{"id":109356,"date":"2017-06-22T16:39:42","date_gmt":"2017-06-22T16:39:42","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/06\/ammann-07-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:05:52","modified_gmt":"2023-08-23T21:05:52","slug":"ammann-07-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/06\/ammann-07-2017\/","title":{"rendered":"Die Vergleichbarkeit von Pensionskassen verbessern"},"content":{"rendered":"<p>Wie die Vorsorgeleistungen sicher erbracht werden k\u00f6nnen, ist eine Frage der Perspektive. Aus Sicht der Vorsorgeeinrichtung k\u00f6nnen die Leistungen sichergestellt werden, indem zuk\u00fcnftige Leistungen \u2013 beispielsweise mittels Senkung des Umwandlungssatzes \u2013 angepasst oder indem Sanierungsmassnahmen ergriffen werden. Aus Sicht der aktiven Versicherten reduzieren solche Massnahmen hingegen die versprochenen Leistungen oder sie erh\u00f6hen die geplanten Beitr\u00e4ge \u2013 beides f\u00fchrt nicht zu sichereren Leistungen. Andere Perspektiven, etwa die der Rentner, der Arbeitgeber, der Aufsicht oder des Sicherheitsfonds sind entweder aufgrund gesetzlicher Garantien weniger im Fokus oder decken sich weitgehend mit den anderen beiden Sichtweisen. Eine m\u00f6glichst objektive Beurteilung der Sicherheit setzt demnach Kennzahlen voraus, die diese unterschiedlichen Perspektiven abbilden k\u00f6nnen. Das schweizerische Investment-Beratungsunternehmen PPCmetrics hat in einer Studie im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Sozialversicherung und der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) solche Kennzahlen entwickelt, die einen Vergleich zwischen den Pensionskassen erlauben.&#13;<\/p>\n<h2>Zwei objektive und vergleichbare Kennzahlen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die Sicherheit von Vorsorgeeinrichtungen vergleichen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die verschiedenen Sicherheitsaspekte in m\u00f6glichst wenigen und voneinander unabh\u00e4ngigen Kennzahlen zusammengefasst werden. Dieses Ziel l\u00e4sst sich am besten mit zwei Kennzahlen erreichen. Die erste Kennzahl ist der Risikotragende Deckungsgrad (RTDG). Er fasst die aktuelle Situation bez\u00fcglich der Deckung der Verpflichtungen, der Struktur und der Sanierungsf\u00e4higkeit zusammen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie zweite Kennzahl ist der sogenannte RTDG@risk. Er beschreibt das Ausmass der Anlagerisiken und der versicherungstechnischen Risiken anhand m\u00f6glicher Ver\u00e4nderungen der ersten Kennzahl mittels eines sogenannten Extremwertmodells. Mit diesen beiden Kennzahlen k\u00f6nnen die aktuelle Situation und die Risiken bestm\u00f6glich gemessen werden (siehe <em>Abbildung<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Weiterentwicklung des Best-Estimate-Modells zur Bewertung der Rentengarantie und des Risikotransfers<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/06\/Ammann_Buehler_1_DE_7_17.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-70682\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/06\/Ammann_Buehler_1_DE_7_17.png\" alt=\"\" width=\"1760\" height=\"1018\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Eigene Darstellung der Autoren<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Risikogerechte Bewertung:&#13;<br \/>\nDer \u00f6konomische Deckungsgrad<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine zentrale Rolle bei der Beurteilung der Sicherheit spielt das Verh\u00e4ltnis des vorhandenen Verm\u00f6gens zu den sicherzustellenden Leistungen. Der Deckungsgrad ist die naheliegende Kennzahl, um dieses Verh\u00e4ltnis zu beurteilen. W\u00e4hrend das Verm\u00f6gen aufgrund einheitlicher Kriterien<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><\/a> marktnah bewertet wird, ist die Bewertung der Verpflichtungen jedoch nicht einheitlich geregelt und deshalb nicht vergleichbar. Um die Vergleichbarkeit zu gew\u00e4hrleisten, gen\u00fcgt es allerdings nicht, die Bewertungsgrundlagen wie technischer Zinssatz und Sterblichkeitsmodell f\u00fcr jede Vorsorgeeinrichtung identisch festzulegen. Solange n\u00e4mlich der technische Zinssatz \u00fcber den risikolosen Kapitalmarktzinss\u00e4tzen liegt, enth\u00e4lt das Vorsorgekapital implizit ein nicht gemessenes Anlagerisiko. Dieses Risiko ist abh\u00e4ngig vom Anteil der garantierten Leistungen, insbesondere vom Vorsorgekapital der Rentner: Mit einem h\u00f6heren, einheitlich festgelegten technischen Zinssatz liegen die Deckungsgrade der rentnerlastigen Vorsorgeeinrichtungen vergleichsweise h\u00f6her und t\u00e4uschen so eine h\u00f6here Sicherheit dieser Vorsorgeeinrichtungen vor. Dieser tr\u00fcgerische Einfluss kann nur eliminiert werden, wenn alle garantierten Rentenverpflichtungen marktnah bewertet werden, d. h. wenn die erwarteten Cashflows mit den laufzeitengerechten risikolosen Kapitalmarktzinss\u00e4tzen von Bundesobligationen diskontiert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Verh\u00e4ltnis zwischen dem Vorsorgeverm\u00f6gen und den marktnah bewerteten Rentenverpflichtungen ist der \u00f6konomische Deckungsgrad. Verwendet man f\u00fcr die Bewertung der Verpflichtungen nur die gesetzlich garantierten Leistungen (insbesondere die laufenden Renten), so spricht man vom \u00f6konomischen Deckungsgrad I. Werden zus\u00e4tzlich die im Vorsorgereglement enthaltenen Leistungsziele, wie der Umwandlungssatz, die Anwartschaften usw., ber\u00fccksichtigt, spricht man vom \u00f6konomischen Deckungsgrad II. In unserer Studie gehen wir davon aus, dass die reglementarischen Leistungsziele f\u00fcr f\u00fcnf Jahre gew\u00e4hrleistet werden sollen. Ber\u00fccksichtigt man zus\u00e4tzlich noch den Barwert der einheitlichen Sanierungsmassnahmen, erh\u00e4lt man den \u00f6konomischen Deckungsgrad III.