{"id":109955,"date":"2017-05-22T07:09:20","date_gmt":"2017-05-22T07:09:20","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/05\/pekruhl-06-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:14","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:14","slug":"pekruhl-06-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/05\/pekruhl-06-2017\/","title":{"rendered":"Die Flexibilit\u00e4t von Selbstst\u00e4ndigerwerbenden hat ihren Preis"},"content":{"rendered":"<p>Die \u00abNZZ am Sonntag\u00bb titelte: \u00abDie Festanstellung wird zum Auslaufmodell\u00bb.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Sicher ist diese Prognose \u00fcbertrieben, dass jedoch ein Trend zur Flexibilisierung besteht und dass dieser zu einer Zunahme selbstst\u00e4ndiger Besch\u00e4ftigung f\u00fchren kann, ist nicht von der Hand zu weisen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Artikel der \u00abNZZ am Sonntag\u00bb heisst es, dass bei der Credit Suisse neben den 47\u2019000 internen Mitarbeitenden auch etwa 23\u2019000 sogenannte Contractors arbeiten. Ebenso besch\u00e4ftigt die UBS neben den 60\u2019000 Mitarbeitenden rund 30\u2019000 solcher Contractors. Diese Contractors sind entweder fest bei einer Drittfirma besch\u00e4ftigt oder arbeiten als selbstst\u00e4ndige Freelancer im Unternehmen. Ihre Arbeit beschr\u00e4nkt sich dabei keineswegs auf Hilfs- und Nebenaufgaben, sondern umfasst auch Kernbereiche der Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBeg\u00fcnstigt wird das Auslagern von Arbeitskr\u00e4ften durch die zunehmende Digitalisierung von Arbeit und Kommunikation. Die Digitalisierung l\u00f6st regionale, nationale und zeitliche Grenzen auf. Viele Besch\u00e4ftigte k\u00f6nnen dank Internet zeitlich unabh\u00e4ngig von jedem Ort der Welt ihre Arbeit verrichten. Ein Beispiel f\u00fcr eine zeitlich flexible Arbeitserbringung sind sogenannte Crowdsourcing-Plattformen. Diese Internetplattformen vermitteln Arbeitskr\u00e4fte, darunter auch Selbstst\u00e4ndigerwerbende, f\u00fcr kurzfristige handwerkliche, pers\u00f6nliche oder auch Onlinedienstleistungen. Ein ebenso bekanntes wie umstrittenes Beispiel hierf\u00fcr sind die Dienste des Taxikonkurrenten Uber. Diese neue Form der kurzfristigen Besch\u00e4ftigung \u00fcber eine Plattform nennt man auch \u00abGig Work\u00bb. Untersuchungen<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> aus England und Schweden zeigen, dass in beiden L\u00e4ndern rund 3 Prozent der Befragten mehr als die H\u00e4lfte ihres Gesamteinkommens durch Gig Work bestreiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Schweiz ist rund ein Zehntel der Erwerbst\u00e4tigen selbstst\u00e4ndig besch\u00e4ftigt. Im Allgemeinen sind Selbstst\u00e4ndige relativ frei bei der Auswahl und bei der Gestaltung ihrer eigenen Arbeit. Allerdings sind sie nicht durch arbeitsrechtliche Bestimmungen oder Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge gesch\u00fctzt. Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> hat die Arbeitssituation der Selbstst\u00e4ndigerwerbenden mit jener der Arbeitnehmenden in der Schweiz verglichen. Dabei wurden auch unterschiedliche Formen der Selbstst\u00e4ndigkeit untersucht. Die Grundlage f\u00fcr die Studie bildeten die Daten des European Working Conditions Survey (EWCS), der alle f\u00fcnf Jahre in der EU und den meisten \u00fcbrigen europ\u00e4ischen Staaten durchgef\u00fchrt wird.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Weil sich die einzelnen Formen von Selbstst\u00e4ndigkeit, beispielsweise die Contractors und Gig Workers, in den Daten nicht deutlich isolieren liessen, kann hier nicht von einer trennscharfen Auswertung gesprochen werden. Als Gig Worker gilt nach Definition der Studie, wer selbstst\u00e4ndig besch\u00e4ftigt ist und t\u00e4glich oder mehrmals in der Woche kurzfristig zum Arbeitseinsatz gerufen wird. Als Contractors gelten in der Studie Selbstst\u00e4ndigerwerbende, die mehr als 75 Prozent f\u00fcr den gleichen Auftraggeber arbeiten. Von den in der Studie befragten