{"id":112574,"date":"2016-07-25T15:19:49","date_gmt":"2016-07-25T15:19:49","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2016\/07\/buchli-08-09-2016-franz\/"},"modified":"2025-06-16T10:15:18","modified_gmt":"2025-06-16T08:15:18","slug":"buchli-08-09-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2016\/07\/buchli-08-09-2016\/","title":{"rendered":"Die Zeit ist reif f\u00fcr nachhaltige Anlagen"},"content":{"rendered":"<p>Das Interesse an nachhaltigen Anlagen ist da. Es m\u00fcsse nur abgeholt werden, findet die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Swiss Sustainable Finance (SSF), Sabine D\u00f6beli. Sie ist \u00fcberzeugt, dass nachhaltige Finanzen f\u00fcr die Schweiz als einen der weltweit wichtigsten Finanzpl\u00e4tze matchentscheidend sind. Bei SSF steht D\u00f6beli einer Organisation von \u00fcber 90 Vertretern der Finanzbranche vor. Zudem ist sie Mitautorin des Mitte Juni 2016 erschienenen Berichts, der Massnahmen f\u00fcr mehr Nachhaltigkeit im Schweizer Finanzmarkt unterbreitet. \u00abVorschl\u00e4ge f\u00fcr einen Fahrplan zu einem nachhaltigen Finanzsystem in der Schweiz\u00bb<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> ist das Ergebnis eines breiten und fruchtbaren Dialogs. Unter Leitung des Bundesamts f\u00fcr Umwelt (Bafu) wurde er von \u00fcber 30 Spezialisten aus Privatwirtschaft, Bundes\u00e4mtern, Universit\u00e4ten und Nichtregierungsorganisationen ausgearbeitet.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Der Bericht \u00e4ussert die \u00dcberzeugung, dass nachhaltige Anlagen als saubere Wachstumstreiber des Finanzmarkts wirken k\u00f6nnen. Noch ist deren prozentualer Anteil gering, doch nachhaltige Anlagen sind ein klarer Wachstumsmarkt. Gem\u00e4ss dem Marktbericht \u00abNachhaltige Geldanlagen 2016\u00bb wurde Ende 2015 ein Plus von 169 Prozent gegen\u00fcber 2014 ausgewiesen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/p>\n<h2>Nachfrage von Kunden besteht<\/h2>\n<p>Nun soll das Thema im Mainstream ankommen. Daf\u00fcr will man die Verwendung der sogenannten ESG-Kriterien f\u00f6rdern. ESG steht f\u00fcr \u00abEnvironment, Social, Governance\u00bb, also daf\u00fcr, dass Umwelt- und Sozialfragen sowie Fragen der Unternehmensf\u00fchrung von Unternehmern und Analysten ber\u00fccksichtigt werden. Die Autoren formulierten 20 konkrete Vorschl\u00e4ge, wie Finanzmarktvertreter die ESG-Kriterien in ihre Prozesse integrieren k\u00f6nnen. Die Massnahmen beziehen sich auf die Bereiche des Finanzgesch\u00e4ftes mit dem gr\u00f6ssten Hebel f\u00fcr die Nachhaltigkeit: das Asset- und das Wealth-Management, die institutionellen Anleger, das Kreditgescha\u0308ft, den Kapitalmarkt sowie Forschung und Bildung.<\/p>\n<p>Insbesondere im Privatkundengesch\u00e4ft erhoffen sich die Experten einen Mehrwert f\u00fcr die Schweiz. Es ist f\u00fcr die Schweiz, als Zentrum des globalen Privatkundengesch\u00e4fts, eine Chance, das Thema st\u00e4rker in diese Dienstleistungen zu integrieren. Der Bericht verweist auf Umfragen, die zeigen, dass Privatkunden beides wollen: Geld verdienen und etwas Positives bewirken. Berater bewegen sich also noch st\u00e4rker auf die Kunden zu, wenn sie hier Produkte anbieten. Potenzial sehen die Experten auch beim Asset-Management. Wenn die Schweiz hier noch wettbewerbsf\u00e4higer werden wolle, sollte sie das Wissen um nachhaltige Anlagen besser ins Standard-Asset-Management einbauen. Global gesehen legten immer mehr institutionelle Kunden wie Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen Wert auf die Integration von ESG-Kriterien.<\/p>\n<h2>Nachhaltigkeit systematisch ausweisen<\/h2>\n<p>Unter den Experten herrscht Einigkeit dar\u00fcber, dass ein Mangel an Sensibilisierung, Commitment und Know-how der Finanzmarktakteure sowie ungen\u00fcgende Transparenz die gr\u00f6ssten H\u00fcrden f\u00fcr nachhaltige Anlagen sind. Die formulierten Massnahmen setzen deshalb haupts\u00e4chlich bei der Transparenz an, sie unterst\u00fctzen Kundenberater, das Thema zu positionieren, und sie fordern einen Fokus bei Forschung und Bildung. Zentrale Punkte des Berichts sind: Kundenberater besser intern zu schulen und ihnen bereits in der Ausbildung an der Universit\u00e4t oder der Fachschule Grundwissen \u00fcber nachhaltige Anlagen zu vermitteln.