{"id":112180,"date":"2016-09-22T15:27:55","date_gmt":"2016-09-22T15:27:55","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/09\/vogt-10-2016\/"},"modified":"2024-04-05T15:03:45","modified_gmt":"2024-04-05T13:03:45","slug":"vogt-10-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/09\/vogt-10-2016\/","title":{"rendered":"Fachkr\u00e4ftediskussion aus Unternehmensoptik f\u00fchren"},"content":{"rendered":"<p>Der Blick in die nahe Zukunft macht klar: In der Schweiz schrumpft das Angebot an Arbeitskr\u00e4ften aus demografischen und politischen Gr\u00fcnden, w\u00e4hrend die Nachfrage insbesondere nach hoch qualifizierten und spezialisierten Arbeitskr\u00e4ften weiter zunimmt. Wenn es l\u00e4ngerfristig nicht gelingt, diese Arbeitsmarktl\u00fccke zu schliessen, k\u00f6nnen Unternehmen ihre Auftr\u00e4ge nicht mehr kundengerecht ausf\u00fchren. Als direkte Folgen davon m\u00fcssen Leistungen abgebaut oder im Ausland erbracht werden. Ausserdem b\u00fcsst der Wirtschaftsstandort an Attraktivit\u00e4t ein, was etwa die Ansiedlung von Firmen erschwert. Unter dem Strich bezahlen wir also mit Wachstums- und Wohlstandseinbussen. Einer solchen Entwicklung gilt es mit vereinten Kr\u00e4ften entschieden entgegenzutreten.<\/p>\n<p>Dabei ist zu bedenken: Ein strukturelles Problem wie der Fachkr\u00e4ftemangel kann nicht einfach von der Bundespolitik gel\u00f6st werden. Denn der Einfluss der \u00f6ffentlichen Hand \u2013 und \u00fcbrigens auch der Verb\u00e4nde \u2013 in einer Marktwirtschaft ist zwangsl\u00e4ufig begrenzt. Kommt hinzu: Der Bund kann nicht alleine entscheiden, sondern muss mit Kantonen und Gemeinden kooperieren. Das ist zeitaufwendig.<\/p>\n<p>Zudem betrifft der Fachkr\u00e4ftemangel nebst der Arbeitsmarktpolitik auch die Bildungs-, die Arbeits-, die Sozial- und die Migrationspolitik. Diese Querschnittswirkungen erfordern wohldosierte Massnahmen in jedem Politikbereich. Gegen rasche Erfolge spricht schliesslich, dass die inl\u00e4ndischen Potenziale bereits gut genutzt werden.<\/p>\n<p>In der Praxis birgt das Aussch\u00f6pfen der Potenziale oft grosse Hindernisse. Bei einigen der anvisierten Bev\u00f6lkerungsgruppen zeigt sich, dass mangelnde Sprachkenntnisse, fehlende Arbeitsmotivation oder unzureichende Zuverl\u00e4ssigkeit einer Anstellung entgegenstehen. Andere Gruppen wiederum entscheiden sich aufgrund individueller Lebenspl\u00e4ne, gekoppelt mit entsprechenden finanziellen M\u00f6glichkeiten, gegen eine Erh\u00f6hung der Arbeitspensen.<\/p>\n<h2><strong>Firmen stehen im Zentrum<\/strong><\/h2>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten der Politik zur Entsch\u00e4rfung des Fachkr\u00e4ftemangels sind also begrenzt. Umso h\u00f6her sind die Erwartungen der Politik an die Fachkr\u00e4fteinitiative und an ein politisch korrektes Rekrutierungsverhalten der Unternehmen im Rahmen der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Deshalb ist daran zu erinnern: Am Anfang der Debatte stehen innovative Unternehmen, die Fachkr\u00e4fte brauchen.<\/p>\n<p>Die wichtigste Aufgabe der \u00f6ffentlichen Hand besteht somit weiterhin darin, gute Rahmenbedingungen f\u00fcr die Wirtschaft zu erwirken. Dazu geh\u00f6rt, das arbeitsmarktorientierte Bildungswesen zu pflegen und weiterzuentwickeln, aber auch, den liberalen, flexiblen und offenen Arbeitsmarkt zu bewahren sowie sich um Erwerbsanreize im Sozialversicherungsbereich zu k\u00fcmmern. Am wirkungsvollsten ist dabei eine Politik, die Voraussetzungen schafft, dass die Arbeitsmarktakteure selbstverantwortlich und im eigenen Interesse Mangelerscheinungen beheben k\u00f6nnen. Mit einer solchen Politik der ruhigen Hand l\u00e4sst sich eine strukturelle Knappheit an Fachkr\u00e4ften am ehesten entsch\u00e4rfen.