{"id":110163,"date":"2017-04-27T15:50:24","date_gmt":"2017-04-27T15:50:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/04\/bruelhart-05-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:41","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:41","slug":"bruelhart-05-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/04\/bruelhart-05-2017\/","title":{"rendered":"Steuerzahler suchen bei Verm\u00f6genssteuern nach Ausweichstrategien"},"content":{"rendered":"<p>Wussten Sie, dass die Schweiz Verm\u00f6genssteuer-Weltmeisterin ist? Die Verm\u00f6genssteuer tr\u00e4gt zwar bloss etwa 3,5 Prozent zu den Steuereinnahmen bei, damit nehmen wir aber unter OECD-L\u00e4ndern klar die Spitzenposition ein (siehe <em>Tabelle<\/em>).<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Und wir liegen ziemlich quer zum internationalen Trend: Viele Industrienationen \u2013 darunter Deutschland, Italien und \u00d6sterreich \u2013 haben die Verm\u00f6genssteuer im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte abgeschafft.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Verm\u00f6genssteuern in ausgew\u00e4hlten OECD-L\u00e4ndern (in&nbsp;% der gesamten Steuereinnahmen)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table>&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\"><strong>1995<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\"><strong>2005<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\"><strong>2015<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Schweiz<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">2,87<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">3,40<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">3,62<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Luxemburg<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">1,59<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">1,45<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">2,00<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Norwegen<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">1,31<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">1,02<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">1,01<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Island<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">1,16<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Niederlande<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,54<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,02<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Spanien<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,44<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,42<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,32<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Schweden<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,41<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,36<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Deutschland<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,26<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,01<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Frankreich<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,25<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,40<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,52<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Italien<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,21<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">D\u00e4nemark<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,19<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Finnland<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,08<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,18<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">\u00d6sterreich<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,06<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">Griechenland<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,05<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"130\">0,00<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground text__legend\">Anmerkung: Aufgef\u00fchrt sind alle OECD- L\u00e4nder mit Verm\u00f6genssteuern im Jahr 1995.