{"id":111917,"date":"2016-10-24T15:45:26","date_gmt":"2016-10-24T15:45:26","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/10\/hoepflinger-11-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:08:57","modified_gmt":"2023-08-23T21:08:57","slug":"hoepflinger-11-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/10\/hoepflinger-11-2016\/","title":{"rendered":"\u00abViele \u00e4ltere Arbeitskr\u00e4fte f\u00fchlen sich biografisch verletzt\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Herr H\u00f6pflinger, wir wollen \u00fcber das Alter sprechen: Wie alt f\u00fchlen Sie sich?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch bin 68, und je nach Tag f\u00fchle ich mich subjektiv j\u00fcnger\u2026 Heute vielleicht wie 64 (lacht).&#13;<\/p>\n<h3>Sie sind seit drei Jahren emeritierter Professor. Sie forschen aber immer noch. Was motiviert Sie, weiterzuarbeiten?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBereits vor sieben Jahren habe ich mich selbstst\u00e4ndig gemacht. Das gibt mir die Freiheit, das zu machen, was ich will. Dadurch bin ich nicht mehr so stark an die Projekte der Universit\u00e4t Z\u00fcrich gebunden. Ich habe viele Projektanfragen. Das Thema Alter ist hoch im Kurs. Zugleich kann ich meine Rente aufbessern.&#13;<\/p>\n<h3>Sie geh\u00f6ren zu einer Minderheit. Zwei von f\u00fcnf Arbeitnehmenden lassen sich fr\u00fchpensionieren, wie ein Forschungsbericht des Bundesamtes f\u00fcr Sozialversicherungen zeigt. Nur ein Drittel arbeitet \u00fcber das ordentliche Pensionierungsalter hinaus. Warum ist das so?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nViele haben nach einer stressigen Arbeitsphase genug und m\u00fcssen ausschnaufen. Wir haben in unseren Befragungen zudem festgestellt: Viele \u00e4ltere Arbeitskr\u00e4fte f\u00fchlen sich sogenannt biografisch verletzt und wollen deshalb aufh\u00f6ren.&#13;<\/p>\n<h3>Wie ist das zu verstehen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSie haben das Gef\u00fchl, in den Mitarbeitergespr\u00e4chen nicht ernst genommen zu werden. Ihre Berufserfahrung z\u00e4hlt nicht. Nehmen wir beispielsweise eine Kantonsverwaltung, in der das Gesundheitsdepartement schon die vierte Reorganisation durchf\u00fchrt. Die letzten drei hat ein \u00e4lterer Mitarbeiter engagiert mitgemacht. Jedes Mal haben die Modelle aber nicht funktioniert. Jetzt weiss er: Es wird wieder nichts. Im Mitarbeitergespr\u00e4ch erh\u00e4lt er kein Geh\u00f6r. Das ist frustrierend.&#13;<\/p>\n<h3>Dann ist nicht das Alter per se das Problem?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nRichtig. Die Leute sind zu lange am gleichen Arbeitsplatz. Mangelnde Motivation und fehlende Weiterbildung sind die grossen Themen. Und: Viele Babyboomer, die heute kurz vor der Pensionierung stehen, sind in alten Konzepten gefangen. Diese Gruppe weist Langzeitrisiken auf.&#13;<\/p>\n<h3>K\u00f6nnen Sie ein Beispiel geben?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nArbeitnehmende, die auf analoge Systeme spezialisiert sind, haben M\u00fche mit der Digitalisierung. Ein anderes Beispiel sind Start-ups: Wenn 60-j\u00e4hrige F\u00fchrungspersonen ein Start-up gr\u00fcnden, schreiben sie lange an einem Konzept \u2013 \u00a0alles sch\u00f6n hierarchisch gegliedert. Bei den Jungen der Sharing-Economy ist diese Phase viel k\u00fcrzer. Sie bringen erst mal eine Betaversion auf den Markt.&#13;<\/p>\n<h3>Geht es um mangelnde Anpassungsf\u00e4higkeit?