{"id":112518,"date":"2016-07-25T15:19:50","date_gmt":"2016-07-25T15:19:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/07\/la-branche-pharmaceutique-defie-le-franc-fort\/"},"modified":"2024-04-05T15:11:27","modified_gmt":"2024-04-05T13:11:27","slug":"die-pharmabranche-trotzt-dem-starken-franken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/07\/die-pharmabranche-trotzt-dem-starken-franken\/","title":{"rendered":"Die Pharmabranche trotzt dem starken Franken"},"content":{"rendered":"<p>Die Aufgabe des Euromindestkurses durch die Nationalbank im Januar 2015 war zweifellos ein einschneidendes Ereignis f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft. Binnen eines Tages erreichte der Franken zum ersten Mal in der Geschichte die Parit\u00e4t zum Euro, wodurch sich die Preise von Exportg\u00fctern und die relativen Kosten des Standorts auf einen Schlag um \u00fcber ein F\u00fcnftel erh\u00f6hten. Obwohl sich der Euro-Franken-Kurs mittlerweile wieder etwas erholt hat, waren die negativen Konsequenzen der \u00dcberbewertung \u2013 r\u00fcckl\u00e4ufige Exporte, gestiegene Standortkosten \u2013 im vergangenen Jahr nur zu klar erkennbar.<\/p>\n<p>Auch die Pharmaindustrie konnte sich dem nicht entziehen. So exportierte sie beispielsweise im Jahr 2015 wertm\u00e4ssig erst zum zweiten Mal seit 1988 weniger als im Vorjahr (\u20130,7 Prozent). Da sich die Gesamtexporte mit \u20132,6 Prozent st\u00e4rker reduzierten, stieg der Anteil der pharmazeutischen Exporte auf 34,6 Prozent. 1988 hatte dieser Anteil noch 9,5 Prozent betragen. Dass sich die Pharmabranche besser halten konnte als andere Industrien, liegt wohl auch daran, dass die Nachfrage nach lebenswichtigen Medikamenten deutlich weniger preissensitiv ist als etwa bei Produkten der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie und bei Tourismusangeboten.<\/p>\n<h2><strong>Bedeutung der Pharmabranche steigt<\/strong><\/h2>\n<p>Allerdings hat die Erh\u00f6hung der Standortkosten einen ohnehin schon teuren Standort noch teurer gemacht. Da jeder der 42\u2019000 Arbeitspl\u00e4tze in der Pharmabranche \u00fcber bei Zulieferbetrieben bezogene Vorleistungen und \u00fcber Konsumausgaben der Angestellten der Pharmaunternehmen rund 3,5 weitere Stellen in der \u00fcbrigen Wirtschaft schafft, ist dies auch f\u00fcr andere Branchen relevant. Weil die Pharmaindustrie innovativ und einem st\u00e4ndigen Strukturwandel unterworfen ist, leistet sie einen \u00fcberdurchschnittlichen Beitrag an die Wettbewerbsf\u00e4higkeit unseres Landes. Ihre Produktivit\u00e4t \u2013 eine Wertsch\u00f6pfung von 627\u2019000 Franken pro Arbeitsplatz \u2013 ist auch im internationalen Vergleich weit \u00fcberdurchschnittlich und macht sie relativ robust gegen externe Schocks wie den starken Franken.<\/p>\n<p>Der Erfolg der Pharmaindustrie, der sich in der steigenden Bedeutung f\u00fcr die Volkswirtschaft spiegelt, ist allerdings nicht selbstverst\u00e4ndlich. An der St\u00e4rkung des Standortes Schweiz muss weiter gearbeitet worden. Gerade in der Pharmabranche mit ihren langen Produktzyklen brauchen Investoren Stabilit\u00e4t und Rechtssicherheit.<\/p>\n<h2><strong>Beziehungen zur EU wichtig<\/strong><\/h2>\n<p>In naher Zukunft gilt es deshalb wesentliche Herausforderungen zu meistern. Weil \u00fcber die H\u00e4lfte der Pharmaexporte in die EU geht, ist die Sicherung der Beziehungen zur Europ\u00e4ischen Union zentral. Es braucht eine pragmatische und flexible Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, welche die bilateralen Vertr\u00e4ge nicht gef\u00e4hrdet. Ebenso wichtig ist die Unternehmenssteuerreform III, denn die Attraktivit\u00e4t des Standorts muss im internationalen Steuerwettbewerb erhalten bleiben. Ein Kernanliegen unserer Industrie ist dabei die Einf\u00fchrung einer Patentbox zur F\u00f6rderung von Forschung und Entwicklung im Inland.<\/p>\n<p>Der ber\u00fchmte \u00f6sterreichische \u00d6konom Joseph Schumpeter schrieb \u00fcber den Zustand einer W\u00e4hrung: \u00abNichts sagt so deutlich, aus welchem Holz ein Volk geschnitzt ist, wie das, was es w\u00e4hrungspolitisch tut.\u00bb So gesehen ist die relative St\u00e4rke des Frankens zumindest teilweise auch das Spiegelbild einer \u00fcber Jahrzehnte erfolgreich operierenden Volkswirtschaft. Geldpolitische Massnahmen k\u00f6nnen, wie der Euromindestkurs exemplarisch gezeigt hat, nur vor\u00fcbergehend Einfluss auf eine W\u00e4hrung nehmen. Umso wichtiger ist es daher, f\u00fcr die hier ans\u00e4ssigen Unternehmen attraktive und stabile Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Wirtschaft auch in Zukunft prosperiert.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufgabe des Euromindestkurses durch die Nationalbank im Januar 2015 war zweifellos ein einschneidendes Ereignis f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft. Binnen eines Tages erreichte der Franken zum ersten Mal in der Geschichte die Parit\u00e4t zum Euro, wodurch sich die Preise von Exportg\u00fctern und die relativen Kosten des Standorts auf einen Schlag um \u00fcber ein F\u00fcnftel erh\u00f6hten. 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