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">OECD Revenue Statistics (Code 4210)&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEtwas entgegen dieser Tendenz hat die Wissenschaft die Verm\u00f6genssteuer in den letzten Jahren wiederentdeckt. Angesichts zunehmender Einkommens- und Verm\u00f6gensungleichheiten in den meisten L\u00e4ndern, mit einer immer weiter ge\u00f6ffneten Schere zwischen dem \u00abobersten Prozent\u00bb und dem Rest der Bev\u00f6lkerung, lieferte der franz\u00f6sische \u00d6konom Thomas Piketty ein viel beachtetes Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr Verm\u00f6genssteuern.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Er erkor gar eine \u00abvollkommene Dreifaltigkeit\u00bb der Verm\u00f6gensbesteuerung, bestehend aus Verm\u00f6gens-, Erbschafts- und Kapitaleinkommenssteuern.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Letztere werden in der Schweiz nicht erhoben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin zentrales Kriterium bei der Bewertung der meisten Steuerarten ist, wie und wie stark sie das Verhalten der Steuerzahler beeinflussen. Einfach gesagt, ist eine Steuer weniger w\u00fcnschbar, wenn die Steuerzahler empfindlicher (\u00abelastischer\u00bb) auf sie reagieren. Zudem ist eine Steuer umso sch\u00e4dlicher, je st\u00e4rker solche Reaktionen nicht nur buchhalterischer Art sind, sondern die tats\u00e4chliche wirtschaftliche Leistung beeinflussen. Wir gehen daher in einer aktuellen Studie mittels Schweizer Daten der Frage nach, welche Reaktionen Verm\u00f6genssteuern ausl\u00f6sen.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Hohe Steuerelastizit\u00e4t der Privatverm\u00f6gen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnser Kernanliegen ist es, zu sch\u00e4tzen, wie stark die steuerlich deklarierten Verm\u00f6gen auf Ver\u00e4nderungen bei der Verm\u00f6genssteuerbelastung reagieren. Dazu haben wir detaillierte Daten \u00fcber steuerbare Verm\u00f6gen und Steuers\u00e4tze in den Kantonen und Gemeinden beigezogen.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Auf Kantonsebene verwendeten wir aggregierte Daten aller Kantone f\u00fcr die Jahre 2003 bis 2012. Auf Gemeindeebene untersuchen wir die administrativen Individualdaten der Steuerzahler im Kanton Bern f\u00fcr die Jahre 2001 bis 2011.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Auswertungen f\u00fchren mit beiden Datens\u00e4tzen zu \u00e4hnlichen Sch\u00e4tzwerten: Eine Anhebung des Verm\u00f6genssteuersatzes um einen Promillepunkt, sei es auf Stufe Kanton oder auf Stufe Gemeinde, reduziert den Umfang der ausgewiesenen Verm\u00f6gen um ungef\u00e4hr 3 Prozent. Damit ist die Elastizit\u00e4t bei der Verm\u00f6genssteuer im Vergleich zu Studien zur Einkommenssteuer mindestens doppelt so gross.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Mit anderen Worten: Verm\u00f6gen reagieren empfindlicher als Einkommen auf Steuern. Die von uns gesch\u00e4tzten Werte \u00fcbersteigen auch die Verm\u00f6genssteuerelastizit\u00e4ten aus anderen Studien, was vermutlich auf die bessere uns zur Verf\u00fcgung stehende Datenlage (Paneldaten) zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Wohnortswechsel kein Thema<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf welche Weise reagieren die Verm\u00f6gen auf Steuerunterschiede? Diese Frage ist f\u00fcr eine Beurteilung der Verm\u00f6gensbesteuerung ebenso bedeutsam wie die Gr\u00f6sse der Reaktion. Am gravierendsten\u00a0f\u00fcr einen Kanton oder eine Gemeinde sind Reaktionen, die \u00abrealer\u00bb Natur sind. Zum Beispiel, wenn die Menschen wegen h\u00f6herer Verm\u00f6genssteuern weniger arbeiten oder wegziehen. Wenn die Reaktionen jedoch rein \u00abbuchhalterischer\u00bb Natur sind, schm\u00e4lern Verm\u00f6genssteuern zwar die steuerbaren Verm\u00f6gen, nicht aber die tats\u00e4chliche wirtschaftliche Leistung. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Umschichtung von Verm\u00f6gen in steuerbefreite Anlageformen. Dies gilt aber auch dann, wenn Verm\u00f6gen verschenkt, hinterzogen oder schlicht konsumiert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Individualdaten aus dem Kanton Bern zeigen: Es gibt keine Anzeichen, dass die grossen gesch\u00e4tzten Verm\u00f6genselastizit\u00e4ten der Berner Gemeinden durch Zu- und Wegz\u00fcge verm\u00f6gender Steuerzahler verursacht werden. Dies ist angesichts der Kleinr\u00e4umigkeit im Kanton Bern ein erstaunlicher Befund. Insbesondere legt dieses Resultat den Schluss nahe, dass im Bereich der Verm\u00f6genssteuern nicht von wirklichem Steuerwettbewerb die Rede sein kann. Allerdings gab es in der untersuchten Zeitperiode nur geringf\u00fcgige Ver\u00e4nderungen der Verm\u00f6genssteuers\u00e4tze in den Berner Gemeinden. Die viel gr\u00f6sseren Ver\u00e4nderungen zwischen den Schweizer Kantonen k\u00f6nnten deshalb durchaus zu Wohnortwechseln gef\u00fchrt haben. Leider k\u00f6nnen wir solche Bewegungen in den vorhandenen (aggregierten) Daten nicht beobachten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWir stellen auch fest: Ausgewiesene Einkommen reagieren in den Daten nur schwach auf Verm\u00f6genssteuerunterschiede. Da der L\u00f6wenanteil der Einkommen in der Schweiz Arbeitseinkommen sind, bedeutet dies, dass Verm\u00f6genssteuern das reale Arbeitsangebot offenbar nicht wesentlich beeinflussen. Auch die ausgewiesenen Immobilienverm\u00f6gen reagieren verh\u00e4ltnism\u00e4ssig schwach auf Verm\u00f6genssteuern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie grossen Elastizit\u00e4ten der gesamten Verm\u00f6gen r\u00fchren hingegen zumindest kurzfristig in erster Linie von der starken Reaktion der Finanzverm\u00f6gen her, welche in unseren Daten 43 Prozent der gesamten Verm\u00f6gen ausmachen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZudem stellen wir eine statistisch klar ersichtliche \u00abB\u00fcndelung\u00bb der ausgewiesenen Verm\u00f6gen unterhalb der Steuerfreigrenze fest: Verm\u00f6gen leicht unter der Steuerfreigrenze werden deutlich \u00f6fter ausgewiesen, als es die Verteilung insgesamt erwarten liesse (siehe <em>Abbildung<\/em>). Einige Steuerzahler scheinen also bewusst ein steuerbares Verm\u00f6gen knapp unterhalb der steuerfreien Limite anzupeilen.&#13;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">H\u00e4ufung der ausgewiesenen Verm\u00f6gen relativ zur Steuerfreigrenze (Kanton Bern; 2001 bis 2011)<span style=\"color: #ff00ff;\">&#13;<br \/>\n<\/span><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='schmidheiny_bruehlahrdt_1'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#schmidheiny_bruehlahrdt_1').highcharts({\n    \n        chart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    \n    xAxis: {title: {\n            text: 'Verm\u00f6gen relativ zur Steuerfreigrenze in Franken'\n        },        tickInterval: 50,\n plotLines: [{\n            value: 50,\n            color: '#23318a',\n            width: 1\n         \n        }],\n\n        \n        categories: ['-50 000','-49 000','-48 000','-47 000','-46 000','-45 000','-44 000','-43 000','-42 000','-41 000','-40 000','-39 000','-38 000','-37 000','-36 000','-35 000','-34 000','-33 000','-32 000','-31 000','-30 000','-29 000','-28 000','-27 000','-26 000','-25 000','-24 000','-23 000','-22 000','-21 000','-20 000','-19 000','-18 000','-17 000','-16 000','-15 000','-14 000','-13 000','-12 000','-11 000','-10 000','-9 000','-8 000','-7 000','-6 000','-5 000','-4 000','-3 000','-2 000','-1 000','0','1 000','2 000','3 000','4 000','5 000','6 000','7 000','8 000','9 000','10 000','11 000','12 000','13 000','14 000','15 000','16 000','17 000','18 000','19 000','20 000','21 000','22 000','23 000','24 000','25 000','26 000','27 000','28 000','29 000','30 000','31 000','32 000','33 000','34 000','35 000','36 000','37 000','38 000','39 000','40 000','41 000','42 000','43 000','44 000','45 000','46 000','47 000','48 000','49 000','50 000','51 000','52 000','53 000','54 000','55 000','56 000','57 000','58 000','59 000','60 000','61 000','62 000','63 