&#13;<\/p>\n<h2>Strukturgerechte Bewertung:&#13;<br \/>\nDer risikotragende Deckungsgrad<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngenommen zwei Vorsorgeeinrichtungen mit demselben \u00f6konomischen Deckungsgrad weisen dieselbe Deckungsl\u00fccke in Prozenten des marktnah bewerteten Vorsorgekapitals auf. In dieser Situation einer Unterdeckung kann jedoch die Deckungsl\u00fccke je nach Rentneranteil einen h\u00f6heren oder tieferen Teil des Altersguthabens oder der beitragspflichtigen Lohnsumme ausmachen. Bei gleichem \u00f6konomischem Deckungsgrad muss also diejenige Vorsorgeeinrichtung mit dem gr\u00f6sseren Rentneranteil die Verzinsung weiter senken oder h\u00f6here Sanierungsbeitr\u00e4ge erheben, um die Deckungsl\u00fccke zu schliessen. Um auch diese Struktur der Vorsorgeeinrichtung zu ber\u00fccksichtigen, hat PPCmetrics das Konzept des Risikotragenden Deckungsgrades (RTDG) entwickelt. Dazu wird dem Netto-Vorsorgeverm\u00f6gen das marktnah bewertete Vorsorgekapital der Rentner abgezogen und das Restverm\u00f6gen ins Verh\u00e4ltnis zu den Altersguthaben gesetzt. Das Konzept l\u00e4sst sich sinngem\u00e4ss auf alle drei \u00f6konomischen Deckungsgrade I, II und III \u00fcbertragen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSelbst bei demselben RTDG kann die Sicherheit der Vorsorgeleistungen zweier Vorsorgeeinrichtungen je nach Anlagerisiko oder versicherungstechnischen Risiken unterschiedlich sein. Um den Einfluss dieser Risiken auf die Vorsorgesicherheit zu messen, werden die verschiedenen Risiken aggregiert und daraus ein sogenannter RTDG@Risk-Wert bestimmt. Die Parameter Ausfallwahrscheinlichkeit und Zeithorizont werden im Extremwertmodell einheitlich festgelegt.&#13;<\/p>\n<h2>Widerspruchsfreie Resultate<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die Aussagekraft der Kennzahlen zu testen, wurde in der Studie die Vorsorgesicherheit von 17 Vorsorgeeinrichtungen mit stark unterschiedlicher finanzieller Lage, Versichertenstruktur und unterschiedlichen reglementarischen Leistungen analysiert und die Ergebnisse mit den vorgeschlagenen Kennzahlen verglichen. Der Ansatz der risikogerechten Bewertung und die Methodik des risikotragenden Deckungsgrades erlauben eine widerspruchsfreie Beurteilung der Sicherheit von Vorsorgeeinrichtungen. Die Berechnungen haben gezeigt, dass die Rentenversprechen umso sicherer sind, je tiefer der Rentneranteil und das Anlagerisiko sind und je mehr Verm\u00f6gen bei gegebenen Leistungsverpflichtungen vorhanden ist.&#13;<\/p>\n<h2>Kennzahlen zur Bewertung von Massnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nModelle und Kennzahlen f\u00fcr das Risikomanagement von Vorsorgeeinrichtungen m\u00fcssen auch f\u00fcr den Vergleich der Sicherheit der Vorsorgeleistungen anwendbar sein. Die Kennzahlen m\u00fcssen Ver\u00e4nderungen der Sicherheit, wie sie beispielsweise aufgrund von Mitteleinsch\u00fcssen, Leistungsreduktionen oder Ver\u00e4nderungen der Anlagestrategie eintreten k\u00f6nnen, korrekt wiedergeben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZudem hilft die Vergleichbarkeit der Kennzahlen im Zeitablauf und relativ zur Peer Group bei der Beurteilung der aktuellen Situation und darauf basierender Massnahmen. Die Kennzahlen RTDG und RTDG@Risk erf\u00fcllen diese Anforderungen und sind deshalb zentrale Elemente des professionellen Risikomanagements einer Vorsorgeeinrichtung.<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Gem\u00e4ss den gesetzlichen Vorschriften zur Rechnungslegung von Vorsorgeeinrichtungen FER 26.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die Vorsorgeleistungen sicher erbracht werden k\u00f6nnen, ist eine Frage der Perspektive. Aus Sicht der Vorsorgeeinrichtung k\u00f6nnen die Leistungen sichergestellt werden, indem zuk\u00fcnftige Leistungen \u2013 beispielsweise mittels Senkung des Umwandlungssatzes \u2013 angepasst oder indem Sanierungsmassnahmen ergriffen werden. 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Das schweizerische Investment-Beratungsunternehmen PPCmetrics hat zwei Kennzahlen erarbeitet, welche die Sicherheit der Rentenerbringung messen und die Pensionskassen diesbez\u00fcglich vergleichbar machen. Die Vorsorgesicherheit wird prim\u00e4r von der finanziellen Lage, der Struktur der Vorsorgeeinrichtung \u2013 etwa dem Rentneranteil \u2013 und dem Anlagerisiko bestimmt. 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