{"id":110487,"date":"2017-03-23T14:52:35","date_gmt":"2017-03-23T14:52:35","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/03\/armingeon-04-2017\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:53","slug":"armingeon-04-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/03\/armingeon-04-2017\/","title":{"rendered":"Sozialpartnerschaft unter Beschuss"},"content":{"rendered":"<p>Wirtschaftsvertreter in der Schweiz empfinden die Regulierungen des Arbeitsmarktes oft als unangemessene B\u00fcrde. Sie st\u00f6ren sich an einer zu grossen Macht der Gewerkschaften. Zwar sei die Sozialpartnerschaft grunds\u00e4tzlich gut, sie behindere aber zunehmend die unternehmerischen Handlungsm\u00f6glichkeiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWieweit deckt sich diese Diagnose mit den Daten? Ein OECD-Vergleich (ohne die postkommunistischen L\u00e4nder)<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> zeigt:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Ein konsequent liberaler Arbeitsmarkt ist mit der Sozialpartnerschaft, die auf marktfernen Kompromissen beruht, unvereinbar;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Schweizer Variante der Sozialpartnerschaft hat besonders liberale Z\u00fcge;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>eine Zunahme der Gewerkschaftsmacht l\u00e4sst sich im zeitlichen und internationalen Vergleich nicht belegen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>sozialpartnerschaftliche Systeme schneiden im Vergleich mit konsequent liberalen Systemen der Arbeitsbeziehungen bez\u00fcglich Wachstum, Besch\u00e4ftigung und anderer Indikatoren nicht schlechter ab.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Politische Tauschgesch\u00e4fte entgegen der Marktlogik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin konsequent liberaler Arbeitsmarkt wird nicht von Arbeitsmarktregeln eingeschr\u00e4nkt, die Marktkr\u00e4fte behindern k\u00f6nnten. Sozialpartnerschaft bedeutet jedoch immer, dass beide Seiten politische Gegenleistungen f\u00fcr kooperatives Verhalten erbringen m\u00fcssen, und diese Kompensationsgesch\u00e4fte stehen oft quer zur Logik des Marktes. Dies verdeutlicht die Entstehungsgeschichte der europ\u00e4ischen Sozialpartnerschaft: Sp\u00e4testens in der Zwischenkriegszeit begannen viele kleine und offene Volkswirtschaften sozialfriedliche Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern mit direkter oder indirekter staatlicher Unterst\u00fctzung zu schaffen. Dieser sogenannte Korporatismus entstand, weil Arbeitskonflikte in kleinen Nationen mit hoch spezialisierter Produktion f\u00fcr den Weltmarkt besonders nachteilig waren und weil die Risiken eines auf den Weltmarkt ausgerichteten Kleinstaates im Inneren sozialpolitisch abgefedert werden mussten. Zudem spezialisierten sich viele kleine Exportnationen auf bestimmte Produkte. Nachfrager\u00fcckg\u00e4nge auf dem Weltmarkt hatten auf nationaler Ebene \u00fcberproportionale Folgen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nArbeitslosigkeit und Sozialkonflikte in den Kleinstaaten drohten zu explodieren, wenn nur ein kleines Segment des Weltmarktes \u2013 f\u00fcr den die Kleinstaaten produzierten \u2013 eine Krise erlebte. Unter diesen Bedingungen verst\u00e4ndigten sich in fast allen europ\u00e4ischen Kleinstaaten Unternehmer und Gewerkschaften auf den weitgehenden Verzicht auf Arbeitsk\u00e4mpfe. In der Schweiz unterzeichneten beispielsweise 1937 die Gewerkschaften und die Arbeitgeber der Metallindustrie ein entsprechendes Friedensabkommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit dem weitgehenden Verzicht auf Arbeitsk\u00e4mpfe war aber die Frage noch nicht gel\u00f6st, wie die Folgen der wirtschaftlichen Verletzbarkeit kleiner Exportnationen gemindert werden konnten. Die Antwort bestand in sozialpolitischen Kompensationen der Arbeitnehmer, die alle darauf hinausliefen, die Arbeitnehmer von den Einkommens- und Besch\u00e4ftigungsrisiken des Exportsektors zu sch\u00fctzen. Um erfolgreich am Weltmarkt teilnehmen zu k\u00f6nnen, wurde also im Inneren das Spiel des Marktes eingeschr\u00e4nkt.