{"id":110320,"date":"2017-03-23T15:17:44","date_gmt":"2017-03-23T15:17:44","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/03\/schmuki-04-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:48","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:48","slug":"schmuki-04-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/03\/schmuki-04-2017\/","title":{"rendered":"Fintech-Unternehmen treiben den Wandel im Bankenwesen voran"},"content":{"rendered":"<p>Die Anzahl der Banken in der Schweiz nimmt ab.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> 1989 z\u00e4hlte man hierzulande noch 631 Bankinstitute. Seither hat sich diese Zahl mehr als halbiert und lag 2015 noch bei 266 (siehe <em>Abbildung 1<\/em>).<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: R\u00fcckgang der Anzahl Bankinstitute in der Schweiz (1987\u20132015)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='schmucki_1_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#schmucki_1_de').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: {\ntickInterval: 2,\n        categories:\n        ['1987','1988','1989','1990','1991','1992','1993','1994','1995','1996','1997','1998','1999','2000','2001','2002','2003','2004','2005','2006','2007','2008','2009','2010','2011','2012','2013','2014','2015']\n    },\n    yAxis: {\nmin: 250,\n        max:650,\n        title: {\n            text: ''\n        }\n    },\n   plotOptions: {\n        series: {\n            marker: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Anzahl Banken',\n        data:[622,626,631,625,592,569,529,494,413,404,395,376,372,375,369,356,342,338,337,331,330,327,325,320,312,297,283,275,266\n]\n    }]\n});\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">SNB \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer absolut gr\u00f6sste R\u00fcckgang erfolgte bei den Regionalbanken und Sparkassen, deren Anzahl sich zwischen 1987 und 2015 um 152 Bankinstitute vermindert hat. Die einzige Bankengruppe, die eine \u2013 wenn auch geringe \u2013 Zunahme erfuhr, sind die Filialen ausl\u00e4ndischer Banken, die im selben Zeitraum um 9 Institute wuchsen. Beide Entwicklungen d\u00fcrften als Zeichen der Globalisierung und zunehmenden internationalen Vernetzung der Finanzm\u00e4rkte gewertet werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr einen R\u00fcckgang der Anzahl Bankinstitute kann es verschiedene Gr\u00fcnde geben. Er kann das Ergebnis von Zusammenschl\u00fcssen beziehungsweise \u00dcbernahmen oder Konkursen sein. Ebenso kann in seltenen F\u00e4llen eine (freiwillige) R\u00fcckgabe der Lizenz vorliegen. Umgekehrt kann eine Zunahme der Anzahl Bankinstitute durch Neugr\u00fcndungen und den Marktzutritt ausl\u00e4ndischer Institute erfolgen. Die Statistik zeigt letztlich nur den zumeist abnehmenden Gesamtsaldo.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizweit deutlich weniger Filialen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBetrachtet man die Entwicklung der Anzahl Gesch\u00e4ftsstellen (Sitze und Filialen) am Standort Schweiz, ergibt sich ein etwas differenzierteres Bild des Strukturwandels. Die Zahl der Gesch\u00e4ftsstellen in der Schweiz hat zwischen 1987 und 2015 von 5486 auf 3131 abgenommen (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Das entspricht einem R\u00fcckgang von 43 Prozent. Da sich im selben Zeitraum die Zahl der Bankinstitute um 57 Prozent reduzierte, verf\u00fcgt ein Bankinstitut heute im Durchschnitt \u00fcber mehr Gesch\u00e4ftsstellen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Daten zur Anzahl Gesch\u00e4ftsstellen auf