{"id":110565,"date":"2017-02-23T13:20:26","date_gmt":"2017-02-23T13:20:26","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/02\/interview-schneider-ammann\/"},"modified":"2023-08-23T23:06:58","modified_gmt":"2023-08-23T21:06:58","slug":"interview-schneider-ammann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/02\/interview-schneider-ammann\/","title":{"rendered":"\u00abDie Arbeit wird f\u00fcr alle anspruchsvoller\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Herr Schneider-Ammann, welches ist Ihre Lieblingsapp?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Gib-mir-mehr-Zeit-App m\u00fcsste man noch erfinden (\u00fcberlegt)\u2026 Meine Lieblingsapp ist nat\u00fcrlich die \u00abVolkswirtschaft\u00bb-App (schmunzelt).&#13;<\/p>\n<h3><strong>Das gef\u00e4llt uns. Sie engagieren sich seit einem Jahr sehr stark f\u00fcr das Thema Digitalisierung. Woher kommt dieses Feuer?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEinerseits fasziniert mich Technologie seit je \u2013 ich studierte ja vor 40 Jahren an der ETH Elektrotechnik, das waren die Anf\u00e4nge der Digitalisierung. Anderseits ist die erfolgreiche Nutzung der digitalen Transformation massgeblich f\u00fcr die Zukunftsf\u00e4higkeit unseres Wirtschaftsstandortes \u2013 und damit f\u00fcr Jobs und Perspektiven in der Schweiz. Daf\u00fcr brennt mein Feuer. In den vergangenen drei industriellen Revolutionen hatte der technologische Fortschritt trotz aller \u00c4ngste positiven Einfluss: Es gab mehr Jobs und mehr Wohlstand in unserem Land. Wir haben eine hervorragende Ausgangslage, damit sich das nun wiederholt. Aber wir m\u00fcssen noch viel tun.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Was sind die Konsequenzen des Wandels?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Wandel f\u00fchrt dazu, dass ganze T\u00e4tigkeitsfelder und Berufe abgel\u00f6st werden. Aufgrund dieser technologischen Realit\u00e4ten kann es nicht unser Ziel sein, Uber und Airbnb zu verbieten. Aber wir m\u00fcssen verstehen, welche Rahmenbedingungen f\u00fcr diese Firmen und im Sinne des gesellschaftlichen Gemeinwohls den gr\u00f6sstm\u00f6glichen Nutzen stiften. Der Kaufm\u00e4nnische Verband spricht von 100\u2019000 Arbeitspl\u00e4tzen in der Branche, die verschwinden werden. Das kann ich nicht ausschliessen. Gleichzeitig haben wir f\u00fcr die Schweiz aber die Ambition, dass mehr als 100\u2019000 neue Arbeitspl\u00e4tze insgesamt geschaffen werden. Diese neuen Stellen setzen moderne Grundlagen in der Bildungspolitik voraus. Wir machen eine Chancenpolitik und nicht eine Angstbewirtschaftungspolitik.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Im Bericht zur digitalen Wirtschaft schreibt der Bundesrat, dass insgesamt mit keinem R\u00fcckgang der Besch\u00e4ftigung zu rechnen sei. Sie sagen sogar, das Ziel sei es, die Besch\u00e4ftigung noch auszubauen. Ist das nicht Sch\u00f6nf\u00e4rberei?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNein, mein Ziel ist es, jeder Person in diesem Land eine Perspektive zu geben. Jede und jeder soll zuerst eine Ausbildung abschliessen und dann eine T\u00e4tigkeit aus\u00fcben. Im Laufe der dritten industriellen Revolution in den Achtzigerjahren hatte ich in meinem Unternehmen entschieden, dass wir komplett von der Mechanik auf die numerische Steuerung umstellen. Einige der Kader im Betriebsbereich str\u00e4ubten sich damals dagegen. Ich wies sie darauf hin, dass sie nicht erstaunt sein sollten, wenn es f\u00fcr sie sp\u00e4ter keinen Platz mehr gebe. Am Schluss waren alle dabei. Die Firma machte Produktivit\u00e4tsfortschritte, gewann an Wettbewerbsf\u00e4higkeit und war deshalb weiterhin im Markt. In der vierten Revolution passiert nichts anderes: Es gibt eine Effizienzsteigerung und einen Wettlauf. Deshalb ist es nicht Sch\u00f6nf\u00e4rberei. Wir k\u00f6nnen die gute Ausgangslage, die die Schweiz hat bei der Digitalisierung, nutzen und nach wie vor eine hohe Besch\u00e4ftigung aufweisen. Wenn wir hingegen versuchen zu bremsen, dann findet die Digitalisierung anderswo statt \u2013 und dort entstehen dann auch die neuen Arbeitspl\u00e4tze. Das m\u00fcssen wir verhindern.