{"id":110392,"date":"2017-03-23T15:17:42","date_gmt":"2017-03-23T15:17:42","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/03\/schlegel-04-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:52","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:52","slug":"schlegel-04-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/03\/schlegel-04-2017\/","title":{"rendered":"Freiz\u00fcgig und flankiert: Kontr\u00e4re Anspr\u00fcche an den Arbeitsmarkt"},"content":{"rendered":"<p>Die Personenfreiz\u00fcgigkeit mit den EU- und Efta-Staaten l\u00f6ste die Migrationspolitik der vorangehenden Jahrzehnte ab, welche auf niedrig qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte ausgerichtet war und faktisch strukturerhaltend wirkte. Indem die Schweiz den Inl\u00e4ndervorrang und die Kontingente ab 2004 sukzessive aufhob, richtete sie die Zuwanderung an den Bed\u00fcrfnissen des Arbeitsmarktes aus. Gleichzeitig verlangte der Grundsatz der Nichtdiskriminierung<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> die Abschaffung der vorg\u00e4ngigen Kontrolle der Lohn- und Arbeitsbedingungen f\u00fcr EU-\/Efta-B\u00fcrger. Damit verbunden war f\u00fcr Teile der Politik die Angst vor einem Druck auf L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen. Daher war die Personenfreiz\u00fcgigkeit politisch nur zum Preis einer st\u00e4rkeren Regulierung des Arbeitsmarktes in Form der flankierenden Massnahmen zu haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch die schrittweise Ausdehnung der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf die neuen EU-Staaten zwischen 2006 und 2017 ging jeweils mit einer weiteren Versch\u00e4rfung der flankierenden Massnahmen einher. Es stellt sich daher die Frage, wie hoch dieser Preis mit Blick auf die zus\u00e4tzliche B\u00fcrokratie und \u2013 noch wichtiger \u2013 mit Blick auf die Eingriffe in den flexiblen Arbeitsmarkt ausf\u00e4llt (zu B\u00fcrokratiekosten siehe <em>Kasten<\/em>).&#13;<\/p>\n<h2>Flankierende Massnahmen \u2013 ein B\u00fcndel von Bestimmungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas politisch formulierte Ziel der flankierenden Massnahmen ist es, die \u00abmissbr\u00e4uchliche Unterschreitung\u00bb der orts-, berufs- oder branchen\u00fcblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen durch ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte zu verhindern \u2013 zum Schutz der Arbeitnehmenden, aber auch zur Gew\u00e4hrleistung des fairen Wettbewerbs.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Damit Letzteres in beide Richtungen sichergestellt ist, m\u00fcssen die flankierenden Massnahmen von ausl\u00e4ndischen und inl\u00e4ndischen Arbeitgebern gleichermassen eingehalten werden. Das Massnahmenb\u00fcndel umfasst im Wesentlichen die folgenden Punkte:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li><strong>Erleichterte Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung von Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen (GAV):<\/strong> Wird in einer Branche mit einem g\u00fcltigen, aber noch nicht allgemeinverbindlichen GAV wiederholt missbr\u00e4uchlich gegen \u00fcbliche L\u00f6hne oder Arbeitszeiten verstossen, so kann dieser GAV \u00aberleichtert\u00bb auf die ganze Branche ausgedehnt werden. Mit anderen Worten: Die Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung kann bereits dann erfolgen, wenn die am GAV beteiligten Arbeitgeber die H\u00e4lfte aller Erwerbst\u00e4tigen einer Branche besch\u00e4ftigen. F\u00fcr eine ordentliche Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung m\u00fcssen zus\u00e4tzlich je 50 Prozent der Arbeitnehmenden und -gebenden bereits dem GAV unterstellt sein.