<\/p>\n<h2><strong>Politik muss Grenzen kennen<\/strong><\/h2>\n<p>Alle diese \u00dcberlegungen f\u00fchren zum Fazit: Die Fachkr\u00e4ftediskussion muss k\u00fcnftig vermehrt aus der Optik von Unternehmen mit Rekrutierungsproblemen gef\u00fchrt werden. Demgegen\u00fcber muss die Politik ihre eigenen Grenzen anerkennen, statt in eine Aktivismus-Falle zu tappen. Der strukturelle Fachkr\u00e4ftemangel kann nicht mit raschen, isolierten Einzelerfolgen bek\u00e4mpft werden, sondern ben\u00f6tigt eine durchdachte, nachhaltige Arbeit in den haupts\u00e4chlich betroffenen Politikbereichen Arbeitsmarkt, Bildung und Sozialpolitik.<\/p>\n<p>Dazu sind die vom Bund erstellten Grundlagenberichte und Indikatoren sowohl f\u00fcr die Politiker als auch f\u00fcr die Unternehmen und Verb\u00e4nde n\u00fctzlich. Sie k\u00f6nnen Anhaltspunkte liefern, wie die Unternehmen gezielt wirksame Fachkr\u00e4ftestrategien in die Tat umsetzen. Eine unl\u00e4ngst lancierte digitale Informationsplattform, auf der Bund, Kantone und Sozialpartner ihre Anstrengungen b\u00fcndeln, ist ein weiterer pragmatischer Schritt, um einen praxisnahen Erfahrungsaustausch zu intensivieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Blick in die nahe Zukunft macht klar: In der Schweiz schrumpft das Angebot an Arbeitskr\u00e4ften aus demografischen und politischen Gr\u00fcnden, w\u00e4hrend die Nachfrage insbesondere nach hoch qualifizierten und spezialisierten Arbeitskr\u00e4ften weiter zunimmt. Wenn es l\u00e4ngerfristig nicht gelingt, diese Arbeitsmarktl\u00fccke zu schliessen, k\u00f6nnen Unternehmen ihre Auftr\u00e4ge nicht mehr kundengerecht ausf\u00fchren. Als direkte Folgen davon m\u00fcssen [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3902,"featured_media":170666,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[67,69],"post_opinion":[71],"post_serie":[],"post_content_category":[76],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3902,"seco_co_author":"","author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Pr\u00e4sident Schweizerischer Arbeitgeberverband, Z\u00fcrich","seco_author_post_occupation_fr":"Pr\u00e9sident de l\u2019Union \u00adpatronale suisse (UPS), Zurich","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"Fachkr\u00e4ftediskussion aus Unternehmensoptik f\u00fchren","post_lead":"Die Fachkr\u00e4fteinitiative ist zwar begr\u00fcssenswert \u2013 die Umsetzung ist aber anspruchsvoll. Denn: Politische Wunschvorstellungen d\u00fcrfen betriebliche Realit\u00e4ten nicht beiseiteschieben.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":112183,"main_focus":[156467,157140],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"60503","post_abstract":"","magazine_issue":"20240405","seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[4127],"korrektor":"","planned_publication_date":"2016-09-22 13:27:55","original_files":[{"file":112187}],"external_release_for_author":"20160825","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5784b8901018d"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112180"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3902"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=112180"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112180\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":197770,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112180\/revisions\/197770"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3902"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157140"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156467"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/170666"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=112180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=112180"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=112180"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=112180"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=112180"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=112180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}