{"id":110849,"date":"2017-02-23T13:11:28","date_gmt":"2017-02-23T13:11:28","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2017\/02\/fluder-03-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:07:21","modified_gmt":"2023-08-23T21:07:21","slug":"fluder-03-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2017\/02\/fluder-03-2017\/","title":{"rendered":"Welche Faktoren beeinflussen die Wiedereingliederung von Arbeitslosen?"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein Teufelskreis: Wiederholte Absagen auf Bewerbungen dr\u00fccken auf das Selbstwertgef\u00fchl und auf die Motivation von Arbeitslosen. Der zunehmende Verlust an beruflichem Wissen schm\u00e4lert die Aussichten auf einen neuen Job. Eine Studie<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> der Berner Fachhochschule hat im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) die Erwerbsintegration nach der Arbeitslosigkeit analysiert. Bei Personen, die 2005 arbeitslos geworden sind, wurde untersucht, wie oft und wie lange sie in den folgenden f\u00fcnf Jahren Sozialleistungen (Arbeitslosenentsch\u00e4digung, ALE, oder Sozialhilfe) bezogen haben und wie gut sie wieder ins Erwerbsleben integriert werden konnten. Die Erwerbsintegration wurde zweieinhalb Jahre nach dem ersten ALE-Bezug untersucht, da sp\u00e4testens ab diesem Zeitpunkt die Berechtigung auf Arbeitslosentaggelder ausl\u00e4uft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr jede Person wurde pro Monat ermittelt, ob sie erwerbst\u00e4tig war und ob das Erwerbseinkommen mehr als 2500 Franken betrug. Dieser Schwellenwert wurde gew\u00e4hlt, da damit das Existenzminimum eines Einpersonenhaushalts ungef\u00e4hr gedeckt ist. Die verf\u00fcgbaren Daten lieferten allerdings keine Angaben dar\u00fcber, ob diese Grenze aufgrund eines tiefen Lohnsatzes oder einer Teilzeitbesch\u00e4ftigung nicht erreicht wurde. Das Einkommen sagt zudem wenig \u00fcber die effektive wirtschaftliche Lage des Haushaltes der Person aus, weil weder das Einkommen von weiteren Personen im Haushalt noch weitere Einkommensquellen, wie beispielsweise Verm\u00f6genseink\u00fcnfte, ber\u00fccksichtigt werden konnten.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Nachhaltige Integration gelingt nur teilweise<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die Art der Erwerbsintegration charakterisieren zu k\u00f6nnen, wurden abh\u00e4ngig von der Dauer der Erwerbst\u00e4tigkeit und der H\u00f6he der erzielten Erwerbseinkommen f\u00fcnf verschiedene Erwerbsverlaufstypen gebildet (siehe <em>Abbildung 1<\/em>): Die Typen reichen von einer nachhaltigen Erwerbsintegration bis zu keiner Erwerbst\u00e4tigkeit.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. <\/strong><strong>1<\/strong><strong>: Erwerbsverlaufstypen der neuen Arbeitslosengeldbeziehenden von 2005<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"fritchi_de_1\"><\/div>\n<script>\n\n\n\n$(function () {\n    $('#fritchi_de_1').highcharts({\n\nchart: {\n\n            type: 'bar'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n       \n        xAxis: {\n             categories: ['1. Nachhaltige Erwerbsintegration: <br\/><i>\u00dcber 80% der Beobachtungszeit erwerbst\u00e4tig mit einem Einkommen \u00fcber 2500 Fr. pro Monat.<\/i>', '2. Teilweise Erwerbsintegration: <br\/><i>40\u201380% der Beobachtungszeit erwerbst\u00e4tig; davon in mehr als der H\u00e4lfte der Monate mit einem Einkommen \u00fcber 2500 Fr.<\/i>', '3. Nicht existenzsichernde Erwerbsintegration: <br\/><i>Mehr als 40% der 30 Beobachtungsmonate erwerbst\u00e4tig, aber in der Mehrheit der Monate mit einem Einkommen unter 2500 Fr.