{"id":110294,"date":"2017-03-23T15:17:45","date_gmt":"2017-03-23T15:17:45","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/03\/roch-04-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:50","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:50","slug":"roch-04-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/03\/roch-04-2017\/","title":{"rendered":"Berufslaufbahnen von Frauen sind weniger standardisiert"},"content":{"rendered":"<p>Seit den Achtzigerjahren haben sich das Produktionssystem und die Arbeitsorganisation stetig ver\u00e4ndert. Die Arbeitnehmenden sind heute mit neuen Realit\u00e4ten konfrontiert: Flexibilit\u00e4t, Besch\u00e4ftigungsverlagerung in Dienstleistungsberufe, selbstst\u00e4ndiger Arbeitsweise, atypischen Besch\u00e4ftigungsformen und struktureller Arbeitslosigkeit. Kann man unter diesen Bedingungen \u00fcberhaupt noch von \u00abStandardbesch\u00e4ftigung\u00bb sprechen? Oder erleben wir momentan eine Destandardisierung, die das traditionelle Laufbahnmodell \u2013 in der Reihenfolge Ausbildung, bezahlte Vollzeiterwerbst\u00e4tigkeit und Rente \u2013 infrage stellt?&#13;<\/p>\n<h2>Zwei gegens\u00e4tzliche Thesen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIst die berufliche Integration von M\u00e4nnern und Frauen gleichermassen von den Ver\u00e4nderungen betroffen, die sich seit den Achtzigerjahren auf dem Arbeitsmarkt vollzogen haben? Diese Frage wurde bisher nur selten unter dem Aspekt der Laufbahnentwicklung untersucht. Analysiert man Berufslaufbahnen indessen auf ihre m\u00f6gliche Diversit\u00e4t hin, gelangt man zu zwei gegens\u00e4tzlichen Hypothesen: Die erste geht davon aus, dass die Lebensl\u00e4ufe von Frauen und M\u00e4nnern immer st\u00e4rker vorgespurt sind und sich deshalb auch st\u00e4rker gleichen. Grund daf\u00fcr ist der Einfluss strukturgebender Einrichtungen wie Schule, Armee, Sozialpolitik, Arbeits- und Konsummarkt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Laut dieser These der zunehmenden Standardisierung ist das traditionelle Laufbahnmodell stark verformbar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie zweite Hypothese geht hingegen von einer tiefgreifenden Ver\u00e4nderung seit dem Ende der Sechzigerjahre aus, was einerseits unstetere Berufslaufbahnen zur Folge hatte. Andererseits vergr\u00f6sserte sich dadurch aber auch das Feld der M\u00f6glichkeiten und f\u00fchrte so zu immer mehr verschiedenen Laufbahnen. Diese These der zunehmenden Individualisierung postuliert somit gleichzeitig eine ungeordnete Zunahme der \u00dcberg\u00e4nge und eine gr\u00f6ssere Unvorhersehbarkeit der Karrieren.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBeide Hypothesen lassen sich mithilfe von Sequenzanalysen \u00fcberpr\u00fcfen. Der Wandel bei der Beziehung zur Erwerbsarbeit kann so mit Blick auf die Laufbahn auf zwei Arten untersucht werden: transversal f\u00fcr jedes Alter oder longitudinal f\u00fcr jedes Individuum. Zu diesem Zweck wurden gest\u00fctzt auf die Datensammlung der Lebenskalenderstudie Familytimes<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> mit rund 800 Befragungen die Berufslaufbahnen von zwei Kohorten von Individuen rekonstruiert: einerseits der zwischen 1950 und 1955 und andererseits der zwischen 1970 und 1975 geborenen Personen. Mit diesen Daten l\u00e4sst sich die Situation einer Person zweimal j\u00e4hrlich \u00fcber einen Zeitraum von 20 Jahren \u2013 vom 16. bis zum 36.\u00a0Lebensjahr \u2013 beschreiben (siehe <em>Kasten<\/em>).