<\/p>\n<p>Die vorgeschlagenen Massnahmen gehen aber auch detailliert auf die Prozesse in der Finanzbranche ein. So zielen sie bei den Finanzinstituten wie z. B. Banken etwa darauf ab, das Thema zum Standardelement der Beratungsgespr\u00e4che zu machen. Die ESG-Kriterien sollen durch die Portfoliomanager auch automatisch in den Selektionsprozess der Anlageprodukte integriert werden. Die Anbieter werden dazu eingeladen, f\u00fcr alle ihre Finanzprodukte auszuweisen, wie stark sie die ESG-Kriterien integrieren. Beim Kreditgesch\u00e4ft sollten ESG-Faktoren auch systematisch bewertet und in das Risikomanagement der Banken, aber auch in das Kreditrating von Banken und Ratingagenturen integriert werden.<\/p>\n<p>Der Gedanke hinter diesen Vorschl\u00e4gen ist schl\u00fcssig: Je standardisierter ESG-Kriterien Erw\u00e4hnung finden, desto eher etablieren sie sich als feste Gr\u00f6sse. Doch dazu bedarf es guter Grundlagen. Im Bericht wird deshalb gefordert, handfeste Instrumente neu zu entwickeln oder weiterzutreiben: Dabei handelt es sich etwa um die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in den Leistungskennzahlen und in den Key Performance Indicators sowie um die Optimierung von Risiko-Rendite-Profilen.<\/p>\n<h2>Globale Dynamik gibt R\u00fcckenwind<\/h2>\n<p>Wie konkret das Thema hier behandelt wird, mag manche verwundern, wurde es doch lange Zeit haupts\u00e4chlich in Expertenrunden diskutiert. Doch eine globale Dynamik gibt den Akteuren gute Gr\u00fcnde, das Thema jetzt zu forcieren. 2015 wurden mit den sogenannten Sustainable Development Goals internationale Ziele f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung und ein f\u00fcr alle Staaten rechtlich bindendes Klimaabkommen in Paris verabschiedet. Die beschlossenen Milliardensummen zur Finanzierung dieser Programme liegen noch nicht auf dem Tisch. Allein um die Ziele f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen, d\u00fcrften in den kommenden 15 Jahren Investitionen von 5 bis 7\u00a0Billionen Dollar j\u00e4hrlich notwendig sein. Damit dies m\u00f6glich ist, m\u00fcssen jetzt neue Finanzierungsformen vorangetrieben werden.<\/p>\n<p>Aktuell werden Fragen der nachhaltigen Entwicklung auf Finanzm\u00e4rkten auf vielen unterschiedlichen Ebenen diskutiert. Beispielsweise hat die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenl\u00e4nder (G-20) eine Studiengruppe zu Green Finance geschaffen und damit das Thema erstmals auf die Agenda des G-20-Gipfels im September 2016 gebracht.<\/p>\n<h2>Die Schweiz kann etwas bewegen<\/h2>\n<p>Basierend auf der Untersuchung<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> des UNO-Umweltprogramms namens UNEP, haben die Schweizer Experten die Praxis ins Visier genommen. Die Empfehlungen appellieren an die Eigenverantwortung der Marktteilnehmer. Es ist der Fokus auf marktwirtschaftliche L\u00f6sungen, der die Schweiz auch bei diesem Thema von anderen L\u00e4ndern unterscheidet. Frankreich oder China haben das Thema j\u00fcngst stark von staatlicher Seite vorangetrieben. Doch f\u00fcr die Autoren passt dieses Vorgehen besser zur Schweiz, die einen anderen Stil hat als viele L\u00e4nder, die \u00c4nderungen st\u00e4rker durch Gesetze verordnen. Der Bundesrat hat im Februar seine Grunds\u00e4tze f\u00fcr eine national und international konsistente Politik in diesen Fragen beschlossen. Zentral dabei ist: Der Bund sieht seine Rolle in diesem Bereich in erster Linie als die eines Vermittlers. Marktwirtschaftliche L\u00f6sungen haben Vorrang.