{"id":109100,"date":"2017-07-25T15:05:54","date_gmt":"2017-07-25T15:05:54","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/07\/vujovic-08-09-2017fr\/"},"modified":"2024-04-05T14:49:30","modified_gmt":"2024-04-05T12:49:30","slug":"vujovic-08-09-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/07\/vujovic-08-09-2017\/","title":{"rendered":"Schweizerisch-serbische Freundschaft in der Stimmrechtsgruppe"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2001 trat Serbien wieder<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> der Weltbank bei und wurde herzlich eingeladen, Teil der Schweizer Stimmrechtsgruppe zu werden, der j\u00fcngsten Gruppe der Bretton-Woods-Institutionen. Auf Einladung des damaligen Premierministers Zoran Djindjic und des Vizepremiers Miroljub Labus hatte ich die grosse Ehre, Serbien von 2001 bis 2003 als Chefberater zu vertreten.<\/p>\n<h2><strong>Serbien international vernetzen<\/strong><\/h2>\n<p>W\u00e4hrend jener Zeit beabsichtigte ich zun\u00e4chst, Serbien wieder zu einem wirkungsvollen Mitglied der Weltbank zu machen. Dazu geh\u00f6rten die Umwandlung der Schulden in ein Konsolidierungsdarlehen und die Ausarbeitung eines Entwurfs f\u00fcr eine \u00dcbergangs- und Standard-Rahmenpartnerschaft mit der Internationalen Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) und der Internationalen Finanz-Corporation (IFC). Parallel dazu arbeitete ich hart daran, durch Verhandlungen mit dem Pariser Club und dem Londoner Club Serbiens Beziehungen mit der internationalen Finanzwelt zu reparieren. W\u00e4hrend dieser Herausforderung verliess ich mich voll auf die Unterst\u00fctzung der damaligen Schweizer Exekutivdirektoren Matthias Meyer und Pietro Veglio.<\/p>\n<p>Bald wurde ich volles Mitglied des Washingtoner Teams in der Schweizer Stimmrechtsgruppe. Gemeinsam waren wir verantwortlich f\u00fcr das riesige Portfolio von IBRD und Internationaler Entwicklungsorganisation (IDA). Zudem formulierten wir auch Stellungnahmen der Stimmrechtsgruppe zu neuen und oft komplexen Initiativen wie dem damals noch jungen Kampf gegen Geldw\u00e4scherei und Terrorismusfinanzierung. Ich beteiligte mich auch gerne daran, den Schweizer Vorsitz im Exekutivrat zu vertreten und m\u00fcndliche Stellungnahmen abzugeben.<\/p>\n<h2><strong>Kompetentes Engagement<\/strong><\/h2>\n<p>In jenen Jahren konnte Serbien seine Beziehungen mit der Weltbank festigen, ein ausgewogenes Programm erstellen und einige interessante Projekte erarbeiten, welche die dringenden Bed\u00fcrfnisse beim sp\u00e4ten Start in die \u00dcbergangsphase zur Marktwirtschaft deckten. Serbien vertiefte auch seine Beziehung zu anderen internationalen Finanzinstituten und L\u00e4ndern, die im \u00dcbergang zu einer Marktwirtschaft mit gleichen oder \u00e4hnlichen Herausforderungen konfrontiert waren. Der t\u00e4gliche Austausch mit den kompetenten und engagierten Berufsleuten im Washingtoner B\u00fcro sowie Anregungen von Institutionen in der Schweiz \u2013 beispielsweise des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) oder des Wirtschafts- oder Finanzdepartements \u2013 trugen zum Erfolg dieser Arbeit bei. Die direkte, kollegiale und professionelle Zusammenarbeit mit dem ganzen Schweizer Team habe ich immer gesch\u00e4tzt. Sie zeigte, dass dank eines stetigen und gut geplanten Arbeitseinsatzes und ohne unproduktive Hektik hohe Qualit\u00e4t und gute zwischenmenschliche Beziehungen geschaffen und Spannungen minimiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Durch ungl\u00fcckliche Umst\u00e4nde wurde mein Einsatz beim Schweizer Vorsitz leider abgek\u00fcrzt. Nach der Ermordung von Premierminister Zoran Djindjic im Jahr 2003 und dem darauf folgenden Regierungswechsel ver\u00e4nderte sich der Aufgabenbereich der Stelle. Im Juni 2003 entschloss ich mich, zum operativen Teil der Weltbank zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit mit den Schweizer Kollegen war eine wertvolle berufliche und pers\u00f6nliche Erfahrung. In der Schweizer Stimmrechtsgruppe, wo ich Serbien heute als Finanzminister vertreten darf, pflegen wir noch immer gute Beziehungen. Die Arbeit in der Schweizer Stimmrechtsgruppe \u00e4hnelt sehr dem Schweizer Nationalgericht Fondue, bei dem verschiedene K\u00e4sesorten zusammen verschmelzen. In der Stimmrechtsgruppe sind es die traditionellen franz\u00f6sischen, deutschen und italienischen Grundzutaten, die mit anderen Kulturen, etwa der serbischen, angereichert werden \u2013 aus meiner Sicht das beste Rezept.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Wegen der Balkan-Kriege und nicht bedienter Schulden ist die ehemalige sozialistische Republik Jugoslawien 1993 ausgeschlossen worden.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2001 trat Serbien wieder der Weltbank bei und wurde herzlich eingeladen, Teil der Schweizer Stimmrechtsgruppe zu werden, der j\u00fcngsten Gruppe der Bretton-Woods-Institutionen. Auf Einladung des damaligen Premierministers Zoran Djindjic und des Vizepremiers Miroljub Labus hatte ich die grosse Ehre, Serbien von 2001 bis 2003 als Chefberater zu vertreten. 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