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><strong>Normalarbeitsvertr\u00e4ge<\/strong>: In Branchen ohne GAV k\u00f6nnen tripartite Kommissionen (Sozialpartner und staatliche Vertretung) bei Feststellung einer wiederholten und missbr\u00e4uchlichen Unterbietung der \u00fcblichen L\u00f6hne vom Bund oder den Kantonen den Erlass eines befristeten Normalarbeitsvertrages mit zwingenden Mindestl\u00f6hnen beantragen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li><strong>Entsendung von Mitarbeitern<\/strong>: Ausl\u00e4ndische Arbeitgeber, d. h. mit Sitz im Ausland oder ausl\u00e4ndische Unternehmen mit einer Niederlassung in der Schweiz, sind bei der Entsendung von Arbeitnehmenden im Rahmen einer grenz\u00fcberschreitenden Dienstleistungserbringung zur Einhaltung der \u00abminimalen Arbeits- und Lohnbedingungen\u00bb verpflichtet.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Einhaltung der formulierten Massnahmen wird von den Sozialpartnern sowie dem Bund und den Kantonen kontrolliert.&#13;<\/p>\n<h2>Allgemeinverbindliche GAV \u2013 ein Instrument im Aufwind<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDass die flankierenden Massnahmen keineswegs ein zahnloser Papiertiger sind, zeigt sich an der klar steigenden Zahl von allgemeinverbindlichen GAV (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Auf Bundesebene nahm deren Zahl seit 2004 von 22 auf 41 im Jahr 2016 zu. In den Kantonen gelten heute 33 allgemeinverbindliche GAV; im Jahr 2004, als die flankierenden Massnahmen in Kraft traten, waren es noch 19 gewesen. In diesem Zeitraum stieg die Zahl der einem allgemeinverbindlichen GAV unterstellten Arbeitnehmenden um fast die H\u00e4lfte auf \u00fcber 720\u2019000 Personen; die Zahl der Arbeitgeber nahm um fast ein Drittel auf 78\u2019800 zu. Unter Ber\u00fccksichtigung des generellen Zuwachses an Arbeitnehmenden relativiert sich die Zahl etwas: Waren 2004 rund 16 Prozent der Arbeitnehmenden einem allgemeinverbindlichen GAV unterstellt, betrug der Anteil zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter ein F\u00fcnftel.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1<\/strong><strong>: Anzahl allgemeinverbindlicher Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge (1990\u20132016)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='schlegel_1_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#schlegel_1_de').highcharts({\n chart: {\n        zoomType: 'xy'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    \n    xAxis: [{\n        categories: ['1990', '1991', '1992', '1993', '1994', '1995', '1996', '1997', '1998', '1999', '2000', '2001', '2002', '2003', '2004', '2005', '2006', '2007', '2008', '2009', '2010', '2011', '2012', '2013', '2014', '2015', '2016'],\n        crosshair: true,\n         plotLines: [{\n            color: '#ae097f',\n            width: 2,\n            value: 14,\n            label: {\n                    text: 'Inkrafttreten der flankierenden<br> Massnahmen',\n                    rotation: 0,\n                                                            x: -190,\ny: 15\n\n\n                }\n        },\n        {\n            color: '#ae097f',\n            width: 2,\n            value: 16,\n             label: {\n                    text: 'Weitere Erleichterung der <br>Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung von GAV',\n                                        rotation: 0,\n                                        x: 10,\ny: 15\n\n\n                }\n        }]\n    }],\n    yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n        labels: {\n            format: '{value}'\n         \n        },\n           stackLabels: {\n          \n            enabled: false\n        },\n        title: {\n            text: 'Anzahl GAV'\n        }\n    }, { \/\/ Secondary yAxis\n        title: {\n            text: 'Anzahl Unterstellte (in 1000)'\n        },\n        labels: {\n            format: '{value}'\n        },\n        min:0,\n        max: 900,\n        opposite: true\n    }],\n    tooltip: {\n        enabled: false\n    },\n        plotOptions: {\n        column: {\n            stacking: 