{"id":110508,"date":"2017-03-23T14:48:41","date_gmt":"2017-03-23T14:48:41","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/03\/tesar-streitgespraech-04-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:59","slug":"tesar-streitgespraech-04-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/03\/tesar-streitgespraech-04-2017\/","title":{"rendered":"Weniger Flexibilit\u00e4t im Arbeitsmarkt durch die Zuwanderungsinitiative?"},"content":{"rendered":"<h3>Im Sommer j\u00e4hrt sich der Beginn der Finanzkrise zum zehnten Mal. Der Schweizer Arbeitsmarkt verf\u00fcgt \u00fcber eine hohe Widerstandsf\u00e4higkeit, wie wir gesehen haben. Woran liegt das?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>Daniel Lampart:<\/strong> Zum einen ist in diesem Zeitraum die Bev\u00f6lkerung gewachsen \u2013 was die Binnenwirtschaft stabilisierte. Hinzu kamen eine ausserordentliche Bereitschaft des Bundesrates, des Parlaments und gewisser Kantonsregierungen, fr\u00fch konjunkturstabilisierende Massnahmen sowie das Instrument der Kurzarbeit einzuf\u00fchren. Das alles hat dazu gef\u00fchrt, dass im Gegensatz zu anderen L\u00e4ndern unsere Binnenwirtschaft nicht angesteckt wurde.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>Roland M\u00fcller:<\/strong> Der Arbeitsmarkt ist extrem flexibel. In der Finanzkrise mussten aufgrund des Frankenschocks Tausende von Arbeitspl\u00e4tzen in der Schweiz abgebaut werden. Trotzdem: Die Arbeitslosenquote hat tempor\u00e4r zwar etwas ausgeschlagen, sie ist inzwischen aber praktisch unver\u00e4ndert tief wie vor der Finanzkrise. Diese Anpassungsf\u00e4higkeit der Schweizer Wirtschaft gilt es unbedingt zu erhalten.&#13;<\/p>\n<h3>Herr Lampart, was sagen Sie zum Argument des flexiblen Arbeitsmarktes?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Entscheidend war aus meiner Sicht, dass die Auftragslage in den Firmen der Binnenwirtschaft einigermassen stabil blieb. Da spielte die Arbeitsmarktregulierung eine nachgeordnete Rolle. In der Exportwirtschaft war zentral, dass das Instrument der Kurzarbeit rasch und unb\u00fcrokratisch angewendet wurde. Und: In Phasen vor\u00fcbergehender Konjunktureinbr\u00fcche f\u00fchrt ein guter Arbeitnehmerschutz dazu, dass die Unternehmen nicht \u00fcberreagieren, sondern dass sie ihre Belegschaft behalten und auf Kurzarbeit ausweichen. Allerdings zeigt das Beispiel der Tempor\u00e4rarbeit auch: Dort, wo ein relativ geringer Schutz besteht, wurde sofort heruntergefahren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>M\u00fcller:<\/strong> Der Arbeitnehmerschutz bietet Vorteile. Es ist nicht die Idee, dass unter dem Titel Flexibilit\u00e4t der Arbeitnehmerschutz abgebaut werden soll und Hire-and-Fire herrscht. Trotzdem, auch wenn ich es nicht gerne sage, muss man sehen: Instrumente wie Kurzarbeit oder Tempor\u00e4rarbeit bieten generell die M\u00f6glichkeit, das Arbeitsvolumen flexibel zu steuern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong>\u00a0Mit dem Begriff flexibler Arbeitsmarkt muss man aufpassen. In der Forschung hat sich eine differenzierte Betrachtung durchgesetzt: Flexibilit\u00e4t heisst n\u00e4mlich auch, dass die Arbeitgeber Leute einstellen, ohne dass diese die formellen Qualifikationen mitbringen. Zudem d\u00fcrfte eine gute Arbeitslosenversicherung den Wohlstand erh\u00f6hen. Es ist doch eher so: Weil die Schweiz eine sehr tiefe Arbeitslosigkeit hatte, konnte sie sich einen schwachen Arbeitnehmerschutz leisten, ohne dass es Proteste gab.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>M\u00fcller:<\/strong> Diese Diskussion ist eine Huhn-und-Ei-Frage. Ob zuerst das flexible Arbeitsrecht existierte oder die tiefe Arbeitslosigkeit, sei dahingestellt. Offensichtlich geh\u00f6ren die beiden Dinge einfach zusammen. Der siamesische Zwilling zum flexiblen Arbeitsrecht sind der gut ausgebaute Arbeitnehmerschutz und insbesondere in der Schweiz auch die Arbeitslosenversicherung, welche im Vergleich zum Ausland hohe Leistungen erbringt. Deshalb m\u00fcssen wir die Rahmenbedingungen so ausrichten, dass sich die Schweizer Wirtschaft rasch auf neue Bedingungen einstellen kann \u2013 sonst bleibt sie in \u00fcberholten Strukturen gefangen.