{"id":112509,"date":"2016-07-25T15:19:51","date_gmt":"2016-07-25T15:19:51","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/07\/une-place-industrielle-forte\/"},"modified":"2024-04-05T15:04:51","modified_gmt":"2024-04-05T13:04:51","slug":"starker-werkplatz-noetiger-denn-je","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/07\/starker-werkplatz-noetiger-denn-je\/","title":{"rendered":"Starker Werkplatz \u2013 n\u00f6tiger denn je"},"content":{"rendered":"<p>Zur Sicherung des Wohlstandes ist ein kleines Land wie die Schweiz auf einen Zugang zum Weltmarkt angewiesen. Die Qualit\u00e4tsprodukte m\u00fcssen in die ganze Welt verkauft werden, um die hohen Entwicklungskosten einzuspielen \u2013 der Heimmarkt ist daf\u00fcr zu klein.<\/p>\n<p>Unser Land hat von der Internationalisierung der Wirtschaft insgesamt profitiert. Das zeigt sich beispielhaft an den Handelsstatistiken mit China: 1 Kilo nach China exportierter Schweizer Ware bringt uns 45 Franken ein; f\u00fcr 1 Kilo chinesischer Waren zahlen wir hingegen nur rund 15 Franken.<\/p>\n<p>Doch dieses Erfolgsmodell ist unter Druck. Die gewaltige Aufwertung des Frankens lastet schwer auf der Exportindustrie und auf dem Tourismus. Hinzu kommen internationale Anforderungen, die Steuergesetze den internationalen Standards anzupassen. Obwohl die Abschaffung des Bankgeheimnisses politisch zu begr\u00fcssen ist: Auf dem Finanzplatz f\u00fchrt das zu Milliardenausf\u00e4llen. Und last, but not least will die gr\u00f6sste b\u00fcrgerliche Partei, die SVP, die bilateralen Vertr\u00e4ge mit der EU preisgeben.<\/p>\n<p>Die n\u00fcchterne Analyse zeigt: Die Schweiz hat im Steuer- und Finanzbereich kaum Handlungsspielraum. Sie muss sich den internationalen Entwicklungen anpassen. Umso wichtiger ist es, dass der Werkplatz gest\u00e4rkt wird. Er wird einen gr\u00f6sseren Teil zum Wohlstand beitragen m\u00fcssen, um die Minderertr\u00e4ge im Finanzsektor zu kompensieren.<\/p>\n<h2>Maschinenindustrie verliert Marktanteile<\/h2>\n<p>Momentan geht die Entwicklung leider v\u00f6llig in die falsche Richtung. Die Schweiz ist fast das einzige Land in Europa, in dem die Erwerbslosigkeit steigt. Gleichzeitig sinkt das Bruttoinlandprodukt pro Kopf. Wirtschaftspolitisch heimt\u00fcckisch ist, dass ein grosser Teil der Auswirkungen des \u00fcberbewerteten Frankens nicht sofort sichtbar sind.<\/p>\n<p>L\u00e4ngerfristig ist die \u00dcberbewertung verheerend. Denn einmal ausgelagerte Produktionsteile kommen kaum wieder zur\u00fcck. Und die Einsparungen der Unternehmen bei der Forschung und Entwicklung sowie bei den Investitionen schlagen sich oft erst nach Jahren in ernsthaften Ertragsproblemen nieder.<\/p>\n<p>Was bei einem fair bewerteten Franken m\u00f6glich w\u00e4re, zeigt das Beispiel der deutschen Maschinenindustrie, die heute ein F\u00fcnftel mehr Arbeitskr\u00e4fte besch\u00e4ftigt als 2008. Bei uns ist die Besch\u00e4ftigung in dieser Branche hingegen um mehr als 10 Prozent gesunken. Weltweit kommen noch rund 4 Prozent aller Werkzeugmaschinen aus der Schweiz. Im Jahr 2007 waren es noch 5 Prozent.<\/p>\n<h2>Nationalbank muss handeln<\/h2>\n<p>In dieser Situation gibt es keine Alternative zu einer aktiven Wechselkurspolitik. Der Franken muss auf ein tragbares Niveau gebracht werden. Die Nationalbank hat seit den sp\u00e4ten Siebzigerjahren auch in schwierigen Zeiten immer wieder daf\u00fcr gesorgt, dass die Wirtschaft von gr\u00f6sseren W\u00e4hrungsschocks verschont blieb. Mit einem klugen Mix aus zins- und w\u00e4hrungspolitischen Massnahmen und einer entsprechenden Kommunikation. Sie muss sich auf diese Tradition zur\u00fcckbesinnen.<\/p>\n<p>Wichtig ist weiter der Erhalt der bilateralen Vertr\u00e4ge. Diese m\u00fcssen aber den Arbeitnehmenden n\u00fctzen. In der Schweiz m\u00fcssen konsequent Schweizer L\u00f6hne bezahlt werden, wie das die flankierenden Massnahmen verlangen. Erg\u00e4nzend dazu braucht es einen besseren Schutz der \u00e4lteren Arbeitnehmenden sowie Massnahmen zur Verbesserung der beruflichen Chancen von Inl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>\u00d6konomisch v\u00f6llig kontraproduktiv sind Vorschl\u00e4ge, die L\u00f6hne zu k\u00fcrzen oder die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. So haben die Exportwirtschaft und der Tourismus schon heute M\u00fche, die ben\u00f6tigten Arbeitskr\u00e4fte zu finden. Wenn sich diese Branchen noch unattraktiver machen, werden ihre Probleme zunehmen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Sicherung des Wohlstandes ist ein kleines Land wie die Schweiz auf einen Zugang zum Weltmarkt angewiesen. Die Qualit\u00e4tsprodukte m\u00fcssen in die ganze Welt verkauft werden, um die hohen Entwicklungskosten einzuspielen \u2013 der Heimmarkt ist daf\u00fcr zu klein. Unser Land hat von der Internationalisierung der Wirtschaft insgesamt profitiert. 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