kantonaler Ebene zeigen, dass in den letzten 30 Jahren in keinem einzigen Kanton eine Zunahme erfolgte. Appenzell Innerrhoden und Glarus bilden hierbei die relativen Extremwerte: In Appenzell Innerrhoden ver\u00e4nderte sich die Anzahl Gesch\u00e4ftsstellen zwischen 1987 und 2015 gar nicht, w\u00e4hrend in Glarus eine Reduktion um 60 Prozent erfolgte. Auch in den Kantonen Genf, Z\u00fcrich und Tessin, die eine starke Verankerung im Finanzwesen haben, hat sich die Zahl der Gesch\u00e4ftsstellen reduziert. In Genf liegt der R\u00fcckgang mit 42 Prozent nahezu im Schweizer Durchschnitt, w\u00e4hrend die Abnahme in Z\u00fcrich (\u201337%) und dem Tessin (\u201331%) unterdurchschnittlich war. F\u00fcr diesen Konzentrationsprozess k\u00f6nnen mehrere Gr\u00fcnde verantwortlich sein, wie etwa Einsparungen beim Personal und bei den Geb\u00e4uden aufgrund von Zentralisierungstendenzen, aber auch steuerliche Aspekte.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: R\u00fcckgang der Anzahl Gesch\u00e4ftsstellen in der Schweiz nach ausgew\u00e4hlten Kantonen (1987\u20132015)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='schmucki_2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#schmucki_2_de').highcharts({\n   \n    chart: {\n        zoomType: false\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n  \n    xAxis: [{\n        categories: ['1987','1988','1989','1990','1991','1992','1993','1994','1995','1996','1997','1998','1999','2000','2001','2002','2003','2004','2005','2006','2007','2008','2009','2010','2011','2012','2013','2014','2015'],\n        crosshair: true\n    }],\n    yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n        min: 0,\n        max:600,\nlabels: {\n            format: '{value}'\n           \n        },\n        title: {\n            text: ''\n            \n        }\n    }, { \/\/ Secondary yAxis\ntitle: {\n            text: ''\n            \n        },\n        min: 0,\n        max:6000,\n        labels: {\n            format: '{value}'\n           \n        },\n        opposite: true\n    }],\n    tooltip: {\n        shared: false\n    },\n   plotOptions: {\n        series: {\n            marker: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Z\u00fcrich',\n        type: 'line',\ncolor: '#37a932',\n\n        data: [675,673,691,685,692,644,634,600,568,562,528,508,443,435,437,430,432,422,444,436,443,445,442,441,442,447,447,442,427]\n    },\n {\n        name: 'Tessin',\n        type: 'line',\ncolor: '#ee7452',\n\n        data: [304,315,324,323,329,329,324,323,313,302,288,287,281,287,293,288,287,283,287,282,275,275,269,263,253,235,223,216,209]\n    },\n    {\n        name: 'Genf',\n        type: 'line',\ncolor: '#ffdd0c',\n\n        data: [304,315,321,320,314,310,285,290,264,257,252,234,222,219,216,209,207,201,205,196,202,200,195,195,196,192,188,185,176]\n    },\n {\n        name: 'Glarus',\n        type: 'line',\ncolor: '#d2d803',\n\n        data: [42,42,41,39,36,33,31,31,31,31,27,27,24,23,22,21,18,18,10,18,18,18,18,18,17,16,16,17,16]\n    },\n   {\n        name: 'Appenzell Innerrhoden',\n        type: 'line',\ncolor: '#88c0d3',\n\n        data: [10,10,10,10,10,10,10,10,10,11,10,10,10,10,11,11,11,10,10,10,10,10,10,10,10,11,11,10,10]\n    },\n   {\n        name: 'Schweiz (rechte Skala)',\n                yAxis: 1,\n        type: 'line',\n        data: [5486,5555,5551,5546,5444,5290,5082,4912,4669,4570,4340,4116,3864,3809,3733,3673,3607,3538,3537,3497,3518,3488,3458,3442,3382,3330,3271,3213,3131],\ncolor: '#e84066',\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ''\n        }\n    }]\n});\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Der f\u00fcr s\u00e4mtliche Abbildungen einheitlich gew\u00e4hlte Zeitraum erkl\u00e4rt sich mit den erst ab 1987 verf\u00fcgbaren Daten zu den Gesch\u00e4ftsstellen in den einzelnen Kantonen.