Personen geh\u00f6ren nur rund 2 Prozent zu den Gig Workers und 2,5 Prozent zu den Contracters. Aufgrund der geringen Fallzahlen sind die nachfolgenden Resultate dieser beiden Gruppen vorsichtig zu werten. Insgesamt kann daher eher von einer Ann\u00e4herung an das Thema gesprochen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Arbeitsbelastung bei Selbstst\u00e4ndigen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Daten zeigen, dass Vollzeit arbeitende Selbstst\u00e4ndige pro Woche im Schnitt rund 5 Stunden l\u00e4nger arbeiten als Arbeitnehmende: Bei den Selbstst\u00e4ndigen sind es 47,2 Stunden und bei den Vollzeit arbeitenden Arbeitnehmenden 41,9 Stunden pro Woche. Contractors und Gig Workers haben mit 48,8 Stunden (Contractors) und 49,2 Stunden (Gig Workers) einen h\u00f6heren Wochenschnitt als Selbstst\u00e4ndigerwerbende insgesamt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSelbstst\u00e4ndigerwerbende k\u00f6nnen ihre Arbeitszeiten deutlich freier gestalten als Arbeitnehmende (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Contractors und Gig Workers haben hierbei jedoch etwas weniger Spielraum als Selbstst\u00e4ndigerwerbende. Contractors und insbesondere Gig Workers sind auch sonst stark gefordert. Die grosse Mehrheit der in der Studie analysierten Gig Workers arbeitet regelm\u00e4ssig an mehr als 5 Tagen pro Woche. Bei den Arbeitnehmenden ist es ein knappes Zehntel. Auch bei der L\u00e4nge der Arbeitstage gibt es Unterschiede. 39 Prozent der oben erw\u00e4hnten Gig Workers, aber nur 5 Prozent der Arbeitnehmenden arbeiten regelm\u00e4ssig mehr als 10 Stunden am Tag. Zudem gibt mehr als die H\u00e4lfte der Gig Workers an, regelm\u00e4ssig in der Freizeit zu arbeiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Studie enth\u00e4lt also Hinweise darauf, dass die Arbeitszeiten der Gig Workers ung\u00fcnstig ausfallen. Diese Arbeitszeiten werden nur teilweise durch eine autonome Arbeitszeitgestaltung kompensiert: Weniger als die H\u00e4lfte der Gig Workers kann die Arbeitszeit frei einteilen, was wahrscheinlich meist durch die Arbeitsform per se bedingt ist. Bei den Selbstst\u00e4ndigen sind es insgesamt \u00fcber zwei Drittel. Erwartungsgem\u00e4ss wesentlich tiefer liegt dieser Wert bei den Arbeitnehmenden.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Arbeitszeiten von Selbstst\u00e4ndigen und Arbeitnehmenden in der Schweiz (2015)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='pekruhl_vogel_de_1'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#pekruhl_vogel_de_1').highcharts({\n  chart: {\n        type: 'bar'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    \n    xAxis: {\n        categories: ['6-7 Arbeitstage pro Woche','Arbeitstage \u00fcber 10 Stunden pro Tag (mehr als 10 Mal pro Monat)','Arbeit in der Freizeit, um die Arbeitsanforderung zu erf\u00fcllen (t\u00e4glich oder mehrmals pro Woche)','Arbeitszeiten vollst\u00e4ndig individuell festlegbar'],\n        title: {\n            text: ''\n        }\n    },\n    yAxis: {\n         title: {\n            text: ''\n        },\n        labels: {\n            overflow: 'justify'\n        },\n         labels: {\n            format: '{value}%'\n        },\n    },\n    tooltip: {\n        valueSuffix: '%'\n    },\n    plotOptions: {\n        bar: {\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n  \n    credits: {\n        enabled: false\n    },\n    series: [{\n        name: 'Arbeitnehmende',\n        data: [9,5,7,12],\n        color: '#e84066'\n    }, {\n        name: 'Selbstst\u00e4ndigerwerbende',\n        data: [52,20,21,67],\n                color: '#23318a'\n    }, {\n        name: 'Contractors',\n                        color: '#0074be',\n        data: [70,28,11,58]\n    },{\n        name: 'Gig Workers',\n                        color: '#88c0d3',\n\n\n        data: [88,39,56,46]\n    }]\n});\n\n});\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Die Balken zeigen den Anteil der Befragten, f\u00fcr welche die entsprechenden Aussagen zutreffen. Anzahl Befragte: