{"id":110358,"date":"2017-03-23T15:17:43","date_gmt":"2017-03-23T15:17:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/03\/huber-4-2017f\/"},"modified":"2023-08-23T23:07:19","modified_gmt":"2023-08-23T21:07:19","slug":"huber-4-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/03\/huber-4-2017\/","title":{"rendered":"Ein Pionierprojekt f\u00fcr nachhaltigen Goldabbau"},"content":{"rendered":"<p>Gemessen an der globalen Goldproduktion stammen nur rund 10 bis 20 Prozent aus dem Kleinbergbau, wo mit einfachen Methoden in kleinem Umfang Mineralien gewonnen werden. Trotzdem sind rund 90 Prozent der Goldmineure im Kleinbergbau besch\u00e4ftigt und generieren hier ihr Einkommen. Insgesamt ern\u00e4hrt er rund 100\u00a0Millionen Menschen, von denen ein grosser Teil aus Entwicklungsl\u00e4ndern in Lateinamerika, Afrika und Asien kommt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie sozialen und \u00f6kologischen Herausforderungen im Goldkleinbergbau sind im Vergleich zum industriellen Grossbergbau betr\u00e4chtlich. Die Arbeit im Kleinbergbau ist f\u00fcr die betroffenen Mineure meist mit harten und gef\u00e4hrlichen Arbeitsbedingungen verbunden. Auch Kinderarbeit ist weit verbreitet. Zudem wird beim Goldsch\u00fcrfen sehr h\u00e4ufig Quecksilber eingesetzt, was sowohl die Gesundheit der Minenarbeiter wie auch die Umwelt belasten kann. Schliesslich dient Gold in gewissen Regionen als wichtige Einnahmequelle f\u00fcr bewaffnete und kriminelle Gruppen und kann so Konflikte in politisch instabilen Regionen sch\u00fcren oder verst\u00e4rken.&#13;<\/p>\n<h2>Schweiz f\u00fchrend bei der Goldverarbeitung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz ist ein wichtiger Handelsplatz f\u00fcr Gold. 2015 wurden gesamthaft \u00fcber 2500 Tonnen im Wert von rund 69 Milliarden Franken eingef\u00fchrt. Auch bei der Verarbeitung und der Schmelze ist die Schweiz mit vier der sechs weltweit gr\u00f6ssten Goldraffinerien f\u00fchrend. Es wird gesch\u00e4tzt, dass rund zwei Drittel des global gewonnenen Goldes hierzulande veredelt werden. Diese privilegierte Stellung im Goldmarkt basiert auf einer langen Tradition, welche einerseits auf der politischen und wirtschaftlichen Stabilit\u00e4t sowie der Rechtssicherheit in der Schweiz beruht. Andererseits wirken auch die g\u00fcnstige Position der Schweiz als Handelsknotenpunkt sowie die Effizienz der nationalen Finanz- und Logistiksysteme f\u00f6rdernd. Mit dieser eminent wichtigen Stellung im Goldsektor geht auch eine Verantwortung der Industrie und des Bundes einher.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Grundlagenbericht Rohstoffe<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>, den der Bundesrat 2013 publiziert hat, werden denn neben der grossen volkswirtschaftlichen und finanzpolitischen Bedeutung der Rohstoffbranche auch die damit verbundenen Herausforderungen bei den Menschenrechten, den Umweltsch\u00e4den und der Korruption hervorgehoben. F\u00fcr den Goldsektor hat der Bundesrat in diesem Zusammenhang die Schaffung von Wertsch\u00f6pfungsketten f\u00fcr fair und nachhaltig abgebautes und gehandeltes Gold empfohlen.&#13;<\/p>\n<h2>Eine breit abgest\u00fctzte Initiative<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit dem Ziel, die Situation im Kleinbergbau zu verbessern, wurde 2013 die \u00abBetter Gold Initiative for Artisanal and Small-Scale Mining\u00bb ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine \u00f6ffentlich-private Partnerschaft zwischen der Swiss Better Gold Association (SBGA) und dem Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco). Die SBGA umfasst die wichtigsten Akteure des schweizerischen Goldmarktes, wie Raffinerien, Goldschmiede, Uhrenproduzenten und Finanzinstitute. Seither wurde dank der Initiative \u00fcber eine Tonne verantwortungsvoll abgebautes Gold aus zertifizierten peruanischen Minen in die Schweiz importiert und zu einem fairen Preis vertrieben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Initiative unterst\u00fctzt dabei kleine Minen und Bergbaukooperativen bei der Zertifizierung, um so die technischen, organisatorischen, sozialen und \u00f6kologischen Bedingungen im Bergbau zu verbessern. Das Programm st\u00fctzt sich auf die im Goldbereich vorherrschenden freiwilligen Nachhaltigkeitsstandards wie Fairtrade Gold, Fairmined oder Responsible Jewelry Council.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzt das Seco auch einen politischen Dialog mit den Beh\u00f6rden der entsprechenden L\u00e4nder, um den Kleinbergbau zu formalisieren. So sollen die Voraussetzungen f\u00fcr einen nachhaltigen Goldbergbau geschaffen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchliesslich wird durch eine enge Zusammenarbeit mit der SBGA die Nachfrage nach verantwortlich gesch\u00fcrftem Gold aus dem Kleinbergbau kanalisiert und entsprechende Wertsch\u00f6pfungsketten geschaffen. Die Mitglieder der SBGA haben sich bereit erkl\u00e4rt, die verf\u00fcgbaren Goldmengen aus den zertifizierten Minen aufzukaufen. Die Endabnehmer, zu denen etwa Juweliere oder Banken geh\u00f6ren, entrichten dabei eine Pr\u00e4mie, welche die Goldminen als finanziellen Anreiz erhalten, um dieses Gesch\u00e4ftsmodell fortzuf\u00fchren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese erste Phase der Initiative wurde Ende 2016 abgeschlossen. Seit Januar 2017 wird die zweite Phase umgesetzt. Neben Peru hat man die Initiative neu auch auf Kolumbien und Bolivien ausgeweitet. In der zweiten Phase soll die gehandelte Menge an verantwortungsvollem Gold aus dem Kleinbergbau substanziell erh\u00f6ht werden. Dazu soll ein sogenannter Minimalstandard geschaffen werden, da die kleinen Minen die Anforderungen\u00a0 der aktuell bestehenden Standards zum Teil nur schwer erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Der Minimalstandard soll daf\u00fcr sorgen, dass mehr Goldmineure und deren Familien und Gemeinschaften von verbesserten Lebens- und Produktionsbedingungen profitieren k\u00f6nnen. Ein solcher Minmalstandard wird derzeit in enger Zusammenarbeit zwischen der SBGA und dem Seco entwickelt.