{"id":110256,"date":"2017-04-27T14:29:08","date_gmt":"2017-04-27T14:29:08","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/04\/stamm-01-02-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:07:08","modified_gmt":"2023-08-23T21:07:08","slug":"stamm-01-02-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/04\/stamm-01-02-2017\/","title":{"rendered":"Zollprogramm \u00abDaziT\u00bb entlastet Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p>Schweizer Unternehmen sind stark in die globalen Wertsch\u00f6pfungsketten integriert. Verl\u00e4ngerte Werkb\u00e4nke im In- und Ausland sorgen f\u00fcr immer komplexere Produktionsabl\u00e4ufe. Viele Waren m\u00fcssen bis zu ihrer Fertigstellung mehrmals \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg transportiert werden. Bevor ein Produkt in den Verkauf gelangt, werden importierte Vormaterialien be- und verarbeitet, gegebenenfalls zur Weiterverarbeitung in das Zollausland exportiert, um im Anschluss im Zollinland erneut endbearbeitet zu werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAngesichts dieser komplexen Logistik sind die Firmen auf effiziente und zuverl\u00e4ssige Zollabl\u00e4ufe angewiesen. Hier besteht Nachholbedarf: Die heutigen Zollformalit\u00e4ten sind nicht mehr zeitgem\u00e4ss und verursachen den Firmen erhebliche administrative und operative Kosten, wie verschiedene Studien gezeigt haben.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Politik hat das Problem erkannt. In den vergangenen Jahren lancierten Parlamentarier diverse Vorst\u00f6sse mit dem Ziel, die Zollformalit\u00e4ten zu verringern und die Zollprozesse zu vereinfachen. Der Bundesrat hat die Kosten des Grenz\u00fcbertritts als Themenbereich identifiziert, den er im Rahmen der Massnahmen gegen die administrative Belastung angeht. In internationalen Foren ist das Thema ebenfalls auf der Agenda, wie der Abschluss des WTO-Abkommens \u00fcber Handelserleichterung (\u00abTrade Facilitation Agreement\u00bb) aus dem Jahr 2014 zeigt, welches zum Ziel hat, die Kosten des grenz\u00fcberschreitenden Handels zu senken.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Prozesse f\u00fcr KMU vereinfachen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Chance, die Abl\u00e4ufe in der Eidgen\u00f6ssischen Zollverwaltung (EZV) wirtschaftsfreundlicher zu gestalten, bietet das Programm \u00abDaziT\u00bb, welches sich nicht nur auf die IT-Abl\u00e4ufe konzentriert, sondern die existierenden Zollprozesse neu beurteilt und wo n\u00f6tig neu konzipiert (siehe <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch2017\/04\/emmenegger-05-2017\/\">Beitrag<\/a> von Isabelle Emmenegger). Durch den Einbezug verschiedener Stakeholder wie zum Beispiel Wirtschaftsvertreter, Bundes\u00e4mter, Kantone und Sozialpartner ist das Programm breit abgest\u00fctzt. Die Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) koordiniert das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) im Auftrag der Expertenkommission KMU-Forum.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer intensive Miteinbezug der KMU ist wichtig, da sich die heutigen Zollprozesse kaum an den Bed\u00fcrfnissen von kleinen und mittleren Unternehmen orientieren, welche die Zollformalit\u00e4ten h\u00e4ufig nicht ohne Hilfe von externen Zolldienstleistern bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die mittlerweile stark in die globalen Wertsch\u00f6pfungsketten eingebundenen KMU erh\u00f6hen sich dadurch die Ausgaben, und gleichzeitig kann firmenintern kein fachliches Know-how geschaffen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die KMU ist es deshalb ein Anliegen, die Zollformalit\u00e4ten via kostenloses\u00a0Webportal schnell und unkompliziert erledigen zu k\u00f6nnen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Bisher war eine effiziente Online-Zollanmeldung f\u00fcr Wirtschaftsbeteiligte aber nur durch eine kostenpflichtige Software m\u00f6glich und somit prim\u00e4r f\u00fcr gr\u00f6ssere Firmen attraktiv. Kleine Unternehmen sind deshalb meist gezwungen, ihre Verzollungen an Dritte auszulagern, was ein zus\u00e4tzlicher Kostenfaktor darstellt. Durch das \u00abDaziT\u00bb-Webportal f\u00fcr Zollformalit\u00e4ten soll es k\u00fcnftig allen Unternehmen freistehen, ob sie die Zollformalit\u00e4ten selbst abwickeln oder ob sie daf\u00fcr Dienste von Spediteuren beanspruchen wollen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Vertrauensw\u00fcrdige Partner profitieren<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nOb eine Lieferung beim Grenz\u00fcbertritt vom Zoll kontrolliert werden muss, wird nebst einem Zufallselement durch die Risikoanalyse bestimmt. Dabei spielen die Art der Ware, das Herkunftsland, die Route und der gew\u00e4hlte Logistiker eine Rolle. Wichtig ist auch die Erfahrung: Wenn ein Unternehmen bisher nie negativ aufgefallen ist, spricht vieles daf\u00fcr, dass die Zollverwaltung ihm vertrauen kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Zuge von \u00abDaziT\u00bb sollen vertrauensw\u00fcrdige Unternehmen, die klar definierte Kriterien erf\u00fcllen, deshalb von einem Status mit Verfahrensvereinfachungen profitieren. Das lohnt sich f\u00fcr beide Seiten: F\u00fcr das Unternehmen senkt sich somit der durch die Zollprozesse verursachte Aufwand, und die