{"id":112300,"date":"2016-09-01T14:00:11","date_gmt":"2016-09-01T14:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/09\/schmidheiny-10-2016-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:08:41","modified_gmt":"2023-08-23T21:08:41","slug":"schmidheiny-10-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/09\/schmidheiny-10-2016\/","title":{"rendered":"Individualbesteuerung bietet gr\u00f6ssere Arbeitsanreize f\u00fcr Zweitverdiener"},"content":{"rendered":"<p>In der Schweiz werden verheiratete Paare vom Bund und den Kantonen gemeinschaftlich besteuert, w\u00e4hrend unverheiratete Paare individuell besteuert werden. Diese Gemeinschaftsbesteuerung f\u00fchrt dazu, dass rund 80\u2019000 verheiratete Doppelverdiener-Paare mit hohen L\u00f6hnen weniger Steuern zahlen w\u00fcrden, wenn sie nicht verheiratet w\u00e4ren.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Diese steuerliche \u00abHeiratsstrafe\u00bb wird als ungerecht empfunden, weil damit Gleiches ungleich behandelt wird. Dieses Ungerechtigkeitsempfinden hat sich bereits in Volksinitiativen wie der Initiative zur Abschaffung der Heiratsstrafe und parlamentarischen Vorst\u00f6ssen ge\u00e4ussert. Der Bundesrat will deshalb bis Ende 2016 einen Richtungsentscheid bez\u00fcglich der Ehepaarbesteuerung treffen.&#13;<\/p>\n<h2>Es gibt kein \u00abgerechtes\u00bb Modell<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAusser in der Schweiz werden verheiratete Paare in Europa nur noch in Irland, Frankreich und Portugal gemeinsam besteuert. Die anderen europ\u00e4ischen L\u00e4nder sind zu einer Form der Individualbesteuerung \u00fcbergegangen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Als Alternative zur gemeinsamen Veranlagung wird zurzeit auch hierzulande die individuelle Besteuerung der Partner diskutiert. Unter den aktuellen Steuertarifen w\u00fcrde die Individualbesteuerung aufgrund der Progression dazu f\u00fchren, dass Einverdiener-Paare bei gleichem Gesamteinkommen mehr Steuern zahlen m\u00fcssten als Doppelverdiener-Paare. Dies wird wiederum als ungerechte Benachteiligung der traditionellen famili\u00e4ren Arbeitsaufteilung empfunden, weil auch hier Gleiches ungleich behandelt w\u00fcrde. Aufgrund dieser beiden berechtigten Gerechtigkeitsargumente w\u00e4re ein Steuersystem erstrebenswert, das einerseits zivilstandsneutral ist und andererseits keine Art der famili\u00e4ren Arbeitsteilung bevorzugt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nRoland Hodler von der Universit\u00e4t St. Gallen zeigte vor Kurzem auf, dass eine Flat Tax beiden Gerechtigkeitsargumenten gen\u00fcgen w\u00fcrde.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Unter einer solchen w\u00fcrden alle Einkommen unabh\u00e4ngig ihrer H\u00f6he zu einem einheitlichen Prozentsatz versteuert. Damit h\u00e4tten weder Zivilstand noch Arbeitsteilung einen Einfluss auf den Steuerbetrag der Paare. Der Steuertarif von Bund, Kantonen und Gemeinden ist heute jedoch progressiv ausgestaltet (<em>siehe Kasten<\/em>). Dies bedeutet, dass man tiefe Einkommen zu einem tieferen Steuersatz oder teilweise gar nicht besteuert, w\u00e4hrend hohe Einkommen zu einem h\u00f6heren Steuersatz besteuert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch progressive Steuertarife basieren auf Gerechtigkeitsargumenten: Personen mit h\u00f6heren Einkommen leiden weniger unter der Steuerlast und sollen deshalb mehr zur Bereitstellung \u00f6ffentlicher G\u00fcter beitragen. Progressive Steuertarife f\u00fchren ausserdem zu einer Umverteilung von hohen zu tiefen Einkommen und verringern damit die Ungleichheit in den verf\u00fcgbaren Einkommen. Mit einem progressiven Steuertarif gibt es keine Form der Familienbesteuerung, die beiden Gerechtigkeitsargumenten gleichzeitig gen\u00fcgt.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Da die Gerechtigkeitsdebatte zur Familienbesteuerung grunds\u00e4tzlich unaufl\u00f6sbar ist, konzentrieren wir uns auf die Anreizwirkungen der verschiedenen Modelle.