&#13;<\/p>\n<h3>Bedroht die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative diese Flexibilit\u00e4t?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>M\u00fcller:<\/strong> Nat\u00fcrlich zieht die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative eine zus\u00e4tzliche Regulierung nach sich. Wir \u2013 da wird mir auch Herr Lampart zustimmen \u2013 haben diese Regulierung ja nicht gesucht, aber bereits der Verfassungsartikel impliziert sie. Und es ist nun unser gemeinsamer Auftrag, die B\u00fcrokratie im Griff zu halten, damit wir beide das Ziel erreichen: n\u00e4mlich m\u00f6glichst viele Leute aus der Arbeitslosigkeit\u00a0zu bringen und m\u00f6glichst passgenau den offenen Stellen zuzuf\u00fchren. Ich hoffe, die Gewerkschaften helfen uns dabei.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Es drohte ein Kontingentsystem. Sogar der Bundesrat schlug das vor. Damit haben die Arbeitgeber und die Gewerkschaften in den Neunzigerjahren aber schlechte Erfahrungen gemacht \u2013 weshalb das System abgeschafft wurde. Es ist positiv, dass sich das Parlament stattdessen f\u00fcr eine potenziell wirksame Stellenmeldepflicht mit Arbeitslosenvorrang entschieden hat. Mich freut die Absichtserkl\u00e4rung des Arbeitgeberverbandes, man wolle jetzt eine wirksame Umsetzung.&#13;<\/p>\n<h3>Es gibt noch offene Fragen, wie die Meldepflicht umgesetzt werden soll. Woran werden Sie die Umsetzung messen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Gemessen wird das daran, dass mehr Arbeitslose eine Stelle finden. Melden die Arbeitgeber die offenen Stellen und laden sie Stellensuchende zum Vorstellungsgespr\u00e4ch ein? Sind die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren bereit, die Stellenmeldungen entgegenzunehmen und die Stellensuchenden aktiv zu vermitteln? Wenn \u00fcber 50-J\u00e4hrige, die heute gr\u00f6ssere Probleme haben bei der Stellensuche, oder Wiedereinsteigerinnen das Gef\u00fchl haben, dieser Vorrang bringe etwas, dann hat diese Massnahme eine grosse Akzeptanz.&#13;<\/p>\n<h3>Sie vertreten unterschiedliche Interessen. Kommen Sie nicht beide zum Schluss, dass die Schweizer Sozialpartnerschaft ein Erfolgsmodell ist?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>M\u00fcller:<\/strong> Ja, die Sozialpartnerschaft ist eine Erfolgsgeschichte. Sie ist ein gut funktionierendes und historisch bew\u00e4hrtes Korrektiv zur staatlichen Gesetzgebung. Die Vergangenheit hat auch bewiesen, dass man es den Branchen \u00fcberlassen soll, ob sie eine Regulierung auf diesem Wege als sinnvoll erachten oder nicht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Wir haben in zahlreichen Branchen wie dem Bau oder dem Gastgewerbe Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge, die sich im internationalen Vergleich sehen lassen k\u00f6nnen. Das ist positiv. Aber es gibt L\u00fccken, etwa beim Detailhandel, wo wir keinen Gesamtarbeitsvertrag haben, der f\u00fcr alle Firmen gilt. Das ist im internationalen Vergleich ein Malaise.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>M\u00fcller:<\/strong> Im Detailhandel haben wir prominente Firmenvertr\u00e4ge \u2013 ich erinnere an Migros, Coop und andere \u2013, die auch funktionieren. Es ist ja nicht so, dass dort \u00fcberhaupt nichts existiert und wir keine verantwortungsbewussten Unternehmer h\u00e4tten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge sind im Detailhandel nichts Aussergew\u00f6hnliches, das stimmt, darauf kann man aufbauen. Insbesondere in den gewerblichen Branchen gibt es aber ein Problem: Es gibt immer mehr Firmen mit prek\u00e4ren Anstellungsbedingungen, welche bei keinem Verband mitmachen. Auch in neueren Branchen ist die Verbandsmitgliedschaft wenig verbreitet. Deshalb wird es schwieriger, Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge f\u00fcr allgemeinverbindlich zu erkl\u00e4ren \u2013 denn dazu braucht es ein Quorum von mindestens 50 Prozent der Firmen einer Branche. Diese H\u00fcrden werden heute teilweise nur noch knapp erreicht