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizer Sozialpartnerschaft als liberale Variante<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie sozialpartnerschaftliche Regulierung tritt als \u00abliberaler\u00bb oder als \u00absozialer\u00bb Korporatismus auf. Beim sozialen Korporatismus \u00fcbt der Staat eine zentrale aktive Rolle aus, indem er die Kompensationen f\u00fcr die Arbeitnehmer im Rahmen eines umfassenden Wohlfahrtsstaates leistet und er mit Unternehmern und Gewerkschaften Lohn-, Besch\u00e4ftigungs-, Steuer- und Sozialpolitiken koordiniert. In der sozialen Auspr\u00e4gung haben zentrale und mitgliederstarke Gewerkschaften eine herausragende Position. Das klassische Beispiel hierf\u00fcr ist \u00d6sterreich.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBeim liberalen Korporatismus h\u00e4lt sich der Staat hingegen zur\u00fcck und leistet keine oder viel weniger Kompensationszahlungen. W\u00e4hrend die F\u00fchrungsrolle bei den Unternehmen liegt, agieren die Gewerkschaften hier als Juniorpartner. Die Kompensationen der Arbeitnehmer bestehen in faktischen Besch\u00e4ftigungsgarantien. Das Lehrbuchbeispiel dieses liberalen Typus ist die Schweiz.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBis in die Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts genoss die Schweizer Kernarbeitnehmerschaft einen erheblichen Besch\u00e4ftigungsschutz, und die Arbeitsmarktrisiken wurden weitgehend im Rahmen einer hochgradig etatistischen und nicht liberalen Ausl\u00e4nderbesch\u00e4ftigungspolitik auf die Nachbarl\u00e4nder ausgelagert, indem der Zustrom und Abfluss von ausl\u00e4ndischen Arbeitnehmern politisch gesteuert wurde. Da die Schweizer Arbeitnehmer bis zu diesem Zeitpunkt kaum Massenarbeitslosigkeit zu bef\u00fcrchten hatten, waren Besch\u00e4ftigungsschutzregeln f\u00fcr sie nachrangig. Tats\u00e4chlich hat die Schweiz bis heute einen schwach ausgepr\u00e4gten gesetzlichen Besch\u00e4ftigungsschutz f\u00fcr Arbeitnehmer.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBekanntlich begann in der Mitte der Neunzigerjahre die Liberalisierung des Wirtschaftslebens. Dieser Prozess brachte den ausgepr\u00e4gten Schweizer Unternehmensprotektionismus \u2013 der jeder liberalen Wirtschaftsordnung Hohn sprach \u2013 im internationalen Vergleich auf ein durchschnittliches Niveau zur\u00fcck. Dar\u00fcber hinaus wurde mit dem Freiz\u00fcgigkeitsabkommen mit der EU die Rekrutierung von Ausl\u00e4ndern grundlegend ge\u00e4ndert und liberalisiert. Die Gewerkschaften stimmten dem nur unter dem Vorbehalt zu, dass die liberale \u00d6ffnung der Arbeitsm\u00e4rkte intern durch die sogenannten flankierenden Massnahmen kontrolliert wurde. F\u00fcr die Unternehmerseite waren diese Schutzbestimmungen der Preis, den sie f\u00fcr eine sozialfriedliche \u00d6ffnung der Wirtschaft und die Erfolgschance im Abstimmungskampf zu zahlen hatte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Sozialpartnerschaft hat also bis heute \u00fcberlebt. Sie besteht aus Tauschgesch\u00e4ften, die nicht immer marktkonform sind, und b\u00fcrdet allen Seiten Kosten auf. Aber sie sichert auch das Wachstumsregime des Landes und f\u00f6rdert soziale und politische Stabilit\u00e4t.&#13;<\/p>\n<h2>Sind die Gewerkschaften zu m\u00e4chtig?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Folge der Globalisierung und von Liberalisierungsreformen, die um die Achtzigerjahre in den OECD-L\u00e4nder begannen und ihren H\u00f6hepunkt um die Jahrtausendwende erreichten, wurde das Fundament der Sozialpartnerschaft in den vergangenen drei Dekaden br\u00fcchig. Je weiter die Liberalisierung einer globalisierten Wirtschaft voranschreitet, desto weniger Raum bleibt f\u00fcr Verhandlungs- und Abstimmungsl\u00f6sungen zwischen Staat, Unternehmer und Gewerkschaften, und desto glaubhafter wird die Drohung der Standortverlagerung, wenn man nicht den von den Weltm\u00e4rkten diktierten Abbau der Lohnkosten vollzieht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEng mit der Liberalisierungswelle war eine Erosion der Organisationen von Arbeitnehmern und Unternehmern verbunden. Zun\u00e4chst verloren die Gewerkschaften in den modernen Demokratien weitgehend ihre Mobilisierungsf\u00e4higkeit; Arbeitsk\u00e4mpfe wurden zu raren Ausnahmen. Da die Gewerkschaften in die Defensive gerieten, entfiel f\u00fcr viele Unternehmen der Anreiz, den sozialen Frieden durch Zugest\u00e4ndnisse zu erreichen, weil die Arbeitnehmerseite auch ohne Kompensationen lammfromm wurde. Aber auch die Interessenverb\u00e4nde der