{"id":112420,"date":"2016-07-25T15:30:31","date_gmt":"2016-07-25T15:30:31","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/07\/la-situation-economique-dicte-limmigration\/"},"modified":"2023-08-23T23:09:07","modified_gmt":"2023-08-23T21:09:07","slug":"weber-08-09-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/07\/weber-08-09-2016\/","title":{"rendered":"Die Wirtschaftslage lenkt die Zuwanderung"},"content":{"rendered":"<p>Das Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen (FZA) zwischen der Schweiz und der EU trat 2002 in Kraft. Seither durchliefen die Schweiz und Europa wirtschaftlich sehr unterschiedliche und zum Teil turbulente Phasen. Nach einer vor\u00fcbergehenden Konjunkturflaute waren die ersten sechs Jahre des FZA von einem weltweit kr\u00e4ftigen Aufschwung gepr\u00e4gt. Doch die grosse Finanz- und Wirtschaftskrise beendete diese Boomphase Anfang 2009 abrupt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den Jahren danach stand die Wirtschaftsentwicklung Europas im Zeichen der Eurokrise. Sie zeichnete sich durch ein insgesamt schwaches und regional stark ungleiches Wirtschaftswachstum aus. Zu diesem schwierigen aussenwirtschaftlichen Umfeld kam in der Schweiz ab 2011 die starke Aufwertung des Schweizer Frankens gegen\u00fcber dem Euro hinzu, welche den Wirtschaftsgang zus\u00e4tzlich belastete.&#13;<\/p>\n<h2>St\u00fctze in der Krise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm internationalen Vergleich verzeichnete die Schweiz seit 2002 eine sehr starke Zuwanderung aus der EU und der Efta. Diese Zeitspanne war zun\u00e4chst wesentlich durch eine \u00fcberdurchschnittlich gute Wirtschaftsentwicklung gepr\u00e4gt. Sie l\u00f6ste die Zuwanderung in die Schweiz \u00fcberhaupt erst aus. Ab 2009 k\u00fchlte sich die Wirtschaftslage mit der Finanz- und Wirtschaftskrise ab, worunter vor allem die Exportwirtschaft stark litt. In diesem Kontext wirkte die anhaltend hohe Zuwanderung \u00fcber den Konsum als wichtige Konjunkturst\u00fctze und wurde so selbst zu einem wesentlichen Faktor der Schweizer Wirtschaftsentwicklung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas reale Bruttoinlandprodukt (BIP) wuchs in der Schweiz in den Jahren 2002\u20132015 um starke 1,8 Prozent pro Jahr. Im selben Zeitraum legte das BIP in Deutschland nur gerade um 1,1 Prozent und in den EU-15-Staaten um 1,0 Prozent zu. Auch das BIP pro Kopf wuchs in der Schweiz mit durchschnittlich 0,8 Prozent pro Jahr solide und st\u00e4rker als im EU-Durchschnitt mit 0,6 Prozent. Jedoch fiel es niedriger aus als etwa in Deutschland, wo es 1,1 Prozent betrug. Dieser Wachstumsr\u00fcckstand beim BIP pro Kopf gegen\u00fcber Deutschland entstand \u00fcber die Jahre 2009\u20132015: W\u00e4hrend die deutsche Wirtschaft im Zuge der Eurokrise durch die deutliche Abwertung des Euro an preislicher Wettbewerbsf\u00e4higkeit gewann, wurden die Unternehmen in der Schweiz durch eine starke Aufwertung des Schweizer Frankens gebremst. Die abgeschw\u00e4chte BIP-Entwicklung ab 2009 und ein anhaltend hohes Bev\u00f6lkerungswachstum von \u00fcber 1 Prozent resultierten in einem schwachen Wachstum des BIP pro Kopf, das nur leicht \u00fcber null lag.&#13;<\/p>\n<h2>Besch\u00e4ftigung in binnenorientierten Sektoren steigt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie unterschiedlichen makro\u00f6konomischen Bedingungen vor und nach der grossen Wirtschaftskrise wirkten sich deutlich auf die Struktur der Arbeitskr\u00e4ftenachfrage in der Schweiz aus. In den Jahren vor der Krise wiesen praktisch alle Wirtschaftszweige eine robuste, positive Besch\u00e4ftigungsentwicklung auf. Dies galt insbesondere auch f\u00fcr die produzierende Industrie, das Bau- und das Gastgewerbe sowie diverse privatwirtschaftliche Dienstleistungsbranchen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNach der Krise und mit der Frankenst\u00e4rke war das Besch\u00e4ftigungswachstum in der Schweiz st\u00e4rker auf binnenwirtschaftlich orientierte und staatsnahe Dienstleistungsbranchen wie das Gesundheits- und Sozialwesen oder das Bildungswesen konzentriert. Die Besch\u00e4ftigung in der Industrie, im Detailhandel oder im Gastgewerbe wurde hingegen stark gebremst oder entwickelte sich sogar negativ.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Durch diese Verschiebungen in der Nachfrage stellt sich die Frage, wie sich die Zuwanderung von Arbeitskr\u00e4ften \u00fcber die Zeit ver\u00e4ndert hat und inwieweit sie der ver\u00e4nderten Nachfrage gefolgt ist.