und in Zukunft gar nicht mehr. Ich mache mir grosse Sorgen: Bei gewissen GAV wird die Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung wegbrechen, wenn man diese H\u00fcrde nicht senkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>M\u00fcller:<\/strong> Da bin ich anderer Meinung: Es ist ja nicht so, dass die sogenannt neueren Branchen keinen Anschluss an Arbeitgeberorganisationen suchen. So trat beispielsweise der Branchenverband der Wirtschaftspr\u00fcfer, Steuern und Treuhand, Expertsuisse, dem Arbeitgeberverband bei, und mit ICT-Switzerland f\u00fchren wir Gespr\u00e4che \u00fcber eine Mitgliedschaft. Es stimmt aber: Diese Branchen sind weniger \u00fcber einen GAV organisiert. Hinsichtlich der f\u00fcr allgemeinverbindlich erkl\u00e4rten GAV gilt f\u00fcr uns: Wo sie sich bisher bew\u00e4hrt haben, sind sie weiterhin berechtigt. Es kann aber nicht sein, dass dieses Instrument durch die Streichung des Arbeitgeberquorums gef\u00f6rdert wird. Wir haben zwar das gemeinsame Ziel, die Arbeitsbedingungen f\u00fcr die Leute in der Schweiz optimal zu halten, aber das soll nicht auf dem Wege neuer f\u00fcr allgemeinverbindlich erkl\u00e4rter GAV erfolgen. Es soll den Branchen \u00fcberlassen werden, ob sie eine Regulierung oder eine Kollektivl\u00f6sung umsetzen wollen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Aber darum geht es ja genau. Wenn eine Branche will, dann soll sie das machen k\u00f6nnen. Aber bei diesen H\u00fcrden f\u00fcr die Allgemeinverbindlichkeitserkl\u00e4rung \u2013 den h\u00f6chsten in ganz Europa \u2013 ist das eben nicht mehr m\u00f6glich. Betroffen sind etwa Teile des Gewerbes in der Romandie und verschiedene GAV im Metall-, Bau- und Sicherheitsgewerbe.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>M\u00fcller:<\/strong> Wir nehmen das ernst. Wie bei der MEI liegt aber auch hier der Teufel im Detail. Wir haben beispielsweise auch in der Sicherheitsbranche das Problem, dass aufgrund der sich aufsplittenden Unternehmen das Quorum nur mehr schwerlich erreicht werden kann und dass die Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung infrage gestellt sein k\u00f6nnte. Andererseits, wenn wir Regulierungen aufnehmen w\u00fcrden, wie sie beispielsweise die Westschweizer Wirtschaftsorganisation Centre Patronal vorgeschlagen hat, dann handeln sich andere Branchen unter Umst\u00e4nden Probleme mit ihrer eigenen Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung ein. Bei der \u00c4nderung des Gesetzes \u00fcber die Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung ist daher Vorsicht geboten.&#13;<\/p>\n<h3>Das Centre Patronal schl\u00e4gt mehr Flexibilit\u00e4t bei den Quoren vor.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Der Vorschlag w\u00e4re f\u00fcr uns ein guter Kompromiss.&#13;<\/p>\n<h3>Der flexible Arbeitsmarkt ist nur die eine Seite. Es braucht die Balance zur sozialen Sicherheit. K\u00f6nnen wir uns den Sozialstaat noch leisten?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>M\u00fcller:<\/strong> Ich wehre mich dagegen, hier immer schwarzzumalen. Das wird Herr Lampart freuen: Wir brauchen Wirtschaftswachstum in der Schweiz, damit wir uns diesen Sozialstaat, der klarerweise ein guter ist, leisten k\u00f6nnen. Wir wollen das Leistungsniveau halten. Wegen der strukturellen Probleme sind daf\u00fcr in der ersten und der zweiten S\u00e4ule zus\u00e4tzliche finanzielle Anstrengungen n\u00f6tig, wozu die Wirtschaft Hand bietet. Man muss das gegen\u00fcber den Arbeitgebern auch einmal anerkennen: Beispielsweise in der Altersvorsorge sprechen wir uns daf\u00fcr aus, das Rentenniveau trotz h\u00f6herer Belastungen der Wirtschaft zu halten. Dasselbe gilt f\u00fcr die Arbeitslosenversicherung.&#13;<\/p>\n<h3>Also ist der Status quo finanzierbar.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Die Schweiz ist so reich wie noch nie. Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen wir unser Sozialversicherungssystem finanzieren. Es ist auch ein Zeichen von Wohlstand und verhilft zu Wohlstand, wenn man gute Sozialversicherungen hat. Das war ja auch der Konsens in der Finanzkrise. Am schlimmsten traf es diejenigen L\u00e4nder, die keine guten Arbeitslosenversicherungen hatten.