{"id":112544,"date":"2016-07-25T15:19:50","date_gmt":"2016-07-25T15:19:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/07\/zuellig-08-09-2016-franz\/"},"modified":"2024-04-05T15:12:18","modified_gmt":"2024-04-05T13:12:18","slug":"zuellig-08-09-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/07\/zuellig-08-09-2016\/","title":{"rendered":"Hotelbranche gibt nach, bricht aber nicht ein"},"content":{"rendered":"<p>Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses traf die Hotellerie wie ein Blitzschlag aus einem bereits d\u00fcsteren Himmel. Der Logiern\u00e4chter\u00fcckgang bei den europ\u00e4ischen G\u00e4sten von 9,3\u00a0Prozent im letzten Jahr verdeutlicht dies: Die \u00dcbernachtungen dieser Gruppe lagen 2015 auf dem gleichen Stand wie 1958!<\/p>\n<p>W\u00e4hrend rund 70 Prozent der Betriebe zufriedenstellende Ergebnisse ausweisen oder \u00fcber die Runden kommen, k\u00e4mpft rund ein Drittel aller Betriebe ums \u00dcberleben: Sie k\u00f6nnen die f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit zwingend notwendigen Renovationen und Investitionen nicht mehr t\u00e4tigen. Allerdings ist diese Entwicklung nicht erst seit der Aufhebung des fixen Wechselkurses von 1.20 Franken zum Euro feststellbar. Der Trendbruch setzte bereits 2008 mit der zunehmenden Erstarkung des Frankens ein.<\/p>\n<p>Der im Januar\u00a02015 von der Nationalbank gef\u00e4llte Entscheid hatte zudem eine starke psychologische Wirkung auf die europ\u00e4ischen sowie die einheimischen G\u00e4ste: Die Schweiz ist teurer, das nahe Ausland ist g\u00fcnstiger geworden.<\/p>\n<h2><strong>Weniger, daf\u00fcr gr\u00f6ssere Betriebe<\/strong><\/h2>\n<p>Dank der Optimierung von Verkaufsanstrengungen sowie dank Investitionen in die Qualit\u00e4t von Produkten und Servicedienstleistungen konnte das Gastgewerbe seine Produktivit\u00e4t seit 2009 laufend verbessern. Der st\u00e4rkere Wettbewerb zwingt die Unternehmen dazu, sich klar zu positionieren, zu spezialisieren und vermehrt mit anderen Branchenakteuren zu kooperieren.<\/p>\n<p>Die Zahl der Hotelbetriebe nimmt seit der Einf\u00fchrung der flexiblen Wechselkurse j\u00e4hrlich um rund 1\u00a0Prozent ab. 2015 z\u00e4hlte die Branche noch rund 5000 Betriebe. Gleichzeitig blieb die Anzahl angebotener Betten stabil, was auf eine Entwicklung hin zu gr\u00f6sseren Betrieben hindeutet. Am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt ist dieser Trend in den St\u00e4dten.<\/p>\n<p>Gerade in den alpinen Regionen vollzieht sich dieser Strukturwandel trotzdem nur langsam: Ein Hauptgrund daf\u00fcr ist die Tatsache, dass die geschw\u00e4chte Hotellerie dort kleinstrukturiert und eigent\u00fcmergef\u00fchrt ist. Eine fehlende Nachfolgeregelung sowie die nicht vorhandenen Mittel f\u00fcr Investitionen f\u00fchren dazu, dass diese Betriebe keine andere M\u00f6glichkeit sehen als deren Weiterf\u00fchrung. Meistens enden diese Bem\u00fchungen in einem Konkurs.<\/p>\n<p>Wer einen solchen Betrieb aufkauft, sollte daher zwingend \u00fcber gen\u00fcgend Geld sowie \u00fcber ein marktf\u00e4higes Konzept verf\u00fcgen. Leider werden diese Grundregeln in den wenigsten F\u00e4llen eingehalten \u2013 was in den meisten F\u00e4llen unweigerlich zum n\u00e4chsten Konkurs f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Neben der starken W\u00e4hrung sind weitere Faktoren f\u00fcr diese Entwicklung im Tourismus verantwortlich. So f\u00fchrt der Klimawandel zu k\u00fcrzeren und schnee\u00e4rmeren Wintern sowie das Reiseverhalten der G\u00e4ste aus neuen M\u00e4rkten wie China und Indien dazu, dass vermehrt Gruppenreisen mit geringen Margen f\u00fcr die Hoteliers unternommen werden. Zudem werden Kurzaufenthalte und St\u00e4dtetrips immer beliebter.<\/p>\n<p>Trotzdem: Der ungebrochene Trend hin zur Freizeitgesellschaft, die Einmaligkeit unserer Landschaft auf kleinstem Raum sowie die kulturelle Vielfalt machen die Schweiz zu einem idealen Ferienland. Diese Pluspunkte in Verbindung mit dem Unternehmergeist, der Innovationskraft sowie der Bildungsqualit\u00e4t in der Schweiz versprechen der Hotellerie und ihren G\u00e4sten durchaus positive Aussichten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses traf die Hotellerie wie ein Blitzschlag aus einem bereits d\u00fcsteren Himmel. Der Logiern\u00e4chter\u00fcckgang bei den europ\u00e4ischen G\u00e4sten von 9,3\u00a0Prozent im letzten Jahr verdeutlicht dies: Die \u00dcbernachtungen dieser Gruppe lagen 2015 auf dem gleichen Stand wie 1958! 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