{"id":109143,"date":"2017-07-25T15:05:52","date_gmt":"2017-07-25T15:05:52","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/07\/dietrich-08-09-2017\/"},"modified":"2023-08-23T23:05:29","modified_gmt":"2023-08-23T21:05:29","slug":"dietrich-07-08-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/07\/dietrich-07-08-2017\/","title":{"rendered":"Kampf um mobiles Zahlen in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung und die verbreitete Nutzung von Smartphones haben einschneidenden Einfluss auf unseren Alltag \u2013 sei es beispielsweise beim Sondieren der optimalen Zugverbindung, beim Suchen einer Adresse oder beim Begleichen einer Rechnung \u00fcber eine E-Banking-App. Auch im Bereich des Zahlungsverkehrs hat das Smartphone mit Bezahl-Apps wie Twint oder Apple Pay das langfristige Potenzial, einen strukturellen Wandel im Bezahlverhalten auszul\u00f6sen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den letzten 25 Jahren hat sich das Zahlungsverhalten der Schweizer Bev\u00f6lkerung kontinuierlich ge\u00e4ndert: W\u00e4hrend heute noch rund die H\u00e4lfte des Transaktionsvolumens beim t\u00e4glichen Konsum mit Bargeld beglichen wird, lag dieser Anteil 1990 bei 90 Prozent.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Stetig Marktanteile gewonnen haben vor allem Kredit- und Debitkarten. Der Trend, zunehmend auch kleinere Betr\u00e4ge mit Karte \u2013 etwa \u00fcber die sogenannte Kontaktlos-Funktion \u2013 zu begleichen, wird dabei auch f\u00fcr die zuk\u00fcnftigen Entwicklungen des mobilen Bezahlens per Smartphone bedeutend sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKernfunktionen von \u00abMobile Payment\u00bb sind insbesondere das Zahlen mit dem Smartphone an der Ladenkasse, im Webshop und Geld\u00fcberweisungen an andere Personen (sogenannte P2P-Geldtransfers). Daneben k\u00f6nnen Zusatzfunktionen wie das Verkn\u00fcpfen mit Loyalit\u00e4tsprogrammen und das Abspeichern von Coupons und Rabatten oder das vereinfachte T\u00e4tigen von Spenden in das mobile Zahlungssystem integriert werden, um den Kunden das Kernangebot schmackhaft zu machen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Erste Opfer<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nObwohl der Markt in der Schweiz noch jung und wachsend ist, gab es bereits einige Exits zu verzeichnen. Dazu z\u00e4hlen beispielsweise die Swisscom-App Tapit, die SBB-App Wally und die Applikation Klimpr, welche von einem Z\u00fcrcher Fintech-Start-up entwickelt wurde. Trotz dieser R\u00fcckz\u00fcge buhlen immer noch zahlreiche Anbieter um die Gunst der Kunden und H\u00e4ndler. Aktuell sind neben den L\u00f6sungen von Schweizer Banken und Start-ups auch grosse ausl\u00e4ndische Technologiekonzerne im Markt aktiv. Durch die Fusion von Paymit und Twint zu Twint sind die Marktchancen der Bezahll\u00f6sung dank der R\u00fcckendeckung der grossen Schweizer Banken, der B\u00f6rsenanbieterin SIX und der Postfinance sicherlich intakt. Demgegen\u00fcber haben zum Beispiel die Migros-Bank-App Mobile Pay P2P oder die Start-up-L\u00f6sungen Muume und Mobino einen schwierigeren Stand.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHauptkonkurrenten von Twint sind vor allem die internationalen Technologiekonzerne. Wettbewerber wie Apple Pay, Samsung Pay oder Alipay werden versuchen, den Schweizer Markt mitzupr\u00e4gen. Des Weiteren kann auch davon ausgegangen werden, dass der Online-Bezahldienst Paypal insbesondere beim Internetshopping weiterhin eine grosse Rolle spielt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWelche L\u00f6sungen Bestand haben, wird sich erst zeigen. Klar scheint: Nur einfach zu handhabende Systeme mit hoher Akzeptanz und Nutzungsbereitschaft von breiten Zielgruppen k\u00f6nnen sich auf Dauer durchsetzen. Grunds\u00e4tzlich erreichen L\u00f6sungen mit vielen Projektpartnern wie Twint oder mit einer internationalen Reichweite wie Apple Pay eher die notwendigen Skalen- und Netzwerkeffekte, von welchen alle Nutzer profitieren. Allerdings m\u00fcssen nebst den Kunden auch die H\u00e4ndler von den neuen Bezahll\u00f6sungen \u00fcberzeugt werden.