&#13;<\/p>\n<h3>Herr Lampart, seit Anfang 2016 k\u00f6nnen Arbeitnehmende unter bestimmten Bedingungen darauf verzichten, die Arbeitszeit zu erfassen \u2013 wie sehen Sie das f\u00fcr die Zukunft?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Wir haben f\u00fcr einen Kompromiss mit grosser Autonomie bei der Arbeitsgestaltung Hand geboten. Doch die Tinte ist noch nicht trocken \u2013 und schon wollen die Arbeitgeber eine weitere Aufweichung. Dabei sind die Arbeitszeiterfassung und die Planbarkeit der Arbeit so wichtig wie kaum zuvor \u2013 nicht zuletzt f\u00fcr eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Belastung vieler Arbeitnehmenden ist heute hoch.&#13;<\/p>\n<h3>Zwei parlamentarische Initiativen fordern eine weitere Lockerung des Arbeitsgesetzes.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Das aktuelle Arbeitsgesetz erlaubt grunds\u00e4tzlich sehr viel Flexibilit\u00e4t. Ich war etwas erstaunt, als ich die beiden aktuellen parlamentarischen Vorst\u00f6sse zur Zeiterfassung gesehen habe. Beispielsweise kommt der Wunsch von Revisionsgesellschaften, komplett auf die Zeiterfassung zu verzichten und damit die Begrenzung der Arbeitszeiten stark aufzuweichen. Ich mache mir Sorgen \u00fcber die Qualit\u00e4t in dieser Branche: Wenn ein Revisor 40 Stunden konzentriert arbeitet, ist er meiner Meinung nach m\u00fcde, weil es anstrengend ist. Und heute ist es vielleicht noch anstrengender, weil auch die Geschwindigkeit und die Komplexit\u00e4t gestiegen sind. Man muss sich dann nicht wundern, wenn bei der Revision M\u00e4ngel \u00fcbersehen werden.&#13;<\/p>\n<h3>Das ist eine heftige Kritik an den Revisoren.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Ja, das sind auch die lautesten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>M\u00fcller:<\/strong> Der Sozialpartnerkompromiss von Anfang 2016 \u2013 zu dem wir immer noch stehen \u2013 hilft nicht allen. So gibt es Branchen, die keine Sozialpartnerschaft kennen oder bei denen zurzeit diesbez\u00fcglich Probleme bestehen. Sie alle sind blockiert. Es w\u00e4re unredlich, dieses Thema nicht angehen zu wollen. Das Arbeitsgesetz ist \u00fcber 50-j\u00e4hrig und hiess einmal Fabrikgesetz. Es stammt aus einer Zeit, als man die Fabrikarbeit als k\u00f6rperliche Schwerarbeit regeln musste. Zudem fand eine Verlagerung vom Industrie- zum Dienstleistungsbereich statt, und die Autonomie vieler Arbeitnehmenden ist gestiegen. Da braucht es flexiblere L\u00f6sungen, angepasst an die moderne Arbeitswelt.&#13;<\/p>\n<h3>Google beklagt sich \u00fcber die Nacht- und Sonntagsruhe. Ist diese Regulierung zeitgem\u00e4ss?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert, das stimmt. Die Zeit, wo in gewissen Haushalten vielleicht die Ehefrau noch das Nachtessen warm hielt, bis der Mann nach Hause kam, ist vorbei. In vielen Familien sind heute beide Partner erwerbst\u00e4tig. Vor allem die j\u00fcngere Generation ist darauf angewiesen, dass es verbindliche Vorstellungen und Pl\u00e4ne gibt, wie man arbeitet und wie nicht. \u00dcberstunden im B\u00fcro zu machen, um Pr\u00e4senz zu markieren und dem Chef zu gefallen, ist von gestern. Heute muss eine effiziente Arbeitsorganisation das Ziel sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>M\u00fcller:<\/strong> Wenn sich berufst\u00e4tige Eltern f\u00fcr die Familie engagieren, sind sie darauf angewiesen, Arbeitszeiten unterbrechen zu k\u00f6nnen. Gerade hier stellen wir aber im Arbeitsgesetz ein Problem fest: den starren Zeitrahmen der Tagesarbeitszeit von 14 Stunden. Er gilt auch bei mehreren sehr langen Arbeitsunterbr\u00fcchen, was die Flexibilit\u00e4t einschr\u00e4nkt. Es gibt im Arbeitsgesetz Regulierungen, deren Anpassung den Gesundheitsschutz in keiner Weise beeintr\u00e4chtigen w\u00fcrde. Ich habe den Eindruck, die Gewerkschaften verweigern hierzu die Diskussion, weil sie sich um Einfluss und Pfr\u00fcnden sorgen. Daf\u00fcr habe ich zwar ein gewisses Verst\u00e4ndnis. Aber sie setzen sich damit dem Vorwurf