{"id":110091,"date":"2017-04-27T15:50:24","date_gmt":"2017-04-27T15:50:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/04\/krone-germann-05-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:33","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:33","slug":"krone-germann-05-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/04\/krone-germann-05-2017\/","title":{"rendered":"Jobsharing in der Schweiz immer beliebter"},"content":{"rendered":"<p>Durch die Digitalisierung der Informationsfl\u00fcsse und die zunehmende Flexibilisierung \u00e4ndert sich das Arbeitsumfeld rasch. Homeoffice, Reorganisation von Vollzeit\u00e4quivalenten, \u00abCrowdworking\u00bb und dank digitaler Netzwerke horizontal organisierte kollektive Arbeitsintelligenz: All das steht f\u00fcr die Arbeit\u00a04.0. Vor diesem Hintergrund ist das Modell der Stellenteilung \u2212 Jobsharing oder bei F\u00fchrungspositionen \u00abTopsharing\u00bb \u2212 besonders interessant.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJobsharing ist an sich kein neues Konzept, sondern entstand bereits in den Sechzigerjahren in den USA; 1977 erw\u00e4hnte es die \u00d6konomin Barney Olmsted als Erste in der Fachliteratur. Dank der Digitalisierung erlebt Jobsharing heute einen Aufschwung. Hinzu kommt, dass sich Arbeitnehmende aller Generationen (\u00abBabyboomer\u00bb, Generation\u00a0X, Y und Z) wie auch Arbeitgeber und HR-Verantwortliche immer st\u00e4rker daf\u00fcr interessieren. Letztere versuchen, auf diese Weise kompetente Mitarbeitende im Unternehmen zu halten, welche Beruf und Familie vereinbaren wollen oder Abwechslung suchen, indem sie nebeneinander verschiedenen beruflichen T\u00e4tigkeiten nachgehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Prinzip des nach wie vor innovativen Modells ist simpel: Zwei (oder mehr) Arbeitnehmende teilen sich eine Vollzeitstelle mit verschiedenen, voneinander abh\u00e4ngigen Aufgaben und gemeinsamer Verantwortung. Die beiden Personen treten beruflich als Einheit auf und k\u00f6nnen sich gegenseitig vertreten \u2212 beurteilt wird letztlich das gemeinsame Ergebnis. W\u00e4hrend es fr\u00fcher kaum vorstellbar war, dass sich zwei Personen eine F\u00fchrungsposition mit Verantwortung teilen, erfreut sich das sogenannte Topsharing heute zunehmender Beliebtheit und ist sowohl in der Privatwirtschaft wie auch in der Verwaltung bereits auf verschiedenen Hierarchiestufen anzutreffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Schweiz besetzen bereits 27\u00a0Prozent der Unternehmen Stellen im Jobsharing, rund ein Viertel davon sind Kaderpositionen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Am st\u00e4rksten verbreitet ist Jobsharing \u00a0in der \u00f6ffentlichen Verwaltung sowie bei Finanzdienstleistern und Versicherungen<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>, wo das Arbeitsmodell in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnternehmen, welche Jobsharing in Kaderpositionen aktiv f\u00f6rdern, sind beispielsweise in den Branchen ICT, Bank- und Versicherungswesen, Energie, Kunst, kantonale Verwaltungen und Bundesverwaltung sowie Forschung und Lehre anzutreffen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Digitalisierung erleichtert Jobsharing<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInternet sei Dank: Die Informationstechnologien haben die Kommunikation zwischen den im Jobsharing arbeitenden Personen optimiert, und Dossiers sowie Aufgaben k\u00f6nnen problemlos nachverfolgt werden. Schnellere, gemeinsam getroffene Entscheidungen f\u00fchren zu einer h\u00f6heren Produktivit\u00e4t eines Jobsharing-Tandems. Auf zwei Personen aufgeteilte Berufst\u00e4tigkeiten k\u00f6nnen heute am gleichen Ort oder auch an verschiedenen Orten gleichzeitig ausge\u00fcbt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Rekrutierung