Unternehmer hatten wachsende Schwierigkeiten, ihre Mitglieder zu koordinieren, weil die Unternehmensf\u00fchrungen unter den zunehmenden Druck der internationalen Kapitalm\u00e4rkte gerieten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWichtig ist jedoch nicht nur die Mobilisierungsf\u00e4higkeit der Arbeitnehmerverb\u00e4nde, sondern auch das Ausmass der kollektiven Regelungen. Der Deckungsgrad der Kollektivvertr\u00e4ge \u2013 also der Prozentsatz der Arbeitsverh\u00e4ltnisse, die durch einen Kollektivvertrag geregelt sind \u2013 sank seit den Achtzigerjahren im OECD-Durchschnitt leicht (siehe <em>Abbildung 1<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1: Deckungsgrad von Kollektivvertr\u00e4gen im OECD-Vergleich<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='armingeon_de_1'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#armingeon_de_1').highcharts({\n title: {\n        text: ''\n\n            },\n\n       yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        }, \n      labels: {\n                format: '{value}%'\n}, \n},    \n    plotOptions: {\n        series: {\n            pointStart: 1985,\n              marker: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n       \n \n            \n      \n    },\ntooltip: {\n     \n        valueSuffix: '%'\n    },\n    series: [{\n        name: 'Schweiz',\n        data: [50,50,50,47.9,47.16,47.15,47.15,46.84,46.48,45.41,44.55,44.55,44.07,44.07,42.43,42.43,42.21,40.85,42.12,43.21,43.75,44.73,44.86,45.39,45.39,46.75,47.23,47.93,48.77,48.77]\n    }, {\n        name: 'OECD',\n        data: [71.51,71.33,71.81,71.85,71.8,71.41,71.31,70.47,68.98,68.81,69.72,67.75,67.12,62.91,62.52,62.35,62.68,64.36,64.91,65.24,62.31,64.84,64.54,64.16,63.94,63.62,63.32,63.07,63.19,65.29]\n    }, {\n        name: 'Deutschland',\n        data: [85,85,85,85,85,85,85,85,80.75,78.2,77.1,76.22,75.1,72.5,71.12,69.69,68.49,67.52,66.95,65.87,64.65,63.4,62.6,61.57,60.68,60.01,59.26,58.64,58.27,57.95]\n    }, {\n        name: 'Vereinigtes K\u00f6nigreich',\n        data: [65.5,64,64,47,47,47,47,43.5,38,37.67,37.25,36.88,36.1,36.18,35.88,35.72,35.74,35.46,35.16,34.72,34.6,34.22,33.82,33.02,32.6,31.54,30.72,30.23,30,29.4]\n    }]\n\n});\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Anmerkung: Anteil Arbeitnehmende mit Kollektivvertrag. Gleitende 5-Jahres-Mittelwerte. OECD ohne postkommunistische Staaten (vgl. <em>Fussnote 1<\/em>).<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\"><a href=\"http:\/\/www.cpds-data.org\/\">CPS-Data.org<\/a> (2016), Berechnung Armingeon \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch in der Schweiz, wo Kollektivvertr\u00e4ge aufgrund des liberalen Korporatismus wenig verbreitet waren, sank der Deckungsgrad in den Achtzigerjahren. Die Trendwende kam zu Beginn des neuen Jahrtausends mit den flankierenden Massnahmen zum Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen mit der EU, welche vorsehen, dass Mindestbedingungen der Arbeitsverh\u00e4ltnisse erleichtert f\u00fcr allgemeinverbindlich erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen und dass in Branchen, in denen es keinen Gesamtarbeitsvertrag gibt, unter bestimmten Bedingungen Mindestl\u00f6hne erlassen werden k\u00f6nnen. Dies brachte eine zunehmende Anzahl von Arbeitnehmern unter die Geltung von Kollektivvertr\u00e4gen. Heute hat die Schweiz die im internationalen Vergleich bescheidene Deckungsrate der Achtzigerjahre wieder erreicht. Allerdings ist das Bild eines Wachstums irref\u00fchrend: Vielmehr wurden die Verluste der Vergangenheit wieder wettgemacht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDen Gewerkschaften gelang es in den vergangenen Jahrzehnten nicht, die Mitgliederverluste aufgrund der zur\u00fcckgehenden Industriebesch\u00e4ftigung durch Mitgliedergewinne im wachsenden Dienstleistungssektor zu kompensieren. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad \u2013 das heisst der Anteil Gewerkschaftsmitglieder an allen abh\u00e4ngigen Erwerbspersonen \u2013 war in der Schweiz historisch schon immer niedrig (siehe <em>Abbildung 2<\/em>) und sank von 31 Prozent im Jahr 1960 auf 16 Prozent im Jahr 2013. Eine \u00e4hnliche Tendenz ist auch im OECD-Durchschnitt beobachtbar: W\u00e4hrend 1960 fast jeder zweite Arbeitnehmer Gewerkschaftsmitglied war, sank dieser Anteil ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter auf ein Drittel.