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">SNB \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Kaum Verschiebungen der Marktanteile<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Grundsatz geht eine Reduktion der Anzahl Bankinstitute mit einer angebotsseitigen Verminderung der Wettbewerbskr\u00e4fte einher. Anhand der sogenannten Konzentrationsrate l\u00e4sst sich jedoch zeigen, dass eine solche Entwicklung nicht zwingend eintreten muss: Angenommen, von 100 Banken verf\u00fcgt eine einzelne Bank \u00fcber einen Marktanteil von 80 Prozent, und die restlichen 99 Banken teilen sich die verbleibenden 20 Prozent des Marktes gleichm\u00e4ssig zu je rund 0,2 Prozent. Dann ist dies wettbewerbspolitisch eine deutlich schlechtere Situation, als wenn sich 10 Banken den Markt gleichm\u00e4ssig zu je 10 Prozent teilen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Zeitraum von 1987 bis 2015 haben sich die Marktanteile allerdings kaum verschoben. Das zeigt die Entwicklung des prozentualen Anteils der Bankengruppen an der Gesamtbilanzsumme (siehe <em>Abbildung 3<\/em>). So hat in den letzten 30 Jahren kein dauerhafter Konzentrationsprozess der Bilanzsumme auf eine einzelne Bankengruppe stattgefunden \u2013 ein Resultat, das wettbewerbspolitisch als positiv beurteilt werden darf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDen relativ gr\u00f6ssten Verlust ihres Anteils haben die Privatbanken mit einem R\u00fcckgang von 64 Prozent<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> erfahren, dicht gefolgt von den Regionalbanken und Sparkassen mit einem Anteilsr\u00fcckgang von 56 Prozent. Am deutlichsten zugenommen haben \u2013 wenn auch auf tiefem Niveau \u2013 die Anteile der B\u00f6rsenbanken (+455%) sowie der Raiffeisenbanken (+138%). Die \u00c4nderungen der restlichen Bankengruppen bewegen sich innerhalb von +\/\u201310 Prozent.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuff\u00e4llig ist zudem der tempor\u00e4re Anstieg des Marktanteils der Grossbanken: Mitte der Neunzigerjahre betrug dieser noch rund 50 Prozent. In den Jahren 1998\/99 (kurz vor dem Platzen der New-Economy-Blase) sowie in den Jahren 2005 bis 2007 (kurz vor Ausbruch der globalen Finanzkrise und der damit verbundenen breiteren Wahrnehmung der Too-big-to-fail-Problematik) bewegte sich dieser Anteil bei rund 70 Prozent.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 3: Anteil pro Bankengruppe an der Gesamtbilanzsumme (1987\u20132015)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='schmucki_3_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#schmucki_3_de').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: {\ntickInterval: 2,\n        categories:\n        ['1987','1988','1989','1990','1991','1992','1993','1994','1995','1996','1997','1998','1999','2000','2001','2002','2003','2004','2005','2006','2007','2008','2009','2010','2011','2012','2013','2014','2015']\n    },\n   yAxis: {\n            title: {\n        text: ''\n    },\n            labels: {\n                format: '{value}%'\n            }\n        },\n    tooltip: {\n            valueSuffix: ' %'\n        },\n    plotOptions: {\n        series: {\n            marker: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Grossbanken',\n        