Arbeitnehmende (875), Selbstst\u00e4ndigerwerbende (130), Contractors (24), Gig Workers (19). Die Stichprobengr\u00f6ssen beziehen sich auf die ungewichtete Schweizer Stichprobe inkl. Landwirtschaft. Die aufgef\u00fchrten Resultate wurden nach Geschlecht, Alter, Region, Berufsgruppe und Wirtschaftszweig gewichtet, d. h., die Werte wurden mit einem Gewichtungsfaktor verrechnet, um den Einfluss von fehlenden Antworten im Hinblick auf die soziodemografische Struktur der Erwerbsbev\u00f6lkerung zu korrigieren. Die Werte der Gig Workers und Contractors beruhen auf einer kleinen Anzahl Beobachtungen (&lt;30). Sie geben eine eingeschr\u00e4nkte statistische Zuverl\u00e4ssigkeit an.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: European-Working-Conditions-Survey-Befragung 2015, eigene Berechnungen der Autoren \/ Die Volkswirtschaft.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Komplexere Anforderungen bei Selbstst\u00e4ndigen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nRund ein Drittel der Arbeitnehmenden muss auch eint\u00f6nige Arbeiten erledigen \u2013 bei den Selbstst\u00e4ndigerwerbenden ist dies deutlich seltener der Fall. Selbstst\u00e4ndige begegnen insgesamt komplexeren Arbeitsanforderungen als Arbeitnehmende und Contractors. Bei den Gig Workers geben fast alle an, regelm\u00e4ssig komplexe Aufgaben zu bearbeiten (siehe <em>Abbildung 2<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAllerdings ist bei den Gig Workers der Anteil der Befragten, die angeben, dass das Arbeitstempo oft hoch ist und dass sie unter Termindruck und Stress stehen, h\u00f6her als bei den anderen Besch\u00e4ftigtengruppen. Lediglich bei den Angestellten ist der Anteil der Gestressten \u00e4hnlich hoch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei den Angestellten ist der Pr\u00e4sentismus am verbreitetsten. Knapp ein Viertel ist in den letzten 12 Monaten trotz Krankheit zur Arbeit erschienen. Bei den Contractors ist dieser Anteil tiefer und bei den Gig Workers sogar nur knapp halb so hoch. Die h\u00f6chste Gef\u00e4hrdung der eigenen Gesundheit und Sicherheit durch die Arbeit nehmen jedoch, mit 22 Prozent der Befragten, die Contractors auf sich.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei Arbeitnehmenden und Gig Workers ist das Engagement mit jeweils knapp 70 Prozent etwas tiefer als bei den Contractors und bei den Selbstst\u00e4ndigerwerbenden. Von Letzteren geben rund 80 Prozent an, dass sie sich bei der Arbeit voller Energie f\u00fchlen und ihrem Beruf mit Begeisterung nachgehen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Belastungen und Ressourcen von Selbstst\u00e4ndigen und Arbeitnehmenden in der Schweiz (2015)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='pekruhl_vogel_de_2'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#pekruhl_vogel_de_2').highcharts({\n     chart: {\n        type: 'bar'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    \n    xAxis: {\n        categories: ['Komplexe Aufgaben','Eint\u00f6nige Aufgaben','Hohes Arbeitstempo (1\/4 der Zeit oder l\u00e4nger)',' Termindruck (1\/4 der Zeit oder l\u00e4nger)','Stress (h\u00e4ufig oder immer)','Pr\u00e4sentismus (innerhalb der letzten 12 Monate krank zur Arbeit gegangen)','Gef\u00e4hrdung der Sicherheit oder Gesundheit durch die Arbeit','Hohes Engagement' ],\n        title: {\n            text: ''\n        }\n    },\n    yAxis: {\n         title: {\n            text: ''\n        },\nmax: 100,\n        labels: {\n            overflow: 'justify'\n        },\n         labels: {\n            format: '{value}%'\n        },\n    },\n    tooltip: {\n        valueSuffix: '%'\n    },\n    plotOptions: {\n        bar: {\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n  \n    credits: {\n        enabled: false\n    },\n    series: [{\n        name: 'Arbeitnehmende',\n        data: [65,33,65,63,25,23,16,67],\n        color: '#e84066'\n    }, {\n        name: 'Selbstst\u00e4ndigerwerbende',\n        data: [73,16,58,62,15,20,13,81],\n                color: '#23318a'\n    }, {\n        name: 'Contractors',\n                        color: '#0074be',\n        data: [59,22,67,67,15,18,22,78]\n    },{\n        name: 'Gig Workers',\n                        color: '#88c0d3',\n\n\n        data: [96,12,85,92,31,12,16,68]\n    }]\n});\n});\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Die Balken zeigen den Anteil der Befragten, f\u00fcr welche die entsprechenden Aussagen zutreffen. Anzahl Befragte: Arbeitnehmende (875), Selbstst\u00e4ndigerwerbende (130), Contractors (24), Gig Workers (19). Die Stichprobengr\u00f6ssen beziehen sich auf die ungewichtete Schweizer Stichprobe inkl. Landwirtschaft. Die aufgef\u00fchrten Resultate wurden nach Geschlecht, Alter, Region, Berufsgruppe und Wirtschaftszweig gewichtet, d. h., die Werte wurden mit einem Gewichtungsfaktor verrechnet, um den Einfluss von fehlenden Antworten im Hinblick auf die soziodemografische Struktur der Erwerbsbev\u00f6lkerung zu korrigieren. Die Werte der Gig Workers und Contractors beruhen auf einer kleinen Anzahl Beobachtungen (&lt;30). Sie geben eine eingeschr\u00e4nkte statistische Zuverl\u00e4ssigkeit an.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: European-Working-Conditions-Survey-Befragung 2015, eigene Berechnungen der Autoren \/ Die Volkswirtschaft.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Zwischen Engagement und Verausgabung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Arbeit der Selbstst\u00e4ndigerwerbenden ist durchschnittlich interessanter und abwechslungsreicher als jene von Arbeitnehmenden. Die Selbstst\u00e4ndigen haben gr\u00f6sseren Einfluss auf die Ausf\u00fchrung und Planung ihrer Arbeit.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Dies macht selbstst\u00e4ndige Arbeit f\u00fcr viele attraktiv und stellt gleichzeitig einen Ressourcenpool zur Erhaltung der physischen und psychischen Gesundheit dar. Entsprechend hoch ist auch das Engagement der Selbstst\u00e4ndigen f\u00fcr ihre Arbeit.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeniger attraktiv und potenziell gesundheitsgef\u00e4hrdend sind allerdings die langen Arbeitszeiten: Dreimal so viele Selbstst\u00e4ndige wie Arbeitnehmende arbeiten regelm\u00e4ssig in ihrer Freizeit. Hinzu kommen die Arbeit am Wochenende und die langen Wochenarbeitszeiten. Bei dieser sogenannten Entgrenzung der Arbeit werden die Grenzen zwischen Arbeit und dem Rest des Lebens immer durchl\u00e4ssiger.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDoch inwieweit k\u00f6nnen Selbstst\u00e4ndige auch in Zukunft eine Balance zwischen Ressourcen und Belastungen aufrechterhalten? Wie die Untersuchung<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> zeigte, ist das zurzeit f\u00fcr viele Berufsgruppen, die traditionell selbstst\u00e4ndig arbeiten \u2013 wie \u00c4rzte oder Selbstst\u00e4ndige im juristischen Bereich \u2013, selten ein Problem. Auch bei den Contractors scheint insgesamt die Welt noch in Ordnung zu sein.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Zwar gibt bei den Contractors ein h\u00f6herer Anteil an, ihre Gesundheit sei durch die Arbeit gef\u00e4hrdet. Inwieweit dies auf ihren Status als Contractor oder auf ihre Branchenzugeh\u00f6rigkeit oder die Art der T\u00e4tigkeit zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, konnte aufgrund der geringen Fallzahlen nicht untersucht werden. Bei den Gig Workers weisen gewisse Indikatoren auf h\u00f6here Belastungen\u00a0 hin. Zwar finden auch diese ihre Arbeitsaufgaben komplex und wenig eint\u00f6nig, aber man darf vermuten, dass dies nicht zuletzt durch die Notwendigkeit zur permanenten und kurzfristigen Selbstorganisation bedingt ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer allgemeine Gesundheitszustand der Selbstst\u00e4ndigerwerbenden unterscheidet sich insgesamt nur leicht vom Zustand der Arbeitnehmenden. Von den Selbstst\u00e4ndigerwerbenden geben 46 Prozent an, bei guter Gesundheit zu sein, und 36 Prozent sagen von sich, bei sehr guter Gesundheit zu sein. Bei Arbeitnehmenden sind beide Anteile nur minim h\u00f6her (49% bei guter Gesundheit und 40% bei sehr guter Gesundheit). Allerdings berichten 18 Prozent der Selbstst\u00e4ndigen von gesundheitlichen Problemen, die sich \u00fcber einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten hinziehen. Das sind mehr als doppelt so viele wie bei den Arbeitnehmenden.