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Transaktionen noch im Promillebereich<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBis anhin hat sich in der Schweiz noch kein Mobile-Payment-Anbieter durchsetzen k\u00f6nnen, und das Transaktionsvolumen ist noch gering. Zwar ist eine exakte Messung des Volumens oder der Anzahl Transaktionen derzeit nicht m\u00f6glich. Basierend auf den wenigen verf\u00fcgbaren Zahlen, darf aber davon ausgegangen werden, dass in der Schweiz insgesamt nur 0,2 Prozent aller Transaktionen \u00fcber das Smartphone bezahlt werden. Insofern sind auch die bisherigen Erfolge von Twint oder Apple Pay an der Ladenkasse mit Vorsicht zu geniessen, da die Relevanz in absoluten Zahlen derzeit noch gering ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Voraussetzungen f\u00fcr die Verbreitung von Mobile Payment sind in der Schweiz aber durchaus gegeben, wo \u00fcber drei von vier Mobiltelefonnutzern ein Smartphone besitzen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Zudem sind die meisten Konsumenten gegen\u00fcber Mobile Payment positiv eingestellt. Gem\u00e4ss einer Untersuchung der Hochschule Luzern aus dem Jahr 2014 kann sich eine Mehrheit der Befragten vorstellen, Mobile Payment zu nutzen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> In einer \u00e4hnlichen Befragung aus Deutschland gibt rund ein Drittel an, sich vorstellen zu k\u00f6nnen, das Smartphone bis in drei Jahren als gelegentliche Zahlungsmethode zu verwenden.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Zusatzfunktionen entscheidend<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWelche Anbieter sich in der Schweiz durchsetzen, ist schwierig absch\u00e4tzbar. Langfristig \u00fcberleben wohl h\u00f6chstens zwei bis drei Bezahll\u00f6sungen. Insbesondere im stark wachsenden E-Commerce sehe ich ein grosses Potenzial f\u00fcr Mobile Payment, da dieses aus Kundensicht oftmals angenehmer und einfacher zu handhaben ist als Bezahll\u00f6sungen mit Einzahlungsscheinen oder Kreditkarten. Auch im Bereich des ebenfalls wachsenden P2P-Geldtransfers ist der Nutzen f\u00fcr den Kunden vorhanden. Aus Sicht eines Anbieters ist diese Funktion finanziell aber nicht attraktiv, da man mit dem kostenlos angebotenen P2P-Payment kein Geld verdienen kann. Insofern ist diese Funktion mehr als eine Art Einstieg in die Welt des Mobile Payment zu betrachten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u00dcber den zuk\u00fcnftigen Erfolg der mobilen Bezahlangebote entscheidet daher vor allem die Entwicklung an der Ladenkasse. Zentral sind dabei die erw\u00e4hnten App-Zusatzfunktionen wie Loyalit\u00e4tsprogramme. Denn: Nur wenige Konsumenten d\u00fcrften alleine aufgrund der Funktion \u00abmobiles Bezahlen\u00bb ihre Bezahlgewohnheiten im Supermarkt umstellen. Der Aufbau eines entsprechenden \u00d6kosystems mit Einbezug der H\u00e4ndler und der Mobilisierung der Kunden ist komplex und braucht Zeit. Gleichzeitig ist die Gr\u00f6sse des \u00d6kosystems m\u00f6glicherweise entscheidend f\u00fcr den Erfolg des Systems.