{"id":110375,"date":"2017-03-23T15:17:43","date_gmt":"2017-03-23T15:17:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/03\/kuhn-04-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:47","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:47","slug":"kuhn-04-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/03\/kuhn-04-2017\/","title":{"rendered":"Sind Workaholics unzufriedener?"},"content":{"rendered":"<p>Seit den Siebzigerjahren ist die Einkommensungleichheit in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern angestiegen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Typischerweise wird davon ausgegangen, dass dieser Anstieg sich auch direkt in einer entsprechenden Ungleichheit im Konsum, und damit in der Wohlfahrt der Menschen, widerspiegelt. Dies gilt zwar f\u00fcr kaufbare Marktg\u00fcter, ist aber nicht zwangsl\u00e4ufig bei sogenannten sozialen G\u00fctern der Fall.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend Marktg\u00fcter wie H\u00e4user, Autos oder Waschmaschinen direkt mit dem verf\u00fcgbaren Einkommen erworben werden, stehen bei den sozialen G\u00fctern die menschlichen Beziehungen im Vordergrund. Beispiele f\u00fcr soziale G\u00fcter sind Einladungen von Freunden, eine aktive kulturelle oder sportliche Freizeitgestaltung sowie die Anzahl und die Qualit\u00e4t der Kontakte mit Nachbarn, Verwandten und Freunden. Im Gegensatz zu Marktg\u00fctern erfordern diese G\u00fcter nebst Geld vor allem auch Zeit.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie herk\u00f6mmliche Sichtweise besagt, Freizeit sei an sich wertvoll. Wir hingegen argumentieren: Der Wert der Freizeit liegt darin, dass sie den Konsum von sozialen G\u00fctern erm\u00f6glicht. Je nachdem, wie soziale G\u00fcter zwischen Einkommenskategorien verteilt sind, k\u00f6nnen sie deshalb Unterschiede im Wohlbefinden zwischen reicheren und \u00e4rmeren Personen erheblich verst\u00e4rken oder abschw\u00e4chen.&#13;<\/p>\n<h2>Haushaltsbefragung bringt Antworten zur Lebenszufriedenheit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie beeinflussen soziale G\u00fcter das Wohlbefinden? Wie ver\u00e4ndert sich der Konsum von sozialen G\u00fctern mit dem Einkommen und mit der Arbeitszeit? Und: Inwiefern wird der Zusammenhang zwischen Einkommen und Wohlbefinden durch den Konsum von Markg\u00fctern auf der einen Seite und den von sozialen G\u00fctern auf der anderen erkl\u00e4rt? Auf diese drei Fragen versuchen wir empirische Antworten zu liefern. Die Datengrundlage liefert das Schweizer Haushalts-Panel (SHP).<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> In dieser schweizweit repr\u00e4sentativen Haushaltsbefragung werden j\u00e4hrlich dieselben Personen wiederholt interviewt. Wir beschr\u00e4nken uns auf die Jahre 2000 bis 2010 mit Befragungen von 14\u2019000 Einwohnern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWohlbefinden wird im Haushalts-Panel durch eine Frage nach der \u00aballgemeine Lebenszufriedenheit\u00bb operationalisiert. Dies geschieht in \u00dcbereinstimmung mit einer mittlerweile umfangreichen Literatur, ausgehend von der wegweisenden Untersuchung des US-\u00d6konomen Richard Easterlin aus dem Jahr 1974 zum Zusammenhang zwischen Volkseinkommen und Wohlbefinden. Gem\u00e4ss dem Easterlin-Pardox steigert ein hohes Einkommen zwar die Zufriedenheit einer Einzelperson. Wenn man aber ein Land als Ganzes betrachtet, f\u00fchrt ein Einkommensanstieg zu einer kaum h\u00f6heren Zufriedenheit. In der Folge haben zahlreiche Studien verschiedene Aspekte des Wohlbefindens untersucht. Dabei zeigte sich unter anderem: Menschen, die ihren Job verloren haben, sind nicht nur aufgrund des Einkommensverlustes weniger zufrieden, sondern auch aufgrund des Verlustes anderer erwerbsbezogener Aspekte wie der sozialen Kontakte.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Erfassung von Marktg\u00fctern ist im SHP relativ einfach, wobei der Datensatz keine vollst\u00e4ndige Erhebung der Ausstattung mit Marktg\u00fctern liefert. Soziale G\u00fcter sind hingegen schwieriger zu definieren und zu erfassen. In manchen F\u00e4llen \u2013 wie beispielsweise bei Ferien \u2013 ist die Grenze zwischen Markt- und sozialen G\u00fctern fliessend. Um soziale G\u00fcter zu charakterisieren, verwenden wir die folgenden Merkmale<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Anzahl und H\u00e4ufigkeit von Kontakten zu Nachbarn, zu Verwandten und zu Freunden;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Clubmitgliedschaft;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Einladen von Freunden;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Freiwilligenarbeit.