{"id":110146,"date":"2017-04-27T15:50:24","date_gmt":"2017-04-27T15:50:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/04\/interview-jordan-05-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:43","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:43","slug":"interview-jordan-05-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/04\/interview-jordan-05-2017\/","title":{"rendered":"\u00abWir haben Spielraum, um die Zinsen weiter zu senken\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Herr Jordan, ist das Handwerk eines Nationalbankpr\u00e4sidenten schwieriger geworden in den vergangenen zehn Jahren?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit fast zehn Jahren befinden wir uns in einer Ausnahmesituation. Nach Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 ist es nie mehr ruhig geworden. Eine Krise l\u00f6st die andere ab. Und die Schweizerische Nationalbank muss Instrumente einsetzen, die wir in der Vergangenheit noch nie eingesetzt haben. In der Geschichte der Nationalbank gab es jedoch immer wieder schwierige Phasen mit grossen Herausforderungen.&#13;<\/p>\n<h3>Aber es ist komplizierter geworden?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Direktorium ist seit einiger Zeit mit aussergew\u00f6hnlichen Aufgaben und Entscheidungen konfrontiert, und dies wird wohl noch eine Weile so bleiben. Wir l\u00f6sen diese Herausforderungen zusammen mit unseren Mitarbeitenden. Diese sind sehr gut vorbereitet und hoch motiviert.&#13;<\/p>\n<h3>Das Zinsniveau sinkt schon seit Jahren \u2013 was sind die Ursachen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWichtig ist, Nominal- und Realzinsen zu unterscheiden. In den letzten 20 bis 25 Jahren ist die Inflation in vielen L\u00e4ndern stetig gesunken, von zweistelligen Zahlen auf praktisch null. Dadurch sind die Nominalzinsen tiefer geworden. Denn unter sonst gleichen Bedingungen verlangen Sparer grunds\u00e4tzlich tiefere Zinsen, wenn die Inflation zur\u00fcckgeht. Zudem stellen wir fest, dass aber auch die Realzinsen \u2013 also das, was nach der Inflation an Zinsertrag bleibt \u2013 gesunken sind.&#13;<\/p>\n<h3>Weshalb?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEinerseits spielen vor\u00fcbergehende Einfl\u00fcsse eine Rolle. Aufgrund der Krise etwa ist die Geldpolitik expansiv geworden und hat damit die Zinsen unter den \u00fcblichen Wert beziehungsweise den sogenannten realen Gleichgewichtszins gesenkt. Es gibt daneben aber viele Indizien daf\u00fcr, dass auch der reale Gleichgewichtszins tiefer liegt als in der Vergangenheit. Ein Faktor dabei ist die Demografie: Die Menschen werden \u00e4lter. Sie haben deshalb mehr Anreize, w\u00e4hrend der Arbeitsphase zu sparen \u2013 und das dr\u00fcckt den Realzins. Es gibt zudem Hinweise, dass das Produktivit\u00e4tswachstum heute geringer ist als noch vor 20 bis 30 Jahren. Auch das ist ein Faktor, der potenziell auf den gleichgewichtigen Realzins dr\u00fcckt.&#13;<\/p>\n<h3>In keinem anderen Land sind die kurz- und langfristigen Zinsen so tief wie in der Schweiz. Was sagen Ihre ausl\u00e4ndischen Nationalbankkollegen dazu?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMeine Zentralbankkollegen nehmen auch wahr, dass der Schweizer Franken als sicherer Hafen funktioniert und dass die Zinsen deshalb in der Schweiz historisch tiefer sind als in anderen L\u00e4ndern.&#13;<\/p>\n<h3>Das Federal Reserve hat Mitte M\u00e4rz entschieden, den Leitzins zu erh\u00f6hen. Ist eine l\u00e4ngerfristige Zinswende in Sicht, die vielleicht auch die Europ\u00e4ische Zentralbank vollziehen k\u00f6nnte?