aus, dass sie den Arbeitsmarkt in ihrem Interesse zus\u00e4tzlich regulieren wollen und nicht bereit sind, sich auf neue Herausforderungen aus den Ver\u00e4nderungen der Arbeitswelt einzulassen. Ich habe gelernt, dass man versuchen soll, sich in den anderen hineinzuversetzen. Ich bin auch gerne bereit, das auch hier zu tun. Das Gleiche erwarte ich aber auch von den Gewerkschaften, damit wir gemeinsam die Zukunft gestalten k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>Lampart:<\/strong> Wir sind den Arbeitgebern entgegengekommen und haben einem Kompromiss zugestimmt. Sie haben versprochen, dass keine weiteren Forderungen kommen. Nun erwarten wir, dass sich die Arbeitgeber an dieses Versprechen halten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sommer j\u00e4hrt sich der Beginn der Finanzkrise zum zehnten Mal. Der Schweizer Arbeitsmarkt verf\u00fcgt \u00fcber eine hohe Widerstandsf\u00e4higkeit, wie wir gesehen haben. Woran liegt das? &#13; Daniel Lampart: Zum einen ist in diesem Zeitraum die Bev\u00f6lkerung gewachsen \u2013 was die Binnenwirtschaft stabilisierte. Hinzu kamen eine ausserordentliche Bereitschaft des Bundesrates, des Parlaments und gewisser Kantonsregierungen, [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4162,"featured_media":26602,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[67,69],"post_opinion":[72],"post_serie":[],"post_content_category":[],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":4162,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Chefredaktorin, Die Volkswirtschaft","seco_author_post_occupation_fr":"R\u00e9dactrice en chef de \u00ab La Vie \u00e9conomique \u00bb","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"Weniger Flexibilit\u00e4t im Arbeitsmarkt?","post_lead":"Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative (MEI) bringe eine zus\u00e4tzliche Regulierung mit sich, sagt Roland M\u00fcller, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, im Streitgespr\u00e4ch mit Daniel Lampart, Chef\u00f6konom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Lampart betont, es sei positiv, dass sich das Parlament f\u00fcr eine potenziell wirksame Stellenmeldepflicht mit Arbeitslosenvorrang entschieden habe. F\u00fcr rote K\u00f6pfe sorgen die Vorst\u00f6sse zur Lockerung der Arbeitszeiterfassung.","post_hero_image_description":"Definieren Arbeitnehmerschutz unterschiedlich: Daniel Lampart (l.) und Roland M\u00fcller diskutieren im Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco).","post_hero_image_description_copyright_de":"Seco, Viviane Futterknecht","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":110511,"main_focus":[156389,157084],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":110515,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"66740","post_abstract":"","magazine_issue":"04-2017","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[3988,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20170324","original_files":[{"file":110523}],"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/589833bb4b481"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110508"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4162"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=110508"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110508\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126456,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110508\/revisions\/126456"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4162"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157084"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156389"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26602"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=110508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=110508"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=110508"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=110508"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=110508"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=110508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}