&#13;<\/p>\n<h2>Individualbesteuerung setzt Arbeitsanreize f\u00fcr Zweitverdiener<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie steuerliche Behandlung bestimmt auch die Arbeitsanreize der beiden Partner. Die aktuelle gemeinsame Besteuerung von Paaren setzt bedeutend st\u00e4rkere negative Anreize f\u00fcr die Erwerbst\u00e4tigkeit des Zweitverdieners als die individuelle Besteuerung. Ein Wechsel zur Individualbesteuerung d\u00fcrfte deshalb sowohl zu einer h\u00f6heren Erwerbsbeteiligung als auch zu einem h\u00f6heren Besch\u00e4ftigungsgrad von Frauen f\u00fchren, wie er zurzeit auch im Rahmen der Fachkr\u00e4fteinitiative diskutiert wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm die negative Anreizwirkung des heutigen Steuersystems auf die Arbeitst\u00e4tigkeit des Partners mit dem geringeren Einkommen darzustellen, haben wir f\u00fcr alle Gemeinden der Schweiz basierend auf verschiedenen Einkommen und Aufteilungen der Erwerbsarbeit berechnet, welcher Anteil des zus\u00e4tzlichen Einkommens des Zweitverdieners als Steuer abgeht. Alle Beispiele beziehen sich auf ein verheiratetes Paar mit zwei betreuungspflichtigen Kindern. Beide Partner sind gut ausgebildet und w\u00fcrden bei einem Besch\u00e4ftigungsgrad von 100 Prozent den Medianlohn eines Hochschulabg\u00e4ngers von etwa 120\u2019000 Franken verdienen. Der Hauptverdiener ist vollzeitbesch\u00e4ftigt, und der Zweitverdiener steht vor der Entscheidung, eine Erwerbst\u00e4tigkeit von 40 Prozent aufzunehmen, was einem Jahreseinkommen von 48\u2019000 Franken entspricht. Bei alleiniger Erwerbst\u00e4tigkeit des Hauptverdieners betr\u00e4gt der Steuersatz f\u00fcr dieses Paar im mit der Einwohnerzahl der Gemeinden gewichteten gesamtschweizerischen Durchschnitt 8,33 Prozent und damit 9996 Franken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNimmt der Zweitverdiener eine Arbeit auf, erh\u00f6ht sich das gemeinsame Einkommen auf 168\u2019000 Franken, der Steuersatz auf 11,91 Prozent und der Steuerbetrag auf 20\u2019008 Franken.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Das Einkommen des Zweitverdieners von 48\u2019000 Franken f\u00fchrt also f\u00fcr das Ehepaar zu einer Erh\u00f6hung des Steuerbetrages um 10\u2019012 Franken, was einem Grenzsteuersatz auf den Zweitverdienst von 21 Prozent<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> entspricht. Dies, obwohl der Zweitverdienerabzug den negativen Anreiz auf die Erwerbsaufnahme durch den Zweitverdiener noch verringert.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Bei Individualbesteuerung zu den heutigen S\u00e4tzen f\u00fcr Alleinstehende<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> betr\u00fcge der Steuersatz f\u00fcr das Einkommen des Zweitverdieners nur 3433 Franken bzw. 7,15 Prozent.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a> Dieser Steuersatz entspricht dem Grenzsteuersatz auf den Zweitverdienst aus der Sicht des Ehepaares.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Abbildung zeigt den Grenzsteuersatz auf das Einkommen des Zweitverdieners bei gemeinsamer Besteuerung f\u00fcr das oben beschriebene gut ausgebildete Ehepaar in allen Kantonen. Der h\u00f6chste durchschnittliche Grenzsteuersatz liegt mit 27 Prozent im Kanton Neuenburg und der tiefste mit 9 Prozent im Kanton Zug. Im Mittel aller Gemeinden betr\u00e4gt der Grenzsteuersatz auf den Zweitverdienst f\u00fcr das oben beschriebene Ehepaar 21 Prozent. Unter der Individualbesteuerung zu den aktuellen S\u00e4tzen f\u00fcr Alleinstehende w\u00fcrde der Grenzsteuersatz auf den Zweitverdienst im gewichteten Mittel der Gemeinden nur 7 Prozent betragen; mit einem Minimum von 3 Prozent im Kanton Zug und einem Maximum von 10 Prozent im Kanton Neuenburg. Individualbesteuerung w\u00fcrde folglich f\u00fcr dieses Ehepaar die Arbeitsanreize f\u00fcr den Zweitverdiener in allen Kantonen substanziell erh\u00f6hen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Grenzsteuers\u00e4tze bei gemeinsamer Veranlagung nach Kantonen, wenn der Zweitverdiener den Erwerbsgrad von 0 auf 40 Prozent erh\u00f6ht<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2016\/09\/Schmidheiny_Roth_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-61114\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2016\/09\/Schmidheiny_Roth_DE.png\" alt=\"Schmidheiny_Roth_DE\" width=\"1456\" height=\"1020\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Das Nettoeinkommen von Erst- und Zweitverdienern betr\u00e4gt 120\u2019000 Franken bei Vollbesch\u00e4ftigung. Die Grenzsteuers\u00e4tze entsprechen dem mit der Einwohnerzahl der Gemeinde gewichteten Mittelwert \u00fcber alle Gemeinden eines Kantons.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: ESTV (2014) \/ Roth und Schmidheiny \/ Die Volkswirtschaft.