprobleme heute kaum mehr Sinn. Ausserdem hat die Weltbank bewiesen, dass sie auch in entwickelten L\u00e4ndern wie Polen, Griechenland oder Bahrain einen relevanten Beitrag leisten kann. Ein starkes Engagement in L\u00e4ndern mittleren Einkommens bleibt auf jeden Fall zentral, denn sie beherbergen den Grossteil der armen Weltbev\u00f6lkerung. Ihre Volkswirtschaften sind krisenanf\u00e4lliger und sch\u00f6pfen ihr Wachstumspotenzial oft nicht optimal aus. Angesichts ihres hohen Anteils an der Weltwirtschaft und der Weltbev\u00f6lkerung spielen sie auch bei der Bereitstellung globaler \u00f6ffentlicher G\u00fcter eine entscheidende Rolle. Globale Probleme wie der Klimawandel k\u00f6nnen nicht ohne ihre aktive Teilnahme gel\u00f6st werden. Das trifft auch auf die L\u00e4nder der mittleren Einkommenskategorie in der Schweizer Stimmrechtsgruppe bei der Weltbank zu. L\u00e4nder wie Kasachstan und Usbekistan befinden sich nach wie vor in einem politischen und wirtschaftlichen Transformationsprozess und ziehen einen direkten Nutzen aus der finanziellen und technischen Unterst\u00fctzung der Weltbank, insbesondere auch zur Bew\u00e4ltigung grenz\u00fcberschreitender Probleme. Dieses Engagement kommt auch Kirgisistan und Tadschikistan \u2013 den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Region \u2013 zugute. Aus diesen Gr\u00fcnden macht sich die Schweiz f\u00fcr eine Weltbank stark, die <em>alle <\/em>Mitglieder unterst\u00fctzt, nicht nur die \u00e4rmsten.&#13;<\/p>\n<h3>Engagement in fragilen und konfliktbetroffenen L\u00e4ndern<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEtwa zwei Milliarden Menschen leben heute in fragilen und konfliktbetroffenen L\u00e4ndern. Schwache Institutionen, politische Spannungen und Gewalt st\u00fcrzen nicht nur die Menschen in den betroffenen L\u00e4ndern ins Elend, sondern beeintr\u00e4chtigen gleichzeitig die globale Sicherheit. Ohne ein aktives Engagement der Entwicklungsbanken sind die Vereinten Nationen heute nicht in der Lage, ihr Mandat zur Friedensf\u00f6rderung erfolgreich umzusetzen. Auch die aktuellen Fl\u00fcchtlingskrisen in Afrika, dem Nahen Osten und Europa verlangen nach einer nachhaltigen Entwicklungsl\u00f6sung. Mitunter auch dank der langj\u00e4hrigen finanziellen Unterst\u00fctzung der Schweiz ist die Weltbank heute in der Lage, fragile L\u00e4nder in ihren Entwicklungsbem\u00fchungen zu unterst\u00fctzen. Dank der 18. Wiederauff\u00fcllung der IDA, welche im Dezember 2016 mit einem Rekordergebnis von 75 Milliarden Dollar abgeschlossen wurde, wird die Weltbank dieses Engagement weiter ausbauen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h3>Sicherstellung der finanziellen Nachhaltigkeit<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Weltbank muss \u00fcber angemessene finanzielle Ressourcen verf\u00fcgen, will sie ihrer Rolle als globale Entwicklungspartnerin gerecht werden. Hierf\u00fcr ist sie auf die finanzielle Unterst\u00fctzung ihrer Aktion\u00e4re angewiesen. Dank einer grossz\u00fcgigen Kapitaldeckung und einem neuen Finanzierungsmodell, das ihr die Emission von Schuldscheinen auf den internationalen Kapitalm\u00e4rkten erm\u00f6glicht, steht die IDA heute finanziell auf einer soliden Basis. Das wird es ihr in den n\u00e4chsten Jahren erm\u00f6glichen, den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verf\u00fcgung zu stellen. Im Gegensatz dazu haben die IBRD und die IFC ihre finanziellen Mittel weitgehend ausgesch\u00f6pft. Wollen sie ihre Bonit\u00e4t und ihre Kapitaldeckung nicht gef\u00e4hrden, m\u00fcssen sie ihr Kapital \u00fcber kurz oder lang aufstocken. Ohne eine Kapitalaufstockung laufen sie Gefahr, in Zukunft an Bedeutung zu verlieren. Andere Institutionen, wie zum Beispiel die k\u00fcrzlich geschaffene Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank, k\u00f6nnten