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn Amerika zeichnet sich jetzt eine Normalisierung der Geldpolitik ab. Das Fed hat angek\u00fcndigt, dass bei guter Entwicklung weitere Zinsschritte geplant sind. Das ist ein sehr positives Zeichen. Ein wichtiger Teil der Weltwirtschaft ist demnach so robust, dass dort h\u00f6here Zinsen m\u00f6glich sind. In Europa ist die wirtschaftliche Erholung zwar im Gange, aber noch nicht so kr\u00e4ftig wie in den USA. Auch die Inflation ist noch nicht so stark und nachhaltig angestiegen, als dass die EZB die Zinsen schon h\u00e4tte anheben k\u00f6nnen. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir allm\u00e4hlich auch in Europa einer Normalisierung entgegensehen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h3>Was w\u00e4re passiert, wenn Sie im Dezember 2014 die Negativzinsen auf Sichtguthaben nicht eingef\u00fchrt h\u00e4tten?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Negativzins ist eine wichtige S\u00e4ule unserer Geldpolitik. Die Eurozinsen waren vor Einf\u00fchrung des Negativzinses teilweise sogar tiefer als die Frankenzinsen. Dadurch ist die \u00fcbliche Zinsdifferenz invertiert worden, was nat\u00fcrlich zu starken Zufl\u00fcssen in den Franken gef\u00fchrt hat. Mit der Einf\u00fchrung des Negativzinses war es m\u00f6glich, die verloren gegangene Zinsdifferenz teilweise wiederherzustellen, sodass Anlagen in Schweizer Franken wieder tiefer verzinst werden als Anlagen in Euro. Das hat wiederum den Druck auf den Franken reduziert. H\u00e4tten wir das nicht gemacht, h\u00e4tte man mit Frankenanlagen mehr verdient als mit Euroanlagen, und das Interesse am Franken w\u00e4re zus\u00e4tzlich gestiegen.&#13;<\/p>\n<h3>H\u00e4tte das bedeutet, dass unsere Exportindustrie nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig gewesen w\u00e4re und die Arbeitslosigkeit hochgeschnellt w\u00e4re?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGenau. Jede Aufwertung des Frankens hat automatisch Auswirkungen auf die Exportm\u00f6glichkeiten und auf das Preisniveau in der Schweiz, weil die exportierten G\u00fcter teurer und die importierten G\u00fcter billiger werden. Eine weitere Aufwertung h\u00e4tte die wirtschaftliche Situation verschlechtert. Das war ein wichtiger Grund f\u00fcr die Nationalbank zu handeln.&#13;<\/p>\n<h3>Erzeugen die Negativzinsen die beabsichtigte geldpolitische Wirkung?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa, die beabsichtigte Wirkung ist eingetreten. Das heisst aber nicht, dass jeder Druck, der auf den Franken entstehen kann, alleine durch diese Negativzinsen aufgefangen werden kann. Bei gr\u00f6sseren St\u00f6rungen \u2013 etwa wenn politische Verunsicherung in der Eurozone oder in Europa auftritt \u2013 haben wir das andere geldpolitische Standbein: die Bereitschaft, auf dem Devisenmarkt zu intervenieren.&#13;<\/p>\n<h3>Diese Interventionen werden kritisch angesehen. Die Bilanzsumme ist stark angestiegen auf \u00fcber 700 Milliarden Franken. Welche Risiken sind damit verbunden?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEs stimmt, unsere Bilanz ist im Verlauf der Krise sehr gross geworden. Sie widerspiegelt letztlich den Einsatz der Nationalbank im Interesse des Landes zur Krisenbew\u00e4ltigung. Die Aktiven halten wir mehrheitlich in Fremdw\u00e4hrungen, und dadurch sind sie Bewertungsschwankungen ausgesetzt. Solche Bewertungsschwankungen haben jedoch keinen Einfluss auf unsere geldpolitischen Handlungsm\u00f6glichkeiten. Aber es kann nat\u00fcrlich dazu f\u00fchren, dass der Gewinn unter Umst\u00e4nden nicht gross genug ist, um eine Aussch\u00fcttung an Bund und Kantone vorzunehmen. Das war beispielsweise f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2013 der Fall.