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch Sport betrachten wir als soziales Gut, weil er meistens die Gesellschaft anderer impliziert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie sich zeigt, sind mehr als die H\u00e4lfte der Befragten Mitglied eines Vereins. Rund ein Drittel leistet Freiwilligenarbeit. Im Durchschnitt pflegen die Befragten mit drei Nachbarn, sieben Verwandten und sechs Freunden gute Kontakte. Den sozialen Kontakt suchen sie zudem, indem sie regelm\u00e4ssig Freunde nach Hause einladen und Sport treiben. Der Konsum von sozialen G\u00fctern variiert dabei sowohl zwischen den Menschen als auch bei der einzelnen Person von einem Jahr zum andern.&#13;<\/p>\n<h2>Sportler sind zufriedener<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnhand der Sportaktivit\u00e4ten von 20- bis 65-j\u00e4hrigen M\u00e4nnern l\u00e4sst sich unser Ansatz verdeutlichen (siehe <em>Abbildung 1<\/em>): Wer mehrmals pro Woche Sport treibt, ist zufriedener als jemand, der kaum Sport macht. Der Unterschied von 0,22 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10 mag klein erscheinen \u2013 er entspricht aber beispielsweise der Zufriedenheitszunahme, welche typischerweise mit einer 50-prozentigen Einkommenserh\u00f6hung einhergeht.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb 1: Zufriedenheit und Sport (20- bis 65-j\u00e4hrige M\u00e4nner)<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<h6 class=\"text__graphic-title\">J\u00e4hrliches Arbeitseinkommen<\/h6>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class='chart chart--normal' id='kuhn_la_li_wi_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#kuhn_la_li_wi_de').highcharts({\n    chart: {\n        zoomType: 'xy'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: [{\n        categories: ['T\u00e4glich', 'Mehrmals w\u00f6chentlich', 'Mehrmals monatlich', 'Seltener'],\n        crosshair: true,\n  title: {\n            text: 'Sportaktivit\u00e4t'\n            \n        },\n    }],\n    yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n        labels: {\n            format: '{value}'\n        },\n        title: {\n            text: 'Franken'\n            \n        }\n    }, { \/\/ Secondary yAxis\n        title: {\n            text: 'Zufriedenheit (0\u201310)'\n        },\nmin: 7.2,\nmax: 8.3,\n        labels: {\n            format: '{value}'\n        },\n        opposite: true\n    }],\n    tooltip: {\n        shared: false\n    },\n   \n    series: [{\n        name: 'Zufriedenheit (rechte Skala)',\n        type: 'column',\n        yAxis: 1,\ndata: [8.04, 8.05, 7.9, 7.83]\n\n\n    }, {\n        name: 'J\u00e4hrliches Arbeitseinkommen (in Fr.)',\n        type: 'spline',\ndata: [78860,83900,82400,73700]\n\n    }]\n});\n});\n\n<\/script>\n<\/div>&#13;<\/p>\n<h6 class=\"text__graphic-title\">W\u00f6chentliche Arbeitszeit (inkl. Pendelzeit, exkl. Hausarbeit)<\/h6>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class='chart chart--normal' id='kuhn_la_li_wi_de_12'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#kuhn_la_li_wi_de_12').highcharts({\n    chart: {\n        zoomType: 'xy'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: [{\n        categories: ['T\u00e4glich', 'Mehrmals w\u00f6chentlich', 'Mehrmals monatlich', 'Seltener'],\n        crosshair: true,\ntitle: {\n            text: 'Sportaktivit\u00e4t'\n        },\n    }],\n    yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n        labels: {\n            format: '{value}'\n            \n        },\n        title: {\n            text: 'Stunden'\n            \n        }\n    }, { \/\/ Secondary yAxis\n        title: {\n            text: 'Zufriedenheit (0\u201310)'\n        },\nmin: 7.2,\nmax: 8.3,\n        labels: {\n            format: '{value}'\n        },\n        opposite: true\n    }],\n    tooltip: {\n        shared: false\n    },\n   \n    series: [{\n        name: 'Zufriedenheit (rechte Skala)',\n        type: 