&#13;<\/p>\n<h2>S\u00fcd- und Osteurop\u00e4er l\u00f6sen Nordeurop\u00e4er ab<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchaut man sich an, wie sich die Zuwanderung in die Schweiz zusammensetzt, fallen vor allem Verschiebungen bei den Herkunftsl\u00e4ndern innerhalb der EU auf. Die Jahre 2002\u20132008 waren noch von einer starken Zuwanderung aus Nord- und Westeuropa \u2013 vor allem aus Deutschland \u2013 gepr\u00e4gt. Nach der Wirtschaftskrise gewann vor allem die Zuwanderung aus S\u00fcd- und Osteuropa an Bedeutung. Diese Entwicklung erkennt man in der <em>Abbildung <\/em>in Form von unterschiedlichen Zuwanderungswellen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Wanderungssaldo der ausl\u00e4ndischen Wohnbev\u00f6lkerung aus EU-27\/Efta-Staaten in die Schweiz nach Staatsangeh\u00f6rigkeit, 1998\u20132015<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class=\"chart chart--normal\" id=\"bouchiba_weber_de\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#bouchiba_weber_de').highcharts({\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        subtitle: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: {\n            categories: ['1998','1999','2000','2001','2002','2003','2004','2005','2006','2007','2008','2009','2010','2011','2012','2013','2014','2015'],\n             title: {\n                text: ''\n            }\n        },\n        plotOptions: {\n            series: {\n                marker: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n        yAxis: {\n            title: {\n                text: 'Wanderungssaldo'\n            },\n            labels: {\n                format: '{value} ',\n                \n            },\n        },\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ''\n        },\n      \n        series: [{\n            name: 'Nord-&Westeuropa',\n            data: [3957,10586,14825,14648,20773,17685,17677,22176,26557,29363,42779,27003,24846,24864,15188,21453,17081,16873]\n        }, {\n            name: 'S\u00fcdeuropa',\n            data: [-16164,-11864,-7336,-5581,4688,9249,2155,1310,1889,1718,13831,13287,12786,20126,28561,35219,23068,20476]\n        }, {\n            name: 'Osteuropa',\n            data: [759,849,1229,1808,2250,1111,1345,1816,4336,3931,4638,5193,6148,9545,10767,11377,10488,10467]\n        }]\n    });\n});\n\n<\/script>\n<\/div>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: SEM, Zemis \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie wachsende Zuwanderung aus Osteuropa h\u00e4ngt damit zusammen, dass die Personenfreiz\u00fcgigkeit gegen\u00fcber diesen L\u00e4ndern ab 2006 schrittweise eingef\u00fchrt wurde. Die Verschiebungen zwischen Nordwesteuropa und S\u00fcdeuropa sind hingegen eher im Kontext der Eurokrise und den wirtschaftlich schwierigen Voraussetzungen in den Herkunftsl\u00e4ndern S\u00fcdeuropas zu verstehen: Deutschland konnte sich ab 2010 rasch von der Wirtschaftskrise erholen und wies \u00fcber die letzten Jahre eine stetig sinkende Erwerbslosenquote auf. Demgegen\u00fcber litten die Staaten S\u00fcdeuropas unter hoher und teilweise stark steigender Erwerbslosigkeit \u2013 besonders bei der jungen und migrationsbereiten Bev\u00f6lkerung. W\u00e4hrend also die Bedingungen zur Rekrutierung von ausl\u00e4ndischen Fachkr\u00e4ften in Deutschland tendenziell schwieriger wurden, d\u00fcrfte die Bereitschaft der S\u00fcdeurop\u00e4er gestiegen sein, einen Job im Ausland zu suchen oder ein entsprechendes Angebot anzunehmen.&#13;<\/p>\n<h2>Weiterhin hoch qualifizierte Zuwanderung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie \u00fcber die Zeit ver\u00e4nderte Zusammensetzung der Zuwanderung und deren Bedeutung f\u00fcr den Arbeitsmarkt lassen sich gut anhand der beiden Zuwanderungskohorten\u00a0 2006\u20132010 sowie 2011\u20132015 analysieren. Diese beiden Kohorten umfassen jeweils die Spitzenwerte der Zuwanderung aus Nord- und Westeuropa (2008) und jene aus S\u00fcd- und Osteuropa (2013).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den folgenden Analysen wurden anhand der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebungen (Sake) 2010 und 2015 jene Personen genauer betrachtet, die jeweils f\u00fcnf Jahre vor der Befragung aus einem EU- oder einem Efta-Staat in die Schweiz zugewandert sind. Wie die <em>Tabelle<\/em> zeigt, stammten in der Periode 2006\u20132010 von den zugewanderten EU\/Efta-Staatsangeh\u00f6rigen 71 Prozent aus Nord- und Westeuropa. Zwischen 2011 und 2015 machte diese Nationalit\u00e4tengruppe nur noch 50 Prozent aus. Umgekehrt gewannen Zuwanderer aus S\u00fcd- und Osteuropa an Gewicht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf das durchschnittliche formale Ausbildungsniveau hatte die Verschiebung nach Herkunftsregionen nur relativ geringf\u00fcgige Auswirkungen. So stieg der Anteil Personen ohne nachobligatorische Ausbildung von 14 auf 17 Prozent. Es wanderten also etwas mehr unqualifizierte Personen ein. Gleichzeitig stieg jedoch der Anteil terti\u00e4r Ausgebildeter um 2 Prozentpunkte leicht auf 54 Prozent an.