000','64 000','65 000','66 000','67 000','68 000','69 000','70 000','71 000','72 000','73 000','74 000','75 000','76 000','77 000','78 000','79 000','80 000','81 000','82 000','83 000','84 000','85 000','86 000','87 000','88 000','89 000','90 000','91 000','92 000','93 000','94 000','95 000','96 000','97 000','98 000','99'],\n        plotLines: [{\n            color: '#23318a',\n            width: 2,\n            value: 50,\n            label: {\n                    text: 'Steuerfreigrenze',\n                    rotation: 0,\n                                                            x: 10,\ny: 15\n\n\n                }\n      \n       \n        }],\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Anzahl Steuerzahler'\n        },\n         labels: {\n                format: ' {value}' \n            }\n    },\n \n    series: [{\n        name: 'Tats\u00e4chliche H\u00e4ufigkeit',\n                dashStyle: 'shortdot',\n\n\n\n        data: [null,null,null,17055,16923,16491,16147,15832,15636,15113,14929,15002,14820,14603,14526,14026,13894,13763,13536,13357,13242,13296,12952,12645,12801,12447,12477,12149,12124,11738,11759,11659,11489,11397,11203,11251,10971,11012,10919,10761,10760,10577,10641,10540,10563,10423,10620,10617,10215,10584,9094,9136,9056,9110,8858,8868,8905,8693,8575,8488,8436,8467,8375,8337,8337,8124,7980,7949,7977,7718,7861,7789,7674,7587,7675,7710,7533,7386,7246,7114,7113,7317,7296,6992,6936,7014,6983,7019,6821,6871,6820,6792,6720,6837,6689,6711,6578,6637,6440,6383,6380,6464,6344,6326,6335,6352,6127,6006,5985,6090,6105,6028,5881,5965,5833,5885,5740,5909,5701,5969,5792,5704,5813,5820,5530,5516,5616,5694,5536,5614,5385,5417,5382,5450,5310,5392,5193,5229,5149,5356,5201,5222,5100,5190,5035,5096,5068,5192,5070,4917]\n    }, {\n        name: 'Gegl\u00e4ttete Interpolation',\n        data: [null,null,null,17097,16777,16473,16186,15913,15653,15406,15170,14944,14727,14519,14319,14126,13939,13758,13582,13411,13245,13082,12923,12768,12616,12466,12319,12174,12032,11892,11754,11618,11483,11351,11220,11091,10964,10838,10714,10592,10472,10353,10236,10121,10008,9896,9787,9679,9574,9470,9368,9269,9171,9076,8983,8891,8802,8716,8631,8548,8468,8389,8313,8238,8166,8096,8027,7961,7896,7834,7773,7714,7656,7600,7545,7492,7441,7390,7341,7293,7247,7201,7156,7112,7069,7027,6985,6944,6903,6863,6824,6785,6746,6707,6669,6630,6592,6555,6517,6479,6442,6404,6367,6329,6292,6255,6217,6180,6144,6107,6070,6034,5998,5963,5927,5893,5858,5825,5792,5759,5727,5696,5666,5636,5608,5580,5553,5527,5502,5477,5454,5431,5409,5387,5366,5346,5326,5305,5285,5264,5242,5220,5196,5170,5142,5111,5077,5039,4996,4948]\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Im Kanton Bern wurden in der untersuchten Zeitperiode Verm\u00f6gen unterhalb von 92\u2019000 bis 97\u2019000 Franken nicht besteuert (der Schwellenwert war nicht konstant). Die Anzahl Steuerzahler bezieht sich jeweils auf ein Verm\u00f6gensintervall von 1000 Franken.&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Br\u00fclhart et al. (2017) \/ Die Volkswirtschaft<\/span><span style=\"color: #ff00ff;\">&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZusammengenommen deuten die Befunde darauf hin, dass die festgestellte Steuerempfindlichkeit der ausgewiesenen Verm\u00f6gen st\u00e4rker auf Konsumentscheiden und buchhalterischen Optimierungen gr\u00fcndet als auf realen Verhaltensanpassungen. Solche Optimierungen sind beispielsweise m\u00f6glich durch Verschiebungen zwischen Firmen- und Privatverm\u00f6gen, mittels Einzahlungen in die steuerbefreite Altersvorsorge oder durch simple Nichtdeklaration. Eine belastbare Sch\u00e4tzung der relativen Gewichte der verschiedenen Reaktionsarten \u00fcbersteigt allerdings die M\u00f6glichkeiten unserer Studie.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Verm\u00f6gens- kontra Erbschaftssteuern<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nPrivatverm\u00f6gen werden auch von der Erbschaftssteuer belangt. Zuweilen wird vorgeschlagen, die Steuerlast von den Verm\u00f6genssteuern zu den Erbschaftssteuern zu verschieben.