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Anreizwirkung bei geringen Arbeitspensen am h\u00f6chsten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Tabelle zeigt die aktuellen Grenzsteuers\u00e4tze f\u00fcr Ehepaare mit zwei Kindern f\u00fcr verschiedene Einkommensgruppen und Besch\u00e4ftigungsgrade unter Gemeinschafts- und unter Individualbesteuerung. Die Differenz der Grenzsteuers\u00e4tze zwischen gemeinsamer Veranlagung und Individualbesteuerung ist f\u00fcr die ersten 40 Prozent der Erwerbst\u00e4tigkeit am h\u00f6chsten und sinkt mit zunehmender Arbeitst\u00e4tigkeit. Bei Aufnahme einer Teilzeitt\u00e4tigkeit ist die Differenz zwischen den beiden Besteuerungsmodellen f\u00fcr alle betrachteten Familieneinkommen \u00e4hnlich hoch. Die Grenzsteuers\u00e4tze sind grunds\u00e4tzlich f\u00fcr die Ausweitung des Arbeitsangebotes von 40 auf 100 Prozent am h\u00f6chsten. Bei individueller Besteuerung sind sie jedoch vom Niveau vergleichbar mit der Ausweitung von 0 auf 40 Prozent bei gemeinsamer Besteuerung. Bei einer Erh\u00f6hung von 40 auf 100 Prozent steigt die Differenz zwischen gemeinsamer und individueller Besteuerung von 3 Prozentpunkten bei einem Einkommen von 80\u2019000 auf 7 Prozentpunkte bei einem Einkommen von 120\u2019000 Franken.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Grenzsteuersatz auf das Einkommen des Zweitverdieners, nach Steuersystem<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table>&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td style=\"text-align: center;\" width=\"111\"><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"text-align: center;\" colspan=\"3\" width=\"336\">Gemeinsame Besteuerung<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td style=\"text-align: center;\" colspan=\"3\" width=\"332\">Individuelle Besteuerung<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"111\">Einkommen bei 100%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"116\">0 auf 40%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">0 auf 100%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">40 auf 100%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"113\">0 auf 40%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">0 auf 100%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">40 auf 100%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"111\">80\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"116\">13,77<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">18,34<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">21,39<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"113\">2,58<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">12,52<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">18,38<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"111\">100\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"116\">17,83<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">22,74<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">26,02<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"113\">5,09<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">14,69<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">21,09<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"111\">120\u2019000<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"116\">20,86<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">26,56<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">30,37<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"113\">7,15<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">16,62<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"110\">22,93<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Der Erstverdiener ist 100% erwerbst\u00e4tig. Der Zweitverdiener\u00a0erh\u00f6ht seine Erwerbst\u00e4tigkeit je nach Spalte. Ber\u00fccksichtigt wurden die Steuertarife von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie die \u00fcblichen Abz\u00fcge inklusive des Zweitverdienerabzugs. Die Tabelle bezieht sich auf das Mittel \u00fcber alle Schweizer Gemeinden (2352 Beobachtungen), gewichtet mit der Einwohnerzahl.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: ESTV (2014) \/ Berechnungen <span class=\"text__quelle--ground\">Roth und Schmidheiny<\/span> \/ Die Volkswirtschaft.