&#13;<\/p>\n<h2>Standardisierung bei M\u00e4nnern, Diversit\u00e4t bei Frauen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Mass f\u00fcr die Vielfalt unterschiedlicher Besch\u00e4ftigungssituationen, die sogenannte Entropie, nimmt bei Frauen bis zum Alter von 36\u00a0Jahren stetig zu. Bei den M\u00e4nnern nimmt sie in dieser Zeit ebenso stark ab. Zu Beginn ihres Erwachsenenlebens haben Frauen und M\u00e4nner indessen die gleichen Werte (siehe <em>Abbildung\u00a01<\/em>). Diese Resultate zeigen, dass Frauen in ihrem Berufsleben h\u00e4ufiger mit unterschiedlichen und ver\u00e4nderlichen Situationen konfrontiert sind als M\u00e4nner \u2013 und zwar von Beginn ihrer Erwerbskarriere an. Die Diversit\u00e4t der weiblichen Laufbahnen nimmt im Laufe der Zeit sogar zu, w\u00e4hrend sie bei den M\u00e4nnern sinkt. Dieser Unterschied legt den Schluss nahe, dass sich M\u00e4nner im Arbeits- und Frauen im Familienleben unterschiedlich stark engagieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei weiblichen Laufbahnen kommt es folglich h\u00e4ufiger vor, dass die Frauen zu Hause bleiben oder einer Teilzeitbesch\u00e4ftigung nachgehen. Diese h\u00e4ufigeren Wechsel deuten darauf hin, dass Frauen einen dualen Werdegang durchlaufen, aufgeteilt zwischen Familien- und Berufsleben. Der Beruf kommt dabei jedoch h\u00e4ufig zu kurz.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDank der retrospektiven Daten l\u00e4sst sich die Beziehung zur Arbeit \u00fcber l\u00e4ngere Zeit betrachten. So lassen sich Muster aufzeigen, die gegen die Hypothese einer generellen Standardisierung der Laufbahnen und gegen eine einheitliche, genormte Beziehung zur Arbeit sprechen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Transversale Entropie nach Kohorte und Geschlecht<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='roch_de_1'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#roch_de_1').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'line'\n    },\n\n    title: {\n        text: ''\n    },\nxAxis: {\ntitle: {\n            text: 'Alter' },\n            categories: [16,16.5,17,17.5,18,18.5,19,19.5,20,20.5,21,21.5,22,22.5,23,23.5,24,24.5,25,25.5,26,26.5,27,27.5,28,28.5,29,29.5,30,30.5,31,31.5,32,32.5,33,33.5,34,34.5,35,35.5,36]\n        },\n   \n    yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        }\n    },\n    \n  \n  plotOptions: {\n        series: {\n            marker: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n\n\n\n    series: [{\n        name: 'Frauen 1950\u20131955',\n        color: '#ae097f',\n        data: [0.36,0.39,0.41,0.45,0.45,0.49,0.54,0.57,0.56,0.53,0.56,0.54,0.56,0.55,0.55,0.6,0.6,0.59,0.63,0.63,0.67,0.68,0.68,0.69,0.72,0.7,0.71,0.72,0.71,0.68,0.68,0.7,0.7,0.7,0.72,0.72,0.71,0.72,0.74,0.74,0.73]\n    },  {\n        name: 'Frauen 1970\u20131975',\n                color: '#e84066',\n\n\n        data: [0.22,0.22,0.26,0.34,0.39,0.42,0.46,0.56,0.57,0.58,0.61,0.58,0.58,0.62,0.63,0.6,0.62,0.64,0.63,0.62,0.67,0.66,0.64,0.64,0.6,0.64,0.65,0.65,0.66,0.68,0.69,0.71,0.72,0.71,0.7,0.68,0.7,0.67,0.69,0.71,0.73]\n    }, {\n        name: 'M\u00e4nner 1950\u20131955',\n                color: '#23318a',\n\n\n        data: [0.2,0.19,0.18,0.21,0.28,0.33,0.43,0.5,0.55,0.55,0.53,0.49,0.5,0.46,0.46,0.45,0.41,0.44,0.41,0.42,0.4,0.4,0.39,0.38,0.37,0.33,0.34,0.38,0.38,0.35,0.34,0.32,0.32,0.34,0.34,0.35,0.37,0.34,0.34,0.33,0.33]\n    },{\n        name: 'M\u00e4nner 1970\u20131975',\n                