und die Suche nach potenziellen Jobsharing-Partnern setzen die entsprechenden Plattformen auf Big Data. Algorithmen erleichtern es Interessierten, berufliche Kontakte zu kn\u00fcpfen, aus welchen Jobsharing-Tandems entstehen k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDa der Anteil an Teilzeitmitarbeitenden stetig zunimmt, zeigen immer mehr Unternehmen Interesse am Modell. Mehr als ein Drittel aller Besch\u00e4ftigten in der Schweiz arbeiten Teilzeit. Ein Grund daf\u00fcr sind die generell hohen L\u00f6hne, welche es Personen mit einer guten Ausbildung erlauben, nicht Vollzeit arbeiten zu m\u00fcssen. So arbeiten heute \u00fcber 60\u00a0Prozent aller Frauen mit einem Hochschulabschluss und mindestens einem Kind Teilzeit.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Auch auf F\u00fchrungspositionen ist es von Vorteil, auf ein Duo zu setzen, zumal dieses im Vergleich zu einer einzigen Person mit einer Teilzeitstelle eine h\u00f6here Pr\u00e4senz im Unternehmen aufweist.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Qualifizierte Mitarbeitende halten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHR-Verantwortliche und die Unternehmensleitung m\u00fcssen alles daransetzen, kompetente Mitarbeitende im Betrieb zu halten. Eine hoch qualifizierte Frau, die nach zehn Jahren im Berufsleben ihr erstes Kind erwartet, m\u00f6chte nach der Geburt vielleicht nur noch Teilzeit arbeiten. L\u00e4sst ihre Kaderposition dies nicht zu, wird das Unternehmen sie unter Umst\u00e4nden f\u00fcr immer verlieren. Dank Job- oder Topsharing bleibt die Firma im Vergleich zur Konkurrenz attraktiv. Gleichzeitig bleibt dem Unternehmen das Know-how der Mitarbeitenden erhalten \u2013 sein wertvollstes Kapital. Durch ein generationen\u00fcbergreifendes Jobsharing l\u00e4sst sich das Fachwissen zudem von den \u00e4lteren Mitarbeitenden an die j\u00fcngeren weitergeben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Jahr\u00a02014 befragte die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) landesweit 382\u00a0Unternehmen mit insgesamt 180\u2019000\u00a0Mitarbeitenden zu Jobsharing (siehe <em>Abbildung<\/em>).<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Als wichtigsten Grund f\u00fcr die Einf\u00fchrung von Jobsharing auf den oberen Hierarchiestufen nannten die befragten F\u00fchrungskr\u00e4fte die Motivationssteigerung von qualifizierten Mitarbeitern (Talentbindung). Am zweitwichtigsten war die Erhaltung und Vermittlung von Wissen, was f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Unternehmens entscheidend ist. Die beiden Gr\u00fcnde zeigen: Massnahmen zur Erhaltung qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte im Unternehmen werden immer wichtiger, insbesondere angesichts des Fachkr\u00e4ftemangels. Der am dritth\u00e4ufigsten genannte Grund war die Erm\u00f6glichung besserer Aufstiegsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Gr\u00fcnde f\u00fcr die Einf\u00fchrung von Jobsharing auf den oberen Hierarchiestufen<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class='chart chart--normal' id='krone_germann_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#krone_germann_de').highcharts({\n    \n  chart: {\n        type: 'bar'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: {\n        categories: ['Steigerung der Motivation der qualifizierten Arbeitnehmenden', 'Erhaltung des Wissens des hochqualifizierten Personals f\u00fcr das Unternehmen \/ die Organisation', 'Bessere Aufstiegsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen erm\u00f6glichen', 'Steigerung der Attraktivit\u00e4t des Arbeitgebers', 'Aus \u00dcberzeugung (die Aufteilung von Kaderpositionen ist ein Vorteil f\u00fcr das Unternehmen)','Vermittlung von Erfahrung von Seniors an J\u00fcngere (z. B. intergenerationelles Jobsharing)','Weitere Gr\u00fcnde'],\n        