{"id":111769,"date":"2016-10-24T16:17:15","date_gmt":"2016-10-24T16:17:15","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/10\/morger-11-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:08:01","modified_gmt":"2023-08-23T21:08:01","slug":"morger-11-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/10\/morger-11-2016\/","title":{"rendered":"Problematische Verschuldungsanreize im Steuersystem"},"content":{"rendered":"<p>Die Weltwirtschaft hat mit der Finanz- und Wirtschaftskrise eine der schwerwiegendsten Rezessionen erlebt. Krisen dieses Ausmasses sind meist auf eine hohe Verschuldung des Staates, der Banken oder der Haushalte zur\u00fcckzuf\u00fchren. Obwohl die Schweiz relativ glimpflich durch diese Krise gekommen ist, haben auch hierzulande die Risiken zugenommen. Die im internationalen Vergleich hohe Hypothekarverschuldung der privaten Haushalte steht dabei besonders im Fokus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweizer Immobilienkrise der Neunzigerjahre und diejenigen der letzten Jahre in verschiedenen Krisenl\u00e4ndern haben gezeigt, dass eine hohe unsorgf\u00e4ltige Kreditvergabe zu signifikanten Verlusten in der Finanzbranche f\u00fchren kann \u2013 etwa wenn sich die Zinsen rasch erh\u00f6hen oder die Immobilienpreise in einer Rezession stark zur\u00fcckgehen. Solche Ereignisse k\u00f6nnen die Stabilit\u00e4t einzelner Institute oder des Finanzsystems insgesamt bedrohen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die privaten Haushalte wiederum bedeutet ein hoher Verschuldungsgrad hohe Zins- und Amortisationszahlungen, welche auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten geleistet werden m\u00fcssen und dann das verf\u00fcgbare Haushaltseinkommen stark belasten. Dies erh\u00f6ht die Wahrscheinlichkeit einer schweren Rezession.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Ein hoher Verschuldungsgrad f\u00fchrt zudem dazu, dass Probleme zwischen L\u00e4ndern und Sektoren \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen und die staatlichen und privaten M\u00f6glichkeiten, auf Schocks zu reagieren, beschr\u00e4nkt werden. Platzen Immobilienblasen, hat dies oft lang anhaltende Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft \u2013 etwa weil die Entschuldung der Haushalte nur langsam erfolgt oder die regionale Flexibilit\u00e4t des Arbeitsmarktes eingeschr\u00e4nkt ist, was die Anpassungsf\u00e4higkeit der Wirtschaft behindert.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Steuersystem belohnt Verschuldung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben den Beh\u00f6rden haben die Banken und die Schweizerische Nationalbank gegen die mit der Hypothekarverschuldung verbundenen Risiken Massnahmen ergriffen. So wurden in den vergangenen f\u00fcnf Jahren die Mindestanforderungen bei Hypothekarfinanzierungen versch\u00e4rft, Risikogewichte f\u00fcr Hypotheken angepasst und der sogenannte antizyklische Kapitalpuffer erh\u00f6ht. Ein wesentliches Problem bleibt jedoch bestehen: Das Steuersystem setzt Anreize, eine (zu) hohe Verschuldung einzugehen. Der Internationale W\u00e4hrungsfonds und die OECD haben die Schweiz in j\u00fcngster Zeit vermehrt auf dieses Risiko hingewiesen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls Knackpunkt erweist sich das System der Eigenmietwertbesteuerung (siehe <em>Kasten<\/em>): Diese verleitet heute zu einer hohen Verschuldung. Ein wichtiger Verschuldungsanreiz versteckt sich beim Steuerabzug von Schuldzinsen. So halten Immobilienbesitzer oftmals die Verschuldung hoch und investieren lieber einen Teil des Verm\u00f6gens in von der Kapitalgewinnsteuer befreite Wertpapiere, als dass sie das Geld f\u00fcr die Amortisation der Hypotheken verwenden. Von der steuerlichen Situation profitieren daher nicht zuletzt auch die Banken, welche auf der einen Seite h\u00f6here Zinseinnahmen aus dem Hypothekargesch\u00e4ft