{"id":111836,"date":"2016-10-24T16:08:09","date_gmt":"2016-10-24T16:08:09","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/10\/emons-11-2016-einblick-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:08:02","modified_gmt":"2023-08-23T21:08:02","slug":"emons-11-2016-einblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/10\/emons-11-2016-einblick\/","title":{"rendered":"Contingent Fees \u2013 mehr Anreize bei Anwaltshonoraren"},"content":{"rendered":"<p>In der Schweiz werden Anw\u00e4lte meist \u00fcber feste Geb\u00fchren entlohnt. Im Endeffekt ist das nichts anderes als ein Stundenlohn. In den USA hingegen benutzen Anw\u00e4lte oft erfolgsabh\u00e4ngige Verg\u00fctungen, sogenannte Contingent Fees. Hierbei h\u00e4ngt die Entlohnung vom Erfolg des Anwaltes ab: Verliert er den Prozess, bekommt er nichts; gewinnt er, erh\u00e4lt er einen Prozentsatz der Urteilssumme. H\u00e4ufig sind dies 30 Prozent.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei einem Stundenlohn ist der Anwalt neutral. Er vertritt die Interessen seines Mandanten, wie es dem Berufsethos entspricht. Das ist erst mal ein Vorteil. Es gibt aber auch Nachteile: So kann der Anwalt jede Stunde verrechnen und hat keinerlei Anreize, effizient zu arbeiten. Ist er nicht ausgelastet, nimmt er auch F\u00e4lle mit geringen Erfolgschancen an. Der Kl\u00e4ger tr\u00e4gt das gesamte monet\u00e4re Prozessrisiko alleine. F\u00fcr einen Kl\u00e4ger mit geringen finanziellen Mitteln ist es schliesslich schwierig, eine Klage zu finanzieren, es sei denn, er ist rechtsschutzversichert, oder er f\u00e4llt unter das Armenrecht.&#13;<\/p>\n<h2>Wettbewerb der Erfolgschancen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter Contingent Fees k\u00f6nnen auch Personen ohne finanzielle Ressourcen klagen; sie m\u00fcssen nur einen Anwalt finden, der die Gewinnchancen gen\u00fcgend hoch einsch\u00e4tzt. Anwalt und Kl\u00e4ger teilen sich das monet\u00e4re Prozessrisiko. Der Anwalt hat einen Anreiz, hart zu arbeiten, da er direkt am Erfolg beteiligt ist. Deshalb hat er auch wenig Interesse daran, aussichtslose F\u00e4lle anzunehmen. Ein schlechter Anwalt ist weniger willens, unter einer Contingent Fee zu arbeiten, als seine gute Kollegin, da er geringere Chancen hat, den Prozess zu gewinnen. Contingent Fees trennen also gute von schlechten Anw\u00e4lten. Schliesslich erm\u00f6glichen Contingent Fees \u00fcberhaupt erst Sammelklagen, bei denen die Kl\u00e4ger eine nicht organisierte Gruppe sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Gegner von Contingent Fees machen geltend, dass unter dieser Entlohnungsform zu viel geklagt werde. Dabei bleibt aber meist offen, was die \u00abrichtige\u00bb Anzahl von Klagen ist. Tats\u00e4chlich streichen Anw\u00e4lte mit Contingent Fees teilweise horrende Honorare ein. Allerdings ist anzumerken, dass nur die spektakul\u00e4ren F\u00e4lle den Weg in unsere Presse finden. Der durchschnittliche amerikanische Anwalt verdient unter Contingent Fees kaum mehr als seine Kollegin, die f\u00fcr fixe Geb\u00fchrens\u00e4tze arbeitet. Der geringe Mehrverdienst, den er hat, ist jedoch lediglich eine Kompensation f\u00fcr die Risiken, die der Anwalt unter Contingent Fees eingeht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZudem strebt ein Anwalt unter Contingent Fees zu h\u00e4ufig einen kosteng\u00fcnstigen Vergleich an. Da er alleine seine ganzen Arbeitskosten tr\u00e4gt und nur im Erfolgsfall einen Teil der zugesprochenen Summe erh\u00e4lt, zieht er eine aussergerichtliche Einigung vor. Den Anteil seines Mandanten ignoriert er dabei. In den USA werden deshalb 96 Prozent aller zivilrechtlichen Klagen aussergerichtlich beigelegt.&#13;<\/p>\n<h2>Mehr Vertragsfreiheit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBeide Formen der Entlohnung haben also ihre Vor- und Nachteile. Keine ist besser als die andere. Meines Erachtens sollten deshalb beide Vertragsformen zul\u00e4ssig sein, damit der Mandant und sein Anwalt frei w\u00e4hlen k\u00f6nnen, welche f\u00fcr sie die bessere Vertragsform ist. Hat der Mandant volles Vertrauen zu seinem Anwalt, gen\u00fcgend finanzielle Mittel und ist bereit, alleine das gesamte Prozessrisiko zu tragen, scheinen fixe Geb\u00fchren die beste Wahl f\u00fcr ihn zu sein. Ist eine dieser Voraussetzungen nicht erf\u00fcllt, bieten sich Contingent Fees an.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZudem erm\u00f6glichen sie einen weitgehenden Verzicht auf das Armenrecht. Stattdessen \u00fcbernehmen Anw\u00e4lte die Finanzierung von Klagen und bekommen diese Leistung \u00fcber die Geb\u00fchren erstattet. Sie kennen sich im Rechtssystem schliesslich am besten aus und k\u00f6nnen die Erfolgschancen einer Klage am ehesten einsch\u00e4tzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs ist interessant, dass Anw\u00e4lte, die sich normalerweise die Vertragsfreiheit auf die Fahne schreiben, bei ihren eigenen Vertr\u00e4gen nichts davon h\u00f6ren wollen. Der Widerstand europ\u00e4ischer Anw\u00e4lte gegen erfolgsabh\u00e4ngige Honorare kann jedenfalls nicht mit Effizienzargumenten begr\u00fcndet werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz werden Anw\u00e4lte meist \u00fcber feste Geb\u00fchren entlohnt. Im Endeffekt ist das nichts anderes als ein Stundenlohn. In den USA hingegen benutzen Anw\u00e4lte oft erfolgsabh\u00e4ngige Verg\u00fctungen, sogenannte Contingent Fees. Hierbei h\u00e4ngt die Entlohnung vom Erfolg des Anwaltes ab: Verliert er den Prozess, bekommt er nichts; gewinnt er, erh\u00e4lt er einen Prozentsatz der Urteilssumme. 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