<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> Hinter solchen \u00dcberlegungen liegt die Annahme, dass Verm\u00f6genssteuern das Arbeitsangebot und die Kapitalbildung st\u00e4rker hemmen als Erbschaftssteuern \u2013 was durchaus plausibel ist: W\u00e4hrend Verm\u00f6genssteuern jedes Jahr vom Sparer selber beglichen werden m\u00fcssen, fallen Erbschaftssteuern nur einmal pro Generation an, und dies nicht beim Sparer selbst, sondern bei dessen Erben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine fr\u00fchere Studie hat gezeigt, dass Erbschaftssteuern keine statistisch erkennbaren Wanderungsbewegungen \u00e4lterer und verm\u00f6gender Steuerzahler zwischen den Kantonen ausl\u00f6sen.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a> Somit scheinen in der Gesamtheit weder Erbschafts- noch Verm\u00f6genssteuern wesentlichen Einfluss zu haben auf die Standortentscheide der Privathaushalte in der Schweiz.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn unserer aktuellen Studie untersuchen wir nun auch, wie sich Erbschaftssteuern \u2013 zus\u00e4tzlich zu Verm\u00f6gens- und Einkommenssteuern \u2013 auf die in einem gegebenen Kanton ausgewiesenen Verm\u00f6gen auswirken.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a> Im Gegensatz zur oben erw\u00e4hnten Studie \u00fcber Wanderungsreaktionen finden wir hier nun statistisch bedeutsame Effekte. Einfach gesagt, heisst das: Erbschaftssteuern haben zwar insgesamt keine statistisch erkennbaren Auswirkungen auf die Wohnortswahl, hingegen beeinflussen sie den Umfang der deklarierten Verm\u00f6gen. Die ausgewiesenen Verm\u00f6gen reagieren dabei mindestens so stark auf Erbschaftssteuern wie auf Verm\u00f6genssteuern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4re also eine Verschiebung der Steuerlast von Verm\u00f6gens- auf Erbschaftssteuern effizienzsteigernd? Da beide Steuerarten kaum reale Reaktionen zu verursachen scheinen und die Ausweichreaktionen durch steuertechnische Optimierung oder Anpassung der Konsumneigung in etwa gleich stark sind, k\u00f6nnte man auf ein \u00abUnentschieden\u00bb schliessen. Allerdings ist auch unsere Analyse hinsichtlich der Anpassungsmechanismen noch ziemlich unscharf, da wir diese nur f\u00fcr den Kanton Bern mit eher kleinen Steuerunterschieden durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Es w\u00e4re deshalb beispielsweise denkbar, dass den Erbschaftssteuern st\u00e4rker mit vorgezogenen Schenkungen ausgewichen wird und den Verm\u00f6genssteuern mit Kapitalr\u00fcckbehalt in Unternehmen. Solche Unterschiede w\u00e4ren relevant f\u00fcr die \u00f6konomische Beurteilung der beiden Steuerarten. Dazu wissen wir aus der empirischen Forschung aber noch nichts.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Vermeidungsstrategien dominieren<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZusammenfassend l\u00e4sst sich sagen: Die Summe der ausgewiesenen Verm\u00f6gen reagiert empfindlich auf Ver\u00e4nderungen der Verm\u00f6genssteuerlast. Gem\u00e4ss der Faustregel der Steuerlehre \u2013 benannt nach dem britischen Mathematiker Frank Plumpton Ramsey \u2013 m\u00fcsste man somit eine Verschiebung der Steuerbelastung von Verm\u00f6gen auf Einkommen erw\u00e4gen. Denn die Ramsey-Regel besagt, dass die Steuerlast vor allem auf inelastisches Steuersubstrat konzentriert werden sollte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAllerdings ist nebst der Steuerempfindlichkeit an sich auch von Belang, auf welche Weise die Steuerzahler auf Steuern reagieren. Sei es, indem sie weniger arbeiten, indem sie ihren Wohnort wechseln oder indem sie bei unverminderter Leistung die Steuerrechnung mit buchhalterischen Optimierungen und Konsumentscheiden vermeiden. Unsere Sch\u00e4tzungen deuten darauf hin, dass letztere Reaktionen dominieren, und zwar bei Erbschafts- wie auch Verm\u00f6genssteuern. Wenn das stimmt, dann sind unsere relativ grossen beobachteten Verm\u00f6genssteuerelastizit\u00e4ten eher Ausdruck grossz\u00fcgiger Umgehungsm\u00f6glichkeiten als leistungshemmender Anreize&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnsere Befunde zu den Arten der Reaktionen beruhen jedoch auf relativ groben Analysen. Eine vertiefte empirische Untersuchung w\u00fcrde daher eine bessere Datengrundlage bedingen, idealerweise in der Form von kombinierbaren Individualdaten mehrerer Kantone.