<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> M\u00f6glicherweise entsteht an dieser Stelle ein neuer gesundheitspolitischer Handlungsbedarf.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">In der <a href=\"https:\/\/nzzas.nzz.ch\/wirtschaft\/subunternehmen-credit-suisse-ubs-neue-soeldnertum-im-buero-ld.150732?reduced=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">NZZ am Sonntag vom 11.3.2017<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Huws und Joyce (2016a und 2016b).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Pekruhl und Vogel (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe auch den Artikel von Krieger, Graf und Vanis (2017), welcher die Resultate des EWCS f\u00fcr die Arbeitnehmenden mit Europa vergleicht.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Darauf verweist auch eine Reihe von weiteren Ergebnissen unserer Untersuchung. Siehe Pekruhl und Vogel (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Pekruhl und Vogel (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">An dieser Stelle soll betont werden, dass im gesamten Beitrag nur die Arbeitssituation, nicht aber die \u00f6konomische und soziale Lage der selbstst\u00e4ndig Erwerbst\u00e4tigen untersucht wurde.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Pekruhl und Vogel (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00abNZZ am Sonntag\u00bb titelte: \u00abDie Festanstellung wird zum Auslaufmodell\u00bb. Sicher ist diese Prognose \u00fcbertrieben, dass jedoch ein Trend zur Flexibilisierung besteht und dass dieser zu einer Zunahme selbstst\u00e4ndiger Besch\u00e4ftigung f\u00fchren kann, ist nicht von der Hand zu weisen.&#13; &#13; Im Artikel der \u00abNZZ am Sonntag\u00bb heisst es, dass bei der Credit Suisse neben den [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2974,"featured_media":25991,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[69,66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[76],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":2974,"seco_co_author":[4531,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Professor f\u00fcr Human Ressource Management, Institut f\u00fcr Personalmanagement und Organisation, Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), Olten","seco_author_post_occupation_fr":"Professeur de gestion des ressources humaines, Institut de gestion et d\u2019organisation du personnel, Haute \u00e9cole sp\u00e9cialis\u00e9e de la Suisse du Nord-Ouest (FHNW), Olten","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":4531,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut f\u00fcr Personalmanagement und Organisation, Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), Olten","seco_co_author_post_occupation_fr":"Collaborateur scientifique, Institut de gestion et d\u2019organisation du personnel, Haute \u00e9cole sp\u00e9cialis\u00e9e de la Suisse du Nord-Ouest (FHNW), Olten"}],"short_title":"Flexibilit\u00e4t von Selbstst\u00e4ndigerwerbenden hat ihren Preis","post_lead":"Rund jeder Zehnte in der Schweiz ist selbstst\u00e4ndig erwerbend. Eine Studie zeigt, dass Selbstst\u00e4ndige im Vergleich zu Arbeitnehmenden zwar mehr Flexibilit\u00e4t geniessen, aber auch deutlich mehr und unregelm\u00e4ssiger arbeiten.","post_hero_image_description":"Besprechung im Co-Workingspace: Selbstst\u00e4ndige arbeiten mehr und unregelm\u00e4ssiger als Arbeitnehmende.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>&#13;\n \t<li>Huws, U. und Joyce, S. (2016a). <a href=\"http:\/\/www.uni-europa.org\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/crowd-working-survey-swedenpdf.