verbuchen und auf der anderen Seite zus\u00e4tzliche Kommissionen aus dem Wertpapiergesch\u00e4ft erzielen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin weiterer Verschuldungsanreiz ergibt sich dadurch, dass die Eigenmietwerte wie auch die Verm\u00f6genssteuerwerte der Immobilien in der Regel deutlich unter dem Marktwert liegen. Gleichzeitig sind die Abzugsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Hausbesitzer grossz\u00fcgig ausgestaltet. Dies setzt einerseits den \u2013 politisch gewollten \u2013 Anreiz, Wohneigentum zu erwerben, anstatt zu mieten. Andererseits verleitet dies manche dazu, eine teurere Liegenschaft zu erwerben und daf\u00fcr eine h\u00f6here Verschuldung einzugehen, als dies ohne diese Anreize der Fall w\u00e4re. Im Ergebnis setzt sich ein Teil der Bev\u00f6lkerung einem hohen Risiko aus.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Haushalte hoch verschuldet<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00dcber 90 Prozent der Verschuldung der Haushalte in der Schweiz entfallen auf Hypothekarkredite.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt (BIP) betr\u00e4gt die Verschuldung der privaten Haushalte 124 Prozent.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Weltweit steht die Schweiz damit hinter Australien an zweiter Stelle (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Die vergleichsweise geringe Wohneigentumsquote in der Schweiz von 37,4 Prozent impliziert zudem eine hohe Hypothekarschuld pro Wohneigent\u00fcmer.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Verschuldung der privaten Haushalte (in Prozent des BIP, 4. Quartal 2015)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"busch_lorenz_1_de\"><\/div>\n<script>\n\n\n\n$(function () {\n    $('#busch_lorenz_1_de').highcharts({\n        chart: {\n            type: 'column'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        \n        \n        xAxis: {\n            categories: ['Italien', '\u00d6sterreich', 'Deutschland', 'Frankreich', 'Euro-Zone', 'Belgien', 'Spanien', 'USA', 'Grossbritannien', 'Norwegen', 'Niederlande', 'D\u00e4nemark', 'Schweiz', 'Australien']\n        },\n          yAxis: {\n            title: {\n                text: ''\n            },\n                       labels: {\n                formatter: function () {\n                    return this.value + '%';\n                }\n            }\n        },\n        plotOptions: {\n            series: {\n                colorByPoint: true\n                \n            }},\n             tooltip: {\n            valueSuffix: '%'\n        },\n      legend: {\n            enabled: false\n        },\n        \n      \n        series: [{\n            name: 'Verschuldung',\n            data: [42.5,51.4,53.6,56.5,59.3,59.5,67.5,79.2,87.3,94.8,111,122.5,123.7,124.3],\n                  colors: ['#d2d803', '#d2d803', '#d2d803', '#d2d803', '#d2d803', '#d2d803','#d2d803', '#d2d803','#d2d803', '#d2d803','#d2d803','#d2d803','#e84066','#d2d803'],      \n\n\n\n        }]\n    });\n});\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Private Haushalte inkl. privater Organisationen ohne Erwerbszweck gem\u00e4ss Definition der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR).<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Bank f\u00fcr internationalen Zahlungsausgleich (2016) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer durchschnittliche Bruttoverschuldungsgrad<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> der Wohneigent\u00fcmer betr\u00e4gt gem\u00e4ss einer Studie der Eidgen\u00f6ssischen Steuerverwaltung rund 47 Prozent. Bei einem Drittel betr\u00e4gt der Bruttoverschuldungsgrad sogar \u00fcber 60 Prozent.