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Die Verm\u00f6genssteuer wird ausschliesslich von den Kantonen und Gemeinden erhoben. Der Bund besteuert Privatverm\u00f6gen seit 1959 nicht mehr.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Piketty (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Piketty, Saez und Zucman (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Br\u00fclhart, Gruber, Krapf und Schmidheiny (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Die hier beschriebene Forschung wurde vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert (siehe Fiscalfederalism.ch). Der Kanton Bern gew\u00e4hrte Zutritt zu anonymisierten Einzeldaten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">F\u00fcr den Vergleich verwendete Elastizit\u00e4t: \u00abnet-of-tax-rate elasticity with respect to wealth returns\u00bb.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Seim (2017), Zoutman (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Beispielsweise Salvi und Zobrist (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Br\u00fclhart und Parchet (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Br\u00fclhart, Gruber, Krapf und Schmidheiny (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wussten Sie, dass die Schweiz Verm\u00f6genssteuer-Weltmeisterin ist? Die Verm\u00f6genssteuer tr\u00e4gt zwar bloss etwa 3,5 Prozent zu den Steuereinnahmen bei, damit nehmen wir aber unter OECD-L\u00e4ndern klar die Spitzenposition ein (siehe Tabelle). 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Sie weichen den Steuern jedoch nicht mit einem Wohnortswechsel aus, sondern mittels Konsum- und Anlageentscheiden.","post_hero_image_description":"Viele reiche Steuerzahler leben in den Zentralschweizer Kantonen Schwyz, Nidwalden und Zug. Blick vom Stanserhorn auf den Vierwaldst\u00e4ttersee.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>&#13;\n \t<li>Br\u00fclhart, M., Gruber, J., Krapf, M. und Schmidheiny, K. (2017). The Elasticity of Taxable Wealth: Evidence from Switzerland. Arbeitspapier, Universit\u00e4t Lausanne, Massachusetts Institute of Technology und Universit\u00e4t Basel.<\/li>&#13;\n \t<li>Br\u00fclhart, Marius and Rapha\u00ebl Parchet (2014). Alleged Tax Competition: The Mysterious Death of Inheritance Taxes in Switzerland. Journal of Public Economics, 111: 63\u201378.<\/li>&#13;\n \t<li>Piketty, Thomas (2014). Capital in the 21st Century. Harvard University Press.<\/li>&#13;\n \t<li>Piketty, Thomas, Emmanuel Saez and Gabriel Zucman (2013). Rethinking Capital and Wealth Taxation. Arbeitspapier, Paris School of Economics, UC Berkeley und London School of Economics.<\/li>&#13;\n \t<li>Seim, David (2017). Behavioral Responses to Wealth Taxes: Evidence from Sweden. American Economic Journal: Economic Policy, im Druck.<\/li>&#13;\n \t<li>Salvi, Marco und Luc Zobrist (2013). Zwischen Last und Leistung: Ein Steuerkompass f\u00fcr die Schweiz. Avenir Suisse und Verlag Neue Z\u00fcrcher Zeitung, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>Zoutman, Floris T. (2015) The Effect of Capital Taxation on Household Savings. Arbeitspapier, Norwegian School of Economics (NHH), Bergen.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":110166,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":110170,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"67836","post_abstract":"Der Schweizer Steuerf\u00f6deralismus ist dank seiner Vielschichtigkeit hervorragend f\u00fcr die Untersuchung von Verm\u00f6genssteuern geeignet. Eine Auswertung von aggregierten Daten aus den Kantonen zwischen 2003 und\u00a02012 sowie der Gemeinden des Kantons Bern f\u00fcr die Jahre 2001 bis 2011 zeigt: Die ausgewiesenen Privatverm\u00f6gen reagieren empfindlich auf Steuerbelastungsunterschiede. 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