'column',\n        yAxis: 1,\ndata: [8.04, 8.05, 7.9, 7.83]\n\n\n    }, {\n        name: 'Stunden',\n        type: 'spline',\ndata: [45.66,47.71,48.73,48.06]\n\n    }]\n});\n});\n\n<\/script>\n<\/div>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Daten: SHP 2000\u20132010, Darstellung: Winkelmann \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGleichzeitig ist die Arbeitszeit bei denen, die h\u00e4ufiger Sport treiben, tiefer als bei den passiven. Das Einkommen der Sporttreibenden ist dabei gleich hoch oder sogar noch h\u00f6her. Dies best\u00e4tigt unsere Erwartung, dass Personen, die l\u00e4nger arbeiten, tendenziell weniger soziale G\u00fcter konsumieren, da daf\u00fcr Freizeit erforderlich ist. Dass die k\u00fcrzere Arbeitszeit dennoch nicht mit einer klaren Einkommenseinbusse einhergeht, kann verschiedene Gr\u00fcnde haben: Zum einen kann es beispielsweise Bildungsunterschiede in den Gruppen geben, die hier vernachl\u00e4ssigt werden. Es kann aber auch sein, dass Sport ges\u00fcnder und damit gl\u00fccklicher macht und gl\u00fcckliche Arbeitnehmer produktiver sind. Kausalit\u00e4ten lassen sich mittels einer solchen einfachen Betrachtung nicht festlegen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nH\u00e4ufige Treffen mit Freunden sind mit einer hohen Zufriedenheit assoziiert (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Auch bei diesem sozialen Gut gibt es einen negativen Zusammenhang zwischen der Anzahl Treffen und den Arbeitsstunden: M\u00e4nner, die mehr arbeiten, haben ein h\u00f6heres Einkommen, daf\u00fcr bleibt weniger Zeit f\u00fcr Treffen mit Freunden. In diesem konkreten Fall ist die Lebenszufriedenheit wenig betroffen. Das k\u00f6nnte sich jedoch \u00e4ndern, wenn zus\u00e4tzliche Kontrollvariablen hinzugezogen werden, weshalb eine Regressionsanalyse anhand des verf\u00fcgbaren Haushaltseinkommens aufschlussreich ist.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb 2: Zufriedenheit und Treffen mit Freunden<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<h6 class=\"text__graphic-title\">J\u00e4hrliches Arbeitseinkommen<\/h6>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class='chart chart--normal' id='kuhn_la_li_wi_de_2'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#kuhn_la_li_wi_de_2').highcharts({\n   chart: {\n        zoomType: 'xy'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: [{\n        categories: ['T\u00e4glich', 'Mehrmals w\u00f6chentlich', 'Mehrmals monatlich', 'Seltener'],\n        crosshair: true,\ntitle: {\n            text: 'Sportaktivit\u00e4t'\n            \n        },\n    }],\n    yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n        labels: {\n            format: '{value}'\n            \n        },\n        title: {\n            text: 'Franken'\n            \n        }\n    }, { \/\/ Secondary yAxis\n        title: {\n            text: 'Zufriedenheit (0\u201310)'\n        },\nmin: 7.2,\nmax: 8.3,\n        labels: {\n            format: '{value}'\n        },\n        opposite: true\n    }],\n    tooltip: {\n        shared: false\n    },\n   \n    series: [{\n        name: 'Zufriedenheit (rechte Skala)',\n        type: 'column',\n        yAxis: 1,\n data: [7.96, 8, 7.95, 7.79],\n\n    }, {\n        name: 'J\u00e4hrliches Arbeitseinkommen (in Fr.)',\n        type: 'spline',\n        data: [69900,80610,85860,77670]\n\n    }]\n});\n});\n\n<\/script>\n<\/div>&#13;<\/p>\n<h6 class=\"text__graphic-title\">W\u00f6chentliche Arbeitszeit (inkl. Pendelzeit, exkl. Hausarbeit)<\/h6>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class='chart chart--normal' id='kuhn_la_li_wi_de_2_2'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#kuhn_la_li_wi_de_2_2').highcharts({\n     chart: {\n        zoomType: 'xy'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: [{\n        categories: ['T\u00e4glich', 'Mehrmals w\u00f6chentlich', 'Mehrmals monatlich', 'Seltener'],\n        crosshair: true,\ntitle: {\n            text: 'Sportaktivit\u00e4t'\n            \n        },\n    }],\n    yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n        labels: {\n            format: '{value}'\n            \n        },\n        title: {\n            text: 'Stunden'\n            \n        }\n    }, { \/\/ Secondary yAxis\n        title: {\n            