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Steuerdaten von Wohneigent\u00fcmern zeigen zudem, dass vor der Pensionierung im Durchschnitt nur wenig amortisiert wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSofern der Verschuldung ausreichende Verm\u00f6genswerte gegen\u00fcberstehen, stellt eine hohe Bruttoverschuldung der Haushalte aus Sicht der Finanz- und Makrostabilit\u00e4t nicht a priori ein Problem dar. Tats\u00e4chlich weisen die Haushalte hohe Verm\u00f6gen auf. Allerdings sagt das resultierende Nettoverm\u00f6gen wenig \u00fcber die unterschiedlichen Fristigkeiten von Verm\u00f6gen und Schulden aus. Insbesondere der Zugriff auf die Pensions&shy;kassen&shy;guthaben ist nur unter eng definierten Gr\u00fcnden m\u00f6glich.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZudem zeigen die Erfahrungen von Immobilienkrisen: Stark wachsende Immobilienpreise bl\u00e4hen die Verm\u00f6gens&shy;seite auf, was die Haushalte zur verst\u00e4rkten Kreditaufnahme verleiten kann. Schliesslich sind die Verm\u00f6gen in der Schweiz ungleich verteilt. Aus diesen Gr\u00fcnden ist es m\u00f6glich, dass die Betrachtung des Netto&shy;verm\u00f6gens zu einer falschen Einsch\u00e4tzung der Risiken f\u00fchrt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Bericht der Nationalbank zur Finanzstabilit\u00e4t gibt einen Hinweis darauf, wie nachhaltig die Verschuldungssituation ist.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Demnach gerieten rund 40 Prozent der Wohneigent\u00fcmer, die eine Neuhypothek abgeschlossen haben, ab einem Zinssatz von 5 Prozent stark in Bedr\u00e4ngnis. Bei dieser Risikogruppe w\u00fcrde die Belastung durch Hypothekar-, Tilgungs- und Nebenkosten ein Drittel des Brutto-Haushaltseinkommens \u00fcbersteigen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit 2012 wurden verschiedene regulatorische Massnahmen zur D\u00e4mpfung der Immobilienpreis- und Hypothekardynamik ergriffen. Trotzdem hat sich an der Tragbarkeitssituation bislang nichts grundlegend ge\u00e4ndert. Das aktuelle Tiefzinsumfeld und die \u00abSuche nach Rendite\u00bb verst\u00e4rken zudem die Anreize zu Investitionen in Immobilien, was zum Anstieg der Immobilienpreise seit 2008 beigetragen hat (siehe <em>Abbildung 2<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: Verh\u00e4ltnis der Immobilienpreise zum Einkommen pro Kopf&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"busch_lorenz_2_de\"><\/div>\n<script>\n\n\n\n\n\n\n\n$(function () {\nHighcharts.setOptions({\n       \n\n    });\n    $('#busch_lorenz_2_de').highcharts({\n        \n        title: {\n            text: ''\n        },\n        \ncredits: {\n               \n                text:''\n              \n            },\nsubtitle: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\ntickInterval: 3650 * 24 * 3600 * 5,\n            type: 'datetime',\n            dateTimeLabelFormats: { \/\/ don't display the dummy year\n                month: '%e. %b',\n                year: '%Y'\n            },\n            title: {\n                text: ''\n            }\n        },\n        yAxis: {\n            title: {\n                text: ''\n            },\n\n\n        },\n       tooltip: {\n            headerFormat: '<b>{series.name}<\/b><br>',\n            pointFormat: '{point.x: %Y}: {point.y:.2f}'\n        },\n\n        plotOptions: {\n            line: {\n                marker: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n\/\/--------->\n Dami es aus einer Linie mehrere gibt, braucht man f\u00fcr alle genau gleich viel Werte. Die gelieferten Werte f\u00fcgt man ab dort ein wo sie erscheinen sollen. Sonst schreibt man \u00abnull\u00bb und bei den Monaten f\u00fcgt man eine 0 ein <-------------\/\/\n        series: [{\n            name: 'Immobilienpreise \/ Einkommen pro Kopf',\n            \n            data: [\n              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  ]\n   }]\n\/\/--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------\/\/\n    });\n});\n\n\n\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: 