{"id":109521,"date":"2017-06-22T16:39:39","date_gmt":"2017-06-22T16:39:39","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/06\/ineichen-07-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:02","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:02","slug":"ineichen-07-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/06\/ineichen-07-2017\/","title":{"rendered":"Corporate Social Responsibility \u2013 die Rolle des Bundes"},"content":{"rendered":"<p>Gesellschaft und Politik erwarten von Unternehmen, dass sie bei ihrer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit im In- und Ausland verantwortungsvoll handeln. Zur gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen (Corporate Social Responsibility, CSR) geh\u00f6ren unter anderem fortschrittliche Arbeitsbedingungen, die Einhaltung von Umweltstandards, die Achtung der Menschenrechte, der Verzicht auf Korruption und T\u00e4uschung der Konsumenten. Heutzutage reagiert die \u00d6ffentlichkeit \u2013 nicht zuletzt \u00fcber Social Media \u2013 schneller und vehementer auf vermutete oder tats\u00e4chliche Verst\u00f6sse gegen die Grunds\u00e4tze der CSR. Beim langfristigen Streben nach Gewinn spielen Nachhaltigkeitsaspekte somit eine wichtige Rolle.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDa die gesellschaftliche Verantwortung \u00fcber die Einhaltung der Gesetze hinausgeht, gilt es neben der Legalit\u00e4t auch international anerkannte Standards zu beachten. Der stete gesellschaftliche und technologische Wandel stellt Unternehmen vor Herausforderungen: Inwieweit akzeptieren die Kunden beispielsweise das Sammeln und Nutzen von pers\u00f6nlichen Daten? Um Antworten auf solche Fragen zu finden, m\u00fcssen sich Unternehmen nicht nur mit dem gesetzlichen Datenschutz, sondern auch mit sich \u00e4ndernden Werthaltungen und Kundenbed\u00fcrfnissen auseinandersetzen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Positionspapier des Bundesrates<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Bund engagiert sich seit langem f\u00fcr Corporate Social Responsibility. Bereits in den Neunzigerjahren hat er beispielsweise Fairtrade-Initiativen unterst\u00fctzt und im Jahr 2000 richtete er den Nationalen Kontaktpunkt f\u00fcr die Leits\u00e4tze der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) f\u00fcr multinationale Unternehmen ein.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den vergangenen zwei Jahren hat der Bundesrat das bestehende Engagement in zwei Grundlagenberichten systematisch aufgearbeitet und strategisch auf die Zukunft ausgerichtet. So hat er im Jahr 2015 ein Positionspapier zur Verantwortung der Unternehmen f\u00fcr Gesellschaft und Umwelt verabschiedet, das einen Aktionsplan beinhaltet. Dieses sogenannte CSR-Positionspapier legt die Ziele, die Erwartungen und das Verst\u00e4ndnis des Bundes in Bezug auf die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen gegen\u00fcber Gesellschaft und Umwelt dar. Die CSR bezieht sich auf die gesamte T\u00e4tigkeit eines Unternehmens im In- und Ausland. Sie ber\u00fccksichtigt die Interessen der Anspruchsgruppen und umfasst Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Umweltschutz, Korruptionspr\u00e4vention, fairen Wettbewerb, Verbraucherinteressen, Steuern und Transparenz.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Vier Stossrichtungen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur F\u00f6rderung der CSR verfolgt der Bund vier strategische Stossrichtungen. Erstens setzt er sich f\u00fcr die Gestaltung von Rahmenbedingungen ein, zweitens sensibilisiert und unterst\u00fctzt er Schweizer Unternehmen bei der Umsetzung der CSR. Drittens st\u00e4rkt er die CSR in Entwicklungs- und Transitionsl\u00e4ndern, und viertens f\u00f6rdert er die Transparenz von CSR-Aktivit\u00e4ten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKonkret unterst\u00fctzt der Bund internationale Organisationen wie die UNO und die OECD aktiv \u2013 zum Beispiel bei der Erarbeitung von branchenspezifischen OECD-Instrumenten zur verantwortungsvollen Unternehmensf\u00fchrung f\u00fcr den Finanz-, den Textil-, den Rohstoff- und den Landwirtschaftssektor. Weiter referieren Bundesvertreter regelm\u00e4ssig an \u00f6ffentlichen Anl\u00e4ssen zu CSR-Themen und nehmen an Dialogforen wie dem \u00abSwiss Global Compact Dialogue on Responsible Business\u00bb teil. Dieses im Februar 2017 mit Unterst\u00fctzung des Bundes erstmals durchgef\u00fchrte Forum wurde vom Schweizer Netzwerk \u00abGlobal Compact\u00bb organisiert und z\u00e4hlte rund 200 Teilnehmende. Im M\u00e4rz hat das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) zudem das Webportal <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Aussenwirtschaftspolitik_Wirtschaftliche_Zusammenarbeit\/Wirtschaftsbeziehungen\/Gesellschaftliche_Verantwortung_der_Unternehmen.html\">Csr.admin.ch<\/a> eingerichtet. Es bietet Anwendungshilfen f\u00fcr Unternehmen sowie Informationen zum Engagement des Bundes, zu internationalen Entwicklungen und zu branchenspezifischen Instrumenten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Sinne einer Vorbildrolle beachtet der Bund bei seinen eigenen Aktivit\u00e4ten als Arbeitgeber, Beschaffer, Anleger und Unternehmenseigent\u00fcmer die CSR-Kriterien. So handelt der Bund beispielsweise als fortschrittlicher Arbeitgeber mit marktgerechten Anstellungsbedingungen, guten Instrumenten zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und Chancengleichheit sowie fortschrittlichen Aus- und Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit fliessen CSR-Kriterien in die F\u00f6rderung von nachhaltigen Wertsch\u00f6pfungsketten \u2013 zum Beispiel im Kakao-, Gold- und Textilsektor \u2013 ein. Bez\u00fcglich Transparenz f\u00f6rdert der Bund unter anderem die unternehmerische Nachhaltigkeitsberichterstattung, was zur Glaubw\u00fcrdigkeit der CSR-Massnahmen, zur Verbreitung guter Praktiken und zum Dialog von Unternehmen mit deren Anspruchsgruppen beitr\u00e4gt.