&#13;<\/p>\n<h2>Unterschiede im Arbeitsmarkterfolg<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit Blick auf die Arbeitsmarktindikatoren f\u00fcr diese beiden Zuwanderungsgruppen ist das Bild gemischt. Zum einen erh\u00f6hte sich die Erwerbsquote von 86 auf 88 Prozent. Dies verdeutlicht, dass die Zuwanderung aus dem EU\/Efta-Raum bei der j\u00fcngeren Zuwanderungskohorte stark auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet war und blieb. Hingegen deuten eine erh\u00f6hte Erwerbslosenquote von 7,3 Prozent bei der j\u00fcngeren Zuwanderungskohorte gegen\u00fcber 6,4 Prozent bei der fr\u00fcheren auf eine tendenziell schlechtere \u00dcbereinstimmung mit der Arbeitskr\u00e4ftenachfrage bei den j\u00fcngst Zugewanderten hin.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Zusammensetzung und Arbeitsmarkterfolg zweier Zuwanderungskohorten aus EU\/Efta-Staaten, 2010 und 2015<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table style=\"height: 356px;\" width=\"558\">&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Zugewanderte 2006\u20132010<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Zugewanderte 2011\u20132015<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Differenz<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td><em>Herkunftsregion<\/em><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Nordwesteuropa<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>71%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>50%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>\u201321%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>S\u00fcdeuropa<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>24%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>41%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>+17%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Osteuropa<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>5%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>9%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>+4%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td><em>Ausbildungsniveau<\/em><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Terti\u00e4r<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>52%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>54%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>+2%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Sekundarstufe II<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>33%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>29%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>\u20135%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Sekundarstufe I<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>14%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>17%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>+3%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td><em>Indikatoren des Arbeitsmarkterfolgs<\/em><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Erwerbsquote (15- bis 64-J\u00e4hrige)<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>86%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>88%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>+2%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Erwerbslosenquote gem\u00e4ss ILO<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>6,4%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>7,3%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>+0,9%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td>Durchschnittslohn (in Franken pro Stunde)<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>42,6 Fr.<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>40,5 Fr.<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>\u20132,1 Fr.