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa, ausser bei Leuten, die in Branchen mit einer starken physischen Belastung arbeiten. Da ist das biologische Alter weiterhin ausschlaggebend.&#13;<\/p>\n<h3>Bei Bauarbeitern?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBeispielsweise. Oder bei chemischen Belastungen. Es zeigt sich aber: Bauarbeiter k\u00f6nnen sich nach der Pensionierung erstaunlich gut erholen und sind dann bereit, kleinere Arbeiten zu \u00fcbernehmen. Manche Berufe sind zudem psychisch belastend, beispielsweise in der Psychiatrie. Da n\u00fctzt eine Weiterbildung nichts. Die Leute brauchen einfach einmal ein paar Wochen Zusatzferien oder eine Abwechslung \u2013 sogenannte Sabbaticals. Dann sind sie l\u00e4nger produktiv.&#13;<\/p>\n<h3>Wie sch\u00e4tzen sich die 65-J\u00e4hrigen selbst ein? F\u00fchlen sie sich noch kompetent genug, um weiterzuarbeiten?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEinige \u00e4ltere Arbeitnehmende \u00fcbersch\u00e4tzen ihren Marktwert sogar. Das merken wir bei Generationenprojekten. Sie sch\u00e4tzen den Wert ihrer Erfahrung zu hoch ein und akzeptieren die gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen nicht. Das trifft vor allem auf M\u00e4nner mit hierarchischen Karrieremustern zu.&#13;<\/p>\n<h3>Sollten wir uns nicht einfach den Luxus g\u00f6nnen, den Lebensabend zu geniessen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie sogenannte Dreiteilung des Lebens m\u00fcssen wir \u00fcberdenken. Die Aufteilung des Erwachsenenlebens in eine Bildungs-, eine Erwerbsarbeits- und eine Ruhephase gilt zuk\u00fcnftig nicht mehr. Das Stichwort heisst vielmehr lebenslanges Lernen oder lebenslanges Aktivsein. Dazu passt auch das Modell des produktiven Alters, womit ich nicht nur die Erwerbst\u00e4tigkeit meine, sondern auch die Freiwilligenarbeit, die kreative Arbeit oder die Enkelbetreuung.&#13;<\/p>\n<h3>Die Selbstbestimmung scheint zentral nach 65.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie heutigen Pension\u00e4re sind wirtschaftlich abgesichert. Sie machen prim\u00e4r das, was sie wollen. Ein Babyboomer, den ich interviewt habe, macht beispielsweise in Nepal Entwicklungshilfeprojekte und lernt dabei eine andere Kultur und eine neue Sprache kennen. Er ist sogar st\u00e4rker besch\u00e4ftigt als vorher. Aber: Es ist in einem neuen Rahmen. Andere nutzen die M\u00f6glichkeit, als Reservearbeitskraft \u2013 auf Abruf \u2013 zu arbeiten. Es gibt ja die Onlineplattform \u00abRent a Rentner\u00bb, wo man einen Rentner beispielsweise f\u00fcr Rasenm\u00e4hen engagieren kann.&#13;<\/p>\n<h3>Die Rentner als Reservearbeitskr\u00e4fte?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa. Fr\u00fcher bildeten junge Frauen oder ausl\u00e4ndische Saisonniers diese Reserve \u2013 das verlagert sich jetzt ins Alter. In London gab es ein Pilotprojekt in einem Supermarkt der Kette Sainsbury&#8217;s. In den Sommermonaten \u2013 also w\u00e4hrend der Ferien der jungen Kassiererinnen \u2013 arbeiten an ihrer Stelle Frauen im Alter zwischen 70 und 85 Jahren. Die Jungen f\u00fchlen sich durch diese \u00c4lteren nicht konkurrenziert.&#13;<\/p>\n<h3>Schafft das gesamtwirtschaftlich mehr Stellen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNein. Das Arbeitszeitvolumen erh\u00f6ht sich wohl nicht wesentlich.&#13;<\/p>\n<h3>Wer l\u00e4nger lebt, kann auch l\u00e4nger arbeiten?