&#13;<\/p>\n<h3>Gibt es einen H\u00f6chstwert dieser Bilanzsumme, den man nicht \u00fcberschreiten sollte?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNein, einen \u00f6konomisch fundierten Grenzwert gibt es nicht. Wir w\u00e4gen aber immer ab, ob eine Intervention und damit eine Ausdehnung der Bilanz gerechtfertigt ist. Wir wollen die Bilanz dann ausdehnen, wenn dies geldpolitisch sinnvoll ist.&#13;<\/p>\n<h3>Sie sprechen von einer \u00dcberbewertung des Frankens \u2013 k\u00f6nnen Sie sagen, was der faire Kurs gegen\u00fcber dem Euro w\u00e4re?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMan kann keinen exakten Wert angeben, und wir h\u00fcten uns deshalb davor, eine Zahl zu nennen. Aber alle Indikatoren und Modelle deuten darauf hin, dass der Franken immer noch deutlich \u00fcberbewertet ist, insbesondere gegen\u00fcber dem Euro.&#13;<\/p>\n<h3>Gem\u00e4ss dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds ist die Negativzinspolitik der SNB erfolgreich. Gewisse Stimmen sagen, man k\u00f6nnte die Zinsen sogar noch st\u00e4rker in den Minusbereich senken \u2013 was halten Sie davon?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWir sind schon ziemlich weit gegangen mit Zinsen von \u20130,75 Prozent. Dennoch: Wir haben noch Spielraum, um die Zinsen weiter zu senken. Aber wir w\u00e4gen immer ab, ob eine weitere Absenkung unter Ber\u00fccksichtigung der damit verbundenen Nebenwirkungen gerechtfertigt ist und Sinn macht.&#13;<\/p>\n<h3>Sie schliessen es also nicht aus.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNein, wir schliessen es nicht aus.&#13;<\/p>\n<h3>Gewisse Kreise wollen mit keynesianischen Rezepten die Wirtschaft stimulieren \u2013 was halten Sie davon?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWir sollten etwas aufpassen mit der Verwendung von solchen Schlagworten. F\u00fcr die wirtschaftspolitische Diskussion ist es sehr wichtig, dass wir die Ausgangslage genau analysieren und schauen, welche wirtschaftspolitischen Instrumente in der jeweiligen Situation Sinn machen. Ob diese Massnahmen dann unter ein Label wie das des Keynesianismus oder ein anderes passen oder nicht, ist zweitrangig und unwichtig. F\u00fcr viele L\u00e4nder sind heute vor allem Strukturreformen n\u00f6tig, denn das Potenzialwachstum von Volkswirtschaften ist vielerorts zu tief.&#13;<\/p>\n<h3>Ist die Strukturpolitik somit Sache der Regierungen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa, genau. Die Zentralbanken k\u00f6nnen keine Strukturpolitik betreiben. F\u00fcr das l\u00e4ngerfristige Potenzialwachstum leistet die Geldpolitik nur einen, aber einen sehr wichtigen Beitrag, den der Preisstabilit\u00e4t. Dar\u00fcber hinaus gibt es sehr viele strukturelle Massnahmen, die das Potenzialwachstum erh\u00f6hen, die aber nur durch die Parlamente und Regierungen getroffen werden k\u00f6nnen. Beispielsweise die Erh\u00f6hung der Flexibilit\u00e4t des Arbeitsmarkts oder der Effizienz des Steuersystems, um die richtigen Anreize zu setzen. Auch die Infrastruktur, die Wettbewerbspolitik und die Ausbildung spielen f\u00fcr das Potenzialwachstum eine grosse Rolle.&#13;<\/p>\n<h3>Verhindert die EZB diese Strukturreformen mit ihrer Geldschwemme nicht teilweise?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn vielen L\u00e4ndern hat die Geldpolitik versucht, den Regierungen in der Krise Zeit zu verschaffen, um solche Reformen umzusetzen. Es liegt in der Verantwortung der Regierungen, diese Zeit zu nutzen.&#13;<\/p>\n<h3>Seither sind zehn Jahre vergangen.