color: '#88c0d3',\n\n\n        data: [0.1,0.1,0.13,0.17,0.2,0.27,0.36,0.41,0.5,0.54,0.53,0.48,0.46,0.45,0.45,0.44,0.46,0.48,0.47,0.46,0.43,0.43,0.44,0.4,0.36,0.31,0.34,0.37,0.39,0.35,0.33,0.33,0.34,0.3,0.31,0.32,0.29,0.32,0.3,0.31,0.36]\n    }]\n\n});\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Roch \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Weibliche Laufbahnen werden immer komplexer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnterschiede gibt es nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen verschiedenen Alterskohorten. Allerdings nur bei den Frauen, wo der Komplexit\u00e4tsindex im Vergleich zur \u00e4lteren Kohorte deutlich ansteigt. Bei den M\u00e4nnern ist der Unterschied zwischen den beiden Kohorten nicht signifikant (siehe <em>Abbildung\u00a02<\/em>). Das Ausmass dieser Ver\u00e4nderung reicht allein schon aus, um die Differenz zwischen den Komplexit\u00e4tsindizes der beiden Kohorten zu erkl\u00e4ren &shy;\u2013 auch ohne die Unterscheidung nach Geschlecht. Diese Ergebnisse erg\u00e4nzen die Interpretation der transversalen Entropie-Kurven in Abbildung 1. Die Analysen haben dort gezeigt, dass nach Abschluss der Ausbildung signifikante Unterschiede bei der Vielfalt der durchlaufenen Besch\u00e4ftigungsstatus bestehen. Die longitudinale Entropie des Interkohorten-Vergleichs zeigt hingegen bei den m\u00e4nnlichen Laufbahnen keine Zunahme der Komplexit\u00e4t. Eine solche ist nur bei den weiblichen Laufbahnen signifikant ersichtlich. Mit anderen Worten: Die m\u00e4nnlichen Berufslaufbahnen bleiben im Rahmen einer Standardbeziehung zur Arbeit, w\u00e4hrend sich die Laufbahnen der Frauen mit einer Art doppeltem Engagement stabilisieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieses doppelte Engagement wird einerseits durch die Mutterschaft, andererseits durch das Bildungsniveau beeinflusst.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Was die Mutterschaft betrifft, sind Frauen tendenziell Vollzeit berufst\u00e4tig, solange sie noch keine Kinder haben oder in ihrem Haushalt kein Kind unter 15\u00a0Jahren lebt. Sobald Kinder da sind, gehen Frauen mehrheitlich einer Teilzeitbesch\u00e4ftigung nach. In diesem Fall haben Frauen mit hohem Bildungsniveau bessere Chancen auf eine Besch\u00e4ftigung \u2013 auch wenn nicht zwingend mit einem hohen Besch\u00e4ftigungsgrad. Frauen, die nur \u00fcber eine Grundbildung verf\u00fcgen, gehen immer weniger einer Erwerbst\u00e4tigkeit nach, w\u00e4hrend sich f\u00fcr Frauen mit einem Terti\u00e4rabschluss das Gegenteil beobachten l\u00e4sst. Da sich bei immer mehr Laufbahnen Familienzeiten mit einer Voll- oder Teilzeitbesch\u00e4ftigung abwechseln oder sich die Frauen gleichzeitig in der Familie und im Beruf engagieren, nimmt die Komplexit\u00e4t der einzelnen Laufbahnen signifikant zu.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Longitudinale Entropie nach Alterskohorte und Geschlecht (Median, Quartile und Extremwerte)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nKohorte der Jahrg\u00e4nge 1950\u20131955&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='roch_2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#roch_2_de').