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitsbeteiligung von Frauen w\u00fcrde steigen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss Bundesamt f\u00fcr Statistik ist in der Schweiz bei 90 Prozent der Paare mit zwei Kindern die Frau der Zweitverdiener. Wir k\u00f6nnen deshalb die Partizipationselastizit\u00e4t von verheirateten Frauen aus der Literatur heranziehen, um abzusch\u00e4tzen, welche Auswirkung die Einf\u00fchrung der Individualbesteuerung haben k\u00f6nnte. Sch\u00e4tzungen der Partizipationselastizit\u00e4t von verheirateten Frauen (Zweitverdienst) reichen von 0,5 bis 1.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a> Eine Partizipationselastizit\u00e4t von 0,5 bedeutet, dass eine Zunahme des Nettoeinkommens nach Steuern um 1 Prozent die Wahrscheinlichkeit, einer Erwerbst\u00e4tigkeit nachzugehen, um 0,5 Prozent erh\u00f6ht. Gem\u00e4ss Daten der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung 2014 sind 76 Prozent der erwerbsf\u00e4higen Frauen mit Hochschulabschluss und Kindern unter 14 Jahren erwerbst\u00e4tig. Diese Partizipationswahrscheinlichkeit w\u00fcrde sich deshalb auf sch\u00e4tzungsweise 83 bis 89 Prozent erh\u00f6hen.<a href=\"#footnote_11\" id=\"footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor\">[11]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Anreizwirkung von Splitting ist \u00e4hnlich wie bei gemeinsamer Veranlagung. F\u00fcr das oben beschriebene gut ausgebildete Ehepaar w\u00fcrde der Grenzsteuersatz f\u00fcr einen Zweitverdienst von 40 Prozent bei Vollsplitting 21 Prozent und bei Teilsplitting mit einem Faktor von 1,7 23 Prozent betragen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei der modifizierten Individualbesteuerung wird die famili\u00e4re Arbeitsaufteilung durch einen Einverdienerabzug ber\u00fccksichtigt. Dadurch wird die h\u00f6here Besteuerung von Einverdiener-Paaren derjenigen von Doppelverdiener-Paaren mit gleichem gemeinsamem Einkommen angen\u00e4hert. Damit sinkt jedoch der Arbeitsanreiz f\u00fcr den Zweitverdiener. Bei einem Einverdienerabzug von 10\u2019000 Franken bedeutet dies f\u00fcr das oben beschriebene Ehepaar eine Erh\u00f6hung des negativen Anreizes um 2,5 Prozentpunkte von 7,15 auf 9,65 Prozent gegen\u00fcber der reinen Individualbesteuerung ohne Einverdienerabzug.<a href=\"#footnote_12\" id=\"footnote-anchor_12\" class=\"inline-footnote__anchor\">[12]<\/a> Diese Verschlechterung des Arbeitsanreizes soll deshalb im Vorschlag des Bundesrates abgeschw\u00e4cht werden, indem der Einverdienerabzug graduell bis zu einem Zweitverdienst von 20\u2019000 Franken ausl\u00e4uft. F\u00fcr gut ausgebildete Zweitverdiener mit einem Jahreseinkommen \u00fcber 20\u2019000 Franken ver\u00e4ndert sich dieser negative Effekt allerdings nicht.&#13;<\/p>\n<h2>Kinderbetreuungskosten sind finanzielles Erwerbshindernis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei Aufnahme oder Erweiterung der Erwerbst\u00e4tigkeit durch den Zweitverdiener entstehen auch Kosten f\u00fcr familienexterne Kinderbetreuung. Eine Vollzeitbetreuung in einer nicht subventionierten Kinderkrippe kostet in der Schweiz zwischen 18\u2019000 und 36\u2019000 Franken pro Kind und Jahr.<a href=\"#footnote_13\" id=\"footnote-anchor_13\" class=\"inline-footnote__anchor\">[13]<\/a> Die Kinderbetreuungskosten setzen einen zus\u00e4tzlichen negativen finanziellen Arbeitsanreiz und k\u00f6nnen deshalb als implizite Steuer gesehen werden. Dieser negative Anreiz wird auf Bundesebene gemildert, indem Kinderbetreuungskosten bis zu einem Maximalbetrag von 10\u2019100 Franken abgezogen werden k\u00f6nnen. Bei den Kantonen gew\u00e4hrt das Wallis mit 3000 Franken den geringsten maximalen Abzug. Im Kanton Uri k\u00f6nnen s\u00e4mtliche Kosten f\u00fcr die Fremdbetreuung von Kindern abgezogen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn vielen Kantonen und Gemeinden wird externe Kinderbetreuung abh\u00e4ngig vom Familieneinkommen subventioniert. Ber\u00fccksichtigt man f\u00fcr ein gut ausgebildetes Paar mit zwei Kindern und einem Zweitverdienst von 40 Prozent im Kanton Basel-Stadt die Kinderdrittbetreuungskosten, ihre Subventionierung und die Abz\u00fcge f\u00fcr externe Kinderbetreuung, betr\u00e4gt der Grenzsteuersatz 44 Prozent bei gemeinsamer Veranlagung und 24 Prozent bei individueller Besteuerung. Ohne Ber\u00fccksichtigung der Fremdbetreuungskosten betr\u00e4gt der Grenzsteuersatz im Kanton Basel-Stadt 25 Prozent bei gemeinsamer Veranlagung und 7 Prozent bei individueller Besteuerung. Die Kosten der Kinderbetreuung sind damit aus finanzieller Sicht f\u00fcr den Arbeitsanreiz des Zweitverdieners im beschriebenen Beispiel ebenso wichtig wie das Steuermodell.