data:[51.07,49.97,49.18,48.4,48.73,49.38,50.18,50.77,55.2,58.14,62.91,66.74,67.06,63.08,63.57,64.14,62.97,65.98,67.12,68.82,67.7,61.22,54.15,54.6,52.51,49.12,46.41,48.01,47.06]\n    },\n{\n        name: 'Kantonalbanken',\n        data:[18.56,18.57,18.83,19.77,20.48,20.79,20.76,21.16,19.76,17.78,15.09,13.33,13.2,14.28,13.68,13.89,13.89,12.62,11.49,10.74,10.31,12.64,15.12,15.53,16.09,17.36,17.39,17.18,17.76]\n    },\n{\n        name: 'Auslandbanken',\n        data:[10.95,11.95,12.08,10.07,9.64,9.18,9.24,9.14,8.44,8.5,8.14,8.03,7.45,8.5,9.16,8.09,8.47,7.89,8.63,8.23,9.35,11.54,13.18,12.44,12.98,14.61,12.54,11.62,11.03]\n    },\n     {\n        name: 'Regionalbanken und Sparkassen',\n        data:[8.43,8.52,8.55,8.65,8.32,7.83,6.84,5.85,5.46,4.77,3.97,3.49,3.3,3.57,3.49,3.5,3.6,3.27,2.95,2.69,2.47,2.92,3.46,3.54,3.62,3.75,3.74,3.58,3.74]\n    },\n    {\n        name: 'Raiffeisenbanken',\n        data:[2.81,2.91,3.01,3.15,3.31,3.43,3.49,3.73,3.77,3.57,3.21,2.99,2.92,3.63,3.7,4.12,4.57,4.26,3.8,3.57,3.56,4.27,5.23,5.42,5.58,5.93,6.09,6.11,6.69]\n    },\n    {\n        name: 'B\u00f6rsenbanken',\n        data:[1.25,1.09,1.13,1.63,1.87,2.41,2.43,2.44,2.25,2.25,2.16,2.34,2.87,3.33,3.08,3.59,3.7,3.43,3.73,3.82,4.18,4.27,5.19,4.53,4.91,4.51,4.91,6.8,6.94]\n    },\n    {\n        name: 'Privatbanken',\n        data:[0.61,0.52,0.54,0.52,0.48,0.51,0.61,0.56,0.54,0.62,0.64,0.63,0.69,0.87,0.78,0.72,0.78,0.67,0.6,0.58,0.85,1.32,1.47,1.69,1.95,2.22,2.3,0.24,0.22]\n    }]\n});\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Die Bankengruppe der Auslandbanken setzt sich aus den ausl\u00e4ndisch beherrschten Banken und den Filialen ausl\u00e4ndischer Banken zusammen.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">SNB, Berechnungen Schmuki \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcnde f\u00fcr den Konzentrationsprozess<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus volkswirtschaftlicher Warte stellt eine zunehmende respektive hohe Konzentration der Banken auf einem Markt eine Herausforderung dar, weil sie einer Wettbewerbsbeschr\u00e4nkung gleichkommt. Dass es auf einem Markt zu Konzentrationsprozessen kommt, kann von mehreren Gr\u00fcnden abh\u00e4ngen. Eine Ursache sind sicherlich <em>Marktkr\u00e4fte<\/em>. Die Finanz- und die Realwirtschaft beeinflussen sich gegenseitig. Wo zuvor kleingewerbliche Regionalbetriebe nach einer Finanzierung durch lokale Bankh\u00e4user suchten, da verlangen heute gr\u00f6ssere und international ausgerichtete Industrie- und Dienstleistungskonzerne nach einer Finanzierung durch kapitalintensivere und leistungsst\u00e4rkere Universalbanken. Zudem werden gr\u00f6ssere Unternehmen vermehrt \u00fcber den Kapitalmarkt und somit die B\u00f6rse finanziert.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Grosse Banken profitieren durch Gr\u00f6ssenvorteile von sogenannten Skalenertr\u00e4gen sowie Verbundvorteilen vom Globalisierungsprozess und gestalten diesen auch mit. Allerdings stellen sie auch ein Systemrisiko dar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Existenz von (zu) wenigen grossen Banken kann auch das Ergebnis einer fehlerhaften Finanzarchitektur, einer mangelhaften Regulierung oder einer unzureichenden Wettbewerbspolitik sein. Ebenso kann der <em>Staat<\/em> durch die bewusste Ausgestaltung seiner Industriepolitik die F\u00f6rderung nationaler Champions beabsichtigen und dadurch die Marktkonzentration m\u00f6glicherweise weiter verst\u00e4rken. Gleichwohl kann eine Marktkonzentration im Interesse der Regulierungsbeh\u00f6rden sein, da weniger Banken besser und effizienter zu \u00fcberwachen sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin weiterer