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'boxplot'\n    },\n\n    title: {\n        text: ''\n    },\n\n    legend: {\n        enabled: false\n    },\n\n    xAxis: {\n        categories: ['Frauen', 'M\u00e4nner'],\n        title: {\n            text: ''\n        }\n    },\n\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Individuelle Entropie'\n        },\n        \n    },\n\n    series: [{\n        name: '1950\u20131955',\n        data: [\n            [0.0589,0.3098, 0.4064, 0.5116, 0.7205],\n            [0, 0.2536,0.3375,0.4311,0.6615]\n    \n        ],\n        tooltip: {\n            headerFormat: '<em>{point.key}<\/em><br\/>'\n        }\n    }, {\n        name: 'Outlier',\n        color: Highcharts.getOptions().colors[0],\n        type: 'scatter',\n        data: [ \/\/ x, y positions where 0 is the first category\n            [0, 0],\n                        [1, 0.7402]\n\n\n            \n         \n        ],\n        marker: {\n            fillColor: 'white',\n            lineWidth: 1,\n            lineColor: Highcharts.getOptions().colors[0]\n        },\n        tooltip: {\n            pointFormat: 'Observation: {point.y}'\n        }\n    }]\n\n});\n});\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKohorte der Jahrg\u00e4nge 1970\u20131975&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='roch_22_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#roch_22_de').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'boxplot'\n    },\n\n    title: {\n        text: ''\n    },\n\n    legend: {\n        enabled: false\n    },\n\n    xAxis: {\n        categories: ['Frauen', 'M\u00e4nner'],\n        title: {\n            text: ''\n        }\n    },\n\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Individuelle Entropie'\n        },\n        \n    },\n\n    series: [{\n        name: '1950\u20131955',\n        data: [\n            [0.0589,0.3524,0.4870,0.5538,0.7501],\n            [0, 0.2621,0.3375,0.4400,0.7040]\n    \n        ],\n        tooltip: {\n            headerFormat: '<em>{point.key}<\/em><br\/>'\n        }\n    }, {\n        name: 'Outlier',\n        color: Highcharts.getOptions().colors[0],\n        type: 'scatter',\n        data: [ \/\/ x, y positions where 0 is the first category\n            [0, 0]\n\n\n            \n         \n        ],\n        marker: {\n            fillColor: 'white',\n            lineWidth: 1,\n            lineColor: Highcharts.getOptions().colors[0]\n        },\n        tooltip: {\n            pointFormat: 'Observation: {point.y}'\n        }\n    }]\n\n});\n});\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Roch \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Frauen haben andere Berufslaufbahnen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Hypothese der Standardisierung l\u00e4sst sich also nur f\u00fcr m\u00e4nnliche Laufbahnen best\u00e4tigen. Weibliche Laufbahnen zeichnen sich jedoch durch eine gr\u00f6ssere Vielfalt aus. Diese Feststellung erh\u00e4rtet fr\u00fchere Forschungsergebnisse, wonach die verschiedenen Phasen des Familienlebens je nach Geschlecht unterschiedliche Auswirkungen auf die berufliche Karriere haben.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Diversit\u00e4t der weiblichen Laufbahnen im Vergleich zur \u00e4lteren Kohorte signifikant gestiegen ist. Die m\u00e4nnlichen Laufbahnen reagierten offensichtlich weniger stark auf die j\u00fcngsten Ver\u00e4nderungen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Die unterschiedlichen Laufbahnen der Frauen im Arbeitsmarkt sind allerdings nicht ganz unproblematisch, schliesslich weiss man, dass Familienzeiten und Teilzeitbesch\u00e4ftigung die Karriereentwicklung bremsen. Diese Erkenntnisse sollten daher auch der Politik zu denken geben. Denn es darf nicht vergessen werden, wer schliesslich das soziale Risiko der Frauen tr\u00e4gt: Die beruflichen Laufbahnen von Frauen sind weniger stabil und machen sie letztlich verletzlicher in einem institutionellen Kontext, in dem die materielle Anerkennung von Arbeit und Sozialschutz von der effektiven Beteiligung am Erwerbsleben abh\u00e4ngt.