{"id":112056,"date":"2016-09-22T15:49:35","date_gmt":"2016-09-22T15:49:35","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/09\/gysin-10-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:08:23","modified_gmt":"2023-08-23T21:08:23","slug":"gysin-10-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/09\/gysin-10-2016\/","title":{"rendered":"Kantone zeigen Initiative"},"content":{"rendered":"<p>Zurzeit wird in der \u00d6ffentlichkeit und in der Politik rege \u00fcber die Umsetzung der \u00abMasseneinwanderungsinitiative\u00bb diskutiert. Dabei wird oft argumentiert, die Zuwanderung m\u00fcsse in erster Linie \u00fcber H\u00f6chstzahlen und Kontingente gesteuert werden. Diese Forderung greift aus Sicht der Kantone jedoch zu kurz. Deshalb hat die Konferenz der Kantonsregierungen (KDK) letztes Jahr gemeinsam mit dem Bundesrat eine Vereinbarung zur Mobilisierung des inl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4ftepotenzials \u2013 die sogenannte Fachkr\u00e4fteinitiative plus \u2013 verabschiedet. Die Initiative will einen Beitrag zu einer besseren Deckung der Arbeitsmarktnachfrage durch inl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte leisten. Im Fokus stehen Frauen, \u00e4ltere Arbeitnehmende, Jugendliche, Erwachsene mit Qualifizierungspotenzial sowie anerkannte Fl\u00fcchtlinge und vorl\u00e4ufig Aufgenommene: Diese Bev\u00f6lkerungsgruppen sollen besser in den Arbeitsmarkt eingebunden werden.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Die Initiative erfolgt im Rahmen der Fachkr\u00e4fteinitiative des Bundes.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den Kantonen leisten die Bildungs- und Arbeitsmarktbeh\u00f6rden, die Sozial\u00e4mter sowie die Gleichstellungs- und Integrationsfachstellen bereits einen wesentlichen Beitrag zur Nutzung inl\u00e4ndischer Arbeitskr\u00e4ftepotenziale. In jedem Kanton steht eine breite Palette an Informations-, Beratungs-, Bildungs- und Besch\u00e4ftigungsangeboten zur Verf\u00fcgung, um Jugendliche und Erwachsene fit f\u00fcr den Arbeitsmarkt zu machen. Gemeinsam haben Gemeinden und Kantone \u2013 zusammen mit privaten Tr\u00e4gerschaften und einer Anschubfinanzierung durch den Bund \u2013 das Angebot an familienerg\u00e4nzender Kinderbetreuung in den letzten 13 Jahren fast verdoppelt. Dadurch leisteten sie einen wesentlichen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.&#13;<\/p>\n<h2>Pflegeabschl\u00fcsse verdoppelt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die Abh\u00e4ngigkeit von ausl\u00e4ndischen Fachkr\u00e4ften zu reduzieren, haben alle Kantone gezielt Massnahmen ergriffen und Projekte lanciert. Beispielhaft zeigt sich das im Gesundheitswesen: Fast ein Drittel der in der Schweiz berufst\u00e4tigen \u00c4rzte stammt aus dem Ausland. Die Kantone mit medizinischen Fakult\u00e4ten haben die Zahl der Studienpl\u00e4tze in der Humanmedizin deshalb in den letzten zehn Jahren um rund 40 Prozent erh\u00f6ht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch bei nicht universit\u00e4ren Gesundheitsberufen wurden die Kantone aktiv: Heute verpflichten alle Kantone die Spit\u00e4ler zur Ausbildung von Gesundheitspersonal. Im Kanton Bern gilt die Verpflichtung auch f\u00fcr Alters- und Pflegeheime sowie f\u00fcr die Spitex. Die Betriebe werden f\u00fcr ihre Ausbildungsleistungen finanziell entsch\u00e4digt. Dieses Beispiel hat auch in anderen Kantonen Schule gemacht und daf\u00fcr gesorgt, dass sich seit 2007 die Zahl der Pflegeabschl\u00fcsse \u00abFachfrau\/Fachmann Gesundheit\u00bb mehr als verdoppelt hat.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDar\u00fcber hinaus finanzieren verschiedene Kantone Kurse f\u00fcr Wiedereinsteiger: In der Waadt etwa sind durch ein entsprechendes Angebot zwischen 2004 und 2014 rund 500 Pflegefachpersonen wieder in den Beruf eingestiegen. Schliesslich werden vielerorts mit staatlicher Unterst\u00fctzung auch Fl\u00fcchtlinge zu Pflegehelfern ausgebildet.&#13;<\/p>\n<h2>Potenzial bei Frauen aussch\u00f6pfen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz arbeiten viele Frauen Teilzeit \u2013 oft mit tiefen Arbeitspensen. Dieses grosse Potenzial wollen die Kantone mit Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie nutzen. Steuerabz\u00fcge f\u00fcr die familienerg\u00e4nzende Kinderbetreuung k\u00f6nnen dabei wichtige Anreize setzen: Die Spannbreite der Abz\u00fcge reicht aktuell von 3000 Franken im Kanton Wallis bis 19\u2019200 Franken im Kanton Neuenburg. In Uri k\u00f6nnen sogar die effektiven Kosten abgezogen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Kantone suchen auch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft: Luzern etwa unterst\u00fctzt die F\u00f6rderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Unternehmen. Zur Verf\u00fcgung gestellt werden beispielsweise Werkzeuge wie der \u00abFamilienfreundlichkeits-Check\u00bb. KMU erfahren so, wo Verbesserungen sinnvoll und m\u00f6glich sind, und k\u00f6nnen von professioneller Unterst\u00fctzung bei der Umsetzung familienfreundlicher Massnahmen profitieren. \u00c4hnliche Projekte existieren auch in anderen Kantonen, etwa im Aargau, in Appenzell Ausserrhoden und im Baselbiet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Kanton Basel-Stadt hat unter dem Titel \u00abFamilienfreundliche Wirtschaftsregion Basel\u00bb eine Public-private-Partnership lanciert. Sie bietet eine Plattform f\u00fcr den Austausch und die Vernetzung von privaten und \u00f6ffentlichen Arbeitgebern, Wirtschaftsverb\u00e4nden und Verwaltungsstellen. Als Promotoren engagieren sich f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten aus Wirtschaft und Politik.