{"id":109538,"date":"2017-06-22T16:39:38","date_gmt":"2017-06-22T16:39:38","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/06\/hautle-07-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:06","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:06","slug":"hautle-07-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/06\/hautle-07-2017\/","title":{"rendered":"Glaubw\u00fcrdig handeln \u2013 dank Leadership"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Abstimmungsniederlage zur Unternehmenssteuerreform III vom Februar hat der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse selbstkritisch auf seiner Webseite geschrieben: \u00abDie Wirtschaft muss Vorbilder haben, die hinstehen und glaubw\u00fcrdig kommunizieren.\u00bb<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Nur: Glaubw\u00fcrdige Kommunikation setzt glaubw\u00fcrdiges wirtschaftliches Handeln voraus. Und glaubw\u00fcrdig ist die Wirtschaft, wenn sie nicht nur aus Eigeninteresse handelt, sondern im Dienste der Menschen und des Gemeinwohls. Dabei nutzt sie die \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Ressourcen langfristig und schafft nachhaltig sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert. Die Frage lautet deshalb: Handelt die Wirtschaft glaubw\u00fcrdig?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnternehmen, welche \u00f6konomische, soziale und \u00f6kologische Verantwortung\u00a0 \u2013 Corporate Social Responsibility (CSR) \u2013 wahrnehmen, sorgen daf\u00fcr, dass ihre Wertsch\u00f6pfungsketten entsprechend nachhaltig sind. Verantwortung tragen Firmeninhaber, Investoren, Verwaltungsr\u00e4te, Gesch\u00e4ftsleitungen und Fachleute aller Stufen. Zus\u00e4tzlich zu den g\u00e4ngigen F\u00fchrungsaufgaben m\u00fcssen sie sich auch f\u00fcr die Nachhaltigkeitsfragen zust\u00e4ndig f\u00fchlen. Dazu braucht es wache, weitsichtige, sensible und selbstkritische Geister. Business as usual ist angesichts der Herausforderungen keine Option mehr.&#13;<\/p>\n<h2><strong>CSR-Leaderhip als Kernaufgabe<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kurzfristigkeit im Gesch\u00e4ft setzt falsche Anreize, wie Studien best\u00e4tigen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Demgegen\u00fcber sind nachhaltig wirtschaftende Firmen langfristig erfolgreich, indem sie motivierte und integre Mitarbeitende anziehen. Dadurch sind sie innovativer und f\u00fcr Investoren interessanter. Gleichzeitig steigt die Reputation bei Kunden, Zulieferern und in der \u00d6ffentlichkeit.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs liegt somit im Firmeninteresse, CSR-Ans\u00e4tze wie die 10 Prinzipien des United Nations Global Compact (siehe <em>Kasten<\/em>), die OECD-Leitlinien<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> und weitere Nachhaltigkeitsstandards in Strategie und Wertsch\u00f6pfungskette zu implementieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWichtig ist dabei die Eigenverantwortung der Entscheidungstr\u00e4ger. Am schnellsten werden umfassende CSR-Strategien umgesetzt, wenn die Firmeninhaber, der Verwaltungsrat und die Gesch\u00e4ftsleitung davon \u00fcberzeugt sind. Es gibt herausragende Pers\u00f6nlichkeiten wie Unilever-Chef Paul Polman und Danone-Chef Emmanuel Faber, die mit ihrem pers\u00f6nlichen Charisma innert kurzer Zeit ganze Unternehmen auf umfassende Nachhaltigkeit getrimmt haben. Auch in Schweizer Grossunternehmen, KMU und Start-ups hat sich in den letzten zwanzig Jahren viel bewegt. Angesichts der globalen \u00f6kologischen und sozialen Herausforderungen ist jedoch ein Engagement aller Firmen n\u00f6tig \u2013 weltweit.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Einflussreiche Aktion\u00e4re und Verwaltungsr\u00e4te <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIdeen wirken langfristig, wenn sie in der ganzen Unternehmung geh\u00f6rt, verinnerlicht und umgesetzt werden. Ernsthafte Bem\u00fchungen f\u00fcr umfassende Corporate Responsibility f\u00fchren zu einem Kulturwandel, der aber nicht nur Zeit, sondern auch Investitionen in Schulung, Coaching und Kulturentwicklung erfordert. Da sich zugleich Anforderungen, Zulieferketten und Absatzm\u00e4rkte permanent ver\u00e4ndern, muss CSR konsequent in die Unternehmensstrategie und in Prozesse eingef\u00fchrt und st\u00e4ndig weiterentwickelt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDamit dies gelingt, braucht es die Mithilfe von Investoren und Aktion\u00e4ren. Wenn Investitionen und Kredite an Nachhaltigkeitskriterien gebunden sind, ver\u00e4ndern sich ganze Branchen. Ein Schritt in diese Richtung ist etwa ein an die G-20-Staaten gerichteter Brief von \u00fcber 200 Grossinvestoren, indem diese ultimativ die Umsetzung der Klimaziele fordern.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEntscheidend \u2013 aber in der Praxis noch viel zu wenig einbezogen \u2013 sind die Mitglieder der Verwaltungsr\u00e4te. Aus zeitlichen Gr\u00fcnden besch\u00e4ftigten sie sich wenig systematisch mit Nachhaltigkeitsthemen. Angesichts der Risiken sollte sich aber jeder Verwaltungsrat mindestens einmal pro Jahr, zum Beispiel im Rahmen einer CSR-Berichterstattung, intensiv mit den damit verbundenen Chancen und Risiken besch\u00e4ftigen. Aus diesem Grund empfiehlt das Global Compact Netzwerk Schweiz den Verwaltungsr\u00e4ten, den j\u00e4hrlichen CSR-Report jeweils genau zu pr\u00fcfen. Wir bieten zudem CSR-Weiterbildungsmodule f\u00fcr Verwaltungsr\u00e4te an.