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEs gibt immer mehr Leute, welche gesund sind und l\u00e4nger arbeiten k\u00f6nnen. Die Erwerbsquote bei den 65- bis 69-J\u00e4hrigen steigt deshalb an. Langfristig wird die Erh\u00f6hung des Rentenalters auf 67 Jahre nicht zu umgehen sein.&#13;<\/p>\n<h3>Senioren wollen offenbar weiterarbeiten, einfach nicht am alten Arbeitsplatz.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa. Deshalb nimmt im Rentenalter auch die Schwarzarbeit zu. Die Leute wollen etwas machen \u2013 am liebsten nat\u00fcrlich gegen Cash.&#13;<\/p>\n<h3>Gibt es Berufsgruppen, die grunds\u00e4tzlich l\u00e4nger arbeiten wollen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa, insbesondere Akademiker in Dienstleistungsberufen wie \u00c4rzte, Apotheker und Berater. Sie machen sich in einer sp\u00e4teren Lebensphase h\u00e4ufig selbstst\u00e4ndig.&#13;<\/p>\n<h3>Nehmen die Alten den Jungen die Jobs weg?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAlle \u00f6konomischen Modelle zeigen: Das stimmt grunds\u00e4tzlich nicht. In Frankreich wollte man mit einer verst\u00e4rkten Fr\u00fchpensionierung die Jugendarbeitslosigkeit reduzieren \u2013 das hat aber nicht geklappt.&#13;<\/p>\n<h3>Warum?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Arbeitspl\u00e4tze der \u00c4lteren wurden gestrichen. Es gibt aber gewisse Berufe, wo die \u00c4lteren die Jungen tats\u00e4chlich konkurrenzieren. Beispielsweise bei den Fotografen: Junge Fotografen werden zum Teil konkurrenziert durch g\u00fcnstigere pensionierte Kollegen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcrs Coaching, wo \u00c4ltere \u00fcber die gr\u00f6sseren Netzwerke verf\u00fcgen.&#13;<\/p>\n<h3>Politisch hat die Erh\u00f6hung des Rentenalters keine Chance. Warum tut sich die Schweiz diesbez\u00fcglich so schwer?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den K\u00f6pfen ist das Rentenalter eine fixe Gr\u00f6sse. Bisher konnte sich die Schweiz diesen Luxus leisten. Dank der Zuwanderung war sie nicht so stark auf die \u00e4lteren Arbeitskr\u00e4fte angewiesen. Das \u00e4ndert sich nun. Sogenannte Punktlandungen beim Stellenprofil sind nicht mehr so einfach: Bisher stellten die Arbeitgeber nur Personen ein, die zu 100 Prozent auf die Stelle passten. Eine \u00e4ltere Person passt aber vielleicht nur zu 95 Prozent. Im Kanton Thurgau ist bei den KV-Stellen erstmals in diesem Jahr zu beobachten, dass mehr Jobs ausgeschrieben werden, als es Bewerbungen hat. Da muss nun etwas geschehen.&#13;<\/p>\n<h3>Die Migration ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Thema.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Zuwanderung ist unbestritten eine Strategie zur demografischen Verj\u00fcngung. Sie vermag die sinkenden Geburtenraten zu stabilisieren \u2013 hingegen ist sie nicht das richtige Mittel in Bezug auf die steigende Lebenserwartung. Die zentrale Frage ist: In welchem Ausmass ist die Zuwanderung politisch m\u00f6glich?&#13;<\/p>\n<h3>Weil Zuwanderung zu Konflikten f\u00fchrt.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGenau. Umgekehrt sind die Probleme bei der Abwanderung noch gr\u00f6sser. Es gibt bisher kaum Beispiele, wie eine Gesellschaft einen Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang erfolgreich bew\u00e4ltigt.&#13;<\/p>\n<h3>In der Schweiz liefern doch die Berggebiete Anschauungsmaterial.