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Nationaler Aktionsplan zu Wirtschaft und Menschenrechten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDen zweiten Bericht verabschiedete der Bundesrat im Dezember 2016. Er enth\u00e4lt einen Nationalen Aktionsplan zur Umsetzungsstrategie der UNO-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte. Die vom Menschenrechtsrat im Juni 2011 beschlossenen UNO-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte beruhen auf drei Pfeilern:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>die Pflicht der Staaten, die Menschenrechte zu sch\u00fctzen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Verantwortung der Unternehmen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>angemessene und wirksame Beschwerdeverfahren bei F\u00e4llen von Menschenrechtsverletzungen durch wirtschaftliche Akteure.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz geh\u00f6rt zu den ersten L\u00e4ndern, die \u00fcber eine Strategie zur Umsetzung der UNO-Leitprinzipien und zur F\u00f6rderung der Koh\u00e4renz von wirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten und Menschenrechten verf\u00fcgen. Die Strategie konzentriert sich auf den ersten Pfeiler: die Verantwortung des Staates. Der Nationale Aktionsplan enth\u00e4lt f\u00fcnfzig Instrumente zur F\u00f6rderung der Einhaltung der Menschenrechte durch den Bund und durch Schweizer Unternehmen, die im In- und Ausland t\u00e4tig sind, sowie zur Wiedergutmachung von Menschenrechtsverletzungen. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise das Einbringen der Thematik Unternehmen und Menschenrechte im Rahmen politischer Konsultationen mit anderen Staaten oder die Information und Sensibilisierung von Unternehmen durch Schweizer Auslandvertretungen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Gewappnet f\u00fcr zuk\u00fcnftige Herausforderungen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie meisten Schweizer Unternehmen nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung bereits heute wahr. Insbesondere gr\u00f6ssere Unternehmen orientieren sich dabei an internationalen CSR-Richtlinien wie den OECD-Leits\u00e4tzen f\u00fcr multinationale Unternehmen oder den UNO-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte. Aber auch KMU, die ihr Handeln oft nicht explizit als CSR benennen, verhalten sich verantwortungsvoll, indem sie unter anderem Arbeitspl\u00e4tze schaffen, M\u00f6glichkeiten zur Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf anbieten, Aus- und Weiterbildung f\u00f6rdern und die Umwelt schonen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZuk\u00fcnftige Herausforderungen stehen etwa im Zusammenhang mit gesellschaftlichen oder demografischen Entwicklungen im Arbeitsleben. Konkret geht es dabei um die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf oder um den Umgang mit \u00e4lteren Mitarbeitenden. Weiter ver\u00e4ndern sich im Zuge der Digitalisierung sowohl die Gesch\u00e4ftsmodelle als auch die Kundenbed\u00fcrfnisse: Der Onlinehandel bietet neue, direkte internationale Beschaffungs- und Absatzkan\u00e4le mit grossen Chancen f\u00fcr Produzenten, H\u00e4ndler und Kunden. Dabei gilt es aber zu kl\u00e4ren, inwieweit CSR-Standards auch bei diesen Gesch\u00e4ftsmodellen geb\u00fchrend ber\u00fccksichtigt und \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen. Schliesslich werden die Wertsch\u00f6pfungsketten immer komplexer \u2013 was insbesondere f\u00fcr KMU bei der Ber\u00fccksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien im Beschaffungsprozess eine grosse Herausforderung darstellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweizer Wirtschaft hat gute Voraussetzungen, um diese Herausforderungen zu meistern und neue Chancen zu nutzen. Eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr die erfolgreiche Umsetzung der CSR auf Unternehmensebene ist die Vorbildrolle des Managements, dessen Dialogbereitschaft und die Integration der CSR in die Unternehmenskultur. Eine verantwortungsvolle Unternehmensf\u00fchrung kommt letztlich allen zugute: den Firmen, den Betroffenen und der Umwelt.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe dazu <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch2017\/06\/siegenthaler-07-2017\/\">Beitrag<\/a> von Lukas Siegenthaler, Alexander Kunze und Nadja Meier (Seco).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Urs Bolz und Pascal L\u00fcthi (2017). Corporate Social Responsibility (CSR): Der Bund als Vorbild? \u2013 Eine Auslegeordnung, Studie im Auftrag des das Bundesamtes f\u00fcr Raumentwicklung (ARE).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesellschaft und Politik erwarten von Unternehmen, dass sie bei ihrer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit im In- und Ausland verantwortungsvoll handeln. Zur gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen (Corporate Social Responsibility, CSR) geh\u00f6ren unter anderem fortschrittliche Arbeitsbedingungen, die Einhaltung von Umweltstandards, die Achtung der Menschenrechte, der Verzicht auf Korruption und T\u00e4uschung der Konsumenten. 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