<\/i>', '4. Minimale Erwerbst\u00e4tigkeit: <br\/><i>Zwischen 12,5 und 40% der Beobachtungszeit erwerbst\u00e4tig<\/i>', '5. Keine Erwerbst\u00e4tigkeit (R\u00fcckzug): <br\/><i>Weniger als 12,5% der Beobachtungszeit erwerbst\u00e4tig (d. h. weniger als 4 Monate)<\/i>'],\n           \n        },\n        yAxis: {\n            title: {\n                text: ''\n            },\n              labels: {\n                format: '{value}%' \/\/ nacht, dass auf der Y-Achse das Prozentzeichen angezeigt wird. Man k\u00f6nnte auch Fr., Mia. oder was auch immer als Wert angeben.\n            },\n           \n        },\n        tooltip: {\n            valueSuffix: '%'\n        },\n        legend: {\n            enabled: false\n        },\n        \n        credits: {\n            enabled: false\n        },\n plotOptions: {\n            series: {\n                color: '#88c0d3'\n            }\n        },\n       \n        series: [{\n            name: '31. bis 60. Monat ab dem ersten ALE-Bezug',\n            data: [52.4, 14.1, 16.7, 5.4, 11.3]\n        }]\n    });\n});\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\"><span class=\"text__legend\">Anmerkung: Beobachtungsdauer 31. Monat bis 60. Monat ab dem ersten ALE-Bezug. Grundgesamtheit: ALE Neubeziehende 2005, N=141\u2019450.<\/span> <\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">BSV SHIVALV 2005 bis 2013; Berechnungen BFH, Soziale Arbeit \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVon allen 2005 arbeitslos gewordenen Personen waren neun von zehn in der Zeit vom 31. bis zum 60. Monat nach dem ersten ALE-Bezug zumindest zeitweise wieder erwerbst\u00e4tig. In rund drei Vierteln der Zeit erzielten sie ein Erwerbseinkommen von \u00fcber 2500 Franken. Erwerbsunterbr\u00fcche von mehr als vier Monaten wurden bei jeder f\u00fcnften Person festgestellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNach zweieinhalb Jahren war gut die H\u00e4lfte der 2005 arbeitslos gewordenen Personen wieder nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert. Erwerbsunterbr\u00fcche, Phasen ohne Erwerbseinkommen oder ein Sozialleistungsbezug kommen bei diesen Personen kaum vor. Teilweise integriert waren 14 Prozent: Sie waren w\u00e4hrend durchschnittlich 60\u00a0Prozent der Zeit mit einem Erwerbseinkommen von \u00fcber 2500 Franken erwerbst\u00e4tig; gleichzeitig wiesen sie aber relativ h\u00e4ufig Erwerbsunterbr\u00fcche von mehr als vier Monaten oder Perioden von Teilarbeitslosigkeit auf. Diese Personen sind somit ebenfalls auf dem Arbeitsmarkt integriert, die Erwerbst\u00e4tigkeit ist jedoch weniger stabil als bei der Gruppe der nachhaltig Integrierten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZur Gruppe der \u00abnicht existenzsichernd integrierten Personen\u00bb z\u00e4hlen 17 Prozent. Sie waren zwar teilweise erwerbst\u00e4tig, ihr Erwerbseinkommen allein war jedoch zu gering, um die Existenz einer erwachsenen Person zu decken. F\u00fcr die Existenzsicherung waren diese Personen auf das Einkommen eines weiteren Haushaltsmitglieds oder auf Sozialleistungen angewiesen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie \u00fcbrigen Personen waren nur minimal erwerbst\u00e4tig (5%) oder zogen sich vom Arbeitsmarkt zur\u00fcck (11%). Es ist unklar, ob sich diese Personen freiwillig zur\u00fcckzogen, beispielsweise um Kinder zu betreuen, Angeh\u00f6rige zu pflegen, wegen einer Ausbildung oder weil sie die Schweiz verlassen haben. Ob der R\u00fcckzug vom Arbeitsmarkt unfreiwillig geschah \u2013 etwa aufgrund mangelnder Chancen oder wegen einer gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigung \u2013, m\u00fcsste genauer untersucht werden.