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Warum muss sich der Bundesrat mit der Digitalisierung besch\u00e4ftigen? Es gibt zahlreiche private Initiativen, wie etwa Digitalswitzerland.ch<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nErstens begr\u00fcsse ich Initiativen wie Digitalswitzerland.ch. Insbesondere wenn dadurch sichergestellt wird, dass Jungunternehmer und bew\u00e4hrte Kr\u00e4fte aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammenfinden und sich gemeinsam den Herausforderungen der digitalen Transformation stellen. Die Entwicklung ist so komplex, dass der Staat diese nicht von oben steuern kann. Und das wollen wir auch gar nicht. Das f\u00fchrt mich zum zweiten Punkt: Der Bundesrat macht eine saubere Ordnungspolitik. Sauber heisst: Der Bund stellt die Rahmenbedingungen bereit und bietet m\u00f6glichst viel Freiraum f\u00fcr die Privaten. Der Bundesrat kommt grunds\u00e4tzlich zum Schluss, dass es derzeit keinen legislativen Handlungsbedarf gibt.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Auch bei der Sharing-Economy heisst das Fazit des Bundesrates, dass die aktuelle Gesetzgebung diese Gesch\u00e4ftsmodelle angemessen erfassen kann. Ist es nicht zu einfach, nichts zu tun?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWir tun ja nicht nichts. Aber manchmal ist es besser, man h\u00f6rt zu, bevor man sich als Besserwisser ausgibt. Bei diesen Regulativen ist das genauso: Weil unser Arbeitsmarkt liberaler ist als der unserer Nachbarl\u00e4nder, gibt es a priori mehr Raum, um neue Prozesse und Technologien \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen, ohne dass man erst die Gesetze dazu machen muss. Wo das Korsett eng ist und kein Spielraum besteht, muss man es erst \u00f6ffnen \u2013 und das \u00d6ffnen ist viel schwieriger als das Einf\u00fchren neuer Gesetze.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Die neuen Arbeitsmodelle stellen auch Herausforderungen an die Sozialversicherungen. Ist der Uber-Fahrer selbstst\u00e4ndig oder unselbstst\u00e4ndig?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMan muss jedes T\u00e4tigkeitsgebiet, ja jeden einzelnen Fall f\u00fcr sich beurteilen. Das tun derzeit Gerichte. Es gibt keine allgemein g\u00fcltige Regel. Momentan ist die Digitalisierung in der Mobilit\u00e4t mit Uber im Fokus. Es muss sichergestellt sein, dass f\u00fcr alle Marktteilnehmer in einem bestimmten Segment die gleichen oder vergleichbare Rahmenbedingungen gelten.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Mit anderen Worten heisst das, dass Mitarbeiter von Uber Angestellte sein werden und der Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge einziehen und abgeben muss?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas habe ich nicht gesagt. Grunds\u00e4tzlich lautet die Frage doch, ob das bestehende Recht ausreichend Ermessensspielraum zul\u00e4sst, damit die Bestimmungen beispielsweise zum Vertragsrecht oder zu den Sozialversicherungen auch auf die neuen Arbeitsformen, Berufsbilder und Arbeitsbedingungen der Sharing-Economy beziehungsweise der Plattformbesch\u00e4ftigten angewendet werden k\u00f6nnen. Dieser und andere Fragen geht der Bund in seinem Bericht zum Postulat Reynard nach, der im Herbst in den Bundesrat kommt. Ich greife dem nicht vor.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Durch den Strukturwandel gibt es auf dem Arbeitsmarkt eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Den Bauarbeiter kann man nicht einsetzen, um Software zu programmieren. Auch Leute im kaufm\u00e4nnischen Bereich sind davon betroffen. Wie gehen Sie diese Herausforderung an?