2010=100<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: OECD \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Experten schlagen drei Reformvarianten vor<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter anderem als Reaktion auf die Finanz- und Wirtschaftskrise hat der Bundesrat die \u00abExpertengruppe zur Weiterentwicklung der Finanzmarktstrategie\u00bb eingesetzt, welche auch die systemischen Risiken in der Schweiz analysieren und m\u00f6gliche Massnahmen zu deren Beseitigung vorschlagen sollte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Rahmen ihrer Arbeiten hat die Expertengruppe dem Bundesrat im Jahr 2014 empfohlen, zu untersuchen, inwiefern steuerliche Anreize zur Verschuldung bei Hypothekarnehmern die Stabilit\u00e4tsrisiken erh\u00f6hen. Eine Arbeitsgruppe des Bundes hat daraufhin einen Bericht erarbeitet und dem Bundesrat diesen im Juni 2016 vorgelegt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Bericht<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> werden drei Reformvarianten vorgestellt, welche den Verschuldungsanreizen der privaten Haushalte entgegenwirken k\u00f6nnen: Die Variante \u00abBenchmark\u00bb sieht eine konsequentere Umsetzung des heutigen Systems vor. Dabei w\u00fcrden erstens die Eigenmieten ohne Abschlag zum Marktpreis versteuert. Zweitens w\u00fcrden die Liegenschaftspauschale sowie der Abzug f\u00fcr energiesparende und umweltschonende Investitionen abgeschafft, und drittens w\u00fcrden private Kapitalgewinne steuerbar. Dadurch w\u00fcrde es f\u00fcr Wohneigent\u00fcmer attraktiver, die Hypotheken abzubezahlen, anstatt in steuerbefreite Wertpapiere zu investieren und die Verschuldung hoch zu halten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der zweiten Variante \u00abSystemwechsel\u00bb w\u00fcrde die Eigenmietwertbesteuerung abgeschafft. Dabei w\u00e4ren im Gegenzug allerdings auch keine Abz\u00fcge im Zusammenhang mit der selbst bewohnten Immobilie mehr zugelassen \u2013 insbesondere keine Schuldzinsen mehr.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie dritte Variante \u00abKorrektur Schuldzinsenabzug\u00bb beschr\u00e4nkt die steuerliche Abzugsf\u00e4higkeit. Derzeit k\u00f6nnen bis zu 50\u2019000 Franken mehr an Zinsen abgezogen werden, als an Verm\u00f6gensertr\u00e4gen (inklusive Eigenmietwert) anf\u00e4llt, was kaum zu rechtfertigen ist.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Systemwechsel reduziert Verschuldungsanreize<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entscheidung, welche Massnahme zu bevorzugen ist, h\u00e4ngt von den politischen Zielsetzungen ab. Wenn das wirtschaftspolitische Ziel eines effizienten Steuersystems hoch gewichtet wird, dann w\u00e4re es angezeigt, die Eigenmietwertbesteuerung nicht abzuschaffen, sondern im Sinne der Benchmark-Variante auszubauen. Diese Massnahme w\u00fcrde die bestehenden steuerlichen L\u00fccken schliessen und die Verschuldungsanreize f\u00fcr die privaten Haushalte reduzieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Systemwechsel w\u00fcrde das Steuersystem vereinfachen. Er w\u00fcrde es erm\u00f6glichen, einkommenssteuerfrei Kapital in Wohneigentum anzulegen. Dadurch k\u00f6nnten die Verschuldungsanreize abgebaut werden, und die Finanz- und Makrostabilit\u00e4t w\u00fcrde deutlich steigen. Die Auswirkungen eines Systemwechsels auf die gesamtwirtschaftliche Effizienz bleibt aber unklar, da das Steuersystem nach wie vor Wohn- und Anlageformen der Haushalte beeinflussen w\u00fcrde; anstelle der Verschuldung w\u00fcrde nun das eigenfinanzierte Wohneigentum gef\u00f6rdert, zulasten anderer Wohn- und Anlageformen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Einschr\u00e4nkung des Schuldzinsenabzugs w\u00fcrde die Verschuldungsanreize zwar senken, w\u00e4re jedoch wenig effektiv. Denn diese Massnahme h\u00e4tte \u2013 insbesondere in Anbetracht des derzeit niedrigen Zinsniveaus und der daher tiefen Anzahl betroffener Haushalte \u2013 nur geringe Wirkungen auf die Verschuldung.