&#13;<\/p>\n<h2>\u00c4ltere Arbeitslose mit h\u00f6herem Risiko<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWelche Bev\u00f6lkerungsgruppen weisen ein hohes Risiko f\u00fcr eine gef\u00e4hrdete und nicht nachhaltige Erwerbsintegration auf? Um Antworten darauf zu finden, wurde f\u00fcr die Studie ein Modell gesch\u00e4tzt, welches alle Einflussfaktoren simultan ber\u00fccksichtigt. Darin sind neben den pers\u00f6nlichen soziodemografischen und sozioprofessionellen Merkmalen der Personen auch Merkmale des wirtschaftlichen Umfeldes (Besch\u00e4ftigung in einem Risikoberuf, regionale Arbeitslosenquote) ber\u00fccksichtigt. Ebenfalls einbezogen wurden Massnahmen der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) sowie Angaben zum Sozialleistungsbezugsverlauf \u2013 beispielsweise die Dauer des ALE-Bezugs, das Vorliegen einer Sozialhilfeunterst\u00fctzung, die Anzahl ALE-Perioden. Die Erwerbsintegration wurde dabei f\u00fcr den Zeitraum zwischen dem 49. und dem 96. Monat nach dem ALE-Bezugsbeginn 2005 gesch\u00e4tzt (siehe <em>Abbildungen 2<\/em> und <em>3<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: <strong>\u00a0Soziodemografische Einflussfaktoren bei der\u00a0Erwerbsintegration<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/02\/Fluder_Fritschi_2_DE_neu.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-66434 size-full\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/02\/Fluder_Fritschi_2_DE_neu.png\" width=\"1870\" height=\"1064\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 3: Sozioprofessionelle, raum- und verlaufsbezogene Einflussfaktoren&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/02\/Fluder_Fritschi_3_DE_neu-1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-66450\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2017\/02\/Fluder_Fritschi_3_DE_neu-1.png\" alt=\"Fluder_Fritschi_3_DE_neu\" width=\"1660\" height=\"2258\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung zu <em>Abb. 2<\/em> und<em> 3<\/em>: Dargestellt sind die Parameter des Modells zur Erkl\u00e4rung des Anteils der Erwerbsmonate mit einem Erwerbseinkommen \u00fcber 2500 Franken im Zeitraum vom 49. bis\u00a0zum 96. Monat ab dem ersten ALE-Bezugsmonat im Jahr 2005. In den Grafiken sind nur die signifikanten Parameter (p&lt;0,05) wiedergegeben. N=107\u2019497. <\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Lesebeispiel: Personen mit einer terti\u00e4ren Ausbildung haben einen um 2,9\u00a0Prozentpunkte h\u00f6heren Anteil Erwerbsmonate im Vergleich zu Personen mit einer Berufsausbildung (Sek II = Referenzkategorie). Personen ohne Berufsausbildung, also ohne nachobligatorische Ausbildung, haben gegen\u00fcber Personen mit einem Berufsabschluss einen um 5,7\u00a0Prozentpunkte tieferen Anteil an Erwerbsmonaten, wenn alle anderen Faktoren ebenfalls einbezogen werden, d. h. bei Kontrolle aller anderen Einflussfaktoren.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJunge Erwachsene sind gem\u00e4ss Modellsch\u00e4tzung nach der Arbeitslosigkeit vergleichsweise oft nachhaltig oder teilweise im Arbeitsmarkt integriert, w\u00e4hrend dies Personen ab 45 Jahren wesentlich seltener gelingt. Entsprechend ist der Anteil der Erwerbsmonate bei den 18- bis 24-J\u00e4hrigen um 5\u00a0Prozent h\u00f6her als bei der Referenzgruppe der 35- bis 44-J\u00e4hrigen. Personen ab 55 Jahre haben einen um ein F\u00fcnftel tieferen Anteil an Erwerbsmonaten als die Referenzgruppe.