&#13;<\/p>\n<h2>Von Stellensuchenden zu Jobj\u00e4gern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den meisten Kantonen verf\u00fcgen die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) \u00fcber Programme und Instrumente, die spezifisch auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten sind. Schaffhausen richtet sich mit dem sogenannten Jobj\u00e4ger-Programm gezielt an gut bis sehr gut qualifizierte Stellensuchende. Die Basis der Weiterbildung bildet ein Netzwerk-Pool, in dem sich die Teilnehmenden regelm\u00e4ssig gegenseitig zur eigenen Arbeitsmarktf\u00e4higkeit reflektieren und einander beim Finden von neuen Berufsfeldern sowie beim Vermitteln von Kontakten unterst\u00fctzen. Der Erfolg spricht f\u00fcr sich: Bei Jobj\u00e4ger findet jeweils \u00fcber die H\u00e4lfte der Teilnehmenden noch vor Beendigung des Programms eine neue Stelle.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiverse kantonale Massnahmen setzen bei den \u00e4lteren Arbeitnehmenden an: In den Kantonen St. Gallen, Schaffhausen, Aargau, Zug, Freiburg und Neuenburg unterst\u00fctzen Programme mit den Namen \u00abTandem50plus\u00bb, \u00abEnergy 45+\u00bb, \u00abPro 50plus\u00bb oder \u00abMove up\u00bb gezielt \u00e4ltere Stellensuchende. An die Arbeitgeber adressiert sind Kampagnen wie \u00abAlter hat Potenzial\u00bb im Kanton Zug oder \u00abPotenzial 50plus\u00bb im Aargau. Pr\u00e4ventive Wirkung entfalten k\u00f6nnen schliesslich Massnahmen wie eine Demografieberatung, die der Kanton Basel-Landschaft den KMU anbietet.&#13;<\/p>\n<h2>Investitionen in die Jugend<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchliesslich sind zahlreiche kantonale Projekte auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet: Vielfach geht es darum, dieser Zielgruppe die Mint-Berufe<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> n\u00e4herzubringen. Im schaffhausischen Neuhausen steht den Primar- und Oberstufenklassen im Rahmen des Projekts \u00abgo tec!\u00bb ein Labor zu Verf\u00fcgung, das auf spielerische Art und Weise Einblicke in die Welt der Robotik, der Aviatik und der Optik erlaubt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJugendliche Fl\u00fcchtlinge stehen ebenfalls im Fokus: Ihnen soll mit gezielten Programmen der Zugang zur Berufsbildung ge\u00f6ffnet werden, etwa \u00fcber ein integratives Br\u00fcckenangebot oder eine Vorlehre.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Unter <a href=\"https:\/\/www.fachkraefte-schweiz.ch\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fachkraefte-schweiz.ch <\/a>finden sich \u00fcber 200 Beispiele daf\u00fcr, wie die Kantone zur Erf\u00fcllung dieser Ziele beitragen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Mint steht f\u00fcr Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zurzeit wird in der \u00d6ffentlichkeit und in der Politik rege \u00fcber die Umsetzung der \u00abMasseneinwanderungsinitiative\u00bb diskutiert. 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Diese verfolgt im Einklang mit der Fachkr\u00e4fteinitiative des Bundes vier Ziele: Erstens strebt sie eine bessere Qualifikation der Arbeitnehmenden an. Zweitens will sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Drittens sollen \u00e4ltere Arbeitskr\u00e4fte l\u00e4nger im Arbeitsleben erhalten bleiben. Und viertens sollen Fl\u00fcchtlinge und vorl\u00e4ufig Aufgenommene besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. In den Kantonen gibt es bereits \u00fcber 200 Projekte und Massnahmen, die auf diese Ziele ausgerichtet sind.","magazine_issue":"10-2016","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20160923","original_files":[{"file":112071}],"external_release_for_author":"20160825","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5784bfffd1479"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112056"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4443"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=112056"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112056\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126550,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112056\/revisions\/126550"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4443"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157140"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156467"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28318"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=112056"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=112056"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=112056"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=112056"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=112056"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=112056"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}