<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Eigene Berechnungen auf der Grundlage von BFS, SAKE 2010 und 2015 \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn die gleiche Richtung deutet der Umstand, dass der Stundenlohn bei der j\u00fcngeren gegen\u00fcber der fr\u00fcheren Zuwanderungskohorte rund 2 Franken tiefer liegt. Die Gruppe der zwischen 2006 und 2010 Zugewanderten verdiente mit 42.60 Franken pro Stunde im Schnitt rund 5 Prozent mehr als die bereits l\u00e4nger als f\u00fcnf Jahre in der Schweiz wohnhafte Bev\u00f6lkerung. Demgegen\u00fcber lag der Stundenlohn der 2011\u20132015 zugewanderten Erwerbst\u00e4tigen 4 Prozent unter dem Durchschnittslohn der bereits ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung. Das bedeutet, dass die j\u00fcngere Zuwanderung verst\u00e4rkt in Bereichen mit etwas tieferem Lohnniveau erfolgte.&#13;<\/p>\n<h2>H\u00f6here Erwerbsbeteiligung und Erwerbslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Erwerbsquote der Zuwandererkohorte 2006\u20132010 \u00fcbertraf jene der Ans\u00e4ssigen um 3 Prozentpunkte. Bei der j\u00fcngeren Zuwanderungskohorte waren es 4 Prozentpunkte. Beide Zuwanderungskohorten aus dem EU\/Efta-Raum waren somit sehr stark auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Erwerbslosenquoten gem\u00e4ss der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) waren bei beiden Kohorten allerdings deutlich h\u00f6her als bei der l\u00e4nger ans\u00e4ssigen Erwerbsbev\u00f6lkerung. W\u00e4hrend sie bei den fr\u00fcher Zugewanderten 6,4 und bei den j\u00fcngst Zugewanderten 7,3 Prozent ausmachte, betr\u00e4gt sie bei der ans\u00e4ssigen Erwerbsbev\u00f6lkerung nur rund 3,9 Prozent. Dazu tragen mehrere Faktoren bei: So kommen einige Personen im Familiennachzug (z. B. als Ehepartner) in die Schweiz. Sie finden m\u00f6glicherweise erst nach einer Phase der Erwerbslosigkeit eine Arbeitsstelle. Ein weiterer Grund ist unter dem Begriff \u00ablast-in, first-out\u00bb bekannt, welcher besagt, dass k\u00fcrzlich zugewanderte Personen wegen der relativ kurzen Betriebszugeh\u00f6rigkeit bei Personalabbau st\u00e4rker betroffen sind. Zudem erhalten nicht wenige Zugewanderte ihre erste Stelle in der Schweiz, beispielsweise weil sie \u00fcber einen privaten Personalverleiher rekrutiert werden oder weil sie befristete Stellen in Saisonbranchen antreten. Diese Personen sind einem deutlich erh\u00f6hten Erwerbslosenrisiko ausgesetzt. Denkbar ist auch, dass Zugewanderte nach einem Stellenverlust generell mehr M\u00fche haben, eine neue Stelle zu finden, weil sie in der Schweiz ein kleineres berufliches und pers\u00f6nliches Netzwerk haben als l\u00e4nger anwesende Erwerbspersonen. Der leichte Anstieg der Erwerbslosenquote bei der j\u00fcngeren Zuwanderungskohorte deutet auf eine tendenziell schlechtere \u00dcbereinstimmung der j\u00fcngeren Zuwanderung mit der Arbeitskr\u00e4ftenachfrage hin.&#13;<\/p>\n<h2>Zuwanderung nimmt leicht ab<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Jahr 2015 stand in der Schweiz gleich zu Jahresbeginn wirtschaftlich im Zeichen einer erneuten, starken Aufwertung des Schweizer Frankens. Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich, und auch der Wanderungssaldo reagierte mit einer gewissen Verz\u00f6gerung darauf. Im Jahr 2015 fiel der Wanderungssaldo von EU\/Efta-Staatsangeh\u00f6rigen gegen\u00fcber dem Vorjahr mit rund 3000 Personen um 5 Prozent tiefer aus. Die Tendenz zu einer schw\u00e4cheren Zuwanderung zeichnete sich Anfang 2016 noch etwas st\u00e4rker ab. In den ersten f\u00fcnf Monaten 2016 lag der Wanderungssaldo der st\u00e4ndigen Wohnbev\u00f6lkerung aus EU\/Efta-Staaten mit 4600 Personen rund 23 Prozent tiefer als noch ein Jahr zuvor.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAus Sicht des Arbeitsmarktes war dieser R\u00fcckgang eine willkommene Reaktion auf die schw\u00e4chere Arbeitskr\u00e4ftenachfrage, welche sich seit Anfang 2015 in einem Anstieg der Erwerbslosenquote niedergeschlagen hatte. Angesichts der f\u00fcr 2016 ged\u00e4mpften konjunkturellen Aussichten kommt der weiteren Entwicklung der Zuwanderung aus arbeitsmarktlicher Sicht eine hohe Bedeutung zu. Auch im Lichte der Verschiebungen in der Zusammensetzung der Zuwanderung \u00fcber die letzten zehn Jahre gilt es die weitere Entwicklung besonders aufmerksam zu verfolgen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe dazu auch den Artikel von Ursina Jud Huwiler und Thomas Ragni (beide Seco), der am 26. Juli 2016 in der Ausgabe 8\/9 erscheint.