title: {\n            text: null\n        }\n    },\n    yAxis: {labels: {\n            format: '{value}%'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n    \n    }, legend: {\n                     enabled: false,\n\n\n    },\n   tooltip: {\n        pointFormat: '{point.y:.1f} %'\n    },\n    plotOptions: {\n        bar: {\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n    \n    credits: {\n        enabled: false\n    },\n    series: [{\n        name: 'Motivations de l\u2019introduction du jobsharing',\n        data: [68,40,32,24,12,8,28]\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n<\/pre>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Mehrfachnennungen m\u00f6glich.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">FHNW (2014) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Ziele gewinnen zusehends an Bedeutung: Zahlreiche Mitarbeitende sehen in einem flexiblen und innovationsfreundlichen Arbeitsumfeld eine Chance, sich auch in anderen Berufsfeldern zu bet\u00e4tigen oder sich daneben sogar selbstst\u00e4ndig zu machen. Und: Immer mehr Menschen gehen heutzutage freiwillig mehreren Berufst\u00e4tigkeiten nach. Die US-Forscherin Marci\u00a0Alboher hat solche Doppel- oder Parallelkarrieren 2007 als \u00abSlash Careers\u00bb bezeichnet.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Suchen, finden \u2013 starten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Grundvoraussetzung f\u00fcr ein effizientes Jobsharing ist nach wie vor, dass sich zwei passende Personen finden. Zuerst muss man jemanden suchen, mit dem man gewisse Werte teilt. Danach gilt es, sich gegenseitig kennen zu lernen und auszuprobieren, ob eine Zusammenarbeit funktioniert. Erst dann kommt eine gemeinsame Kandidatur infrage (siehe <em>Kasten<\/em>).<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Amstutz\u00a0N. und Jochem\u00a0A. (2014), Teilzeitarbeit und Jobsharing in der Schweiz, FHNW.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Ebd.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe auch Testimonials auf <a href=\"http:\/\/www.go-for-jobsharing.ch\/\">Go-for-jobsharing.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">BFS (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Krone-Germann Irenka, De Chambrier Anne Aymone und Amstutz Nathalie (2014), <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch2014\/06\/nationale-befragung-und-informationsplattform-zum-jobsharing-in-der-schweiz\/\">Nationale Befragung und Informationsplattform zum Jobsharing in der Schweiz<\/a>, Die Volkswirtschaft, 6\u20132014, 22\u221223.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch die Digitalisierung der Informationsfl\u00fcsse und die zunehmende Flexibilisierung \u00e4ndert sich das Arbeitsumfeld rasch. 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L\u2019Harmattan)<\/em> mit Beitr\u00e4gen von 34 Autoren aus f\u00fcnf L\u00e4ndern ver\u00f6ffentlicht. Unterst\u00fctzt wird PTO vom Eidgen\u00f6ssischen B\u00fcro f\u00fcr die Gleichstellung von Frau und Mann sowie von diversen privaten Sponsoren. Der Verein betreut Tandems, die an Jobsharing interessiert sind, und organisiert \u00abJobsharing Meet-ups\u00bb in verschiedenen Schweizer St\u00e4dten. Des Weiteren f\u00fchrt er Workshops in Unternehmen durch, die sich an F\u00fchrungskr\u00e4fte, HR-Fachleute und potenzielle Jobsharing-Kandidaten richten. Am 6. November\u00a02017 organisiert PTO zusammen mit seinen Partnern in Basel das zweite internationale Kolloquium zum Thema Job- und Topsharing.&#13;\n&#13;\nPlattformen wie <a href=\"http:\/\/Wejobshare.ch\">Wejobshare.ch<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.tandemploy.com\/\">Tandemploy.com<\/a> erleichtern die Suche nach einer passenden Person f\u00fcr ein Jobsharing. 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