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa. Diesbez\u00fcglich gab es jedoch in der Schweiz bereits in den Dreissigerjahren \u00c4ngste. Damals wies das Land eine der tiefsten Geburtenraten Europas auf. Im Jahr 1941 rechnete der Gotthardbund (Schweizer Widerstandsgruppe im Zweiten Weltkrieg, Anm. d. Red.) f\u00fcr das Jahr 2000 noch mit 2,8 Millionen Einwohnern. Ein paar Jahre sp\u00e4ter wurde die bef\u00fcrchtete demografische Alterung als Argument gegen die Einf\u00fchrung der Altersvorsorge verwendet.&#13;<\/p>\n<h3>Zur\u00fcck zur Erh\u00f6hung des Rentenalters. Die Nachbarl\u00e4nder Italien und Deutschland planen, das Rentenalter auf 67 Jahre zu erh\u00f6hen.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Volk kann dort eben nicht mitbestimmen, zudem sind die Rentenprobleme in diesen L\u00e4ndern gr\u00f6sser: Die Renten sind erstens tiefer, das heisst, mehr Pension\u00e4re sind darauf angewiesen, weiterzuarbeiten. Und zweitens gibt es beispielsweise in manchen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern verh\u00e4ltnism\u00e4ssig mehr Alte als in der Schweiz, da dort die Zuwanderung geringer ausfiel.&#13;<\/p>\n<h3>Ist das Argument der sogenannten \u00dcberalterung auch Angstmacherei?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIch habe die fr\u00fcheren Demografieprognosen genauer angeschaut. Was man immer untersch\u00e4tzt hat, waren die steigende Lebenserwartung, die Zuwanderung und die wachsende Erwerbsquote der Frauen. In den Neunzigerjahren standen strategische \u00dcberlegungen der Finanzindustrie hinter der Angstmacherei. Die Pensionskassen und die Versicherungen waren damals daran interessiert, das Umlageverfahren der Altersvorsorge infrage zu stellen, um Modelle des Kapitaldeckungsverfahrens zu f\u00f6rdern.&#13;<\/p>\n<h3>Wie ist die Situation heute?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie h\u00f6here Pensionierungswelle und der Personalmangel sind Tatsachen. Von den in der Pflege arbeitenden Angestellten werden in 20 Jahren um die 60 Prozent pensioniert sein: Mit der Zahl der Neuausgebildeten kann diese L\u00fccke nicht gestopft werden. Bei den Haus\u00e4rzten liegt das Durchschnittsalter bei 55 Jahren. F\u00fcr jeden Hausarzt, der pensioniert wird, brauchen wir um die 1,8 Personen, die eine Ausbildung absolvieren. Der Grund: Die J\u00fcngeren arbeiten nicht mehr Vollzeit oder wechseln in andere Berufsbranchen.&#13;<\/p>\n<h3>Viele \u00c4rzte kommen heute aus dem Ausland.<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Frage ist, ob das noch funktioniert, wenn aufgrund der demografischen Entwicklung europaweit Gesundheitspersonal gesucht wird. In der Schweiz haben Alters- und Pflegeheime angefangen, das Personal besser zu betreuen und mit Kitas und Tagesst\u00e4tten zu verkn\u00fcpfen. Denn es gilt: Ein Unternehmen, das f\u00fcr j\u00fcngere Fachleute attraktiv ist, hat einen Wettbewerbsvorteil. Aus Unternehmenssicht kann es durchaus Sinn machen, bei den J\u00fcngeren zu rekrutieren, solange es diese noch gibt. Der Kampf um die produktiven Alten wird erst sp\u00e4ter richtig losgehen.