'normal',\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n    series: [ {\n        name: 'Einem allgemeinverbindlichen GAV unterstellte Arbeitgebende (rechte Skala)',\n        type: 'area',\n        color: '#88c0d3',\n         yAxis: 1,\n        data: [389.63,228.75,380.2,459.73,401.1,299.99,409.26,308.52,263.84,395.77,399.6,415.7,437.76,530.16,550.77,589.55,582.59,584.66,587.54,604.49,602.52,613.64,700.27,664.1,696.02,802.02,800.07],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ''\n        }\n    },\n    {\n        name: 'Einem allgemeinverbindlichen GAV unterstellte Arbeitnehmende (rechte Skala)',\n        type: 'area',\n                color: '#0074be',\n\n\n                yAxis: 1,\n\n\n        data: [344.35,192.5,335,406.23,357.53,254.9,357.53,269.6,228.12,338.5,336.9,349.6,373.54,461.09,489.8,520.04,513.45,517.31,520.76,537.92,532.55,542.2,626.23,593.92,623.33,722.78,721.23],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ''\n        }\n    },\n    {\n        name: 'Allgemeinverbindliche GAV auf Bundesebene (linke Skala)',\n        type: 'column',\n                color: '#ffdd0c',\n\n\n        data: [10,6,8,11,9,9,12,16,14,15,18,18,17,20,22,27,28,30,29,32,34,36,35,38,41,40,41],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ''\n        }\n\n    },{\n        name: 'Allgemeinverbindliche GAV in den Kantonen (linke Skala)',\n        type: 'column',\n                color: '#e84066',\n\n\n        data: [8,8,6,7,9,5,9,19,19,14,17,16,22,21,19,23,29,38,37,31,30,31,36,32,33,35,33],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ''\n        }\n\n    }]\n});\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Der Stichtag ist jeweils der 1. Juli. Dadurch k\u00f6nnen kurzfristig gr\u00f6ssere Schwankungen entstehen.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Seco (2014) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch wenn andere Entwicklungen wie die Ausdehnung der gewerkschaftlichen Aktivit\u00e4ten im Dienstleistungssektor, die Abschaffung des Beamtenstatus (ab 2000) oder die grossz\u00fcgige Handhabung des bundesr\u00e4tlichen Spielraums bei den ordentlichen Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rungen eine Rolle f\u00fcr die Zunahme der allgemeinverbindlichen GAV spielten, ist der Zusammenhang mit den flankierenden Massnahmen eindeutig.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> So greift in Branchen ohne allgemeinverbindliche GAV bei \u00abmissbr\u00e4uchlichen Lohnunterbietungen\u00bb die erleichterte Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZudem hat die \u00d6ffnung des Arbeitsmarktes in binnenorientierten Branchen zu einer Interessenverschiebung der Arbeitgeberorganisationen hin zum Schutz ihrer Produkt- und Dienstleistungsm\u00e4rkte vor g\u00fcnstigerer ausl\u00e4ndischer Konkurrenz gef\u00fchrt. Zwischen den Sozialpartnern \u2013 beispielsweise im Baugewerbe oder in der privaten Sicherheitsdienstleistungsbranche \u2013 herrscht immer \u00f6fter ein Konsens hinsichtlich der Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung eines GAV.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Dem Anspruch dieser Wirtschaftskreise nach \u00abFlankierung\u00bb \u2013 sprich Protektion \u2013\u00a0 des eigenen Marktes steht die \u00f6konomische Forderung nach internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit dank Freiz\u00fcgigkeit und Flexibilit\u00e4t des Arbeitsmarktes diametral entgegen.