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Erwerbsverl\u00e4ufe nach der Arbeitslosigkeit unterscheiden sich deutlich zwischen den Geschlechtern. Frauen weisen gem\u00e4ss Modellsch\u00e4tzungen einen um fast 10 Prozent tieferen Anteil an Erwerbsmonaten mit Einkommen \u00fcber 2500 Franken auf als M\u00e4nner. Aufgrund der nach wie vor h\u00e4ufig klassischen Rollenverteilung in der Familie sind verheiratete Frauen mit Kindern nach der Arbeitslosigkeit weniger stark oder nur mit geringem Besch\u00e4ftigungsgrad beruflich integriert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInsbesondere die Kinderbetreuung erweist sich als relevant f\u00fcr die Erwerbsintegration. So l\u00e4sst sich feststellen, dass die Unterhaltspflicht f\u00fcr Kinder bei den Frauen zu einem um 6 Prozent tieferen Anteil an Erwerbs&shy;monaten f\u00fchrt, w\u00e4hrend bei M\u00e4nnern die Unterhaltspflicht die Erwerbsintegration nach einer Phase der Arbeitslosigkeit verst\u00e4rkt. Insgesamt \u00fcberwiegt der positive Effekt der Unterhaltspflicht, vermutlich auch, weil sie den Erwerbsdruck erh\u00f6ht.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Berufslehre als Jobgarantie<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKlare Unterschiede zeigen sich bei der Nationalit\u00e4t. Personen, welche aus Nord- und Westeuropa stammen, weisen nach einer Arbeitslosigkeit im Durchschnitt knapp 9 Prozent weniger Erwerbsmonate in der Schweiz auf. Dieses Resultat deutet darauf hin, dass Personen dieser L\u00e4nder nach der Arbeitslosigkeit h\u00e4ufig wieder zur\u00fcckwandern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nRelativ schlecht ins Erwerbssystem integriert sind Personen aus Staaten im Osten der EU oder aus aussereurop\u00e4ischen L\u00e4ndern. Ber\u00fccksichtigt man zus\u00e4tzlich zur Nationalit\u00e4t auch sozioprofessionelle Merkmale, dann sind die Unterschiede zu Schweizern allerdings nicht mehr so gross. Die geringeren Erwerbschancen bei diesen Personengruppen sind somit insbesondere auf Merkmale wie die geringe berufliche Integration zur\u00fcckzuf\u00fchren und h\u00e4ngen nicht direkt mit der nationalen Herkunft zusammen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Schl\u00fcsselrolle bei der nachhaltigen Erwerbsintegration nach der Arbeitslosigkeit spielt die Ausbildung. So haben Arbeitslose ohne Berufsausbildung erheblich geringere Chancen, sich wieder nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren (siehe <em>Abbildung 3<\/em>). Es ist dabei jedoch von Bedeutung, ob die Personen in einem sogenannten Risikoberuf des Strukturwandels ausgebildet wurden. Durch den wirtschaftlichen Wandel sind bestimmte Berufsbilder wie beispielsweise Schriftsetzer verschwunden, oder die Nachfrage nach Personen mit bestimmten F\u00e4higkeiten (zum Beispiel Drucker, Grafiker) ist deutlich gesunken. Diese Personen verf\u00fcgen \u00fcber einen Berufsabschluss, der jedoch durch den Strukturwandel entwertet wurde. Ebenfalls einen starken Einfluss auf die Reintegration hat die Branche: Personen, welche in strukturschwachen Branchen wie der Land- und Forstwirtschaft oder dem Gastgewerbe arbeiten, haben deutlich mehr M\u00fche, einen Job zu finden, als beispielsweise Angestellte des Gesundheitswesens oder Informatiker.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Verlauf des Sozialleistungsbezugs nach Beginn der Arbeitslosigkeit hat ebenfalls einen Einfluss auf die Erwerbsintegration: Je l\u00e4nger ein ALE-Bezug in den ersten vier Jahren nach der Arbeitslosigkeit dauert, desto schlechter sind die Integrationschancen. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden und zu bek\u00e4mpfen. Besonders ausgepr\u00e4gt ist der negative Effekt, wenn in den ersten vier Jahren auch ein Sozialhilfebezug vorliegt. So ist der Anteil an Erwerbsmonaten mit einem monatlichen Einkommen \u00fcber 2500 Franken bei Personen, die Sozialhilfe bezogen haben, um \u00fcber ein F\u00fcnftel tiefer als jener bei Personen ohne Sozialhilfebezug.