&#13;<\/p>\n<h3>Macht es aus wirtschaftlicher Sicht Sinn, die Leute l\u00e4nger zu besch\u00e4ftigen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa, durchaus. Der Arbeitsmarkt wird flexibler. Ein Rentner kann beispielsweise f\u00fcr jemanden einspringen, der vier Monate unbezahlten Urlaub machen will. Die j\u00fcngere Person f\u00fchlt sich besser gesichert, wenn sie weiss: Die \u00e4ltere Person nimmt mir den Job nicht weg. Zudem d\u00fcrfen wir nicht vergessen: Es wird immer mehr Personen im Pensionsalter geben, die aufgrund von L\u00fccken in der Vorsorge weiterarbeiten m\u00fcssen. \u00dcberspitzt formuliert, kann man sagen: Die Babyboomer-Generation, die jetzt in Rente kommt, ist wohlstandsverw\u00f6hnt.&#13;<\/p>\n<h3>Inwiefern?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Babyboomer konnten stark von einem sicheren Arbeitsmarkt mit festen Stellen und Karrierem\u00f6glichkeiten im gleichen Betrieb profitieren. Wenn man die Leute, die jetzt pensioniert werden, fragt, ob sie in ihrem Erwerbsleben jemals l\u00e4nger als drei Monate eine Stelle suchen mussten, sagen nur 5 Prozent Ja. Bei den Jungen ist das \u00fcber ein Viertel. Das kann zum Problem werden. Jemand, der mit 55 Jahren erstmals arbeitslos wird, hat kaum Erfahrung<u>,<\/u> wie man sich bewerben muss. Und bei der zweiten S\u00e4ule profitieren sie von h\u00f6heren Renten, als ihnen eigentlich zustehen w\u00fcrde. Somit haben wir ein \u00dcbergangsproblem.&#13;<\/p>\n<h3>Wie lange wird diese \u00dcbergangsphase dauern?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBis sich Arbeitsmarkt, Unternehmen und Politik an die neuen demografischen Rahmenbedingungen angepasst haben, d\u00fcrften in der direktdemokratischen Schweiz gut zehn Jahre verstreichen.&#13;<\/p>\n<h3>Macht es soziologisch Sinn, dass die Menschen l\u00e4nger arbeiten?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJa \u2013 wenn man das l\u00e4ngere Arbeiten mit Ruhephasen, Weiterbildung und Gesundheitsf\u00f6rderung kombiniert. Es gibt ja den Spruch: Wir m\u00fcssen lernen, das Arbeitsleben nicht als Sprint zu sehen, sondern als Langstreckenlauf. Genau so ist es. Ein Berufswechsel kann ebenfalls eine L\u00f6sung sein: Warum nicht mit 50 eine neue Lehre machen? Bildungseffekte wirken sogar bei 100-J\u00e4hrigen noch nach.&#13;<\/p>\n<h3>Inwiefern?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGutgebildete haben ein h\u00f6heres Lohnniveau. Sie k\u00f6nnen mit Problemen und Ver\u00e4nderungen besser umgehen. Sie sind aktiver und haben ein geringeres Demenzrisiko.&#13;<\/p>\n<h3>Was ist mit der biologischen Alterung?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch sie hat sich verschoben. Fr\u00fcher dachte man, es g\u00e4be feste biologische Grenzwerte. Bis man feststellte, dass man auch noch mit 70 neue Hirnzellen bilden kann. Viele fr\u00fcher definierten biologischen Parameter stimmen nicht mehr.&#13;<\/p>\n<h3>Wenn nicht bei 65 Jahren \u2013 wo liegt dann die Altersgrenze?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNach 80 nimmt im Allgemeinen die Fragilit\u00e4t zu. Ab diesem Alter steigt das Risiko von Hilfs- und Pflegebed\u00fcrftigkeit.&#13;<\/p>\n<h3>Man k\u00f6nnte also bis 80 arbeiten?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBestimmt, aber sicherlich nicht unter den gleichen Leistungsbedingungen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr H\u00f6pflinger, wir wollen \u00fcber das Alter sprechen: Wie alt f\u00fchlen Sie sich? &#13; Ich bin 68, und je nach Tag f\u00fchle ich mich subjektiv j\u00fcnger\u2026 Heute vielleicht wie 64 (lacht).&#13; Sie sind seit drei Jahren emeritierter Professor. Sie forschen aber immer noch. 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