<\/p>\n<p>Diese Vorgehensweise d\u00fcrfte nirgendwo so erfolgversprechend sein wie in der Schweiz. Hiesige Finanzakteure haben im Bereich nachhaltiger Anlagen einen grossen Schatz an Wissen und Erfahrung. Aus der Schweiz stammt seit 1999 die erste globale und nachhaltige Indexfamilie: die Dow Jones Sustainability Indices. Der erste \u00d6koeffizienz-Fonds \u00abOekosar\u00bb, der 1994\u00a0 von der Basler Privatbank Sarasin lanciert wurde, leitete einen Perspektivenwechsel ein: weg von einer thematischen, hin zu einer sektoren\u00fcbergreifenden B\u00fcndelung. Das Schweizer Unternehmen Reprisk hat sich mit der ESG Risk Platform im globalen Markt zur Gr\u00f6sse entwickelt. Reprisk stellt Finanzakteuren ESG-Risikoprofile von \u00fcber 65\u2019000 Unternehmen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Wird dieser Fahrplan weiterverfolgt, hat das Thema nachhaltige Finanzen grosses Potenzial, die Schweizer Reputation zu st\u00e4rken \u2013 ein wichtiger Aspekt im Rahmen der Positionierung als Hort der Stabilit\u00e4t. Gleichzeitig liegt darin eine globale Chance. Der ehemalige Direktor des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) und heutige SSF-Pr\u00e4sident Jean-Daniel Gerber dr\u00fcckt es so aus: \u00abDie Schweiz ist ein weltweites Zentrum f\u00fcr Verm\u00f6gensverwaltung und kann als solches zur Steigerung der Nachhaltigkeit von Finanzsystemen auf der ganzen Welt beitragen.\u00bb<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Den vollst\u00e4ndigen Bericht findet man auf <a href='http:\/\/www.bafu.admin.ch\/publikationen\/publikation\/01857\/index.html?lang=en' target=\"_blank\">Bafu.admin.ch<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">UBS, CS, Swiss Re, Robeco SAM, Zurich Insurance Group, Globalance Bank und andere aus der Privatwirtschaft. Der WWF war als Nichtregierungsorganisation vertreten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Neben neu erfassten Kategorien verzeichnen allein die bestehenden ein Wachstum von fast 100 Prozent. Siehe FNG, Swiss Sustainable Finance (2016). Swiss Sustainable Investment Market Report. Download unter <a href='http:\/\/www.sustainablefinance.ch\/' target=\"_blank\">Sustainablefinance.ch<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">\u00abUNEP Inquiry into the Design of a Sustainable Financial System\u00bb&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Interesse an nachhaltigen Anlagen ist da. Es m\u00fcsse nur abgeholt werden, findet die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Swiss Sustainable Finance (SSF), Sabine D\u00f6beli. Sie ist \u00fcberzeugt, dass nachhaltige Finanzen f\u00fcr die Schweiz als einen der weltweit wichtigsten Finanzpl\u00e4tze matchentscheidend sind. Bei SSF steht D\u00f6beli einer Organisation von \u00fcber 90 Vertretern der Finanzbranche vor. 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B. um in Beratungsgespr\u00e4chen kompetent auf die Anliegen von Kunden reagieren zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig soll die systematische Einf\u00fchrung von Nachhaltigkeitskriterien die Transparenz von Anlagen verbessern und so die Nachhaltigkeit im Mainstreamgesch\u00e4ft etablieren. Als weltweites Zentrum f\u00fcr Verm\u00f6gensverwaltung erzeugt die Schweiz mit ihrem\u00a0Vorgehen bei diesem Thema eine Hebelwirkung.","magazine_issue":"20160908","seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[3988],"korrektor":"","planned_publication_date":"2016-07-25 13:19:49","original_files":[{"file":112589}],"external_release_for_author":"20160707","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/576cc9bb8e695"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112574"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4439"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=112574"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112574\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":211359,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112574\/revisions\/211359"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4439"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/211257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=112574"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=112574"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=112574"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=112574"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=112574"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=112574"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}