{"id":112154,"date":"2016-09-22T15:27:56","date_gmt":"2016-09-22T15:27:56","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/09\/rechsteiner-10-2016-franz\/"},"modified":"2024-04-10T18:43:19","modified_gmt":"2024-04-10T16:43:19","slug":"rechsteiner-10-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/09\/rechsteiner-10-2016\/","title":{"rendered":"Die Bildung st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"<p>Gut ausgebildete und motivierte Fachkr\u00e4fte sind f\u00fcr die Zukunft der Schweizer Wirtschaft entscheidend. Die Weichen daf\u00fcr werden heute gestellt. Massgebend sind nicht Worte, sondern Taten.<\/p>\n<p>Ausschlaggebend sind zuerst die Investitionen in die Bildung. Vieles ist in den letzten Jahren gut gemacht worden: Die Berufsbildung wurde gest\u00e4rkt, und die Bildungswege wurden ge\u00f6ffnet. Zum Beispiel \u00fcber die Fachhochschulen. Jetzt aber drohen im Zusammenhang mit Sparprogrammen grosse R\u00fcckschl\u00e4ge. Auf Bundesebene betrifft dies gem\u00e4ss der Botschaft zur F\u00f6rderung von Bildung, Forschung und Innovation vom vergangenen Februar die Bildungskredite, und auch bei den Kantonen nimmt der Spardruck zu. Mit Blick auf die Folgen ist das fatal, handelt es sich bei den Bildungsinvestitionen doch um die wichtigste Zukunftsressource.<\/p>\n<p>Die Schweiz kann und darf sich nicht darauf verlassen, dass die Einwanderung f\u00fcr gen\u00fcgend gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte sorgt. Ganz abgesehen vom Recht der Jungen auf gute Zukunftschancen. Es ist die Aufgabe der heute politisch Verantwortlichen, mit den richtigen Entscheiden f\u00fcr die n\u00f6tigen Bildungskredite zu sorgen. Die Sparpolitik ist kein Staatsziel, ein gutes Bildungswesen hingegen schon.<\/p>\n<h2><strong>Mehr Lohn in der Pflege<\/strong><\/h2>\n<p>Investitionen in die Berufsbildung sind zwar n\u00f6tig und unabdingbar, f\u00fcr sich allein gen\u00fcgen sie jedoch nicht. Zus\u00e4tzlich zur Bildung sind gute Arbeitsbedingungen die Voraussetzung daf\u00fcr, dass die Ausgebildeten im Beruf bleiben. So gibt es bei den weiblich gepr\u00e4gten Pflegeberufen nach wie vor Nachholbedarf bei den L\u00f6hnen. Aber auch die Planbarkeit der Arbeit spielt f\u00fcr den Verbleib im Beruf nachweislich eine Rolle \u2013 darauf muss eine fortschrittliche Arbeitszeitpolitik R\u00fccksicht nehmen.<\/p>\n<p>Ins gleiche Kapitel geh\u00f6rt die in der Schweiz noch immer stark eingeschr\u00e4nkte Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zwar ist die gestiegene Erwerbst\u00e4tigkeit der Frauen die gr\u00f6sste Ver\u00e4nderung auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt der letzten Jahrzehnte. Aber auch hier gibt es viel Potenzial: Namentlich muss die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Betreuungsarbeit verbessert werden. Die neue Anschubfinanzierung des Bundes in der H\u00f6he von 100 Millionen Franken ist zwar zu begr\u00fcssen, bleibt aber hinter den Bed\u00fcrfnissen weit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wie in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern m\u00fcssten Kinderkrippen und Tagesschulen auch in der Schweiz zum Grundangebot eines modernen Service public geh\u00f6ren. Dann w\u00fcrde sich das Problem, dass der Lohn f\u00fcr eine zus\u00e4tzliche Erwerbsarbeit des betreuenden Elternteils oft von den Krippenkosten weitgehend aufgefressen wird, von selber erledigen. Solche Erwerbshindernisse sind umso unsinniger, als sie zunehmend gut ausgebildete J\u00fcngere treffen: Deren Bildungsinvestitionen entwerten sich langfristig ohne Erwerbst\u00e4tigkeit.<\/p>\n<h2><strong>Respekt vor \u00e4lteren Arbeitnehmenden<\/strong><\/h2>\n<p>\u00dcberhaupt sind bessere Arbeitsbedingungen ein Schl\u00fcssel im Kampf gegen den Fachkr\u00e4ftemangel. In manchen gewerblichen Berufen sind die L\u00f6hne der Leute nach der Lehre stehen geblieben. Wer mehr verdienen will, ist oft gezwungen, den Beruf zu wechseln. Die Aufwertung der f\u00fcr die Volkswirtschaft wichtigen gewerblichen Berufe beginnt deshalb mit dem Lohn.<\/p>\n<p>Schliesslich braucht es eine konsequente Bek\u00e4mpfung der gravierenden Diskriminierung \u00e4lterer Arbeitnehmender auf dem Arbeitsmarkt. Auch hier ist die Schweiz gegen\u00fcber dem Ausland stark im R\u00fcckstand. Der Erfahrungsschatz und das K\u00f6nnen vieler langj\u00e4hriger Berufsleute sind gross. Trotzdem kommen sie sich auf dem Arbeitsmarkt sp\u00e4testens ab Alter 55 zunehmend als Auss\u00e4tzige vor. Hier sind neue Weichenstellungen f\u00e4llig. Wertsch\u00e4tzung und Respekt vor den arbeitenden Menschen sind Voraussetzungen daf\u00fcr, dass sich die Zukunftschancen auch in dieser kritischen Generation wieder verbessern. Wir haben es in der Hand!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gut ausgebildete und motivierte Fachkr\u00e4fte sind f\u00fcr die Zukunft der Schweizer Wirtschaft entscheidend. Die Weichen daf\u00fcr werden heute gestellt. Massgebend sind nicht Worte, sondern Taten. Ausschlaggebend sind zuerst die Investitionen in die Bildung. Vieles ist in den letzten Jahren gut gemacht worden: Die Berufsbildung wurde gest\u00e4rkt, und die Bildungswege wurden ge\u00f6ffnet. 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