{"id":109576,"date":"2017-06-22T16:39:38","date_gmt":"2017-06-22T16:39:38","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/06\/robin-07-2017\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:05","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:05","slug":"robin-07-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/06\/robin-07-2017\/","title":{"rendered":"Fairtrade &#038; Co: Die Pionierphase ist vorbei"},"content":{"rendered":"<p>Ob Fairtrade-Rosen, UTZ-Schokolade, FSC-Holz oder MSC-Fisch: Nachhaltigkeitsstandards (siehe <em>Kasten 1<\/em>) sind heute aus dem internationalen Handel nicht mehr wegzudenken und sind zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. Der Marktanteil von Produkten mit einer Nachhaltigkeitszertifizierung steigt rasant, wie eine vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) finanzierte Studie zeigt, welche 14 Standards in mehreren Rohstoffsektoren untersuchte.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> So hat sich die vom G\u00fctesiegel UTZ zertifizierte Anbaufl\u00e4che f\u00fcr Kakao, Kaffee und Tee beispielsweise zwischen 2009 und 2015 verzehnfacht, und mittlerweile liegt der Marktanteil von UTZ-Kakao bei 15 Prozent des globalen Kakaomarkts. \u00c4hnliche Wachstumsmuster zeigen die untersuchten Standards im Baumwollsektor oder bei der \u00a0Herstellung von Palm\u00f6l.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nStandards und Labels dienen den Konsumenten als Orientierungshilfe. F\u00fcr Unternehmen sind sie jedoch weit mehr als ein Kommunikations- und Marketinginstrument. Die Implementierung der Nachhaltigkeitsstandards hilft ihnen, Lieferketten und betriebliche Prozesse besser zu managen und Risiken wie Kinderarbeit, den unsachgem\u00e4ssen Einsatz chemischer Substanzen oder illegale Rodungen zu minimieren. Gem\u00e4ss Umfragen setzen mehr als 70 Prozent der weltweit befragten Firmen auf Standards und geben an, dass sich diese auch wirtschaftlich positiv auswirken.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit dem wachsenden Erfolg und der zunehmenden Bekanntheit verschiedener Standards mehren sich jedoch auch kritische Stimmen: Verdienen Fairtrade-Bauern wirklich genug? Sind die Kriterien eines Labels transparent und deren \u00dcberpr\u00fcfung verl\u00e4sslich und effizient? Sind die positiven Auswirkungen eines Standards auf Mensch und Umwelt tats\u00e4chlich messbar, oder sind sie nicht viel mehr als ein Wunschgedanke?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAngesichts solcher Kritik bietet die Dachorganisation International Social and Environmental Accreditation and Labelling Alliance (Iseal) mit Sitz in London\u00a0 wertvolle Orientierungshilfe. Initiiert wurde der Zusammenschluss im Jahr 2002 durch die vier Zertifizierungsorganisationen Forest Stewardship Council (FSC), Marine Stewardship Council (MSC), International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM) und Fairtrade. Mittlerweile vereinigt Iseal 23 Nachhaltigkeitsstandards. Auch das Seco unterst\u00fctzt Iseal (siehe <em>Kasten 2<\/em>).&#13;<\/p>\n<h2><strong>Iseal \u2013 ein wichtiger Player im Hintergrund<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Grundgedanke von Iseal ist es, trotz unterschiedlicher T\u00e4tigkeitsfelder \u2013 Holz, Fischerei, biologische und faire Landwirtschaft etc. \u2013 enger zusammenzuarbeiten, voneinander zu lernen und letztlich: sich selbst besser zu kontrollieren und zu kontinuierlichen Verbesserungen anzuspornen. Heute gelten die Iseal-Leitlinien weltweit als Referenz f\u00fcr die Entwicklung und Anwendung glaubhafter Standards. Die Organisation setzt sich dabei f\u00fcr Kompatibilit\u00e4t zwischen den Standards und f\u00fcr eine Vereinheitlichung der Zertifizierungskriterien ein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie vielleicht gr\u00f6sste Errungenschaft von Iseal und ihren Mitgliedern ist das klare Bekenntnis zu einem Multi-Stakeholder-Ansatz. So werden die Regelwerke der einzelnen Standards durch Produzenten, H\u00e4ndler, Importeure, und NGOs gemeinsam entwickelt. Diese kooperativen Prozesse lassen tragf\u00e4hige gemeinsame L\u00f6sungsans\u00e4tze entstehen und st\u00e4rken die Legitimit\u00e4t der Standards und das Vertrauen unter den verschiedenen Akteuren der Wertsch\u00f6pfungskette.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Weitere Konsolidierung ist n\u00f6tig<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nViele Standards haben die Pionierphase mittlerweile hinter sich und sehen sich mit Herausforderungen wie der fortschreitenden Globalisierung, dem steigenden Ressourcenverbrauch und der Digitalisierung konfrontiert. Es stellt sich also die Frage: In welche Richtung sollen sich die Standards entwickeln? Antworten darauf sucht beispielsweise die Iseal-Jahreskonferenz zu Nachhaltigkeitsstandards, welche Ende Juni in Z\u00fcrich unter dem Titel \u00abDie Zukunft des Vertrauens\u00bb stattfindet.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTeilweise ist wohl ein radikales Umdenken gefragt: Bisherige aufwendige, aber letztlich wenig zweckm\u00e4ssige Kontrollverfahren m\u00fcssen \u00fcberdacht und dem digitalen Zeitalter angepasst werden. Gerade die Digitalisierung er\u00f6ffnet dabei auch Chancen \u2013 beispielsweise in Bezug auf die R\u00fcckverfolgbarkeit von G\u00fctern bis hin zu einem direkten Kontakt zwischen Konsument und Produzent.