Zollbeh\u00f6rden k\u00f6nnen sich bei ihren Kontrollen auf die Risikof\u00e4lle konzentrieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZwar existieren schon heute Konzepte wie \u00abAuthorized Economic Operator\u00bb oder \u00abzugelassener Versender\/Empf\u00e4nger\u00bb, die \u00e4hnliche Elemente beinhalten. Allerdings haben die hohen Zertifizierungskosten bisher viele Unternehmen von einer Teilnahme abgeschreckt. Teilweise ist der Zugang zu einem solchen Status auch mit hohen Anforderungen an quantitative Kriterien wie beispielsweise Kennzahlen der Buchhaltung verbunden, was die Nutzung f\u00fcr kleinere Unternehmen ebenfalls erschwert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u00abDaziT\u00bb will den Unternehmen Verfahrensvereinfachungen daher m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig von quantitativen Kriterien gew\u00e4hren. Anstelle einer Zertifizierung durch die EZV sollen sich die Firmen idealerweise durch ein Self-Assessment selbst zertifizieren und erst im Falle gravierender Verletzungen ihrer Sorgfaltspflichten den Status verlieren. Dabei k\u00f6nnte auf den bereits erw\u00e4hnten Konzepten sowie auf weiteren Vereinfachungen wie dem Verlagerungsverfahren der Mehrwertsteuer oder dem \u00abbekannten Versender\u00bb im Flugverkehr aufgebaut werden. Zudem w\u00e4re es denkbar, \u00e4hnliche Konzepte im Ausland gegenseitig anzuerkennen, damit Unternehmen m\u00f6glichst auf beiden Seiten der Grenze in den Genuss von Vereinfachungen kommen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Internationale Zusammenarbeit <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Neugestaltung der Zollprozesse und der IT-Infrastruktur gilt es die Grundlagen daf\u00fcr zu schaffen, damit das System der EZV mittelfristig mit den Zollverwaltungen anderer L\u00e4nder im Sinne eines \u00abCoordinated Border Managements\u00bb (siehe <em>Kasten<\/em>) zollrelevante Daten austauschen kann. Dies ist umso wichtiger, als ein durchgehender, vereinfachter Warenfluss \u00fcber die Grenze nur m\u00f6glich ist, wenn der Datenfluss von Exporteur zu Importeur und von Zollverwaltung zu Zollverwaltung ohne Medienbruch gew\u00e4hrleistet ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nObwohl der Bundesrat die Bundesverwaltung bereits 2010 damit beauftragt hat, den Datenaustausch mit der EU zu pr\u00fcfen, ist eine umfassende Verkn\u00fcpfung der IT-Systeme bisher nicht realisiert worden. Mit \u00abDaziT\u00bb ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, diese Idee der Zusammenarbeit wieder verst\u00e4rkt mit unseren wichtigsten Handelspartnern zu diskutieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Voraussetzungen f\u00fcr ein Gelingen von \u00abDaziT\u00bb sind gegeben: Die EZV und die Unternehmen ziehen am selben Strang und scheuen nicht davor zur\u00fcck, existierende Prozesse fundamental zu hinterfragen. Obwohl das Programm erst im Lauf der n\u00e4chsten Jahre konkrete Resultate liefern wird, werden die angedachten Neuerungen den Unternehmen k\u00fcnftig die mit dem Grenz\u00fcbertritt verbundenen Aufw\u00e4nde stark reduzieren.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">B,S,S. (2013); Minsch, Moser (2006); Engman (2005).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">H\u00fcsemann (2014) und Muller (2011)&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweizer Unternehmen sind stark in die globalen Wertsch\u00f6pfungsketten integriert. Verl\u00e4ngerte Werkb\u00e4nke im In- und Ausland sorgen f\u00fcr immer komplexere Produktionsabl\u00e4ufe. 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Kontinuierliche Verbesserung der Zollsysteme \u2013 Kostensenkungspotenzial f\u00fcr KMU, Die Volkswirtschaft, 1\/2-2014.<\/li>&#13;\n \t<li>Minsch, R. und R. Moser (2006). Teure Grenzen. Die Volkswirtschaftlichen Kosten der Zollschranken: 3,8 Milliarden Franken, Avenir Suisse, M\u00e4rz.<\/li>&#13;\n \t<li>Muller, P. (2011). M\u00f6gliche administrative Entlastung f\u00fcr KMU im Bereich Zollverfahren, Die Volkswirtschaft, 3-2011.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Coordinated Border Management","kasten_box":"Das Coordinated Border Management (CBM) konzipiert den Grenz\u00fcbertritt im Warenverkehr als <em>one-stop-shop<\/em>. Die Verkn\u00fcpfung der IT-Systeme der Zollverwaltungen der Nachbarl\u00e4nder erm\u00f6glicht es, dass die Daten der Zollanmeldung durch den Exporteur einmalig im Voraus eingegeben werden und danach unmittelbar den beiden Zollverwaltungen sowie dem Importeur zur Verf\u00fcgung stehen. Dies erlaubt es den Zollverwaltungen, die Risikoanalyse und die Selektion f\u00fcr eine m\u00f6gliche Kontrolle schon vor dem Grenz\u00fcbertritt durchzuf\u00fchren.&#13;\n&#13;\nDas CBM vereinfacht den Ablauf des grenz\u00fcberschreitenden Warenverkehrs und reduziert die administrativen Aufw\u00e4nde der involvierten Zollverwaltungen und Unternehmen. So muss eine Lieferung an der Grenze nur noch einmal gestoppt werden. Anstelle von bisher zwei Zollstellen reicht beim CBM eine aus, da die Infrastruktur und die personellen Ressourcen zwischen den Grenzstaaten geteilt werden. Die Ausfuhrdeklaration, welche als Barcode auf der Ware angebracht ist, best\u00e4tigt dabei sowohl den Import als auch den Export. 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