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr mein Verst\u00e4ndnis bleibt die Bildungspyramide g\u00fcltig: mit der Grundbildung f\u00fcr die breite Bev\u00f6lkerung und den Nobelpreisgewinnern ganz oben. Die Pyramide wird per se etwas nach oben geschoben. Das heisst, die Arbeit wird f\u00fcr alle anspruchsvoller. Trotzdem bleibt es eine Pyramide.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Gibt es f\u00fcr die unten in der Pyramide noch Platz im Arbeitsmarkt?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNat\u00fcrlich. An einer Hochschule gibt es weiterhin angewandte Forschungst\u00e4tigkeiten im Labor. Da braucht es Laboranten, die k\u00fcnftig ganz selbstverst\u00e4ndlich neue elektronische Ger\u00e4te bedienen k\u00f6nnen. Junge Leute, die damit aufwachsen, beherrschen das. Das wird ganz organisch geschehen. Es braucht auch weiterhin Zudient\u00e4tigkeiten \u2013 zwar etwas digitalisiert, aber es braucht sie immer noch. Ergo m\u00fcssen wir daf\u00fcr sorgen, dass wir alle miteinander die Pyramide nach oben schieben k\u00f6nnen, ohne dass die Basis wegf\u00e4llt.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Und wie machen wir das? Braucht es eine Nachholbildung f\u00fcr diese Leute?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWeiterbildung ist ein Begriff mit grosser Zukunft. Es braucht mehr denn je permanente, lebenslange Weiterbildung, und zwar f\u00fcr alle, nicht nur f\u00fcr die bereits Gutgebildeten. Damit bleibt man auf dem Arbeitsmarkt gefragt und kann die Karriere beeinflussen. Heute befinden wir uns in der vierten Revolution, die f\u00fcnfte wird bestimmt irgendwann kommen. Weiterbildung ist also entscheidend.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Wer ist daf\u00fcr verantwortlich?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nPrim\u00e4r ist jeder Einzelne und jede Einzelne selber verantwortlich, dass er oder sie up to date bleibt. Wir pr\u00fcfen zurzeit, ob es f\u00fcr gering qualifizierte und insbesondere \u00e4ltere Arbeitnehmende noch spezielle finanzielle Impulse braucht.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Inwiefern ist auch der Arbeitgeber einzubeziehen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer wird automatisch einbezogen. Die M\u00e4rkte verlangen vom Arbeitgeber, dass er bei den Besten ist und technisch kompetitiv bleibt. Damit h\u00e4lt die Digitalisierung Einzug beim Arbeitgeber. Die Mitarbeiter m\u00fcssen die Bereitschaft haben, diesen Sog mitzumachen. Sie m\u00fcssen sich bewegen und sich weiterbilden. Und die Arbeitgeber unterst\u00fctzen sie dabei, in ihrem eigenen Interesse.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Braucht es bei der Arbeitslosenversicherung mit den arbeitsmarktrechtlichen Massnahmen eine Neuausrichtung?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWir haben diese Diskussion gef\u00fchrt und sind der Meinung, dass nicht speziell etwas angepasst werden muss. Die Instrumente in der Arbeitslosenversicherung bestehen und sollten auch in Zukunft gen\u00fcgen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Sie sagten, die Schweiz verf\u00fcge \u00fcber eine gute Ausgangslage bei der Digitalisierung. Wie kommt es, dass sie beim E-Government im internationalen Vergleich Nachholbedarf aufweist?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEs gibt Bereiche, bei denen wir im R\u00fcckstand sind, es gibt auch Bereiche, wo wir gut unterwegs sind. Ich sass als Bundesrat einige Jahre im Steuerungsausschuss des E-Government-Projekts. Wegen der f\u00f6deralistischen Struktur ist es zeitaufwendig, Bund, Kantone, St\u00e4dte und Gemeinden auf eine gemeinsame Schiene zu bringen. In der Konsequenz f\u00fchrt das zu etwas R\u00fcckstand, aber wenn eine L\u00f6sung vereinbart ist, dann wird sie von allen getragen. Wir w\u00e4ren nicht in vielen Bereichen ganz vorne mit dabei, wenn diese demokratische, f\u00f6derale und aufwendige Konzeption von Projekten falsch w\u00e4re. Einige Projekte haben wir trotzdem zum Abschluss gebracht.