{"id":110082,"date":"2017-04-27T15:50:24","date_gmt":"2017-04-27T15:50:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/04\/tout-taxer-sauf-lhumain\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:29","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:29","slug":"alles-besteuern-ausser-den-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/04\/alles-besteuern-ausser-den-menschen\/","title":{"rendered":"Alles besteuern ausser den Menschen"},"content":{"rendered":"<p>Wenn einer der reichsten Personen des Planeten eine neue Steuer vorschl\u00e4gt, ist f\u00fcr Schlagzeilen gesorgt. Microsoft-Mitbegr\u00fcnder Bill Gates brachte sich unl\u00e4ngst in die aufgeregte Diskussion um die Zukunft der Robotik ein. Seine \u00dcberlegung scheint einfach: Da immer mehr Roboter in die Arbeitswelt vordringen, sollten wir auch ihre Leistungen fiskalisch belangen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWer sich Gates\u2019 Botschaft im Videoclip genauer anh\u00f6rt, kann den Beweggrund hinter der unkonventionellen Idee zun\u00e4chst nicht festmachen. Steuern wir auf paradiesische Zeiten ohne Zwang zur Arbeit zu und k\u00f6nnen deshalb das Schuften und den Steuer\u00e4rger den Maschinen \u00fcberlassen? Oder verdr\u00e4ngen uns die Roboter unfreiwillig aus der Arbeitswelt, sodass k\u00fcnstliche Intelligenz statt Muskelkraft und Gehirnschmalz besteuert werden muss? V\u00f6llig unklar bleibt Gates auch bei der Abgrenzung zwischen Robotern, Automaten, Microsoft-Applikationen und vielen anderen Formen des technischen Fortschrittes. Was unterscheidet den Einsatz von Robotern zum Beispiel etwa von der Ausr\u00fcstung des Bankenarbeitsplatzes mit neuer analytischer Software?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn Wahrheit m\u00f6chte uns der Milliard\u00e4r wohl seine humanistische Zukunftsvision offenbaren: Dank Robotern arbeiten wir weniger und k\u00f6nnen die gewonnene Zeit f\u00fcr gesellschaftliche und soziale Aufgaben einsetzen. \u00abWir stehen vor einer ausserordentlichen Knappheit an Leuten, welche in diesen Bereichen helfen k\u00f6nnen\u00bb, sagt er denn auch voller \u00dcberzeugung im Clip.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Roboter und Mensch erg\u00e4nzen sich<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nLeider basieren diese hehren Absichten auf \u00f6konomisch zweifelhaften Annahmen. Beginnen wir mit der erw\u00e4hnten \u00abausserordentlichen Knappheit\u00bb an Arbeitskr\u00e4ften beispielsweise im Sozial- und Bildungsbereich: Sollte die Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen tats\u00e4chlich weiter stark zunehmen, ist nicht nachvollziehbar, warum das Arbeitsangebot, aber auch der Einsatz digitaler Technologien nicht auf dieses Bed\u00fcrfnis reagieren sollte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeiter scheint der Unternehmer von einer Robotersteuer zu erwarten, dass diese wie eine Art Lenkungsabgabe die Verbreitung von menschlichen Automaten bremst. Auch diese Erw\u00e4gung ist falsch. Denn Roboter verdr\u00e4ngen als besondere Form des Kapitaleinsatzes den Menschen nicht zwingend vom Arbeitsplatz. Aktuelle Forschungsprojekte zeigen im Gegenteil das grosse Potenzial an Automaten, welche die Arbeit gerade im Pflege- und Gesundheitsbereich erleichtern. Der Maschinenmensch tr\u00e4gt somit zum Abbau des Fachkr\u00e4ftemangels bei.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAber noch wichtiger: Auch die n\u00e4chste Welle der Automatisierung wird die Arbeitsproduktivit\u00e4t der Menschen, das heisst die Wertsch\u00f6pfung pro Arbeitsstunde, in allen Branchen erh\u00f6hen und damit k\u00fcnftige Reallohnerh\u00f6hungen und\/oder tiefere G\u00fcter- und Dienstleistungspreise erm\u00f6glichen. Umgekehrt verringerte eine fiskalische Belastung von Maschinen die Investitionsneigung von Unternehmen. Weniger Roboter bedeuteten deshalb nicht automatisch mehr Arbeit, sondern letztlich weniger Produktivit\u00e4t, weniger Wohlstand und im schlimmsten Fall weniger Arbeit. Und schliesslich unterliegt der Vorschlag der ewigen Illusion der Inzidenz: W\u00fcrde eine solche neue Steuer eingef\u00fchrt, belastete diese die Kapitaleigner \u2013 sie lastete sicherlich nicht auf den Schultern von Robotern.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Per\u00fccken und B\u00e4rte besteuern<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie menschliche Innovationskraft ist auch beim Aushecken neuer Steuerformen beeindruckend. Schon fr\u00fcher wurde nach Alternativen zur Besteuerung der menschlichen Arbeit gesucht. Bei den originellsten Fiskalarten wie Fenster-, Per\u00fccken- und Bartsteuern stand grunds\u00e4tzlich die Belastung von Luxus \u2013 stellvertretend f\u00fcr \u00fcberm\u00e4ssigen, sprich \u00abunverdienten\u00bb Wohlstand \u2013 im Vordergrund. Sie geh\u00f6ren Gott sei Dank der Vergangenheit an. Hingegen hat die Hundesteuer als Luxussteuer \u00fcberlebt \u2013 urspr\u00fcnglich selbstverst\u00e4ndlich mit Ausnahmebestimmungen f\u00fcr J\u00e4ger und Hirten. Klar ist: Der Wunsch, m\u00f6glichst alles zu besteuern ausser den Menschen, wird weiter getr\u00e4umt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn einer der reichsten Personen des Planeten eine neue Steuer vorschl\u00e4gt, ist f\u00fcr Schlagzeilen gesorgt. Microsoft-Mitbegr\u00fcnder Bill Gates brachte sich unl\u00e4ngst in die aufgeregte Diskussion um die Zukunft der Robotik ein. 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