{"id":112441,"date":"2016-07-25T15:22:54","date_gmt":"2016-07-25T15:22:54","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/07\/08-09-finger-franz\/"},"modified":"2023-08-23T23:08:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:08:44","slug":"finger-08-09-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/07\/finger-08-09-2016\/","title":{"rendered":"Liberalisierungswelle l\u00f6st Forschungsschub aus"},"content":{"rendered":"<p>Die meisten Netzwerkindustrien \u2013 Telekom, Post, Luftfahrt, Eisenbahn, Elektrizit\u00e4t, Gas und Wasser \u2013 wurden ab den Achtzigerjahren im Kontext der Globalisierung weltweit liberalisiert. Insbesondere in der EU wurde diese Deregulierung ab 1990 schrittweise und systematisch in allen Infrastruktursektoren verfolgt. Die Ausnahme bietet das Wasserwesen, das lokal organisiert ist. In Industriestaaten wie Grossbritannien, Neuseeland sowie in vielen Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern kam es zus\u00e4tzlich zu Privatisierungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBeides \u2013 die Liberalisierung und die Privatisierung von Infrastrukturen \u2013 f\u00fchrte zu grossem Regulierungsbedarf, da es sich rasch herausstellte, dass Infrastrukturm\u00e4rkte nur dank Regulierung funktionieren. Denn Infrastrukturen oder Netzwerkindustrien sind teilweise monopolbehaftet, und die entsprechenden M\u00e4rkte sind beispielsweise wegen Externalit\u00e4ten, Netzeffekten, Service-public-Auflagen, Subventionen und weiter bestehendem Staatseigentum immer imperfekt. Ab den Neunzigerjahren hat diese Entwicklung einen grossen Forschungsschub ausgel\u00f6st.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ursprung in den USA<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchon vor dieser \u00abLiberalisierungs- und Privatisierungswelle\u00bb gab es in den USA eine gewisse Erfahrung mit der Regulierung von Infrastrukturen. Allerdings war diese damals stark lokal gepr\u00e4gt, da sie sich auf sogenannte Utilities Regulators der US-Bundesstaaten konzentrierte. Diese staatlichen Kommissionen fokussieren auf den Konsumenten, den sie vor (lokalen) Monopolen im Wasserwesen, im \u00f6ffentlichen Verkehr, beim Kabelfernsehen sowie beim Gas und bei der Elektrizit\u00e4t sch\u00fctzen wollen. Aus dieser Praxis heraus hat sich schrittweise die sogenannte Regulierungs\u00f6konomie herausgebildet. Regulierung ist in diesem Sinne in erster Linie als \u00abMarkt-Ersatz\u00bb zu verstehen. Mit anderen Worten: Wie k\u00f6nnen dank Regulierung, (lokale) Monopole zu effizientem markt\u00e4hnlichem Verhalten angehalten werden?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Regulierung von nationalen \u2013 im Fall von Europa auch internationalen \u2013 Infrastrukturnetzen stellte die g\u00e4ngige, rein \u00f6konomische Regulierungstheorie ab den Neunzigerjahren vor weitere Herausforderungen. Aufbauend auf der erw\u00e4hnten Regulierungs\u00f6konomie, hat sich seither eine umfassendere und interdisziplin\u00e4rere Theorie namens Regulatory Governance entwickelt, die nun ebenfalls technische und politische Dimensionen einschliesst. Auf technischer Ebene sind dies etwa der Netzzugang, die Interoperabilit\u00e4t, technologisch bedingte Engp\u00e4sse sowie Systemfunktionen. Die Politik ist zum Beispiel bei der Regulierung von Leistungsvereinbarungen, von Konzessionen und von Public-Private-Partnerships besonders involviert.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Unternehmen und Regulatoren profitieren<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese neuere, eher europaorientierte Forschung baut weniger auf der neoklassischen als vielmehr auf der institutionellen \u00d6konomie auf. Statt sich auf das m\u00f6glichst effiziente Verhalten von Monopolisten zu beschr\u00e4nken, gilt das Augenmerk vermehrt den Konsequenzen der institutionellen Ausgestaltung der Regulierung auf das effiziente und sichere Funktionieren von gesamten (sogar europaweiten) Infrastruktursystemen. Dabei wird insbesondere das Zusammenspiel zwischen Regulatoren, Verwaltung und Gerichten analysiert. Methodologisch baut diese neuere Forschungsrichtung weniger auf der \u00d6konometrie als vielmehr auf der Simulation von Akteuren (Agent-based Modelling) auf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSowohl Regulierungs\u00f6konomie als auch Regulatory Governance sind letztendlich angewandte Wissenschaften, deren Ziel es ist, Unternehmen, Regulatoren und Gesetzgeber zu unterst\u00fctzen: Infrastrukturm\u00e4rkte und -systeme sollen effizient, das heisst so marktnah wie m\u00f6glich, aber auch sicher und im \u00f6ffentlichen Interesse, organisiert werden. Damit der volkswirtschaftliche Nutzen der Netzwerkindustrien optimal ist, m\u00fcssen die Institutionen und damit die Regeln, unter welchen die verschiedenen Netzwerkindustrien operieren, entsprechend angepasst werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten Netzwerkindustrien \u2013 Telekom, Post, Luftfahrt, Eisenbahn, Elektrizit\u00e4t, Gas und Wasser \u2013 wurden ab den Achtzigerjahren im Kontext der Globalisierung weltweit liberalisiert. Insbesondere in der EU wurde diese Deregulierung ab 1990 schrittweise und systematisch in allen Infrastruktursektoren verfolgt. Die Ausnahme bietet das Wasserwesen, das lokal organisiert ist. 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