im Prinzip die entstehende L\u00fccke schliessen. Es wird allerdings Zeit in Anspruch nehmen, bis sie sich als glaubw\u00fcrdige und zuverl\u00e4ssige Entwicklungspartner vom Schlage der Weltbank etablieren k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h3>Anpassung der Gouvernanzstrukturen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Anteilsverh\u00e4ltnisse und Vertretung der Mitgliedsl\u00e4nder in den Entscheidungsgremien der Weltbank entsprechen nicht mehr den tats\u00e4chlichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen in der Weltwirtschaft. Das untergr\u00e4bt die Glaubw\u00fcrdigkeit und die Legitimit\u00e4t der Weltbank als globale Institution. Zudem sind die \u00fcbervertretenen, vornehmlich westlichen L\u00e4nder nicht gewillt oder nicht in der Lage, die Organisation mit ausreichend Kapital auszustatten, was ihre derzeitige \u00dcbervertretung zumindest teilweise rechtfertigen w\u00fcrde. Die aufstrebenden Wirtschaftsm\u00e4chte werden ihr finanzielles Engagement aber nur dann erh\u00f6hen, wenn sie im Gegenzug mehr Mitspracherecht erhalten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWill die Weltbank ihre Legitimit\u00e4t auch in Zukunft sichern, muss ihre Organisationsstruktur die Entwicklung der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in der multipolaren Welt besser reflektieren. Insbesondere die USA und China werden ihre Finanzierungsbereitschaft an ihre jeweiligen wirtschafts- und aussenpolitischen Ambitionen anpassen m\u00fcssen. Erste Schritte wurden eingeleitet, um die Gouvernanzstruktur der Weltbank mit der wirtschaftlichen Bedeutung und den finanziellen Beitr\u00e4gen ihrer Mitglieder in Einklang zu bringen. Weitere Massnahmen sind notwendig, um diesem Ziel n\u00e4her zu kommen. Als aktives Mitglied des Exekutivdirektoriums und neuntgr\u00f6sste Geldgeberin der IDA wird sich die Schweiz auch in Zukunft f\u00fcr eine Gouvernanzstruktur einsetzen, welche die Beitr\u00e4ge der Mitgliedsl\u00e4nder an das Entwicklungsmandat der Weltbank angemessen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Der Einfachheit halber wird in diesem Artikel die Bezeichnung Weltbank anstatt Weltbankgruppe verwendet.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Mehr Informationen zum Kaskadenansatz finden Sie im <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch?p=70619\">Artikel<\/a> von Christian Br\u00e4ndli, Tim Kaeser und Lukas Schneller.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemessen an ihren Verm\u00f6genswerten von rund 644 Milliarden Dollar und ihren j\u00e4hrlichen Kreditverpflichtungen im Umfang von etwa 64 Milliarden Dollar ist die Weltbank im heutigen internationalen Finanzsystem ein mittelgrosser Player. 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Die Fazilit\u00e4t stellt sicher, dass Beh\u00f6rden und Hilfsorganisationen in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt bei einem Ausbruch einer Epidemie umgehend \u00fcber die n\u00f6tigen finanziellen Mittel verf\u00fcgen, um eine Ausbreitung zu verhindern. Die Schweiz hat sich an der Entwicklung des Instruments finanziell beteiligt.&#13;\n&#13;\nDie PEF verf\u00fcgt \u00fcber ein Volumen von 500 Millionen Dollar. Neben einer Versicherungsdeckung wird eine neue Gattung von Schuldscheinen, sogenannte Pandemie-Anleihen, im Umfang von 320 Millionen Dollar herausgegeben. Die Pandemie-Anleihen funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie Katastrophen-Anleihen: Tritt eine vordefinierte Katastrophe ein, m\u00fcssen die Zeichner der Schuldscheine mit einem Verlust ihrer Investition rechnen. Dieses Risiko wird mit einer Rendite abgegolten.&#13;\n&#13;\nAm 30. Juni 2017 wurde die erste Anleihe mit dreij\u00e4hriger Laufzeit erfolgreich emittiert. 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