text: 'Zufriedenheit (0\u201310)'\n        },\nmin: 7.2,\nmax: 8.3,\n        labels: {\n            format: '{value}'\n        },\n        opposite: true\n    }],\n    tooltip: {\n        shared: false\n    },\n   \n    series: [{\n        name: 'Zufriedenheit (rechte Skala)',\n        type: 'column',\n        yAxis: 1,\n data: [7.96, 8, 7.95, 7.79],\n\n    }, {\n        name: 'Stunden',\n        type: 'spline',\n        data: [45200,47550,49250,48460]\n\n    }]\n});\n});\n\n<\/script>\n<\/div>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Daten: SHP 2000\u20132010, Darstellung: Winkelmann \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Geld macht gl\u00fccklich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00dcbereinstimmend mit der bisherigen Forschung zeigt die Regressionsanalyse (siehe <em>Kasten<\/em>): Mit h\u00f6herem Einkommen steigt die Lebenszufriedenheit (siehe <em>Abbildung 3<\/em>). Am st\u00e4rksten zeigt sich dieser Zusammenhang im einfachen Modell, in welchem mit ver\u00e4ndertem Einkommen implizit auch eine ver\u00e4nderte Ausstattung mit Markg\u00fctern und sozialen G\u00fctern steckt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Modell mit den Marktg\u00fctern flacht die Kurve leicht ab, da die zus\u00e4tzliche Zufriedenheit, welche wir uns mit mehr Marktg\u00fctern kaufen, \u00abkontrolliert\u00bb (d. h. nicht mehr zur Steigerung der Zufriedenheit dazugez\u00e4hlt) wird. Es ist jedoch anzumerken, dass wir nur wenige ausgew\u00e4hlte Marktg\u00fcter, wie ein Haus, ein Auto oder Ferien, beobachten und daher keine Aussage dazu machen k\u00f6nnen, was bei Ber\u00fccksichtigung aller Marktg\u00fcter passieren w\u00fcrde. Es ist davon auszugehen, dass die Kurve in diesem Fall st\u00e4rker abflacht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn wir zus\u00e4tzlich soziale G\u00fcter in die Regression einf\u00fchren, bleibt der Einkommenseffekt hingegen unver\u00e4ndert. Soziale G\u00fcter k\u00f6nnen somit nicht erkl\u00e4ren, warum Einkommen zur Zufriedenheit beitr\u00e4gt. In anderen Worten: Reiche Personen sind nicht deswegen gl\u00fccklicher als \u00e4rmere Personen, weil sie mehr soziale G\u00fcter haben. Soziale G\u00fcter insgesamt wirken sich demnach nicht auf eine ungleiche Zufriedenheit aus.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 3: \u00c4nderung der Lebenszufriedenheit nach Einkommen<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class='chart chart--normal' id='kuhn_la_li_wi_de_3'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#kuhn_la_li_wi_de_3').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'line'\n    },\n      title: {\n        text: ''\n    },\n    \n    xAxis: {\n        categories: ['10000', '20000', '30000', '40000', '50000', '60000', '70000', '80000', '90000', '100000', '110000', '120000', '130000', '140000', '150000', '160000', '170000', '180000', '190000', '200000', '210000', '220000', '230000', '240000', '250000', '260000', '270000', '280000', '290000', '300000', '310000', '320000', '330000', '340000', '350000', '360000'],\ntitle: {\n            text: 'Verf\u00fcgbares Haushaltseinkommen (in Fr. pro Jahr)'\n        },\n  tickInterval: 3,\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: '\u00c4nderung auf Zufriedenheitsskala (0\u201310)'\n        }\n    },\n  \n    plotOptions: {\n        series: {\n            marker: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Keine Kontrolle',\n        data: [0.01372962,0.026411349,0.038027097,0.049752295,0.06172559,0.073632851,0.085623167,0.097289369,0.108988754,0.12081942,0.132334694,0.143818825,0.15561223,0.166279763,0.177437708,0.187721834,0.199484885,0.211218685,0.221748039,0.231084138,0.242284864,0.252818674,0.262443721,0.274660647,0.28294304,0.292361975,0.302856803,0.312223196,0.320403427,0.331310391,0.340365082,0.351318866,0.360670477,0.368949473,0.377688348,0.384641498]\n    }, {\n        name: 'Kontrolle f\u00fcr Marktg\u00fcter',\ncolor: '#23318a',\n        data: [0.012637243,0.024309013,0.034998823,0.045788504,0.056805581,0.067760959,0.078791782,0.089523472,0.100284718,0.111165695,0.121755593,0.132315829,0.14315936,0.152966708,0.163223922,0.172676891,0.183488086,0.194271162,0.203946248,0.212523997,0.222813785,0.232489675,0.241329789,0.252548993,0.260153919,0.26880154,0.278435618,0.287032783,0.294540167,0.304548651,0.312856168,0.322904587,0.331481785,0.339074135,0.347087026,0.353461593]\n    },\n    {\n        name: 'Kontrolle f\u00fcr Markt- und soziale G\u00fcter',\ncolor: '#88c0d3',\n\n        type: 'spline',\n\n\n        data: [0.012626411,0.024287924,0.034968104,0.04574785,0.056754529,0.067699328,0.078719243,0.089440063,0.100190148,0.111059569,0.121637955,0.132186443,0.143017605,0.152813539,0.163058519,0.172499955,0.183297664,0.194066957,0.203729376,0.212295666,0.222571388,0.232233733,0.241061211,0.252263963,0.259857476,0.268491894,0.278110892,0.286694318,0.294189453,0.304181188,0.312474519,0.322505385,0.331067175,0.338645577,0.346643478,0.353005886],\n        marker: {\n            enabled: false\n        },\n        dashStyle: 'LongDash'\n       \n    } \n]\n\n});\n});\n<\/script>\n<\/div>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Kuhn et al. (2016) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitszeit beeinflusst Konsum von sozialen G\u00fctern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnsere Ergebnisse zeigen, dass bei der Lebenszufriedenheit sowohl Marktg\u00fcter als auch soziale G\u00fcter eine zentrale Rolle spielen. Der wichtigste Unterschied zwischen Marktg\u00fctern und sozialen G\u00fctern liegt in ihrem Verh\u00e4ltnis zum Einkommen und zur Arbeitszeit. Menschen mit h\u00f6heren Einkommen besitzen mehr Marktg\u00fcter. Menschen mit langen Arbeitszeiten besitzen weniger soziale G\u00fcter \u2013 was bei Workaholics zu einer Einbusse bei der Lebenszufriedenheit f\u00fchrt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDa Menschen mit h\u00f6heren Einkommen nicht mehr oder weniger soziale G\u00fcter konsumieren, wirkt sich die ungleiche Verteilung des Einkommens zwar auf die Ungleichheit von Marktg\u00fctern, aber nicht auf die Ungleichheit von sozialen G\u00fctern aus. Anders sieht es jedoch bei der Ungleichheit von Arbeitszeiten aus: Die Arbeitszeit ver\u00e4ndert die Verteilung der sozialen G\u00fcter, sodass die Ungleichheit in der Arbeitszeit zu Ungleichheit beim Konsum von sozialen G\u00fctern f\u00fchrt \u2013 ein Aspekt der Ungleichheit, der bis heute nur wenig untersucht worden ist.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Piketty (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Details zur Studie in Tillmann et al. (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Winkelmann und Winkelmann (1998).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Genaue Definition in Kuhn et al. (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit den Siebzigerjahren ist die Einkommensungleichheit in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern angestiegen. Typischerweise wird davon ausgegangen, dass dieser Anstieg sich auch direkt in einer entsprechenden Ungleichheit im Konsum, und damit in der Wohlfahrt der Menschen, widerspiegelt. 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Capital in the 21st Century, Cambridge, MA: Harvard University Press.<\/li>&#13;\n \t<li>Tillmann, R., Voorpostel, M., Kuhn, U., Lebert, F., Ryser, V.-A., Lipps, O., Wernli, B. and Antal, E. (2016). The Swiss Household Panel Study: Observing Social Change Since 1999. Longitudinal and Life Course Studies 7 (1): 64-78.<\/li>&#13;\n \t<li>Winkelmann, L. and Winkelmann, R. (1998). Why Are the Unemployed So Unhappy? Evidence from Panel Data, Economica 65: 1\u201315.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Regressionsanalyse","kasten_box":"Bei der Regressionsanalyse haben wir zuerst den Gesamteffekt von Einkommen auf die Lebenszufriedenheit (ohne G\u00fcter) modelliert. Zweitens haben wir den Effekt \u00abkontrolliert\u00bb f\u00fcr Marktg\u00fcter betrachtet. Und drittens haben wir den Effekt \u00abkontrolliert\u00bb f\u00fcr Markt- und soziale G\u00fcter beobachtet. Je nachdem, wie sich das Einkommen auf den Konsum von sozialen G\u00fctern auswirkt, kann das Hinzuf\u00fcgen von sozialen G\u00fctern ins Modell den direkten Effekt von Einkommen auf die Lebenszufriedenheit abschw\u00e4chen oder verst\u00e4rken. Die Daten umfassen alle Personen des Schweizer Haushalts-Panels (SHP) von 2000 bis 2010. Zur Messung des Einkommens haben wir das verf\u00fcgbare Haushalts\u00e4quivalenzeinkommen verwendet. 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