&#13;<\/p>\n<h2>Der Arbeitsmarkt \u2013 ein liberaler Trumpf unter Druck<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer liberale Arbeitsmarkt wird oft als Trumpf f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz und f\u00fcr die im internationalen Vergleich tiefen Arbeitslosenzahlen ins Feld gef\u00fchrt. Die wachsende Zahl an allgemeinverbindlichen GAV \u2013 im Besonderen die darin enthaltenen Mindestl\u00f6hne, die in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen haben<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> \u2013 stellen aber ein nicht unerhebliches Risiko f\u00fcr den flexiblen Arbeitsmarkt dar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZwar nimmt das System von GAV-Mindestl\u00f6hnen im Vergleich zu einem schweizweiten Mindestlohn besser R\u00fccksicht auf orts-, berufs- und branchen\u00fcbliche L\u00f6hne. Dennoch k\u00f6nnen auch regionale oder branchenweise Mindestl\u00f6hne kontraproduktiv sein. Bei Berufs- oder Quereinsteigern, die im Branchenvergleich typischerweise tiefe L\u00f6hne aufweisen<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a>, k\u00f6nnen Mindestl\u00f6hne den Einstieg in den Arbeitsmarkt oder den Berufswechsel erschweren. Dies kann beispielsweise zu einem Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit f\u00fchren, wie er in den Jahren 2005 bis 2016 im Vergleich zur Periode 1991 bis 2004 stattgefunden hat.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2<\/strong><strong>: Offene Stellen und Arbeitslose (Beveridge-Kurve; 1995\u20132016)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='schlegel_2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#schlegel_2_de').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'scatter',\n \n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: {\n     title: {\n            text: 'Arbeitslose (in 1000)'\n        },\nmin:0,\n        gridLineWidth: 1,\n        minPadding: 0.2,\n        maxPadding: 0.2,\n        maxZoom: 60\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Offene Stellen (in 1000)'\n        },\nmin:0,\n\n        minPadding: 0.2,\n        maxPadding: 0.2,\n        maxZoom: 60,\n        plotLines: [{\n            value: 0,\n            width: 1,\n            color: '#808080'\n        }]\n    },\n    legend: {\n        enabled: false\n    },\n    exporting: {\n        enabled: false\n    },\n      tooltip: { headerFormat: '<b>Beveridge-Kurve<\/b><br>',\n               \n                pointFormat: ' Offene Stellen (in 1000): {point.y}\/ Arbeitslose (in 1000): {point.x}'\n            },\n    plotOptions: {\n        series: {\n            lineWidth: 1,\n            \n            dataLabels: {\n                enabled: true,\n                format: '{point.name}',\n               rotation: 320,\nx: 10\n\n            }}\n    },\n    series: [{\n  data: [\n\n          { x:130.28, y:34.83, z: 0,name: '1995', country: '1995' },\n{ x:142.94, y:32.2, z: 0,name: '1996', country: '1996' },\n{ x:163.31, y:31.59, z: 0,name:  '1997', country: '1997' },\n{ x:138.93, y:40.64, z: 0,name: '1998', country: '1998' },\n{ x:117.73, y:56.13, z: 0,name: '1999', country: '1999' },\n{ x:107.28, y:79.23, z: 0,name: '2000', country: '2000' },\n{ x:96.06, y:65.84, z: 0,name: '2001', country: '2001' },\n{ x:124.27, y:40.23, z: 0,name: '2002', country: '2002' },\n{ x:169.45, y:25.88, z: 0,name: '2003', country: '2003' },\n{ x:182.16, y:29.96, z: 0,name: '2004', country: '2004' },\n{ x:183.95, y:31.8, z: 0,name: '2005', country: '2005' },\n{ x:169.97, y:45.61, z: 0,name: '2006', country: '2006' },\n{ x:157.11, y:59.93, z: 0,name: '2007', country: '2007' },\n{ x:149.8, y:59.46, z: 0,name: '2008', country: '2008' },\n{ x:193.4, y:40.75, z: 0,name: '2009', country: '2009' },\n{ x:203.54, y:47.61, z: 0,name: '2010', country: '2010' },\n{ x:183.69, y:51.53, z: 0,name: '2011', country: '2011' },\n{ x:192.89, y:47.64, z: 0,name: '2012', country: '2012' },\n{ x:204.75, y:50.24, z: 0,name: '2013', country: '2013' },\n{ x:215.48, y:51.35, z: 0,name: '2014', country: '2014' },\n{ x:219.25, y:49.56, z: 0,name: '2015', country: '2015' },\n{ x:231.3, y:52.27, z: 0,name: '2016', country: '2016' }\n        ]    }]\n});\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Eine Verschiebung vom Nullpunkt nach rechts oben ist Ausdruck eines weniger effizienten Arbeitsmarktes: Die beiden Seiten des Arbeitsmarktes finden sich schlechter, was sich in der Koexistenz von Erwerbslosen (Definition gem\u00e4ss ILO) und offenen Stellen bemerkbar macht. Das Niveau der strukturellen Arbeitslosigkeit \u2013 also der von der Konjunktur unabh\u00e4ngigen Komponente \u2013 steigt.