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Zielgruppenspezifische Massnahmen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWeshalb verlieren arbeitslos gewordene Personen ihre Arbeitsmarktf\u00e4higkeit, verharren lange in der Arbeitslosigkeit und k\u00f6nnen nicht mehr, nur noch vor\u00fcbergehend oder mit prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen in den Arbeitsmarkt integriert werden? Entscheidend f\u00fcr die nachhaltige Erwerbsintegration ist der Verlauf in der ersten Phase der Arbeitslosigkeit. Personen mit langen Phasen von Arbeitslosigkeit und einem Sozialhilfebezug haben deutlich geringere Integrationschancen als Personen mit k\u00fcrzeren Arbeitslosenepisoden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInsbesondere Personen ohne Berufsausbildung und \u00e4ltere Arbeitslose weisen ein h\u00f6heres Risiko auf, nach der Arbeitslosigkeit nicht mehr vollst\u00e4ndig im Arbeitsmarkt integriert zu sein. Deshalb ist es wichtig, gezielt Massnahmen f\u00fcr solche Risikogruppen bereits zu Beginn der Arbeitslosigkeit einzusetzen, um die Wirksamkeit der Reintegrationsbem\u00fchungen zu erh\u00f6hen. Es ist eine grosse Herausforderung, solche wirksame zielgruppenorientierte Massnahmen zu entwickeln. Potenzial f\u00fcr eine Verbesserung der Erwerbsintegration gibt es auch bei Frauen mit Betreuungspflichten. Attraktive und flexible Betreuungsangebote (zum Beispiel zu Randzeiten) k\u00f6nnten ihre Erwerbschancen deutlich verbessern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDeutlich positive Wirkungen zeigen sich bei zwei Massnahmen: Sowohl ein Zwischenverdienst als auch eine Umschulung verbessern die Chancen auf eine nachhaltige Erwerbsintegration. Beim Besuch eines Besch\u00e4ftigungsprogramms zeigt sich hingegen ein leicht negativer Effekt. Hier ist die Ursache m\u00f6glicherweise eine negative Selektion oder ein stigmatisierender Effekt bei der anschliessenden Jobsuche.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Fluder, Robert; Salzgeber, Renate; Fritschi, Tobias; Von Guten, Luzius (2016). <a href=\"https:\/\/www.soziale-arbeit.bfh.ch\/de\/forschung\/publikationen\/soziale_sicherheit.html\">Berufliche Integration von arbeitslosen Personen.<\/a> Schlussbericht im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco); aufgeschaltet auf Soziale-arbeit.bfh.ch unter Forschung\/Publikationen&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein Teufelskreis: Wiederholte Absagen auf Bewerbungen dr\u00fccken auf das Selbstwertgef\u00fchl und auf die Motivation von Arbeitslosen. 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Damit die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) die Betroffenen bei der Wiedereingliederung gezielt unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, ist es wichtig, zu wissen, bei welchen Bev\u00f6lkerungsgruppen und unter welchen Umst\u00e4nden dieses Risiko besonders hoch ist. Eine Studie der Berner Fachhochschule hat deshalb im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) die Erwerbsintegration nach einer Phase der Arbeitslosigkeit untersucht. Wie sich zeigt, kann ein Drittel der Arbeitslosen nur unvollst\u00e4ndig ins Erwerbsleben integriert werden. F\u00fcr eine nachhaltige Erwerbsintegration ist entscheidend, dass die erste Phase der Arbeitslosigkeit nur kurz dauert. Gross ist das Risiko beispielsweise bei Personen ohne Berufsabschluss, bei \u00e4lteren Arbeitslosen sowie bei Angestellten in Risikoberufen des Strukturwandels (zum Beispiel Drucker, Metallarbeiter, Verk\u00e4ufer). 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