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Keine politischen Mehrheiten f\u00fcr Reformen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nPolitisch am schwierigsten durchsetzbar ist die Variante Benchmark mit h\u00f6heren Eigenmietwerten. Denn Steuererh\u00f6hungen bei Wohneigent\u00fcmern erweisen sich als wenig aussichtsreich, und auch eine Besteuerung privater Kapitalgewinne war bisher politisch chancenlos. Auch Vorschl\u00e4ge, die in Richtung eines Systemwechsels zielten, sind in der Vergangenheit wiederholt gescheitert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSich abst\u00fctzend\u00a0auf dem Bericht, hat der Beirat \u00abZukunft Finanzplatz\u00bb \u2013 welcher sich aus Vertretern der Wissenschaft, der Privatwirtschaft und der Beh\u00f6rden zusammensetzt \u2013 dem Bundesrat empfohlen, einen Systemwechsel bei der Eigenmietwertbesteuerung anzustreben. Denn die Mehrheit dieses Gremiums sah \u2013 wie auch die verwaltungsinterne Arbeitsgruppe \u2013 mit Blick auf die Finanz- und Makrostabilit\u00e4t einen Handlungsbedarf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Bundesrat hat im Juni 2016 den Verwaltungsbericht zur Kenntnis genommen. Allerdings verzichtete er darauf, eine Gesetzesvorlage auszuarbeiten, da verschiedene Vorschl\u00e4ge wiederholt gescheitert sind. Ein wichtiger Grund, weshalb ein Systemwechsel bisher chancenlos blieb, d\u00fcrfte darin liegen, dass die Mehrheit des Parlaments eine wohneigent\u00fcmerfreundliche Umsetzung will. Im Volk bilden hingegen (noch) die Mieter die Mehrheit.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie internationalen Erfahrungen der letzten Jahre zeigen deutlich, dass mit Massnahmen zur Reduktion der Verschuldung nicht gewartet werden soll, bis die n\u00e4chste Krise vor der T\u00fcr steht. Aufgrund der bisher erfolglosen Reformbem\u00fchungen bei der Wohneigentumsbesteuerung erscheint es allerdings fraglich, ob dereinst eine politische Mehrheit f\u00fcr eine Vorlage gefunden werden kann.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. Duval und Vogel (2008) oder Sutherland und Hoeller (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">SNB (2015a).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Inkl. privater Organisationen ohne Erwerbszweck.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Stand 2014.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Verh\u00e4ltnis von Hypothekarschulden zum Verkehrswert der Immobilie.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">ESTV (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">SNB (2015b).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">ESTV, BWO, EFV, SECO, SIF und SNB (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Weltwirtschaft hat mit der Finanz- und Wirtschaftskrise eine der schwerwiegendsten Rezessionen erlebt. 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Verm\u00f6gen der privaten Haushalte 2014, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>SNB (2015b). Bericht zur Finanzstabilit\u00e4t 2015, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>Sutherland, D. und P. Hoeller (2012). Debt and Macroeconomic Stability: An Overview of the Literature and Some Empirics. OECD Economics Department Working Papers, No. 1006, OECD Publishing.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Was ist der Eigenmietwert?","kasten_box":"Wohneigent\u00fcmer, die ihre Immobilie selbst bewohnen, erzielen faktisch ein Einkommen im Umfang der eingesparten Miete. Dieses wird als <em>Eigenmietwert <\/em>besteuert. Im Gegenzug d\u00fcrfen die Eigenheimbesitzer jedoch ihre Schuldzinsen, Unterhalts- und weitere Liegenschaftskosten von der Besteuerungsgrundlage abziehen. 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