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">BFS (2017) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie sich die Effizienz des Arbeitsmarktes im Allgemeinen entwickelt hat, illustriert die Gegen\u00fcberstellung von Arbeitslosigkeit und offenen Stellen im Zeitverlauf (siehe \u00abBeveridge-Kurve\u00bb in <em>Abbildung 2<\/em>). Der trendm\u00e4ssig synchrone Anstieg von Arbeitslosen und offenen Stellen deutet auf eine Abnahme der Effizienz hin. Die flankierenden Massnahmen und die steigende Abdeckung von allgemeinverbindlichen GAV d\u00fcrften ihren Teil dazu beitragen, indem in individuellen Verhandlungen getroffene Vereinbarungen kollektiv auf die ganze Branche \u00fcbertragen werden. Aus \u00f6konomischer Sicht stellen die flankierenden Massnahmen daher einen stetig steigenden Preis f\u00fcr den Erhalt der Personenfreiz\u00fcgigkeit dar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Zahlungsbereitschaft der politischen Akteure d\u00fcrfte aber noch h\u00f6her liegen, denn die fragile Mehrheit zur Personenfreiz\u00fcgigkeit scheint zu einem rechten Teil vom Bekenntnis zu den flankierenden Massnahmen abzuh\u00e4ngen. Deshalb wird die Arbeitsmarktregulierung wohl auch k\u00fcnftig dem Credo \u00abFreiz\u00fcgig, aber flankiert\u00bb folgen. Den Trumpf des flexiblen Arbeitsmarktes sollte man aber nicht leichtfertig aus der Hand geben, weshalb f\u00fcr die flankierenden Massnahmen gelten sollte: \u00abso wenig wie m\u00f6glich \u2013 so viel wie n\u00f6tig\u00bb.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Art. 2 des bilateralen Freiz\u00fcgigkeitsabkommens vom 12. Juni 1999 (SR 0.142.112.681).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Kaufmann (2010).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Art. 2 Abs. 3 und 3bis Bundesgesetz \u00fcber die Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung von Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen (SR 221.215.311).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Seco (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Oesch (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Seco (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Bundesrat (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Personenfreiz\u00fcgigkeit mit den EU- und Efta-Staaten l\u00f6ste die Migrationspolitik der vorangehenden Jahrzehnte ab, welche auf niedrig qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte ausgerichtet war und faktisch strukturerhaltend wirkte. Indem die Schweiz den Inl\u00e4ndervorrang und die Kontingente ab 2004 sukzessive aufhob, richtete sie die Zuwanderung an den Bed\u00fcrfnissen des Arbeitsmarktes aus. 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(2013). <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Regulierung\/Regulierungskosten\/bericht-ueber-die-regulierungskosten.html\">Bericht \u00fcber die Regulierungskosten. Sch\u00e4tzung der Kosten von Regulierungen sowie Identifizierung von Potenzialen f\u00fcr die Vereinfachung und Kostenreduktion.<\/a> Bern, Dezember 2013.<\/li>&#13;\n \t<li>Bundesrat. (2015). <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Arbeit\/Personenfreizuegigkeit_und_Arbeitsbeziehungen\/Studien_und_Berichte\/situation-in-tieflohnbranchen-bezueglich-einstiegs--und-mindestl.html\">Situation in Tieflohnbranchen bez\u00fcglich Einstiegs- und Mindestl\u00f6hnen. Bericht des Bundesrats vom 12. August 2015 in Erf\u00fcllung des Postulates Meier-Schatz 12.4058<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>Kaufmann, K. (2010). Missbr\u00e4uchliche Lohnunterbietung im Rahmen der flankierenden Massnahmen (Bd. Heft 71), Bern: St\u00e4mpfli-Verlag.