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Zukunft liegt bei starken Allianzen. Insbesondere die Kompatibilit\u00e4t der einzelnen Standards ist nach wie vor ausbauf\u00e4hig und auch Fusionen sollten kein Tabu darstellen. Zudem m\u00fcssen die vom aktuellen System nicht erfassten Produzenten \u2013 etwa, weil sie zu arm oder schlecht organisiert sind \u2013 besser eingebunden werden, ohne dass die Standards dabei an Glaubw\u00fcrdigkeit verlieren. Schliesslich sollen lokale Akteure \u2013 vor allem die Beh\u00f6rden \u2013 mehr angeh\u00f6rt und in die Pflicht genommen werden. Politik und Wirtschaft sind also gleichermassen gefordert.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Julia Lernoud et al. (2017). The State of Sustainable Markets \u2013 Statistics and Emerging Trends 2017, ITC, Genf.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">ISEAL Findings of Survey of Corporate Sustainability Standards, GlobeScan Incorporated, Februar 2016, <a href=\"https:\/\/www.isealalliance.org\/online-community\/blogs\/even-among-non-users-survey-finds-standards-alive-and-kicking\">Webbeitrag<\/a> auf Isealalliance.org&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\"><a href=\"https:\/\/www.isealalliance.org\/about-us\/annual-conference\/2017-conference\">Mehr<\/a> unter Isealalliance.org&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob Fairtrade-Rosen, UTZ-Schokolade, FSC-Holz oder MSC-Fisch: Nachhaltigkeitsstandards (siehe Kasten 1) sind heute aus dem internationalen Handel nicht mehr wegzudenken und sind zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. 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Anhand eines (Zertifizierungs-)Programms pr\u00fcft die jeweils zust\u00e4ndige Organisation, ob der Standard in der betroffenen Stufe der Wertsch\u00f6pfungskette (Bauernh\u00f6fe, Waldkonzessionen, Fabriken etc.) eingehalten wird. Bei Standards, welche sich in erster Linie an die Konsumenten richten, spricht man normalerweise von <em>Labels<\/em> oder <em>G\u00fctesiegeln<\/em>."},{"kasten_title":"Kasten 2: Das Seco unterst\u00fctzt Nachhaltigkeitsstandards","kasten_box":"Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) beziehungsweise das fr\u00fchere Bundesamt f\u00fcr Wirtschaft (Bawi) engagiert sich seit Jahren f\u00fcr Nachhaltigkeitsstandards \u2013 so etwa 1992 mit der Anschubfinanzierung f\u00fcr die Gr\u00fcndung der Schweizer Max-Havelaar-Stiftung. Mit dem aktuellen <em>Programm Transparency and Innovation of Sustainability Standards (TISS)<\/em>, will das Seco gezielt Transparenz und Innovation im Bereich Nachhaltigkeitsstandards f\u00f6rdern. Neben der <em>International Social and Environmental Accreditation and Labelling Alliance (Iseal)<\/em> unterst\u00fctzt das Seco auch das <em>Internationale Handelszentrum (ITC)<\/em> in Genf, das unter anderem auf der Webseite <a href=\"http:\/\/www.standardsmap.org\/\">Standardsmaps.org<\/a> ausf\u00fchrliche Informationen \u00fcber mehr als 210 Standards zug\u00e4nglich macht."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":109579,"main_focus":[156346,157053],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":109583,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"70083","post_abstract":"Nachhaltigkeitsstandards wie Fairtrade oder MSC dienen den Konsument als Orientierungshilfe und helfen den Unternehmen, ihre Wertsch\u00f6pfungsketten nachhaltiger zu gestalten. Die Dachorganisation International Social and Environmental Accreditation and Labelling Alliance (Iseal) mit Sitz in London vereint 23 Nachhaltigkeitsstandards. Sie setzt sich f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit und Harmonisierung innerhalb dieser privaten, freiwilligen Standardsysteme ein und f\u00f6rdert gezielt Innovationen in diesem rasant wachsenden Markt. Das Staatsekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) unterst\u00fctzt die Allianz, welche Ende Juni in Z\u00fcrich ihre Jahreskonferenz durchf\u00fchrt.","magazine_issue":"07-2017","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":null,"planned_publication_date":"20170623","original_files":[{"file":109591}],"external_release_for_author":"20170601","external_release_for_author_time":"18:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/591d9c2228cd6"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109576"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4071"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=109576"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109576\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126402,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109576\/revisions\/126402"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4566"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4071"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157053"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156346"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25582"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109576"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=109576"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=109576"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=109576"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=109576"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=109576"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}