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Regel sind Gesch\u00e4ftsleitung und F\u00fchrungsverantwortliche auf allen Stufen die eigentlichen Treiber der CSR-Themen. Idealerweise \u00fcbernimmt die Gesch\u00e4ftsleitung daf\u00fcr die Verantwortung. Aus meiner Erfahrung braucht es entweder \u00dcberzeugung und Charisma in der F\u00fchrung, oder aber einen handfesten Skandal, der zum Umdenken zwingt. Wenn die Kaderleute \u00fcberzeugt f\u00fchren und kommunizieren, wandelt sich die Firmenkultur rasch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nOft kommen entscheidende Impulse auch von Fachmitarbeitenden und aus der mittleren Managementstufe. Allerdings ist in diesem Fall das Risiko gr\u00f6sser, dass die CSR-Praktiken wieder aufgeweicht werden, sobald \u00f6konomische Schwierigkeiten auftreten.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Innovation gefragt<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Corporate Social Responsibility geht es in erster Linie darum, die Menschenrechte zu respektieren, die internationalen Arbeitsnormen einzuhalten, die nat\u00fcrlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen und die Korruption auszumerzen. Diese vier Aspekte bilden denn auch das Fundament der Global-Compact-Prinzipien. Erg\u00e4nzend kommen die siebzehn Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der UNO hinzu.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Erstmals in der Geschichte hat sich die Weltgemeinschaft im Herbst 2015 auf solch umfassende Nachhaltigkeitsziele geeinigt, die eine menschenw\u00fcrdige Zukunft unter Wahrung der \u00f6kologischen Stabilit\u00e4t f\u00fcr alle Menschen erm\u00f6glichen soll.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie ambiti\u00f6se Agenda kann jedoch nur umgesetzt werden, wenn auch die wirtschaftlichen Akteure Verantwortung \u00fcbernehmen. Um die Ziele zu erreichen, sind nun aus der Privatwirtschaft Innovation, Unternehmergeist und neue Ans\u00e4tze gefragt. F\u00fcr Schweizer Start-ups, KMU und Grossunternehmen ist das Marktpotenzial gross, um neue Dienstleistungen, Produkte und alternative Formen der Wertsch\u00f6pfung zu entwickeln.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Economiesuisse (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Vgl. Global Impact Investing Network (2016) sowie weitere Publikationen auf der Webseite Sustainablefinance.ch&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vgl. Seco und Global Compact Network Schweiz (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">PRI (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Vgl. Unglobalcompact.org\/sdgs, Sdgcompass.org und Eda.admin.ch\/post2015&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Vgl. Unglobalcompact.org\/sdgs und Globalopportunityexplorer.org&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Abstimmungsniederlage zur Unternehmenssteuerreform III vom Februar hat der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse selbstkritisch auf seiner Webseite geschrieben: \u00abDie Wirtschaft muss Vorbilder haben, die hinstehen und glaubw\u00fcrdig kommunizieren.\u00bb Nur: Glaubw\u00fcrdige Kommunikation setzt glaubw\u00fcrdiges wirtschaftliches Handeln voraus. Und glaubw\u00fcrdig ist die Wirtschaft, wenn sie nicht nur aus Eigeninteresse handelt, sondern im Dienste der Menschen und des Gemeinwohls. 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Mai 2017.<\/li>&#13;\n \t<li>Seco und Global Compact Network Schweiz (2017). <a href=\"http:\/\/www.globalcompact.ch\/images\/files\/publications\/OECD_Broschuere_Leitsaetze_low.pdf\">OECD-Leits\u00e4tze f\u00fcr multinationale Unternehmen in der Praxis, Ein Leitfaden zur betrieblichen Anwendung<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>Global Impact Investing Network (2016). <a href=\"http:\/\/sustainablefinance.ch\/upload\/cms\/user\/201612_GIIN_Impact_Investing_Trends_Report.pdf\">Impact Investing Trends<\/a>, New York 2016.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Das Global Compact Netzwerk","kasten_box":"Der \u00abUnited Nations Global Compact\u00bb ist eine Initiative f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften, welche von der UNO-Vollversammlung im Jahr 2000 aufgegleist wurde. Das Netzwerk hat seinen Sitz in New York und umfasst rund 10\u2019000 Mitgliedsfirmen in mehr als 90 lokalen Netzwerken. Ziel ist es, Unternehmen zu Corporate Social Responsibility (CSR) und nachhaltigem Wirtschaften zu verpflichten. Dazu dienen die <a href=\"http:\/\/www.globalcompact.ch\/issues\/labour-standards\">zehn Global-Compact-Prinzipien<\/a> und die Sustainable Development Goals (SDGs) der UNO.&#13;\n&#13;\nDas Schweizer Netzwerk (<em>Global Compact Netzwerk Schweiz<\/em>) existiert seit 2006. Es z\u00e4hlt rund 80 aktive Mitglieder: KMU, Grossunternehmen wie Nestl\u00e9, UBS und Novartis sowie diverse private Organisationen und NGOs. Das Netzwerk mit Sitz in Z\u00fcrich pflegt mit dem Bund eine Partnerschaft zur F\u00f6rderung einer verantwortlichen und nachhaltigen Wirtschaft. Es begleitet einerseits die Unternehmen in ihren Nachhaltigkeitsbem\u00fchungen und vermittelt die daf\u00fcr erforderlichen Arbeitsinstrumente. 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