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: Gewerkschaftlicher Organisationsgrad im OECD-Vergleich<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='armingeon_de_2'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#armingeon_de_2').highcharts({\n  chart: {\n        type: 'spline'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: {\n        categories: ['1985', '1986', '1987', '1988', '1989', '1990', '1991', '1992', '1993', '1994', '1995', '1996', '1997', '1998', '1999', '2000', '2001', '2002', '2003', '2004', '2005', '2006', '2007', '2008', '2009', '2010', '2011', '2012', '2013', '2014']\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        },\n labels: {\n                format: '{value}%'\n}\n    },\n    plotOptions: {\n        line: {\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            }},\n            series: {\n              marker: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n        \n    },\n tooltip: {\n     \n        valueSuffix: '%'\n    },\n      series: [{\n        name: 'Schweiz',\n        data: [24.94,24.28,23.62,23.17,22.9,22.75,22.72,22.79,22.82,22.76,22.55,22.26,21.81,21.32,20.82,20.44,20.13,19.84,19.66,19.49,19.2,18.73,18.3,17.86,17.42,16.97,16.7,16.54,16.35,16.2]\n    }, {\n        name: 'OECD',\n        data: [45.32,44.77,44.27,43.84,43.57,43.06,42.9,42.49,42.09,41.54,40.82,40.03,39.29,38.63,38,37.54,37.12,36.81,36.47,36.08,35.6,35,34.59,34.22,33.89,33.58,33.55,34.11,35.07,34.94]\n    }, {\n        name: 'Deutschland',\n        data: [34.36,33.98,33.49,32.8,33.21,33.32,33.06,32.65,32.25,30.61,29.23,28.06,27.04,26.11,25.31,24.62,24.03,23.4,22.82,22.22,21.49,20.72,20.07,19.44,18.91,18.51,18.22,18.05,17.88,17.79]\n    }, {\n        name: 'Vereinigtes K\u00f6nigreich',\n        data: [47.22,45.78,44.32,43.05,41.79,40.75,39.74,38.77,37.71,36.38,34.79,33.37,32.15,31.29,30.56,29.99,29.62,29.08,28.48,28.07,27.72,27.36,27.24,27.21,27.04,26.81,26.51,26.33,26.12,25.92]\n    }]\n\n});\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Anmerkung: Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmenden. Gleitende 5-Jahres-Mittelwerte. OECD ohne postkommunistische Staaten (vgl. <em>Fussnote 1<\/em>).<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\"><a href=\"http:\/\/www.cpds-data.org\/\">CPS-Data.org<\/a> (2016), Berechnung Armingeon \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Sozialpartnerschaft hat Vorteile<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie hier pr\u00e4sentierten Daten zeigen: Der relativ liberale Arbeitsmarkt der Schweiz und die Machtposition der Unternehmerseite sind wohl kaum bedroht. Zwar wurden im Rahmen sozialpartnerschaftlicher Kompensationsmassnahmen Zugest\u00e4ndnisse, wie die flankierenden Massnahmen, gemacht. Aber sie haben keinen Strukturbruch bewirkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs stellt sich die Frage: Welche Folgen haben sozialpartnerschaftliche Arbeitsbeziehungen? F\u00fchren sie ins wirtschaftliche und soziale Verderben, weil Wachstum und Besch\u00e4ftigung nachhaltig besch\u00e4digt werden? Auch hier kann Entwarnung gegeben werden (siehe <em>Tabelle<\/em>): In Systemen mit Sozialpartnerschaft ist der Besch\u00e4ftigungsgrad nicht niedriger als in liberalen Systemen. Tiefer sind hingegen die Arbeitslosigkeit, das Streikniveau, die Einkommensungleichheit \u2013 aber auch das Wirtschaftswachstum.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Wirtschaftliche und soziale Indikatoren nach Typus der Arbeitsbeziehungen (Durchschnitte 1990\u20132014)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table>&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"158\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"146\"><strong>Besch\u00e4ftigungsgrad (in&nbsp;%)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"121\"><strong>Arbeitslosigkeit (in&nbsp;%)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"112\"><strong>Wachstum (in&nbsp;%)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"97\"><strong>Streikaktivit\u00e4t (in Tagen)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"122\"><strong>Ungleichheit (Gini)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"158\">Sozialpartnerschaftliche