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Dieser Artikel st\u00fctzt sich mehrheitlich auf den 12. Bericht des Observatoriums zum Freiz\u00fcgigkeitsabkommen Schweiz-EU von Seco, SEM, BFS und BSV (2016). Den vollst\u00e4ndigen Bericht findet man auf <a href='https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Arbeit\/Personenfreizugigkeit_Arbeitsbeziehungen\/Observatorium_Freizuegigkeitsabkommen.html' target=\"_blank\">Seco.admin.ch<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen (FZA) zwischen der Schweiz und der EU trat 2002 in Kraft. Seither durchliefen die Schweiz und Europa wirtschaftlich sehr unterschiedliche und zum Teil turbulente Phasen. Nach einer vor\u00fcbergehenden Konjunkturflaute waren die ersten sechs Jahre des FZA von einem weltweit kr\u00e4ftigen Aufschwung gepr\u00e4gt. Doch die grosse Finanz- und Wirtschaftskrise beendete diese Boomphase Anfang 2009 [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4441,"featured_media":28718,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[76],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":4441,"seco_co_author":[2704,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Ressort Personenfreiz\u00fcgigkeit und Arbeitsbeziehungen, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Collaboratrice scientifique, secteur Libre circulation des personnes et relations du travail, Secr\u00e9tariat d\u2019\u00c9tat \u00e0 l\u2019\u00e9conomie (Seco), Berne","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":2704,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Stv. Ressortleiter Arbeitsmarktanalyse und Sozialpolitik, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), Bern","seco_co_author_post_occupation_fr":"Chef suppl\u00e9ant du secteur Analyse du march\u00e9 du travail et politique sociale, Secr\u00e9tariat d\u2019\u00c9tat \u00e0 l\u2019\u00e9conomie (Seco), Berne"}],"short_title":"Die Wirtschaftslage lenkt die Zuwanderung","post_lead":"Die Zusammensetzung der Zuwanderung aus dem EU\/Efta-Raum in die Schweiz hat sich seit der Wirtschaftskrise 2009 ver\u00e4ndert. Dies zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt.","post_hero_image_description":"Die Arbeit in der Schweiz ist f\u00fcr S\u00fcdeurop\u00e4er attraktiv. Portugiesische Arbeiter im Seeland.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":112423,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":112427,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"58558","post_abstract":"Seit 2002 ist das Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU in Kraft. Die Zuwanderung von EU\/Efta-Staatsangeh\u00f6rigen in die Schweiz gewann seither an Bedeutung und ver\u00e4nderte sich in ihrer Zusammensetzung. In der Aufschwungsphase vor der Finanz- und Wirtschaftskrise erfolgte die Zuwanderung in enger \u00dcbereinstimmung mit der Nachfrage der Unternehmen in der Schweiz. Auch die Zuwanderung nach 2009, welche sich vor der Kulisse einer europaweit schwierigen makro\u00f6konomischen Lage abspielte, war stark auf den Arbeitsmarkt gerichtet. Allerdings gibt es heute gewisse Anzeichen, dass die j\u00fcngste Zuwanderung etwas weniger g\u00fcnstige Eigenschaften aufwies: Im Vergleich zu den Zuwanderern der Jahre 2006 bis 2010 sind die L\u00f6hne der zwischen 2010 und 2015 zugewanderten Personen im Schnitt niedriger und die Erwerbslosenquote leicht h\u00f6her. Dies deutet darauf hin, dass das Arbeitskr\u00e4fteangebot weniger gut mit der Nachfrage \u00fcbereinstimmt. Im Zuge der j\u00fcngsten Aufwertung des Schweizer Frankens im Jahre 2015 hat sich die Zuwanderung in die Schweiz leicht abgeschw\u00e4cht, sie blieb aber im l\u00e4ngerfristigen Vergleich weiterhin hoch.","magazine_issue":"20160908","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[3988,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20160725","original_files":[{"file":112435},{"file":112439}],"external_release_for_author":"20160710","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/576cd15c5178b"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112420"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4441"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=112420"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126574,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112420\/revisions\/126574"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2704"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4441"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28718"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=112420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=112420"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=112420"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=112420"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=112420"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=112420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}