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Meinen Sie etwa E-Health?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas ist eines davon. Es ist zwar noch lange nicht reif, aber von der Idee her durchbuchstabiert. E-Voting ist in der Testphase und bereits relativ weit fortgeschritten. Inzwischen probieren das f\u00fcnf Kantone aus. Es ist aber noch nicht ganz wasserdicht, und deshalb l\u00e4sst man es noch nicht in allen Kantonen zu. In den f\u00fcnf Jahren, die ich als Bundesrat im Steuerungsausschuss war, habe ich immer wieder nach dem One-Stop-Shop gefragt. In der Finanzierungsbotschaft des letzten Jahres musste ich deswegen um f\u00fcnf Millionen k\u00e4mpfen, die man mir abklemmen wollte. Die Version 1.0 des One-Stop-Shops wird im Verlauf 2017 live gehen. Sie wird erste elektronische Beh\u00f6rdenleistungen f\u00fcr die Unternehmen anbieten und dann fortlaufend weiterentwickelt.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Wie steht es um das Innovationspotenzial in der Schweiz? Die letzte digitale Innovation aus der Schweiz \u2013 die Computermaus \u2013 ist schon mehrere Jahrzehnte her.<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEs ist \u00fcberhaupt nicht so, dass zwischenzeitlich nichts passiert w\u00e4re. Die innovativen Ideen entstehen rund um die EPFL, ETH, Universit\u00e4ten und Fachhochschulen. Zentral sind die kreativen K\u00f6pfe und eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule, Forschung und KMU-Umsetzungspartner. In der Innovationsentwicklung kommt irgendwann die Frage, ob man den Markteintritt finanzieren kann oder nicht. Und die meisten k\u00f6nnen es nicht. Diese Jungunternehmen werden sozusagen weggeschnappt, und deshalb sind die Innovationsleistungen nicht mehr \u00f6ffentlich sichtbar wie seinerzeit bei der Computermaus.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Was meinen Sie mit weggeschnappt?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSie werden aufgekauft. Neun von zehn Projekten \u00fcberleben das Death Valley nicht. Bevor sie abst\u00fcrzen, m\u00fcssen sie also von jemandem \u00fcbernommen werden, der \u00fcber Mittel verf\u00fcgt. Das sind in der Regel die gr\u00f6sseren Unternehmen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Sind diese gen\u00fcgend interessiert?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa, die sind sogar darauf angewiesen. Firmen wie Nestl\u00e9 oder Novartis haben hierzulande an der ETH und weltweit Screening-Trupps, welche nach marktf\u00e4higen Innovationen suchen. Das wird systematisch gemacht.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Wie soll man die innovativen Start-ups in der Schweiz zus\u00e4tzlich f\u00f6rdern?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nLet it happen. Lassen wir ihnen m\u00f6glichst viel Spielraum. Dabei ist es nicht unwichtig, dass Professoren der Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschulen in Z\u00fcrich und Lausanne nebst ihrer Hauptt\u00e4tigkeit relativ grossz\u00fcgig sogenannte Nebent\u00e4tigkeiten ausf\u00fchren d\u00fcrfen. Es gibt im Moment politische Kr\u00e4fte, die versuchen, die Hochschullehrer in den Lehrsaal zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Das ist falsch, denn so reduziert man ihre Kapazit\u00e4t, an Projekten mitzuarbeiten und diese zu f\u00f6rdern. Man muss den Leuten vertrauen, dass sie ihren Hauptauftrag \u2013 die Ausbildung und die hochschulgewollte, unabh\u00e4ngige Forschung \u2013 wahrnehmen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Sie sollen sich also vernetzen