<\/li>&#13;\n \t<li>Oesch, D. (2012). <a href=\"https:\/\/archive-ouverte.unige.ch\/unige:23200\">Die Bedeutung von Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen f\u00fcr die Arbeitsmarktregulierung in der Schweiz<\/a>, Arbeitsrecht, Zeitschrift f\u00fcr Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung, (2012), 118\u2013125.<\/li>&#13;\n \t<li>Seco. (2014). <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Arbeit\/Personenfreizuegigkeit_und_Arbeitsbeziehungen\/Studien_und_Berichte\/bericht-gav-standortbestimmung.html\">Bericht GAV-Standortbestimmung<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>Seco. (2016). <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Arbeit\/Personenfreizuegigkeit_und_Arbeitsbeziehungen\/berichte-des-seco-ueber-den-vollzug-der-flankierenden-massnahmen\/flam_bericht_2015.html\">FlaM-Bericht vom 12. Mai 2016: Umsetzung der flankierenden Massnahmen zum freien Personenverkehr Schweiz - Europ\u00e4ische Union, 1. Januar \u2013 31. Dezember 2015<\/a>, Bern.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"B\u00fcrokratiekosten von Personenfreiz\u00fcgigkeit und flankierenden Massnahmen","kasten_box":"Wie gross die b\u00fcrokratische Entlastung durch die Personenfreiz\u00fcgigkeit ist, zeigt eine Gegen\u00fcberstellung der Regulierungskosten f\u00fcr die Zulassung von EU- und Efta-B\u00fcrgern und f\u00fcr B\u00fcrger aus Drittstaaten. W\u00e4hrend die Kosten der Bewilligungen f\u00fcr EU-25- und Efta-Zuwanderer im Jahr 2011 auf rund 6,8 Millionen Franken gesch\u00e4tzt wurden, kosteten die Bewilligungen f\u00fcr die rund neun Mal tiefere Zahl an Erwerbst\u00e4tigen aus Drittstaaten 13,2 Millionen Franken.<sup>a<\/sup>&#13;\n&#13;\nNicht ber\u00fccksichtigt sind allerdings die neu entstandenen B\u00fcrokratiekosten aus Mitwirkungspflichten im Rahmen von Kontrollen der flankierenden Massnahmen. Hier f\u00e4llt auf, dass die mit der Umsetzung betrauten Organe ihre Kontrollt\u00e4tigkeit grossz\u00fcgig \u2013 und je nach Kanton sehr unterschiedlich \u2013 auslegen. 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Die darin enthaltene erleichterte Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung der Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge (GAV) hat dazu gef\u00fchrt, dass heute deutlich mehr Arbeitnehmende und -gebende einem GAV unterstellt sind. Diese Verschiebung hin zu kollektiver Lohnbildung schr\u00e4nkt die Flexibilit\u00e4t des Arbeitsmarktes zunehmend ein. Angesichts der aktuellen politischen Mehrheitsverh\u00e4ltnisse scheinen die flankierenden Massnahmen jedoch der Preis zu sein, den die Schweizer Wirtschaft f\u00fcr die Personenfreiz\u00fcgigkeit bezahlen muss.","magazine_issue":"04-2017","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20170324","original_files":[{"file":110407},{"file":110411}],"external_release_for_author":"20170228","external_release_for_author_time":"23:30:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/58ac66a1ddb86"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110392"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4208"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=110392"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110392\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126450,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110392\/revisions\/126450"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4208"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157084"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156389"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26476"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=110392"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=110392"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=110392"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=110392"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=110392"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=110392"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}