Grund kann auch eine mangelnde interne <em>Corporate Governance<\/em> sein. Das \u00abBankensterben\u00bb in der Schweiz zeigte sich bereits in einer Kette von Zusammenbr\u00fcchen, die sich zwischen 1910 und 1914 vor allem in den Kantonen Thurgau und Tessin abspielten. Der \u00d6konom und sp\u00e4tere Z\u00fcrcher FDP-Bundesrat Ernst Wetter (1877\u20131963) ortete in unsoliden Gesch\u00e4ftspraktiken die Ursachen f\u00fcr die abnehmende Anzahl Banken. In seiner 1918 ver\u00f6ffentlichten Habilitationsschrift \u00abBankkrisen und Bankkatastrophen der letzten Jahre in der Schweiz\u00bb wies er darauf hin, dass kleinere Bankinstitute mit der zunehmenden Industriefinanzierung finanziell und organisatorisch \u00fcberfordert seien.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchliesslich kann auch der <em>technische Fortschritt<\/em> weit \u00fcber die Grenzen eines einzelnen Wirtschaftsbereiches langfristig und tiefgreifend die Wirtschaftsstruktur und die Gesellschaft beeinflussen. Insbesondere Schl\u00fcsseltechnologien k\u00f6nnen in revolution\u00e4rer Art und Weise einen Innovationsschub ausl\u00f6sen. Mit Blick auf den Finanzsektor sind vor allem die Informations- und Kommunikationstechnologien zu nennen, deren Anwendungen teilweise unter dem Begriff Fintech zusammengefasst werden. Der Einsatz dieser Technologien k\u00f6nnte den Konzentrationsprozess weiter verst\u00e4rken, da sie angebotsseitig neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Fusionen und \u00dcbernahmen schaffen und nachfrageseitig Kundenbed\u00fcrfnisse dezentraler befriedigen k\u00f6nnen. Dies f\u00fchrt zu ver\u00e4nderten Gesch\u00e4ftsmodellen, wobei solche gerade auch kleineren Instituten eine Chance bieten, die gegen\u00fcber gr\u00f6sseren Banken wendiger auf dem Markt agieren k\u00f6nnen. So betreibt die Glarner Kantonalbank seit 2012 die Online-Hypothekenplattform <a href=\"http:\/\/www.hypomat.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hypomat.ch<\/a>, und seit April 2016 ist die Freiburger Kantonalbank erste Lizenznehmerin. 2014 hat auch die Basellandschaftliche Kantonalbank zwei Crowdfunding-Modelle in ihr Produkteangebot aufgenommen.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Fintech-Unternehmen fordern Banken heraus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInnovationen sind ein wesentlicher Treiber des wirtschaftlichen Strukturwandels, wie der \u00f6sterreichischst\u00e4mmige National\u00f6konom Joseph Alois Schumpeter (1883\u20131950) gezeigt hat. In diesem Zusammenhang hat er den Begriff der kreativen respektive sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung gepr\u00e4gt. Die Kernaussage lautet, dass jede \u00f6konomische Entwicklung eine Neukombination von Produktionsfaktoren bedingt, wodurch alte Strukturen verdr\u00e4ngt und schliesslich eliminiert werden. Die Zerst\u00f6rung ist also notwendig \u2212 und nicht etwa ein Systemfehler \u2212, damit eine Neuordnung der Gesamtwirtschaft stattfinden kann und m\u00f6gliche Ineffizienzen bereinigt werden k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAusl\u00f6ser f\u00fcr die sch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung sind Innovationen, die von den Unternehmern mit dem Ziel vorangetrieben werden, sich auf dem Markt durchzusetzen und Einkommen zu erwirtschaften. Mit Blick auf die heutigen Herausforderungen f\u00fcr die Banken am Standort Schweiz k\u00f6nnten innovative Dienst- und Infrastrukturleistungen im Rahmen von Fintech ein solches Potenzial bieten. Dadurch w\u00fcrden die Gesch\u00e4ftsmodelle traditioneller Finanzdienstleister weiter unter Druck kommen, ihre Wertsch\u00f6pfungskette aufgegliedert und neu geordnet. F\u00fcr Fintech-Unternehmen w\u00e4re dies eine M\u00f6glichkeit, das bisherige Angebot herk\u00f6mmlicher Banken zu erg\u00e4nzen oder gar zu ersetzen, beispielsweise mittels Blockchain-Technologie.