k\u00f6nnen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa, es geht um die Vernetzung \u2013\u00a0einen der wesentlichen Treiber der digitalen Transformation \u2013 und darum, dass man Umsetzungspartner findet. Das sind in der Regel die Kleinunternehmen. Man muss die beiden zusammenf\u00fchren und ihnen helfen, Projekte zu starten. Das ist es, was wir mit der Innosuisse, der Nachfolgeorganisation der Kommission f\u00fcr Technologie und Innovation, machen wollen. Auch der Schweizerische Nationalfonds macht nichts anderes, als zu helfen, Projekte voranzutreiben. So entsteht dann beispielsweise die aussergew\u00f6hnliche Position der Schweizer Medizinaltechnik.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Denken Sie, es ist wichtig, dass Schweizer in schweizerische Start-ups investieren, oder kann das Geld auch vom Ausland kommen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch will die Arbeitspl\u00e4tze hier haben, das will ich betonen. Aber es ist f\u00fcr mich ohne Weiteres denkbar, dass diese Stellen mit ausl\u00e4ndischem Kapital finanziert werden. Wir sind ein offenes Land mit internationalem Personal und Studenten an den Hochschulen. Es w\u00e4re v\u00f6llig falsch, zu glauben, wir w\u00fcrden unser Gl\u00fcck gut schmieden, wenn wir nur Schweizer Investoren zulassen.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Die Schweiz hat in der zweiten\u00a0und der dritten\u00a0industriellen Revolution erfolgreiche Grossunternehmen hervorgebracht. Ist das in der vierten\u00a0Revolution wieder m\u00f6glich?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNiemand ist besser aufgestellt als unsere Pharmabranche oder Konzerne wie Nestl\u00e9. F\u00fcr den Erfolg ist mir wichtig, dass wir nicht nur \u00fcber die ganz grossen Unternehmen sprechen, sondern auch \u00fcber die kleineren. Wenn sich ganz grosse Unternehmen im Markt begegnen, dann bleiben dazwischen Nischenm\u00e4rkte bestehen, die man anvisieren kann. Innovative Kleinunternehmen finden dort ihren Platz. Wenn der Markt jedoch unter vielen kleinen Unternehmen aufgeteilt wird, dann sind diese Nischen so klein, dass sie kaum mehr von Interesse sind.&#13;<\/p>\n<h3><strong>Durch die zunehmende Digitalisierung werden viele Unternehmen auch immer wieder von Hackerangriffen heimgesucht. Bereitet Ihnen das Sorgen?<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas gibt es, und es ist nicht ganz zu verhindern. Aber man kann sich wappnen dagegen, indem man es rechtzeitig merkt. F\u00fcr mich hat das nichts mit Technologie zu tun, sondern mit F\u00fchrung. Wenn Sie eine Kultur vorgeben, in der die Leute den Mut haben, zu sagen, wenn sie nicht sicher sind und Hilfe brauchen, dann haben Sie die Chance, dass Sie einen Angriff entdecken und fr\u00fchzeitig Gegenmassnahmen treffen k\u00f6nnen. Wenn Sie eine Kultur haben, wo jeder Angst hat und die Kommunikation nicht l\u00e4uft, dann werden sie dauerhaft \u00fcberrannt und \u00fcberrascht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Schneider-Ammann, welches ist Ihre Lieblingsapp? &#13; Eine Gib-mir-mehr-Zeit-App m\u00fcsste man noch erfinden (\u00fcberlegt)\u2026 Meine Lieblingsapp ist nat\u00fcrlich die \u00abVolkswirtschaft\u00bb-App (schmunzelt).&#13; Das gef\u00e4llt uns. Sie engagieren sich seit einem Jahr sehr stark f\u00fcr das Thema Digitalisierung. 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In dieser Zeit pr\u00e4sidierte der damalige Verwaltungsratspr\u00e4sident des Langenthaler Maschinenbauunternehmens Ammann Group den Verband der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Swissmem und war Vizepr\u00e4sident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. In das Familienunternehmen seiner Frau trat er 1981 ein. Schneider-Ammann studierte Elektrotechnik an der ETH Z\u00fcrich. 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