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Bericht des Bundesrates (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Die Individualbesteuerung wird in 18 von 26 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern angewendet. In Portugal und Frankreich gilt das Familiensplitting. In Polen und Deutschland besteht die Wahl zwischen Individualbesteuerung und Ehegattensplitting. In Norwegen und Spanien kann zwischen Individualbesteuerung und gemeinsamer Veranlagung gew\u00e4hlt werden.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Roland Hodler (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Kombiniert mit einem einheitlichen Pro-Kopf-Transfer, w\u00e4re auch die Flat Tax progressiv und w\u00fcrde beiden Gerechtigkeitsargumenten gen\u00fcgen. Diese Form der Progression weicht aber stark vom aktuellen progressiven Tarif ab und kann insbesondere den Mittelstand weniger stark entlasten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Abz\u00fcge f\u00fcr Sozialversicherung und Pensionskasse sowie familienbezogene Abz\u00fcge ber\u00fccksichtigt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">10\u2019012\/48\u2019000 = 20,86 Prozent.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Bei Arbeitst\u00e4tigkeit beider Partner k\u00f6nnen bis zu 50 Prozent des geringeren Einkommens abgezogen werden. Der Maximalbetrag betr\u00e4gt dabei 13\u2019400 Franken auf Bundesebene. In den Kantonen k\u00f6nnen maximal zwischen 500 Franken (AI) und 7700 Franken (TI) abgezogen werden.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Bei einer Einf\u00fchrung k\u00f6nnten die Steuers\u00e4tze anders ausfallen, um die Steuereinnahmen konstant zu halten. Dies h\u00e4tte aber nur geringe Auswirkung auf unsere Berechnungen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Die Kinderabz\u00fcge wurden dabei h\u00e4lftig den Partnern zugeteilt und vom Bruttoeinkommen abgezogen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Siehe Immervoll et al. (2011).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_11\" class=\"footnote--item\">Eine Reduktion des Grenzsteuersatzes von 21 auf 7 Prozent bedeutet eine Erh\u00f6hung des Nettoeinkommens um (0,21-0,07)\/(1-0,21) = 17,7%.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_12\" class=\"footnote--item\">Annahme gem\u00e4ss dem Bericht des Bundesrates (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_12\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_13\" class=\"footnote--item\">Siehe Stern et al. (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_13\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz werden verheiratete Paare vom Bund und den Kantonen gemeinschaftlich besteuert, w\u00e4hrend unverheiratete Paare individuell besteuert werden. Diese Gemeinschaftsbesteuerung f\u00fchrt dazu, dass rund 80\u2019000 verheiratete Doppelverdiener-Paare mit hohen L\u00f6hnen weniger Steuern zahlen w\u00fcrden, wenn sie nicht verheiratet w\u00e4ren. Diese steuerliche \u00abHeiratsstrafe\u00bb wird als ungerecht empfunden, weil damit Gleiches ungleich behandelt wird. 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Optimal Tax and Transfer Programs for Couples with Extensive Labor Supply Responses, in: Journal of Public Economics<em>.<\/em><\/li>&#13;\n\t<li>Stern, Iten, Schwab, Felfe, Lechner und Thiemann (2013). Familienerg\u00e4nzende Kinderbetreuung und Gleichstellung, Studie im Rahmen des NFP 60 \u00abGleichstellung der Geschlechter\u00bb, Infras und Universit\u00e4t St. Gallen.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Steuermodelle in der Schweiz","kasten_box":"Auf Bundesebene gilt in der Schweiz ein Doppeltarifsystem mit einem Tarif f\u00fcr Alleinstehende und einem zweiten f\u00fcr Verheiratete. Ein milderer Tarif f\u00fcr Verheiratete und ehespezifische Abz\u00fcge wirken der Mehrbelastung durch das Zusammenrechnen der Einkommen beider Partner entgegen. Seit einem Bundesgerichtsentscheid im Jahr 2005 gilt der Verheiratetentarif auch f\u00fcr Alleinerziehende. 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