{"id":109593,"date":"2017-06-22T14:40:50","date_gmt":"2017-06-22T14:40:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/06\/frutiger-vousvouras07-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:08","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:08","slug":"frutiger-07-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/06\/frutiger-07-2017\/","title":{"rendered":"Gemeinsame Wertsch\u00f6pfung ergibt Sinn"},"content":{"rendered":"<p>Unternehmen erzielen vermehrt wirtschaftliches Wachstum durch gezielte soziale Wertsch\u00f6pfung. Oder in den Worten der Trendforscher Thomas Malnight und Tracey S. Keys: \u00abFrom profit to purpose\u00bb.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Dabei kn\u00fcpft das Ph\u00e4nomen an die Urspr\u00fcnge des Unternehmertums zur Zeit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert an, wie das Beispiel der Nestl\u00e9-Marke Maggi zeigt: Als 1882 der 36-j\u00e4hrige M\u00fchlenbesitzer Julius Maggi auf den Fabrikinspektor Fridolin Schuler traf, war dies ein folgenschwerer Moment f\u00fcr den in Kemptthal bei Winterthur angesiedelten M\u00fchlbetrieb. Schuler bem\u00e4ngelte gegen\u00fcber dem Patron die Ern\u00e4hrungssituation von Fabrikarbeitern, die aufgrund der Industrialisierung nicht mehr genug Zeit f\u00e4nden, f\u00fcr ihre Familien zu kochen. Er sprach sich f\u00fcr eine eiweissreiche, leicht verdauliche, auf H\u00fclsenfr\u00fcchten basierende Ern\u00e4hrung aus. Maggi, dessen Unternehmen damals unter dem aus Nordamerika importierten Billiggetreide litt, reagierte und brachte auf Leguminosenmehl aufgebaute Innovationen wie Fertigsuppen auf den Markt. Vier Jahre sp\u00e4ter folgte die bis heute bekannte Maggi-W\u00fcrze.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMaggi ist nur ein Beispiel in der 151-j\u00e4hrigen Geschichte des Nahrungsmittelunternehmens Nestl\u00e9, bei welchem sich Menschen im Unternehmen einer sozialen Herausforderung annehmen und eine L\u00f6sung erarbeiten, welche gleichzeitig gesellschaftlichen und finanziellen Mehrwert schafft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm kompetitiven Tagesgesch\u00e4ft und unter dem Druck kurzfristiger Erwartungen von Kapitalgebern kann es passieren, dass die urspr\u00fcngliche soziale Kernaufgabe des Unternehmertums vergessen geht und Profit kurzfristig vor \u00abPurpose\u00bb r\u00fcckt. Der Unternehmenssinn ist dann bestenfalls noch Aufgabe der Corporate-Social-Responsibility-Abteilung, welche Projekte f\u00fcr das Gemeinwohl finanziert. Teile der Wirtschaft, insbesondere b\u00f6rsenkotierte Unternehmen, m\u00f6gen von dieser Tendenz im Laufe des 20. Jahrhunderts erfasst worden sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNestl\u00e9 hat sich vor rund 10 Jahren dazu entschieden, einen anderen Weg zu gehen und gesellschaftliche und \u00f6kologische Wertsch\u00f6pfung als Quelle finanzieller Wertsch\u00f6pfung auch formell in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Unterst\u00fctzt durch die Harvard-Professoren Michael E. Porter und Mark R. Kramer hat das Unternehmen das Konzept der gemeinsamen Wertsch\u00f6pfung umgesetzt. Es soll Marken wie Maggi dabei unterst\u00fctzen, sich permanent neu zu erfinden.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Soziale Verpflichtungen definiert<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm das Konzept der gemeinsamen Wertsch\u00f6pfung strategisch auszurichten, l\u00e4sst Nestl\u00e9 alle zwei Jahre eine umfangreiche Materialit\u00e4tsanalyse durchf\u00fchren. Dabei wird versucht festzustellen, welchen gesellschaftlichen Themen interne und externe Anspruchsgruppen die gr\u00f6sste Relevanz beimessen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls Folge der Analyse konzentriert sich Nestl\u00e9 auf die Kernbereiche \u00abNutrition, Gesundheit und Wellness\u00bb, l\u00e4ndliche Entwicklung, Wasser, \u00f6kologische Nachhaltigkeit und \u00abunsere Mitarbeitenden, Menschenrechte und Compliance\u00bb. Insgesamt hat Nestl\u00e9 42 soziale Verpflichtungen definiert, wobei f\u00fcr jede Verpflichtung ein Mitglied der Konzernleitung verantwortlich ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Einf\u00fchrung n\u00e4hrstoffreicherer Nahrungsmittel und Getr\u00e4nke ist eine dieser Verpflichtungen. J\u00e4hrlich legt Nestl\u00e9 parallel zur finanziellen Berichterstattung im \u00abNestl\u00e9 in Society\u00bb-Report Rechenschaft \u00fcber die Zielerreichung der 42 Verpflichtungen ab. Dieser Rechenschaftsbericht entspricht dem internationalen Standard der Global Reporting Initiative (GRI) und wird von einer Pr\u00fcfungsgesellschaft extern validiert.