{"id":109504,"date":"2017-06-22T16:39:39","date_gmt":"2017-06-22T16:39:39","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/06\/nieuwenkamp-07-2017\/"},"modified":"2023-08-23T23:05:55","modified_gmt":"2023-08-23T21:05:55","slug":"nieuwenkamp-07-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/06\/nieuwenkamp-07-2017\/","title":{"rendered":"Schrittweise Ausweitung der OECD-Standards"},"content":{"rendered":"<p>Im Interesse der Gesellschaft als Ganzes, menschenw\u00fcrdiger Arbeit, der Menschenrechte und einer sauberen Umwelt braucht es globale Standards zur verantwortungsvollen Unternehmensf\u00fchrung. Dies ist auch im Interesse der Unternehmen \u2013 schliesslich sind diese weltweit in denselben M\u00e4rkten t\u00e4tig und auf gleiche Spielregeln angewiesen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) setzt sich \u00fcber Kontakte zu Regierungen und Unternehmen weltweit stark f\u00fcr die Vereinheitlichung der Wettbewerbsbedingungen ein. Die OECD-Mitgliedsl\u00e4nder \u00fcbernehmen aufgrund ihrer bilateralen Kooperationen und Finanzierungsbem\u00fchungen in dieser Hinsicht eine f\u00fchrende Rolle.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin wichtiges Instrument sind die OECD-Leits\u00e4tze f\u00fcr multinationale Unternehmen \u2013 ein multilaterales Abkommen, das spezifische Empfehlungen und Richtlinien zur verantwortungsvollen Unternehmensf\u00fchrung gibt (siehe <em>Kasten). <\/em>Die 47 Unterzeichnerstaaten decken die grosse Mehrheit der globalen Wertsch\u00f6pfungsketten ab und umfassen nicht nur die 35\u00a0OECD-Mitglieder, sondern auch Staaten wie Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Kolumbien, Marokko und die Ukraine.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Jahr 2016 feierten die Leits\u00e4tze ihr 40-j\u00e4hriges Bestehen. Sie sind weltweit das wichtigste Instrument f\u00fcr verantwortungsvolle Unternehmensf\u00fchrung und ein Massstab f\u00fcr die Einhaltung sozialer und \u00f6kologischer Standards im internationalen Handels- und Investitionsumfeld. \u00dcberdies sind sie ein wichtiges Hilfsmittel zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der UNO (SDGs). Im gesamten SDG-Bereich dienen die OECD-Leits\u00e4tze der Steuerung unternehmerischen Handelns, nicht nur im Hinblick auf eine Maximierung der positiven Auswirkungen f\u00fcr eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, sondern auch zur Vermeidung nachteiliger Folgen von T\u00e4tigkeiten des Privatsektors.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Unterzeichnerstaaten der OECD-Leits\u00e4tze haben sich zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen. Um Probleme zu l\u00f6sen, haben sie sogenannte Nationale Kontaktpunkte eingerichtet, welche als Vermittlungs- und Schlichtungsstellen fungieren.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Die Kontaktpunkte behandeln Beschwerden aus der Zivilgesellschaft, namentlich von Gewerkschaften und anderen interessierten Parteien, wenn Unternehmen gegen die Leits\u00e4tze verstossen. Sie bieten dabei Vermittlungsdienste an. Ist dies nicht m\u00f6glich, unterbreiten sie dem Unternehmen Empfehlungen, wie es seine Praktiken mit den OECD-Leits\u00e4tzen in Einklang bringen kann. In rund der H\u00e4lfte der behandelten F\u00e4lle wird durch die Vermittlung unter den Parteien eine \u00dcbereinkunft erzielt. Das Kontaktpunktesystem ist weltweit aktiv, denn die F\u00e4lle betreffen oft auch Nichtmitgliedstaaten der OECD wie beispielsweise Bangladesch, Kambodscha oder Kamerun.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEbenso wichtig wie die Probleml\u00f6sung ist die Vorbeugung. Um den Unternehmen dabei zu helfen, die Verantwortung f\u00fcr ihre Wertsch\u00f6pfungsketten wahrzunehmen und anspruchsvolle Herausforderungen einzelner Sektoren und Kontexte anzugehen, wurden sektorspezifische Leitlinien f\u00fcr verantwortungsvolle Wertsch\u00f6pfungsketten in der Mineralienindustrie, der Landwirtschaft, der Rohstoffindustrie sowie in der Bekleidungs- und Schuhindustrie formuliert.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Fokus auf Branchen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAllerdings wird der Nutzen dieser Standards infrage gestellt, weil insbesondere einige asiatische und afrikanische Firmen diese nicht respektieren. Deshalb setzt sich die OECD f\u00fcr eine Ausweitung der Leitlinien ein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf Branchenebene gibt es bereits konkrete Erfolge vorzuweisen. So verabschiedete China 2015 im Rohstoffbereich die Chinese Due Diligence Guidelines for Responsible Supply Chains of Minerals, die mit Unterst\u00fctzung der OECD und auf Basis der OECD-Leits\u00e4tze f\u00fcr den Bereich Mineralien entwickelt wurden. Einige Nichtunterzeichnerstaaten, die Rohstoffe abbauen \u2013 insbesondere Burundi, die Demokratische Republik Kongo und Ruanda \u2013 haben die Leits\u00e4tze in ihre Gesetzgebung aufgenommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch die Responsible Cobalt Initiative, die auf bessere Arbeitsbedingungen in Kobaltminen abzielt, st\u00fctzt sich auf die OECD-Leits\u00e4tze. Die chinesische Handelskammer f\u00fcr den Import und Export von Metallen, Mineralien und Chemikalien hat diese im November 2016 gemeinsam mit der OECD ausgearbeitet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u00c4hnliche Fortschritte wurden bei der F\u00f6rderung von verantwortungsvollen Wertsch\u00f6pfungsketten in der Bekleidungs- und Schuhindustrie erzielt. Auch hier bilden die k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten OECD-Leitlinien die Basis. Im vergangenen Dezember organisierten die OECD, die EU und das kambodschanische Ministerium f\u00fcr Arbeit und Berufsbildung gemeinsam einen politischen Dialog \u00fcber Sorgfaltspflichten in dieser Branche und ebneten damit den Weg f\u00fcr die m\u00f6gliche Lancierung eines Pilotprojekts zur Einf\u00fchrung der Leits\u00e4tze in Kambodscha.