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nLeider wurde diese Zeit vielerorts nicht gut genutzt. Das hat unter anderem mit unterschiedlichen Interessenlagen einzelner Gruppen zu tun, die oftmals Reformen verhindert haben.&#13;<\/p>\n<h3>Haben Sie ein Beispiel eines Landes, welches das gut bew\u00e4ltigt hat?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn Europa haben einige L\u00e4nder, wie beispielsweise Spanien, Griechenland und Frankreich, Strukturreformen durchgef\u00fchrt. Diese Reformen greifen aber noch nicht, oder sie haben vor dem Hintergrund der grossen aktuellen Probleme ihre Wirkung noch nicht voll entfaltet. Doch Regierungen, die den Mut haben, diese Strukturreformen in Angriff zu nehmen, k\u00f6nnen in den n\u00e4chsten Wahlen von den W\u00e4hlern abgestraft und abgew\u00e4hlt werden. Das reduziert selbstverst\u00e4ndlich den Appetit, diese Strukturreformen in Angriff zu nehmen. Aber weitsichtige Politik verlangt, dass man grundlegende Probleme irgendeinmal auch l\u00f6st.&#13;<\/p>\n<h3>Wo gibt es in der Schweiz Handlungsbedarf f\u00fcr Strukturreformen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWir d\u00fcrfen feststellen, dass die Schweiz bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gut dasteht. Im Vergleich zum Ausland haben wir einen flexiblen Arbeitsmarkt und eine effiziente Verwaltung. Ich glaube, das ist eine gute Ausgangslage. Aber es braucht auch das Bewusstsein, wie wichtig diese Rahmenbedingungen sind, um das hohe Lohnniveau und den Wohlstand auch in Zukunft zu wahren. Unsere gute Situation darf nicht als selbstverst\u00e4ndlich angesehen werden. Im globalen Wettbewerb braucht es nicht viel, um bei den Rahmenbedingungen pl\u00f6tzlich an Vorsprung zu verlieren.&#13;<\/p>\n<h3>Meinen Sie damit beispielsweise die Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III, das ungewisse Verh\u00e4ltnis zu Europa und die zunehmende Regulierungsdichte?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas sind alles ganz wichtige Fragen. Als Nationalbank halten wir uns aber hier zur\u00fcck und mischen uns nicht in die politische Diskussion im Detail ein.&#13;<\/p>\n<h3>Die Vorsorgewerke sind stark von den Negativzinsen und von der demografischen Alterung betroffen. Was k\u00f6nnen die Pensionskassen tun, damit sie ihren Renditeverpflichtungen trotzdem nachkommen k\u00f6nnen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGanz grunds\u00e4tzlich sind es vor allem die tiefen Renditen auf dem gesamten Anlageverm\u00f6gen, welche die Vorsorgewerke vor Probleme stellen. Dauert eine solche Durststrecke mit Tiefzinsen nur ein paar Jahre, ist das weniger gravierend. Wenn das Zinsniveau aber langfristig tief bleibt, dann wird die Situation f\u00fcr das Vorsorgesystem deutlich schwieriger, weil es unter der Annahme von deutlich h\u00f6heren Ertr\u00e4gen eingerichtet wurde. Dann bleiben eigentlich keine grossen anderen M\u00f6glichkeiten, als Anpassungen bei den Umwandlungss\u00e4tzen oder bei den technischen Zinss\u00e4tzen vorzunehmen. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Beitr\u00e4ge und die Leistungen.&#13;<\/p>\n<h3>Stimmt es, dass die Negativzinsen der Nationalbank die inl\u00e4ndischen Banken j\u00e4hrlich \u00fcber eine Milliarde Franken kosten?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ertr\u00e4ge auf den Sichtguthaben der Nationalbank 2016 lagen in der Gr\u00f6ssenordnung von 1,5 Milliarden Franken. Trotz Negativzinsen hat das Bankensystem die letzten zwei Jahre insgesamt recht gut bew\u00e4ltigt. Viele Banken konnten sich dem Umfeld anpassen und haben keinen Einbruch bei den Gewinnen gehabt.