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Size of Sweden\u2019s \u00abGig Economy\u00bb Revealed for the First Time, Crowd-Working Survey<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>Huws, U. und Joyce, S. (2016b). <a href=\"http:\/\/www.feps-europe.eu\/en\/publications\/details\/363\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Size of the UK\u2019s \u00abGig Economy\u00bb Revealed for the First Time, Crowd-Working Survey<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>Krieger, R., Graf, M. und Vanis, M. (2017). <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Arbeit\/Arbeitsbedingungen\/Studien_und_Berichte.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sechste Europ\u00e4ische Erhebung \u00fcber die Arbeitsbedingungen 2015 <\/a><a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Arbeit\/Arbeitsbedingungen\/Studien_und_Berichte.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u2013<\/a><a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Arbeit\/Arbeitsbedingungen\/Studien_und_Berichte.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00a0Ausgew\u00e4hlte Ergebnisse zu den Schweizerischen Arbeitsbedingungen<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>Pekruhl, U. und Vogel, C. (2017). <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Arbeit\/Arbeitsbedingungen\/Studien_und_Berichte.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Selbstst\u00e4ndigerwerbende in der Schweiz \u2013 Auswertung des European Working Conditions Survey 2005 und 2015<\/a>.<\/li>&#13;\n<\/ul>&#13;\n&nbsp;","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":109958,"main_focus":[156368,157069],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":109962,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"68343","post_abstract":"Selbstst\u00e4ndigerwerbende leisten mit ihrem Einsatz einen ausserordentlich wertvollen Beitrag f\u00fcr die Wirtschaft und f\u00fcr die Gesellschaft. Die Daten des European Working Conditions Survey (EWCS) aus dem Jahr 2015 zeigen, dass Selbstst\u00e4ndigerwerbende insgesamt mehr arbeiten als Angestellte. Auf der anderen Seite k\u00f6nnen Selbstst\u00e4ndigerwerbende von einer Vielzahl an arbeitsbezogenen Ressourcen wie etwa einer hohen Selbstbestimmung profitieren, was eine gute Balance schafft und wahrscheinlich zum hohen Engagement der Selbstst\u00e4ndigen beitr\u00e4gt. Allerdings gibt es Unterschiede: Bei einigen Formen der Selbstst\u00e4ndigkeit bestehen Hinweise, dass gewisse Arbeitsbedingungen tendenziell schlechter sind als bei anderen Selbstst\u00e4ndigen. Das betrifft etwa die sogenannten Contractors und diejenigen Selbstst\u00e4ndigen, die kurzfristige Arbeitseins\u00e4tze leisten: die Gig Workers.","magazine_issue":"06-2017","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[3988,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20170524","original_files":[{"file":109970},{"file":109974}],"external_release_for_author":"20170523","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/58da190d978ed"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109955"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2974"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=109955"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109955\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126425,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109955\/revisions\/126425"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4531"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2974"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157069"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156368"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25991"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109955"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=109955"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=109955"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=109955"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=109955"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=109955"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}