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchliesslich war der chinesische Textil- und Bekleidungsrat (CNTAC) als aktives Mitglied in der Beratungsgruppe zur Entwicklung der OECD-Leits\u00e4tze ebenfalls vertreten. Die Leits\u00e4tze werden derzeit ins Chinesische \u00fcbersetzt und die OECD arbeitet mit dem CNTAC an der Entwicklung spezifischer Leitlinien f\u00fcr den chinesischen Kontext.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ausweitung auf Regierungen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin wichtiger Schritt hin zu einheitlichen Standards ist die Ausweitung der formellen Anwendung der Leits\u00e4tze auf Nicht-OECD-L\u00e4nder \u2013 insbesondere in Lateinamerika. Auch mit weiteren wichtigen globalen Wirtschaftsakteuren arbeitet die OECD intensiv zusammen. So geht das Arbeitsprogramm OECD-China 2017\u20132018 beispielsweise ausf\u00fchrlich auf die Kooperation im Bereich der verantwortungsvollen Unternehmensf\u00fchrung ein. Zudem enthalten die neusten OECD-Berichte \u00fcber die Investitionspolitik in Georgien, in Vietnam, in Laos, in Kambodscha und auf den Philippinen jeweils ein Kapitel zur verantwortungsvollen Unternehmensf\u00fchrung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn diesen Kapiteln werden nationale Initiativen und politische Strategien untersucht und Empfehlungen zur Schaffung eines g\u00fcnstigen Umfelds f\u00fcr die unternehmerische Verantwortung gegeben. Um das Bewusstsein zu sch\u00e4rfen und Regierungen, Unternehmen und andere Akteure mit den Leits\u00e4tzen vertraut zu machen, wurden in diesen L\u00e4ndern Workshops durchgef\u00fchrt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin gemeinsames Programm von EU, OECD und der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu verantwortungsvollen Wertsch\u00f6pfungsketten legt den Fokus in den n\u00e4chsten drei Jahren weiter auf Asien. In enger Zusammenarbeit mit den Beh\u00f6rden der Ziell\u00e4nder und der ILO wird die OECD mit China, Thailand, Vietnam, den Philippinen und Myanmar \u2013 allesamt Nicht-OECD-Mitglieder \u2013 an der F\u00f6rderung verantwortungsvoller Unternehmensf\u00fchrung arbeiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie sich zeigt, hat insbesondere die sektorielle Ausweitung auf die Wertsch\u00f6pfungsketten der Mineralien- und Bekleidungsindustrie zu konkreten Ergebnissen gef\u00fchrt. Auf diesen Erfolgen muss daher weiter aufgebaut werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch2017\/06\/siegenthaler-07-2017\/\">Beitrag<\/a> von Lukas Siegenthaler, Alexander Kunze, Nadja Meier (Seco)&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Interesse der Gesellschaft als Ganzes, menschenw\u00fcrdiger Arbeit, der Menschenrechte und einer sauberen Umwelt braucht es globale Standards zur verantwortungsvollen Unternehmensf\u00fchrung. 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Die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) arbeitet darauf hin, dass hinsichtlich der verantwortungsvollen Unternehmensf\u00fchrung weltweit f\u00fcr alle die gleichen Spielregeln gelten. Mit diesem Ziel vor Augen hat sie in Asien und Afrika mit ihren sektorspezifischen Leitlinien f\u00fcr verantwortungsvolle Wertsch\u00f6pfungsketten sowie ihren politischen Analysen und Beratungen f\u00fcr Nicht-OECD-L\u00e4nder konkrete Fortschritte verzeichnet. Damit die Unternehmen auch wirklich weltweit Verantwortung \u00fcbernehmen, m\u00fcssen die Bem\u00fchungen aber noch weiter gehen.","magazine_issue":"07-2017","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20170623","original_files":[{"file":109519}],"external_release_for_author":"20170529","external_release_for_author_time":"19:30:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/58f5ca16361a6"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109504"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4543"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=109504"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109504\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126398,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109504\/revisions\/126398"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4543"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157053"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156346"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25494"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109504"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=109504"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=109504"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=109504"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=109504"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=109504"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}