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVor diesem Hintergrund hat der Bundesrat Anfang Februar 2017 die Vernehmlassung zur \u00c4nderung des Bankengesetzes und der Bankenverordnung im Bereich Fintech<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> er\u00f6ffnet. Damit sollen Markteintrittsh\u00fcrden f\u00fcr Fintech-Unternehmen verringert und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Schweizer Finanzplatzes gest\u00e4rkt werden. Die Vernehmlassung dauert bis zum 8. Mai 2017.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Ein besonderer Dank geht an Patrick Winist\u00f6rfer (SIF\/EFD) f\u00fcr seine inhaltlichen Kommentare.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Der starke R\u00fcckgang um 81 Bankinstitute zwischen 1994 und 1995 hat statistische Gr\u00fcnde, da die SNB per 1. Januar 1995 keine Finanzgesellschaften mehr in ihrer Statistik ausweist. Ende 1994 wurden deren 71 gez\u00e4hlt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">1987 verf\u00fcgte die Schweiz mit knapp 1200 Einwohnern pro Gesch\u00e4ftsstelle \u00fcber ein deutlich dichteres Gesch\u00e4ftsstellennetz als 2015 mit rund 2600 Einwohnern.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Der R\u00fcckgang des Anteils an der Gesamtbilanzsumme von 0,6 Prozent auf 0,2 Prozent entspricht einem R\u00fcckgang von 64 Prozent respektive 0,4 Prozentpunkten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">In ausgew\u00e4hlten Jahren belief sich die Gesamtbilanzsumme auf 902 Mrd. Franken (1987), 2244 Mrd. Franken (1999; H\u00f6hepunkt New Economy), 3458 Mrd. Franken (2007; Ausbruch globale Finanzkrise) und 3026 Mrd. Franken (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Der n\u00e4chstgelegene Finanzierungskanal \u00fcber einen Kredit bietet den Banken insbesondere bei KMU Effizienzvorteile. So z. B. bei der Pr\u00fcfung von finanzierungsw\u00fcrdigen Unternehmen, aber auch bei deren sp\u00e4terer \u00dcberwachung.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href='https:\/\/miteinander-erfolgreich.ch' target=\"_blank\">Miteinander-erfolgreich.ch<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Mehr Informationen auf <a href=' https:\/\/www.sif.admin.ch\/sif\/de\/home\/dokumentation\/medienmitteilungen\/medienmitteilungen.msg-id-65476.html' target=\"_blank\">Sif.admin.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anzahl der Banken in der Schweiz nimmt ab. 1989 z\u00e4hlte man hierzulande noch 631 Bankinstitute. 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Finanzmarktpolitik f\u00fcr einen wettbewerbsf\u00e4higen Finanzplatz Schweiz \u2013 Bericht des Bundesrates, Bern.<\/li>&#13;\n \t<li>Schumpeter, Joseph Alois (1912). Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Berlin.<\/li>&#13;\n \t<li>Wetter, Ernst (1918). Bankkrisen und Bankkatastrophen der letzten Jahre in der Schweiz, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":110323,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":110327,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"66282","post_abstract":"\u00dcber die letzten Jahrzehnte hat sich die Zahl der Bankinstitute in der Schweiz mehr als halbiert. Auch die Gesch\u00e4ftsstellen haben insgesamt abgenommen. 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