&#13;<\/p>\n<h3>Trotzdem ist das Gesch\u00e4ftsmodell der Banken in Gefahr.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Banken stellt die gegenw\u00e4rtige Situation eine grosse Herausforderung dar. Die Zinsen f\u00fcr Hypothekarkredite sind st\u00e4rker gefallen als die Zinsen auf Sicht- und Spareinlagen. Das f\u00fchrt dazu, dass die Zinsmarge kleiner geworden ist. Bis jetzt konnten die meisten Banken relativ gut mit dieser Situation umgehen. Sie haben beispielsweise mehr l\u00e4ngerfristige Hypotheken vergeben, wo die Renditen noch etwas h\u00f6her sind, als wenn man eine Libor-Hypothek vergibt. Dadurch sind die Einnahmen hoch geblieben. Aber andererseits sind dadurch auch die Risiken gestiegen, weil eine fixe Hypothek mit einer langen Laufzeit f\u00fcr eine Bank zum Verlustgesch\u00e4ft werden kann, wenn die Zinsen wieder steigen.&#13;<\/p>\n<h3>Und wie kann sich das auf die Finanzstabilit\u00e4t dieser Banken auswirken?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nFalls es in der Zukunft beispielsweise bei Zins\u00e4nderungen zu Verlusten kommen sollte, ist es wichtig, dass das Bankensystem gut kapitalisiert ist, damit es diese absorbieren kann. Die Banken in der Schweiz sind dank vern\u00fcnftiger Regulierung recht gut kapitalisiert.&#13;<\/p>\n<h3>Ist es heute bereits der Fall, dass man vermehrt in riskante Anlageformen investiert?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz ist beispielsweise der Immobilienmarkt, der normalerweise sehr anf\u00e4llig ist, nach Beginn der Finanzkrise stark gewachsen. Wir verzeichneten einen starken Anstieg beim Hypothekarvolumen und bei den Immobilienpreisen. Seit zwei bis drei Jahren verflacht sich dieses Wachstum aber allm\u00e4hlich. In einigen Segmenten sind die Preise sogar leicht r\u00fcckl\u00e4ufig. Das heisst, die Massnahmen, die die Beh\u00f6rden ergriffen haben, wie etwa die Einf\u00fchrung des antizyklischen Kapitalpuffers, wirken. Wir haben also trotz der Negativzinsen keine Zunahme der Dynamik am Immobilienmarkt gehabt. Sowohl das Hypothekarwachstum als auch die Immobilienpreise verharren jedoch auf hohen Niveaus.&#13;<\/p>\n<h3>Die Zinsen auf den Sparkonten schwinden, und die Kontogeb\u00fchren werden erh\u00f6ht. Stellen Sie fest, dass die Leute ihr Erspartes abheben und vermehrt horten?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNein, das stellen wir nicht fest. Wir sehen zwar, dass der Bargeldumlauf gestiegen ist, aber nicht \u00fcberm\u00e4ssig. Das Wachstum hat mit dem Umfeld zu tun: Aus Angst vor Krisen erh\u00f6hen die Sparer in der Regel ihre Bargeldbest\u00e4nde.&#13;<\/p>\n<h3>Ziehen die Sparer das Geld von der Bank ab?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNicht wegen unseres Negativzinses, denn es gibt praktisch keine Bank, die Kleinsparer effektiv mit Negativzinsen belastet. Zudem ist das Abziehen von Bargeld bei der Bank mit hohen Risiken verbunden: Sparer k\u00f6nnen Bargeld verlieren, oder es kann gestohlen werden \u2013 und dann ist der Ertrag auf Bargeld stark negativ und damit tiefer als der Nullzins bei der Bank. Aber f\u00fcr die Sparer ist es auch wichtig, dass wir in der Schweiz eine sehr tiefe Inflation haben und dadurch die Kaufkraft ihrer Ersparnisse gut erhalten bleibt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Jordan, ist das Handwerk eines Nationalbankpr\u00e4sidenten schwieriger geworden in den vergangenen zehn Jahren? &#13; Seit fast zehn Jahren befinden wir uns in einer Ausnahmesituation. Nach Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 ist es nie mehr ruhig geworden. Eine Krise l\u00f6st die andere ab. 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