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Kohli (1985).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Beck (2001); Boltanski und Chiapello (1999).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Die vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierte Studie wurde von Jacques-Antoine Gauthier (Universit\u00e4t Lausanne), Dominique Joye (Universit\u00e4t Lausanne), \u00c9ric Widmer (Universit\u00e4t Genf), Ga\u00eblle Aeby (Universit\u00e4t Manchester) und Pierre-Alain Roch (Universit\u00e4t Lausanne) durchgef\u00fchrt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Levy (1997).\u00a0&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Widmer et al. (2003).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit den Achtzigerjahren haben sich das Produktionssystem und die Arbeitsorganisation stetig ver\u00e4ndert. Die Arbeitnehmenden sind heute mit neuen Realit\u00e4ten konfrontiert: Flexibilit\u00e4t, Besch\u00e4ftigungsverlagerung in Dienstleistungsberufe, selbstst\u00e4ndiger Arbeitsweise, atypischen Besch\u00e4ftigungsformen und struktureller Arbeitslosigkeit. Kann man unter diesen Bedingungen \u00fcberhaupt noch von \u00abStandardbesch\u00e4ftigung\u00bb sprechen? 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De la stratification aux repr\u00e9sentations, Z\u00fcrich, Seismo.<\/li>&#13;\n \t<li>Widmer Eric, Levy Ren\u00e9, Pollien Alexandre, Hammer Rapha\u00ebl und Gauthier Jacques-Antoine (2003).\u00a0Entre standardisation et sexuation\u00a0: une analyse des trajectoires personnelles en Suisse, in: Schweizerische Zeitschrift f\u00fcr Soziologie, 29(1), S.\u00a035\u201367.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Methodologie","kasten_box":"Der hier verwendete Begriff der Entropie stammt aus der Informationstheorie und wurde 1948 von Claude Shannon entwickelt. Damit l\u00e4sst sich transversal aufzeigen, wie sich die Diversit\u00e4t des Besch\u00e4ftigungsstatus \u00fcber die Zeit entwickelt. Eine geringe Entropie steht f\u00fcr eine geringe Diversit\u00e4t beim Besch\u00e4ftigungsstatus. Eine hohe Entropie deutet auf eine grosse Vielfalt an Arbeitssituationen der einzelnen Personen hin.&#13;\n&#13;\nDie zweite Analyse st\u00fctzt sich auf die Arbeiten \u00fcber den von Gabadinho et al. (2010) entwickelten Komplexit\u00e4tsindex. Dieser kombiniert in einer longitudinalen Perspektive die Entropie mit einem Indikator, der die Komplexit\u00e4t der Abfolge der Zust\u00e4nde misst. Ein Komplexit\u00e4tsindex von 0 bedeutet, dass sich die Person \u00fcber den gesamten beobachteten Zeitraum in der gleichen Besch\u00e4ftigungssituation befindet. Der H\u00f6chstwert von 1 wird erreicht, wenn die Person gleich oft und in der gleichen Reihenfolge alle im Voraus festgelegten Besch\u00e4ftigungssituationen durchl\u00e4uft.&#13;\n&#13;\nJede Zustandssequenz wurde nach sieben Kategorien kodiert: Ausbildung, Vollzeitanstellung, selbstst\u00e4ndige Vollzeitbesch\u00e4ftigung, Teilzeitanstellung (Besch\u00e4ftigungsgrad unter 80%), Familienzeit, freiwillige Auszeit, unfreiwillige Auszeit (z. B. 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