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Eisenmangel mit Kochw\u00fcrfeln bek\u00e4mpfen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZehn Jahre nach Lancierung des Konzepts der gemeinsamen Wertsch\u00f6pfung lassen sich die Resultate sehen. So hat Nestl\u00e9 beispielsweise das Ziel erreicht, 200 Milliarden mit Mikron\u00e4hrstoffen angereicherte Nahrungsmittel- und Getr\u00e4nkeportionen zu verkaufen. Weiter erh\u00e4lt der Konzern regelm\u00e4ssig Spitzenklassierungen in f\u00fchrenden Nach&shy;haltigkeitsindizes wie dem Access-to-Nutrition-Index oder dem Dow-Jones-Sustainability-Index.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNoch wichtiger als die externe Anerkennung sind jedoch die Impulse, welche die gemeinsame Wertsch\u00f6pfung dem wirtschaftlichen Gesch\u00e4ftsgang verleiht. Bleiben wir bei Maggi: Da Eisenmangel bei Menschen in Westafrika h\u00e4ufig auftritt, lancierte Nestl\u00e9 vor neun Jahren dort einen mit Eisen angereicherten Kochw\u00fcrfel.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEisenmangel gilt als einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Blutkrankheit An\u00e4mie, welche insbesondere bei Kindern zu physischer und mentaler Unterentwicklung f\u00fchren kann. Die Maggi-Kochw\u00fcrfel unterscheiden sich in Geschmack und Preis nicht von ihren Vorg\u00e4ngern, sie sorgen aber daf\u00fcr, dass nun Millionen Menschen in der Region \u00fcber die Nahrung zus\u00e4tzlich Eisen aufnehmen. Allein in Nigeria werden t\u00e4glich 80 Millionen Portionen Maggi-Kochw\u00fcrfel verkauft. F\u00fcr die Marke Maggi ist die Eisenanreicherung ein Argument mehr, um K\u00e4ufer von den Vorz\u00fcgen des Produkts zu \u00fcberzeugen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm das Konzept der gemeinsamen Wertsch\u00f6pfung weiter im Unternehmen zu verankern, hat Nestl\u00e9 im vergangenen Jahr seinen Unternehmenssinn neu formuliert: \u00abLebensqualit\u00e4t verbessern und zu einer ges\u00fcnderen Zukunft beitragen\u00bb. Die mehr als 2000 Marken im Hause Nestl\u00e9 werden im Verlauf der kommenden Jahre diesen Unternehmenssinn implementieren und auf die Realit\u00e4t der unterschiedlichen Gesch\u00e4ftsfelder herunterbrechen. Damit setzt Nestl\u00e9 den Grundstein daf\u00fcr, dass soziale Wertsch\u00f6pfung auch in Zukunft finanzielle Wertsch\u00f6pfung generiert. Der Unternehmenssinn ist somit die Voraussetzung f\u00fcr langfristigen Profit und nicht umgekehrt.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Economist (2012). <a href=\"http:\/\/www.economist.com\/blogs\/theworldin2013\/2012\/11\/global-trends-2013\">A top ten for business leaders<\/a>, 26. November 2012.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unternehmen erzielen vermehrt wirtschaftliches Wachstum durch gezielte soziale Wertsch\u00f6pfung. Oder in den Worten der Trendforscher Thomas Malnight und Tracey S. Keys: \u00abFrom profit to purpose\u00bb. Dabei kn\u00fcpft das Ph\u00e4nomen an die Urspr\u00fcnge des Unternehmertums zur Zeit der Industrialisierung im 19. 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Die 151-j\u00e4hrige Geschichte des Schweizer Nahrungsmittelunternehmens Nestl\u00e9 zeigt jedoch, dass sich gesellschaftliche Herausforderungen als hervor\u00adragende Ideenquelle f\u00fcr Produkt\u00adinnovationen eignen. So lancierte Julius Maggi Ende des 19. Jahrhunderts die heute welt\u00adbekannten Fertigsuppen als Antwort auf die mangelhafte Ern\u00e4hrungssituation von Fabrikarbeitern. Vor gut zehn Jahren hat Nestl\u00e9 begonnen, das Konzept der gemeinsamen Wertsch\u00f6pfung systematisch in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Heute kaufen in Westafrika beispielsweise Millionen von Menschen die mit Eisen angereicherten Maggi-Kochw\u00fcrfel.","magazine_issue":"07-2017","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":null,"planned_publication_date":"20170623","original_files":[{"file":109600},{"file":109604}],"external_release_for_author":"20170529","external_release_for_author_time":"12:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/59198cf816401"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109593"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4567"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=109593"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109593\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126403,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109593\/revisions\/126403"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4568"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4567"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157053"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156346"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=109593"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=109593"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=109593"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=109593"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=109593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}