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Ankenbrand (2015) sowie J\u00e4ger und Tr\u00fctsch (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Comparis (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Dietrich et al. (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">H\u00e4lsig et al. (2015)&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung und die verbreitete Nutzung von Smartphones haben einschneidenden Einfluss auf unseren Alltag \u2013 sei es beispielsweise beim Sondieren der optimalen Zugverbindung, beim Suchen einer Adresse oder beim Begleichen einer Rechnung \u00fcber eine E-Banking-App. Auch im Bereich des Zahlungsverkehrs hat das Smartphone mit Bezahl-Apps wie Twint oder Apple Pay das langfristige Potenzial, einen strukturellen [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4484,"featured_media":25093,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[69,66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[97],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":4484,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Leiter Institut f\u00fcr Finanzdienstleistungen Zug (IFZ), Professor f\u00fcr Banking und Finance, Hochschule Luzern","seco_author_post_occupation_fr":"Directeur de l\u2019Institut de prestations financi\u00e8res de Zoug (IFZ), professeur de finance et de commerce bancaire, Haute \u00e9cole de Lucerne","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"Kampf um mobiles Zahlen in der Schweiz","post_lead":"In der Schweiz ist das Bezahlen mit dem Handy noch ein Randph\u00e4nomen. 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IFZ Retail Banking Studie 2014. Hochschule Luzern \u2013 Wirtschaft.<\/li>&#13;\n \t<li>H\u00e4lsig, F., Schwarz, N., und Selle, S. (2015). <a href=\"https:\/\/www.gs1-germany.de\/fileadmin\/gs1\/basis_informationen\/Untersuchung_und_Entwicklung_von_integrativen_Loesungen_im_Mobile_Commerce_in_Deutschland.pdf\">Untersuchung und Entwicklung von integrativen L\u00f6sungen im Mobile Commerce in Deutschland. Research Pool 2014 der Akademischen Partnerschaft.<\/a><\/li>&#13;\n \t<li>J\u00e4ger, F., und Tr\u00fctsch, T. (2016). Cards'15-Studie: Entwicklungsperspektiven f\u00fcr den Schweizer Zahlungskartenmarkt. St. Gallen: Executive School of Management, Technology and Law (ES-HSG)<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":109146,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":109150,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"70397","post_abstract":"Mobiles Bezahlen ist in der Schweiz eine verh\u00e4ltnism\u00e4ssig junge Technologieentwicklung, die in den letzten Jahren aufgrund ihres potenziell disruptiven Potenzials jedoch viel mediale Aufmerksamkeit erhielt. Bis anhin hat sich noch keine Mobile-Payment-L\u00f6sung durchsetzen k\u00f6nnen, und das Transaktionsvolumen ist derzeit noch gering. Ebenso scheint klar: Alleine aufgrund der Hauptfunktion \u00abmobiles Bezahlen\u00bb werden nur wenige Konsumenten ihre Gewohnheiten an der Ladenkasse umstellen. Durch die Verkn\u00fcpfung mit Loyalit\u00e4tsprogrammen, der Integration von digitalen Stempelkarten oder dem Abspeichern von Coupons und Rabatten k\u00f6nnten die Kunden st\u00e4rker f\u00fcr die neue Bezahlart begeistert werden.","magazine_issue":"20170908","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20170726","original_files":[{"file":109158}],"external_release_for_author":"20170630","external_release_for_author_time":"23:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5930054861a78"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109143"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4484"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=109143"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109143\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126377,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109143\/revisions\/126377"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4484"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25093"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109143"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=109143"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=109143"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=109143"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=109143"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=109143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}