&#13;<\/p>\n<h2>Keine Gesamtl\u00f6sung f\u00fcr den Goldsektor<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Initiative hat bei der Schaffung von nachhaltigen Wertsch\u00f6pfungsketten f\u00fcr Gold aus dem Kleinbergbau eine wichtige Pionierrolle gespielt. Sie hat dazu beigetragen, dass Konsumenten in der Schweiz und in Europa die M\u00f6glichkeit haben, Uhren, Schmuck, Elektronikger\u00e4te und Finanzprodukte zu kaufen, welche mit verantwortungsvollem Gold hergestellt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie stark sich die Menge von verantwortungsvoll abgebautem und gehandeltem Gold aus dem Kleinbergbau tats\u00e4chlich erh\u00f6ht, wird allerdings durch die Entwicklung von Angebot und Nachfrage bestimmt. Die Nachfrage h\u00e4ngt einerseits davon ab, ob sich das gesteigerte Interesse der Konsumenten an nachhaltigem Gold auch in konkreten Kaufentscheiden artikuliert. Andererseits ist auch das Engagement des Privatsektors f\u00fcr die F\u00f6rderung von nachhaltigen Wertsch\u00f6pfungsketten entscheidend.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf der Angebotsseite muss sich best\u00e4tigen, dass das Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis der freiwilligen Standards f\u00fcr die kleinen Goldminen positiv ausf\u00e4llt. Die durch die Initiative gehandelten Goldmengen machen aber auch in Zukunft nur einen kleinen Teil der gesamten Goldeinfuhren aus \u2013 der weitaus gr\u00f6sste Teil stammt aus dem industriellen Grossbergbau. Daher stellt die Initiative keine Gesamtl\u00f6sung f\u00fcr den Sektor dar. Es sind weitere Anstrengungen n\u00f6tig, damit die Betroffenen in den Entwicklungsl\u00e4ndern effektiv vom Goldabbau profitieren k\u00f6nnen. Aktuell werden mit dem Postulat Recordon<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> und vor dem Hintergrund der Risiken im Zusammenhang mit dem Goldabbau in den Entwicklungsl\u00e4ndern die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die geltenden internationalen Standards sowie weitere freiwillige Massnahmen analysiert.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Den Bericht finden Sie online auf <a href=\"http:\/\/www.news.admin.ch\/NSBSubscriber\/message\/attachments\/30133.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">News.admin.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Postulat 15.3877 \u00abGoldhandel und Verletzung der Menschenrechte\u00bb. Online auf <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20153877\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Parlament.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemessen an der globalen Goldproduktion stammen nur rund 10 bis 20 Prozent aus dem Kleinbergbau, wo mit einfachen Methoden in kleinem Umfang Mineralien gewonnen werden. Trotzdem sind rund 90 Prozent der Goldmineure im Kleinbergbau besch\u00e4ftigt und generieren hier ihr Einkommen. 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In Peru engagiert sich das Seco neben dem Goldsektor auch in der F\u00f6rderung von landwirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfungsketten mit Exportpotenzial. Dazu geh\u00f6ren Projekte, welche die F\u00e4higkeit des Kaffeesektors zur Anpassung an den Klimawandel st\u00e4rken oder die Produktivit\u00e4t der Quinoa-Wertsch\u00f6pfungskette durch Technologien verbessern."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":110361,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":110365,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"66697","post_abstract":"Die \u00abBetter Gold Initiative for Artisanal and Small-Scale Mining\u00bb ist eine \u00f6ffentlich-private Partnerschaft zwischen dem Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft und der Swiss Better Gold Association. Dank der 2013 lancierten Initiative konnte eine Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fcr verantwortungsvolles Gold aus kleinen peruanischen Minen geschaffen werden. Im Rahmen der zweiten Phase, die Anfang 2017 begonnen hat, wird die Initiative von Peru auf Kolumbien und Bolivien ausgeweitet und soll so eine substanzielle Erh\u00f6hung der gehandelten Goldmengen aus verantwortungsvollem Kleinbergbau erreichen.","magazine_issue":"04-2017","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[3988,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20170324","original_files":[{"file":110373}],"external_release_for_author":"20170227","external_release_for_author_time":"16:30:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/589330cd3ed06"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110358"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4517"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=110358"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110358\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126448,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110358\/revisions\/126448"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4517"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26438"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=110358"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=110358"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=110358"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=110358"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=110358"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=110358"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}