L\u00e4nder<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"146\">72,7<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"121\">5,5<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"112\">1,9<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"97\">37<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"122\">38,3<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td style=\"border-top-color: #ffffff;\" width=\"158\">&#13;<\/p>\n<ul style=\"font-size: 16px;\">&#13;<\/p>\n<li>davon Schweiz<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;\n<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"border-top-color: #ffffff;\" width=\"146\">84,9<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"border-top-color: #ffffff;\" width=\"121\">3,3<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"border-top-color: #ffffff;\" width=\"112\">1,7<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"border-top-color: #ffffff;\" width=\"97\">2<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"border-top-color: #ffffff;\" width=\"122\">33,3<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"158\">Deutschland\/Japan<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"146\">71,4<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"121\">5,9<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"112\">1,4<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"97\">3<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"122\">37,8<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"158\">Liberale L\u00e4nder<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"146\">71,0<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"121\">6,8<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"112\">2,5<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"97\">54<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"122\">43,5<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Folgende L\u00e4nder werden hier als <em>sozialpartnerschaftlich<\/em> bezeichnet: Belgien, D\u00e4nemark, Niederlande, Norwegen, \u00d6sterreich, Schweden und die Schweiz. Deutschland und Japan sind grosse Staaten, die lange Zeit sozialpartnerschaftlich organisiert waren. Liberale Systeme dominieren in den USA, Grossbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland. Der <em>Besch\u00e4ftigungsgrad <\/em>gibt Auskunft \u00fcber die zivile Besch\u00e4ftigung in Prozent der Bev\u00f6lkerung zwischen 15 und 64 Jahren. Die <em>Arbeitslosigkeit <\/em>wird in Prozent der zivilen Erwerbsbev\u00f6lkerung gemessen. Das <em>Wachstum<\/em> zeigt die prozentuale j\u00e4hrliche Ver\u00e4nderung des realen Bruttoinlandprodukts (BIP). Die <em>Streikaktivit\u00e4t<\/em> z\u00e4hlt die verlorenen Arbeitstage pro 1000 Arbeitnehmer aufgrund von Arbeitsk\u00e4mpfen. Die <em>Ungleichheit<\/em> von Bruttol\u00f6hnen wird anhand des Gini-Koeffizienten gemessen: Je h\u00f6her der Wert, desto h\u00f6her ist die Ungleichheit.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.cpds-data.org\/\">CPS-Data.org<\/a> (2016), Berechnung Armingeon<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKeineswegs sind die Sozialpartnerschaft und die damit einhergehende politische Regulierung von Arbeitsm\u00e4rkten so nachteilig, dass alle relevanten sozialen und \u00f6konomischen Indikatoren schlechter als in rein liberalen Systemen sind. Die Schweiz und weitere sozialpartnerschaftliche L\u00e4nder wie die Niederlande und Schweden sind mit ihren Arbeitsbeziehungen in der Vergangenheit gut gefahren. Insofern ist keineswegs ausgemacht, dass eine weitere Liberalisierung vorteilhaft w\u00e4re.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Australien, Belgien, D\u00e4nemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Irland, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, \u00d6sterreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Vereinigtes K\u00f6nigreich, USA; 1960 bis ca. 2014.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaftsvertreter in der Schweiz empfinden die Regulierungen des Arbeitsmarktes oft als unangemessene B\u00fcrde. Sie st\u00f6ren sich an einer zu grossen Macht der Gewerkschaften. Zwar sei die Sozialpartnerschaft grunds\u00e4tzlich gut, sie behindere aber zunehmend die unternehmerischen Handlungsm\u00f6glichkeiten.&#13; &#13; Wieweit deckt sich diese Diagnose mit den Daten? 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